DFB — Experten für Ganzjahresmärchen

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Das Tolle an den Märchen, die dem Geneigten rund um den Fußball erzählt werden, ist, dass sie nicht mal besonders raffiniert komponiert sein müssen. Da darf man rumbehaupten, wie klimaneutral die WM ist, wie gut der Fußball für die Entwicklung der körperlichen Gesundheit chilenischer Bergbauernjungs ist und wie fair es im Fußball auch an der Basis so zugeht.

Nie überprüft es jemand.

Derartige Meme werden in die Welt gesetzt und überleben, weil sie nicht mal leisestem Zweifel ausgesetzt werden.

Da man diese Strategie verbandsseitig pläsierlich verinnerlicht hat, verfährt man anscheinend mit der stets zitierten Zahl von den 6 Millionen DFB-Mitgliedern, von denen wiederum 1 Million aktive Frauen und Mädchen seien, auf genau diese Weise. Die Zahl wird gerne verwendet, um den Boom des Frauenfußballs zu untermauern. Geprüft wird sie umso seltener.

Wie gut, dass sich dann doch mal jemand die Mühe gemacht hat, einen Blick auf die Entstehung dieser Zahlen zu werfen, wie in diesem Fall das Abendblatt.

Da wäre zunächst die Gesamtzahl der 6 Millionen DFB-Mitglieder.

Annähernd die Hälfte der beim DFB gemeldeten 6,7 Millionen Vereinsmitglieder sind gar nicht fußballerisch aktiv.

Ebenso ist die Zahl der aktiven Frauen weit übertrieben, was neben reinen Karteileichen, Menschen, die das Formular zum Abmelden nicht mehr finden, oder denen ihre Mitgliedschaft schlicht egal geworden ist, einen ganz besonderen Grund hat.

Viele Vereine melden ihre Gymnastikfrauen und Gesundheitssportler nicht in den Turnabteilungen, wo sie einen respektablen Beitrag für gut ausgebildete Übungsleiter an die Verbände zahlen müssen, sondern kostenlos beim Fußball. Dort messen sich Beiträge an der Zahl der Teams. (…) 400.000 der als Fußballerinnen gemeldeten Vereinsmitglieder üben weder den Innenspannstoß, noch praktizieren sie die Abseitsregel.

Das erklärt auch die relative Einsamkeit beim außerhäusigen Betrachten der WM. Es gibt gar keine Million Spielerinnen.

4 Kommentare

  1. Aus der beliebten Reihe „Der Trainer hat völlig recht, aber“:

    Nur weil es keine Million im DFB organisierter Fußballerinnen gibt, heißt das doch noch lange nicht, dass es keinesfalls insgesamt 1 Million Fussballerinnen gibt. Natürlich schon gar nicht das Gegenteil, aber trotzdem.

  2. Hm, sternburg hat Recht, spielen spielen es wohl doch einige mehr. Allerdings sind mir die wilden und Bunten Ligen im Frauenfußball eher wenig geläufig, obwohl es sie natürlich auch gibt.

    Plus die hier nicht berücksichtigte Dunkelziffer an Spielerinnen, die ihre biologische Geschlechtszugehörigkeit vertuschen, um weiter bei den Männern/Jungs mitzuspielen. Selbst von Nationalspielerinnen praktiziert, wie man seit „Die besten Frauen der Welt“ weiß.

    Da kommt also einiges zusammen, an 400.000 glaube ich aber nicht.

  3. Ich will nicht ausschließen, dass das tatsächlich stimmt. Allerdings stört mich etwas die relativ sehr schmale Basis, aus der man diesen Schluß zieht.
    Für mich gibt es da nämlich 2 Dinge, die keine Rolle in dem Artikel spielen, aber für die Rechnung wichtig sind:

    - Der Informationsfluß solcher Mitgliederzahlen scheint mir keineswegs so einfach zu gehen. Die Spieler sind nun mal Mitglieder im Verein, der wiederum im Landesverband und der dann beim DFB. Gibts da dann eigene Verantwortliche beim DFB und dann bei den Landesverbänden?

    - Beim Basketball gibt es jedes Jahr immer eine Pressemeldung des DBB, der stolz die „größten“ Basketballvereine vermeldet. Der Haken dabei ist aber, dass der Verband gar keine Mitgliederzahlen erhebt, sondern Spielerpässe zählt. Das ist recht einfach zu ermitteln, da die Pässe vom DBB auch ausgestellt werden und nicht von den Landesverbänden.

    Ich würde nicht ausschließen, dass der DFB die Zahlen ähnlich ermittelt. Denn bei den Pässen ist eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechenden Mitglieder auch wirklich spielen. Kein Verein zahlt auf Dauer für Karteileichen freiwillig Gebühren.

    Was ich nicht bezweifle ist allerdings die Tatsache, dass man wohl tatsächlich bei den Turnverbänden das Problem hat, dass Mitglieder nicht richtig gemeldet werden. Der Grund liegt darin, dass man beim Turnen in der Regel keine Spielerpässe hat, die der Verband als Indikator für Abgaben der Vereine nehmen kann. Damit braucht man einen anderen Indikator, also gehts nur mit von Vereinen gemeldeten Mitgliederzahlen.

  4. Der Autor des verlinkten Beitrags im Interview.



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