Der nicht zu schließende Reißverschluss

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Natürlich nehmen wir unseren Sport nicht ernst. Denn wenn man ihn ernst nähme, dann müsste man sich auch dafür interessieren. Also, haha, lassen wir es lieber sein, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Umso besser, wir wissen ja, die meisten Millionen, die zuschauen, verstehen nicht mal, dass es ernst ist. Es ist nur eine reine Unterhaltung, aber nichts, worüber wir etwas erfahren wollen würden. Und deshalb lachen wir auch an jedem Samstag Abend. Lachen uns ein wenig kaputt über uns selbst, wie dumm wir waren, unseren Sport ernst zu nehmen. Haha.

Darf einem doch keiner übel nehmen, dass man es nicht ernst nimmt, oder?

„Herr Welke, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

Über die Länderspiel-Übertragungen der letzten Tage. In der ARD gab es einen durch vorzeitige Qualifikation völlig sinnlos gewordenen und entsprechend lustlosen Kick gegen Finnland. Verschwendete Lebenszeit für alle Beteiligten. Weit ärgerlicher aber, was beim wichtigen Russland-Spiel im ZDF passiert war: Deutschland löst das WM-Ticket, und nach dem Spiel gibt es kein einziges Interview! Fußballer zu fragen, wie sie sich nach einem Spiel „fühlen“, gehört aber natürlich zum Grundversorgungsauftrag. Stattdessen wurden Nachrichten gezeigt. Eine gefühllose Entscheidung.

Yeah, und genau deshalb haben wir auch keinen Bock mehr, zuzuschauen, wenn wir uns in unserem eigenen Tauberzüchterverein noch von einem verhohnepiepeln lassen müssen, der Taubenzüchtervereine an sich schon grundbanal und dann auch noch verachtenswert findet. C‘mon, warum sollte ich euch ernst nehmen, ihr versteht doch selbst nicht, worum es geht.

Aber natürlich sitzt derjenige dann in derselben Ordnung wie diejenigen, die den Sport, den sie, hoffen wir zumindest, selbst wenigstens ernst nehmen. Und verarscht uns auch noch, während wir zugucken und hoffen, etwas übers Spiel zu erfahren.

Dieser vermaledeite nicht zu schließende Reißverschluss in deutschen Fußball-Medien-Landen zwischen dem, was Leute, die sich für witzig halten, aus dem Fußball machen, während sie das tun, was sie selbst für witzig halten, was wiederum nichts mit Fußball zu tun hat: Er ist unerträglich, dieser nicht geschlossene Reißverschluss und bis heute hat uns noch keiner die Frage beantwortet, Herr Comedian, was zum Teufel ihn dazu getrieben hat, unbedingt einen auf Sportjournalist zu machen, wenn er doch viel lieber „Comedian-Darsteller-Versucher“ wäre. Diese Vermischung zweier eigentlich nicht miteinander zu verquickender Elemente des Lebens geht nicht auf uns zurück.

Wenn es denn wenigstens lustig wäre.

3 Kommentare

  1. Herr Welkes Haussender zeigt dafür in der Halbzeit 15 Minuten sinnlose Werbung und witzlose Clips. Der Kommentator des Spiels hat damit zu tun, ständig auf das Gewinnspiel aufmerksam zu machen. Nachrichten kann der Sender immerhin nicht zeigen, weil er nichts hat, dass diesen Titel verdiente.

    Aber Sat1 hat ja auch keinen Grundversorgungsauftrag.

  2. ich verstand die reissverschluss-metapher eher schleppend, und mir schien, der angestaute ärger basiert auch nicht nur auf dieser speziellen, überflüssig unlustigen aussage welkes. dieses konnte ich wiederum sehr gut nachvollziehen.
    nicht ganz unverwandt scheint mir auch die problematik der vernachlässigten tugend des fressehaltens im deutschen fussballfernsehen. gerne würde ich auch hierzu ihre meinung kennen.

  3. Wie sehr man Fußball und Sport allgemein ernst oder nicht ernst nehmen sollte, darüber habe ich offenbar eine andere Meinung als der Hausherr. Ich finde, dass Olli Welke, den ich übrigens als Fußball-Morderator besser finde als in der Comedy, da auf einem guten Weg ist.

    Was ich aber in diesem Beitrag überhaupt nicht nachvollziehen kann: Warum muss ausgerechnet dieses Zitat von Welke als Aufhänger für eine Kritik an ihm herhalten? Mit diesem Statement hat er nämlich 100prozentig Recht.



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