Es braucht jetzt bitte ankreuzen

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Suchen Sie sich aus, was Oliver Kahn heute, gestern, morgen sagt oder gesagt haben wird:

„Wir brauchen jetzt
Kerle
Eier
echte Männer
Leute, die auch mal dazwischen hauen
volle Konzentration
den absoluten Willen
mehr Aggressivität
Typen auf dem Platz.“

Kann dieser ach-so-erfahrene Mann, der ja seiner Meinung nach alleine schon wegen seines persönlichen Karmas die WM 2006 gewonnen hätte, der Spiele „ganz alleine gewinnen“ will und der sich ständig nur als „Nr. 1″ definiert, vielleicht mal bitte etwas zum Spiel seiner Mannschaft absondern? Irgendetwas zum Spielsystem, etwas Konkretes kritisieren oder verbessern und sich nicht ständig in vollkommen Sinn entleerten Platitüden ergehen? Wäre schön, aber seit Kahn endgültig zur Esoterik konvertiert ist, ist diese Hoffnung schließlich vergebens. Zeitungsinterviews mit ihm haben inzwischen ähnlichen Unterhaltungswert wie ghostgeschriebene Fußballerwebseiten und den Informationsgehalt einer Banane respektive eines oder auch mehrerer Eier.

6 Kommentare

  1. Ganz so hart würde ich nicht mit ihm ins Gericht gehen. Natürlich ist Olli Kahn jemand, der nach Spielen gerne einmal allgemeine Phrasen in die Mikros quäkt. Dass man differenzierter kritisieren kann als Oliver Kahn, das ist auch klar.

    Allerdings sollte man dabei auch den Charakterkopf Oliver Kahn, den Menschen Oliver Kahn im Auge behalten. Vor einiger Zeit gab es bei der Süddeutschen Online ein richtig tolles Interview mit Kahn, der die Reporter einmal hinter seine Maske blicken ließ. Zu sehen gab es nicht den Kahn, der an fremden Ohren knabbert, der Finger in fremde Nasen steckt, der von Eiern, die die Spieler jetzt brauchen würden, redet. Stattdessen kam ein gebildeter Oliver Kahn zum Vorschein, der sich für Literatur interessiert, der Golf spielt, um eine innere Ausgeglichenheit zu erreichen. Jemand, der aggressiv ist und es weiß. Jemand, der versucht, seine Aggressionsschübe zu bekämpfen, unter anderem eben mit Golf.

    Ich persönlich war ganz überrascht davon, wie intelligent dieser Mensch ist, der ja immerhin mit Bananen beworfen wird und der nicht gerade für große Denkaktionen auf dem Platz berühmt ist.

    Ich vermute auch, dass Kahn bewusst so allgemein in seinen Aussagen bleibt. Er weiß, dass er nicht der Trainer ist. Der Trainer war Magath, ist Hitzfeld. Der Trainer hat zu entscheiden, zu befehlen. Nicht der Torwart. Der Torwart hat dem Trainer nicht reinzupfuschen, denn wenn das Spiel nicht läuft, dann wird der Trainer gefeuert und nicht der Torwart.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass Kahn nicht die Spielintelligenz besitzt, wie sie meinetwegen die großen Strategen des „Totalen Fußballs“ aus den 70ern besaßen. Die großen Spieler des Totalen Fußballs waren frei, ungebunden, mussten spontan auf dem Platz entscheiden, was die beste Lösung für die gegebene Situation sei. Das erfordert Spielintelligenz und es erfordert eine ganze Menge davon. Ich vermute, dass Kahn sich bewusst ist, dass er nicht die Spielintelligenz besitzt, wie es bei diesen Spielern der Fall war. Und dass er sich deswegen bewusst zurückhält, weil er weiß, dass es Kollegen gibt, bei denen diese Fertigkeit (ja, es ist eine Fertigkeit, keine Fähigkeit) besser ausgeprägt ist. Kahn hält die Klappe, weil er weiß, dass es Andere besser wissen. Und das halte ich für Größe.

