Dit war Berlin

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Lesung im Oval im Babylon Kino in Berlin

Das Folgende enthält einige Veranstaltungen, viele Links zu Blogs und Twitter-Accounts, aber das letzte Wochenende in Berlin war angenehmerweise auch pickepackevoll mit netten Anlässen, alle rund um den Fußball, der ja immer noch wichtig ist ad lib. Berliner Luft scheint da trotz der Hertha doch ausreichend Raum für Begeisterungsfähigkeit zu lassen.

Rösslequiz

Lange geplant, nun endlich umgesetzt: Eine Teilnahme am formidablen Rösslequiz (sehr schicke Webseite), das natürlich im Rösslepub stattfindet. In Neukölln gelegen, ist es keine echte Kneipe, sondern ein Clubheim eines VfB-Fanclubs und wird dementsprechend nur an Tagen mit VfB-Spielen oder anderen besonderen Anlässen wie CL-Finale oder WM geöffnet. Die Getränkepreise sind deshalb auch quasi als Selbstkostenpreis zu verstehen, im Hauptraum vorne hängt eine große Leinwand im Raucherraum und im hinteren Raum noch eine Leinwand mit einigen Sofas davor, der ein Nichtraucherraum ist. Alle Wände sind mit VfB-Wappen bemalt, im Durchgang steht ein Kicker und hängen viele VfB-Trikots aus verschiedenen Epochen des Clubs. Sehenswert, wenn man sich für Trikots erwärmen kann. Eine echte Fußballkneipe eben, abgerundet durch einen Pappaufsteller des ewigen Diegos, Guido Buchwalds nämlich.

RösslepubSomfi alias Daniel, einer der beiden Macher des Quiz, hatte mich eingeladen und auch um einige Gastfragen gebeten, welche ich natürlich gerne beisteuerte. Netterweise durfte ich — ohne meine eigenen Fragen zu beantworten, versteht sich und wurde auch so gehalten, alte Quizzerehre — in einem Team mitquizzen. Nunja, als Gastgeber hätte man sich da eventuell zurückhalten müssen, aber ich war ja Gast und in einem Team mit großer Expertise gelandet. Zusammen errangen wir bei einem wirklich anregend präsentierten Mix aus klassischen Quizfragen, einem Anagramm, Tor-oder-nicht-Tor-Videos und sogar einem zu erratenden Fansong den Sieg, der beim Rösslequiz standesgemäß mit riesigem Pokal gewürdigt wird. Sowie 10 Rössle-Euro, die man am Ende des Quiz nicht mal komplett umsetzen kann, weil die Preise im Rösslepub so niedrig sind.

Wanderpokal des Rösslequiz im Rösslepub

Die Begeisterung bei den Gewinnern der vorigen Ausgabe über ihren an jenem Abend erreichten zweiten Platz hielt sich etwas in Grenzen, beim nächsten Mal bin ich ja aber ohnehin nicht wieder dabei und so darf die „Trainingsgruppe 2″, so hieß unser Quizteam, was dem Kenner Rückschlüsse auf den Urheber dieses Namens erlaubt, allein ihr Glück versuchen, den Titel zu verteidigen.

aaaasEbenfalls anwesend in jener Lokalität und auch mitquizzend: sternburg, neuerdings selbst unter die Blogger gegangen, indem er die ausgelagerten Kommentare von allesaussersport.de auf der Seite allesausseraas.de betreut, mit technischer Unterstützung von Robert und dort die Ex-Kommentatorenschaft von aas bei sich versammelt hat, unterhält und foppt, sich aber mehrheitlich sehr nah an sportlichen Themen bewegt. Neben Fußball dort auch öfter im Vordergrund: Eishockey.

Natürlich steht das Rösslequiz allen Interessierten offen, bis zu 5 Köpfle dürfen in ein Team. Es ist zur Zeit allerdings sehr gut besucht, weshalb man sich vorher anmelden sollte. Was aber unbedingt eine Empfehlung wert ist, denn das Ganze ist äußerst liebenswert in seiner Durchführung gestaltet. Zumindest der Rösslepub ist in jedem Fall auch in der nächsten Saison erstklassig.