    Ganz nebenbei: Wieso wird beispielsweise ein Podolski nicht kritisiert, der Aussagen ablässt „Ich spiel Fußball und fertig“ (sinngemäß), aber wesentlich besser ins Spiel eingebunden ist als Kahn und es damit eigentlich auch besser wissen müsste als dieser?

  2. Weil Podolski genauso wenig weiß, was er eigentlich auf dem Platz tut.

    Aber „Wollt Ihr den totalen Fußball?“ finde ich komisch. Irgendwie. Ganz davon abgesehen hat das Spiel weniger mit Intuition und mehr mit einstudierten Laufwegen und Spielzügen zu tun.

    Und zu Kahn: Er könnte vielleicht einfach mal die Klappe halten, bevor er das Immergleiche sagt.

  3. Trainer, deine Umfrage funktioniert ja gar nicht richtig! ;-(
    Egal, es gibt eh nur eine richtige Antwort – und die hast du ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Ich ergänz das mal:

    Samstag 1.11.03 – Interview zwischen Premiere Sport und Olli Kahn
    Premiere: Herr Kahn, was braucht die Mannschaft des FC Bayern um wieder erfolgreichen Fußball zu spielen?
    Herr Kahn: Eier, Eier, Wir brauchen Eier!
    Premiere: Ja, und was fehlt dem FC Bayern denn nun???
    Herr Kahn weiter: Eier brauchen wir, daß wissen Sie doch !!!
    Premiere: JA !?

    Das war einfach super. Vor allem, weil diese hochqualifizierten Aussagen nach einer Niederlage gegen Schalke aus ihm heraus kamen: [Link leider tot]

    Völlig unverständlich finde ich, dass Max hier den Herrn Kahn so schützend auf den Arm nimmt. Der ist einfach ein abgehalfterter Keeper, der es versäumt hat, auf dem Höhepunkt seiner Karriere die Handschuhe an den vielzitierten Nagel zu hängen. Dann hätten wir allerdings auch auf seine verbalen und sonstigen Entgleisungen verzichten müssen. Und der Trainer hätte keinen Stoff für Pseudo-Umfragen. Und … Nee, lass mal, is schon OK so, wir machen uns halt noch ein wenig über ihn lustig.

  4. Ich hab kein Problem damit, dass man sich über Fußballer lustig macht, zangel. Mir geht’s nur darum, dass entweder alle sagen: „Der blöde Kerl könnte bitte auch mal was zur Presse sagen…“ wenn einer mal so schlau ist und die Klappe hält. Oder es heißt: „Hihi, ist der dumm.“ Die zwei Möglichkeiten gibt’s. Die dritte, „Hey, der sieht ja nicht nur nach Student aus, der hat ja auch einigermaßen was zwischen den Ohren!“, hab ich bislang nur bei Thomas Broich als Reaktion erlebt. Find ich irgendwo traurig, weil Olli Kahn in dem Interview mit der Süddeutschen gezeigt hat, dass bei ihm auch was zwischen den Ohren ist… Also das Interview fand ich echt klasse, ich weiß gar nicht, ob man das noch im Archiv findet…

    Übrigens: „Ollikahn“ war das vierte Wort, das mein kleiner Cousin konnte. Nach „Mama“, „Papa“ und „Eisdiele“. Was das für den Zustand unseres Landes bedeutet, kann sich jeder selbst austüfteln.

    Und by the way, ich bin kein Bayern-Fan, auch wenn das vielleicht in meinem ersten Kommentar so rüberkommt.

  5. Wobei dem Broich seine angedichtete Intelligenz auch nicht hilft. Zumindest nicht auf dem Platz.

  6. Es ist eben einfach, sich über die Sprüche, die die Kicher kurz nach dem Spiel in die Mikros husten, lustig zu machen. Hitzfeld ist sicher ein großer Trainer, dennoch hat er niemals nach einem Spiel irgendwas gescheites gesagt. Er nutzt die ewig gleichen Phrasen, weil er sich und seine Mannschaft damit schützt. Und er tut gut daran.
    Sobald irgendeiner mal was weniger langweiliges sagt, sei es was kluges oder was emotionales, wird es ihm eine Woche später eben um die Ohren gehauen. Dann wird Kahn zum dummen Affen, Daum zum Großmaul oder Rangnick zum Professor.



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