Teehaus im Tiergarten: Chris Kurbjuhn

Chris KurbjuhnWeiter am nächsten Tag zum nächsten Termin: Ein Treffen mit Chris Kurbjuhn im idyllisch gelegenen Teehaus im Tiergarten. Er betreibt gleich mehrere Blogs/Webseiten, eine davon ist „Männer unter sich – Die Kunst ein Kerl zu sein“, das sich immer wieder auch mit Fußball beschäftigt. Ansonsten sind seine Themen Schreiben und Theatermachen, aber auch andere Leute beim Schreiben und Veröffentlichen zu begleiten.

Der Mann ist übrigens Fan des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft interessiert zugeneigt. Er sah schon das Jahrhundertspiel 1970 in Mexiko live im Fernsehen. Insofern ist es häufig spannend, wie er die Entwicklung des Fußballs bewertet. Fliegt ein wenig unter dem Radar des Fußball-Blogosquariums, vielleicht auch, weil er bei Twitter nicht ganz so aktiv ist: ChrisKurbjuhn.

Lesung mit Rudelbildung

Dann schon auf zur Lesung im Babylon Kino am Rosa-Luxemburg-Platz im Rahmen des 11mm-Filmfestivals. Ein äußerst einladendes Gebäude wartete auf die Festival-Besucher.

Unsere Lesung, die aus Teilen von Stefanie Fiebrigs Buch „Bring mich zum Rasen“ und den hiesigen „Drama Queens in kurzen Hosen“ bestand, fand im sogenannten „Oval“ statt, einem Raum im Babylon Kino mit an diesem Abend etwa 40 Sitzplätzen und viel Fußballdeko an den Wänden. Zunächst lasen Steffi alias Rudelbildung und ich gemeinsam den Text „Pavel Kuka“ vom alten Haudegen Frédéric Valin, ehe Steffi zwei Kapitel aus ihrem Buch präsentierte und meine Wenigkeit danach die Highlights aus „Drama Queens in kurzen Hosen“ kredenzte.

Der Dank geht an Jochen Lohmann, einen der Betreiber des 11mm, der uns beide eingeladen hatte — auf dass es neben Filmen auch noch ein wenig mehr Fußballkultur und diese gleich live zu erleben gäbe. Da man sich im deutschen Kulturkreis nicht selbst lobt, bleibt die Einschätzung der Lesung den Anwesenden überlassen.

Der obligatorische Hagebuttentee (in Textform) durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie die Bonmot-Sammlung von Abschiedsspielen, zudem gab es zwei Weltpremieren, neue Texte aus dem Blog, die bislang noch nirgendwo gelesen wurden. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht und Dank an alle fürs Kommen und Zuhören.

11mm Filmfestival

Mein erstes Mal beim 11mm Filmfestival, was ich aber angesichts der vielen anderen Aktivitäten kaum nutzen konnte. Ebenfalls im Programm und auch mit seinen Machern anwesend: der Film „Meidericher Vizemeister“ (siehe Filmkritik hier), die auch gleich noch Günter Preuß und dessen Frau mitgebracht hatten. Günter Preuß war Mannschaftskapitän in jener Saison 1963/1964, in der der MSV Duisburg Vizemeister wurde und ist einer der Protagonisten des Films. Dazu zum ersten Mal in Berlin zu sehen: „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ mit selbst erklärendem Titel, bei dem der Kinosaal aus allen Nähten platzte.

Ein illustres Publikum an der Schnittstelle zwischen Fußball und Kultur, bzw. Film bzw. Filmkultur war auf dem gesamten Festival anwesend und so lernte man hier und da Macher von ÖR-Sendern oder auch — wie jene des Meidericher Films — quasi private Filmemacher kennen, die die Liebe zu ihrem Club oder zum Fußball allgemein antreibt, Beeindruckendes auf die Beine zu stellen. Das gesamte Programm des 11mm ist hier noch mal nachzulesen [inzwischen nicht mehr], insgesamt dauerte die mittlerweile 13. Ausgabe dieses Festivals von Donnerstag bis Montag und fand ihren Abschluss in den „Short Kicks“, also einem Wettbewerb für Kurzfilme, bei dem lokale Größen wie eben jene Rudelbildung oder ein gewisser Torsten Mattuschka vor Ort waren und ihr fachfrauliches Urteil abgaben. Zieht man noch den wunderbaren Veranstaltungsort hinzu, ist das gesamte Festival ein Muss für all jene, welche sich über nachrichtliche Berichterstattung hinaus für Fußball begeistern.

allstarkicker.com

Kleines Schmankerl am Rande der Lesung: oben im „Oval“ war auch ein handgefertigter Tischkicker präsentiert, dessen Produzent jede einzelne seiner Kicker-Figuren an echte Fußball-Promis angelehnt von Hand gestaltet und den gesamten Kickertisch in futuristisch-künstlerischer Art gestaltet (ist das schon Steampunk?).

Was der Hersteller dieser besonderen Kickertische ebenfalls macht, ist, mit einer Kicker-Figur von Mario Götze durch die Welt zu fahren und darzustellen, dass das fehlerhafte Aussprechen ausländischer Fußballernamen kein deutsches Problem ist, wie sein Video von diesem kleinen Experiment anschaulich vor Ohren führt.



Die Kickertisch-Exemplare gibt es auf der dazugehörigen Webseite zu sehen: allstarkicker. Nicht unbedingt für den kleinen Geldbeutel geeignet, definitiv aber Unikate mit detailgetreu dargestellten Stars auf dem, äh, Platz.

all die ganzen Leute …

Da ich bei den meisten neuen Bekanntschaften nicht sicher bin, ob es ihnen Recht wäre, sie hier namentlich zu erwähnen, bleibt nur der Hinweis, dass im Sommer der #tkschland in Köln ansteht, bundesweites Treffen für fußballinteressierte Twitterer. Dort wird man sicher annähernd ähnlich viele Twitterer kennenlernen können, wie es mir an diesem Wochenende in Berlin möglich war. Sofern Twitter bis dahin nicht den Nerv-Tod gestorben sein sollte und die allgemeine Twitter-Fatigue sich übers ganze Land ausgebreitet haben wird. In jedem Falle war es ein äußerst aufschlussreiches Wochenende in allen möglichen fußballerischen, kulturellen Aktivitäten und Kontakten. Einzig ärgerlich, dass niemand die Lesung per Video aufgezeichnet hat, sonst könnte man sie hier vielleicht zumindest in Ausschnitten präsentieren. Das geht beim nächsten Mal besser — und vielleicht liest Rudelbildung demnächst ja auch mal mit mir zusammen irgendwo in NRW.

… and thank you for the music

north-of-paradise-bandNett war dann auch noch der Betreiber des Fußballblogs Spielbeobachter, der mir beim Rausgehen nach der Lesung eine Ausgabe des Albums seiner neuen Band in die Hand drückte und das wohl in gewissem Rahmen als Hutgeld (nach welchem wir nicht gefragt hatten) für die Lesung verstanden wissen wollte. Da ich mich zuvor schon angetan von dieser Platte geäußert hatte, die ich aber nicht besaß, war es ein willkommenes Geschenk, mit dem aktuellen Album von North of Paradise im Gepäck nach Hause fahren zu können, welches man unter dem Link übrigens komplett einhören kann.

Ach, und man weiß, dass man in Berlin, am Rosa-Luxemburg-Platz war, wenn man nach Ende der Lesung eine rote Nelke von einer Zuhörerin bekommt.



3 Kommentare

  1. „der Deutschen Nationalmannschaft interessiert zugeneigt“… Ich bedanke mich für diese Formulierung. Wenn meine liebe Frau das liest, bekommt sie einen Lachkrampf, während sie mit zitterndem Finger auf meinen Helmut-Schön-Altar (gleich neben dem Uwe-Seeler-Schrein) zeigt.

  2. Pingback: Splitterbrötchen (CDIX) | Chris Kurbjuhns Netzecke

  3. Manueller Trackback sagen die jungen Leute, glaube ich.



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