Category Archives: Äh-ßerungen

“Gut, äh…” und wer’s gesagt hat

Völler, Träger des schwarzen Gürtels in Paradoxie

Völler beweist mal wieder seinen sprichwörtlichen Sinn fürs Paradoxe. Natürlich vorgetragen mit der Völler eigenen Mischung aus Empörung und Jammern darüber, dass seinem Klub nicht ausreichend Anerkennung entgegengebracht wird.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Zweiter sind. Wir sind ein absoluter Topclub.“

Bierhoff in Berater-Bestform

„Mit Blick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft hilft die Analyse der vergangenen Jahre auch bei der Gestaltung der zukünftigen Entwicklung unserer Nationalmannschaft.“

Wolfgang Overath ist ein

… das sagte der Mann, der letztens in der Kneipe neben mir stand. Wir schauten ein Champions-League-Spiel, und er drängte mir seine Geschichte auf. „Wolfgang Overath, dat issen“.

Und zwar hatte er, der Kneipennachbar, mit seinem Verein angeblich irgendwo in der Nähe der Mosel ein Benefiz-Spiel organisiert, Anfang der 1980er, zugunsten eines Behindertenheims. Man lud Stars ein, über eine Agentur. Uwe Seeler kam, Wolfgang Weber kam, und auch Wolfgang Overath kam. Die ersten beiden verzichteten aber auf ihre Gage für das Benefiz-Spiel, ließen sich lediglich die Spesen ersetzen. Wolfgang Overath hingegen bestand auf seiner Gage von einigen DM. Und äußerte sich, behauptete der Kneipennachbar, auf Anfrage der Organisatoren, ob er nicht wie Seeler und Weber auf seine Gage verzichten möge, folgendermaßen: „Dann kann ich ja jetzt nur noch umsonst spielen.“

Der Mann in der Kneipe neben mir sagte dann aber auch, dass er trotzdem nach dem Spiel zusammen mit Wolfgang Overath geduscht habe, denn angetreten sei er immerhin, immerhin für seine einige DM. Ein, da war sich der Mann in der Kneipe neben mir sicher, sei Wolfgang Overath aber auf jeden Fall.


*

Es gibt dann auch noch andere Zeitzeugen, die sicher nicht verneinen würden, dass. Der SPIEGEL zum Beispiel enthält sich zwar einer Wertung, berichtet aber wortwörtlich, wie sich Wolfgang Overath zu folgendem Thema verhielt:

Wolfgang Overath, […] wurde in seiner 14jährigen Profi-Laufbahn zum Rasen-Rassisten: Der Fußballer spielte nicht gern gegen Farbige und fürchtete sich vor zornigen schwarzen Gegnern, weil sie „beim Spiel keine Miene verziehen, wenn sie etwas vorhaben“. „Hinter einem undurchsichtigen Gesicht verbergen sie ihre Gedanken und Stimmungen“, zitierte die „Kölnische Rundschau“ den Star in einer Sonderbeilage zum Abschiedsspiel, „urplötzlich bricht es aus ihnen heraus: Sie spielen verrückt oder kämpfen, als ginge es um ihr Leben … Dabei sind sie beweglich wie Gummi und können einen Gegenspieler schnell lächerlich machen.“


*

Wer Wolfgang Overath in genau jener Zeit, nämlich kurz nach seinem Abschied als Aktiver, mal in Aktion sehen möchte, in Aktion mit dem Mund meint das hier, der höre zu, wie der 1. FC Köln ein Jahr nach Overaths Abschied Meister wird, während Wolfgang Overath (zusammen mit seiner Ehefrau!) Dieter Kürten im Aktuellen Sportstudio Rede und Antwort steht. Durchaus hörenswert, wie er sich in jener Zeit verkauft. Natürlich hatte er schon längst mit allem abgeschlossen und hätte zum Beispiel auf keinen Fall mit den noch aktiven Spielern tauschen mögen.



Vielleicht auch, weil man da ja noch auf den einen oder anderen Farbigen hätte stoßen können, der einen lächerlich macht.

Aber natürlich ist es unfair, solche Zitate aus einer anderen Zeit in die Gegenwart zu transportieren, als derartige Ansichten noch Teil des Mainstreams waren und Overath mit seinen Äußerungen beileibe nicht alleine war, was sie natürlich kein Stück besser, aber eben auch nicht vom Rande der Gesellschaft kommend macht.

Ob Overath inzwischen kein Rasen-Rassist mehr ist, wie ihn der SPIEGEL nannte, könnte man ihn ja eigentlich mal fragen, er hatte doch jetzt gerade ganz oft mit Reportern zu tun, welche ihm zum Geburtstag gratulierten. Hat aber wohl keiner dran gedacht. Naja, dann eben zum 75. Geburtstag noch mal bei Wolfgang Overath nachhorchen.

Ror Wolf: Die Poesie des Massensports

Wer Ror Wolf im Zusammenhang mit Fußball nicht kennt, sollte sich schämen und dann schlaumachen, oder auch nur schlaumachen. Muss man nicht mögen, ein Wegbereiter der Fußballkultur war er in jedem Fall und eine Koryphäe ist er immer noch.

Die ARD interviewt den alten Herrn mitten in der Kofacke-Arena zu Mainz über die „Poesie des Massensports“ und Weiteres zum Fußball und seinen Werken.



Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen

Diesem schlimmen Brasilianer, Russen, Scheichs, jedenfalls dieses ganze Kröppzeugs, was total windig ist und sich Staatsangehörigkeiten kauft, nur weil es das kann. Womit eine solche aber total entwertet wird, etwas, was man in Deutschland niemals zulassen würde, eine Idee, auf die ein Deutscher auch niemals kommen würde. Na gut, heutzutage ist das vielleicht ein bisschen aufgeweicht wegen der vielen Einwanderer und deren zweistaatlichen Kindern. Aber vor 30 Jahren hätte doch in Deutschland niemand einfach so seine Staatsangehörigkeit wie alte Unterhosen gewechselt, nur weil er davon einen Vorteil in seinem Berufsleben gehabt hätte. Denn früher war nicht nur alles anders, sondern die Menschen waren auch besser.

Bernd Krauss (grinst) […] Ich habe damals einen österreichischen Pass beantragt, weil ich mich als Nationalspieler für die Bundesliga interessant machen wollte. Ich war 1977 von Borussia Dortmund zu Rapid Wien gewechselt, weil ich beim BVB keine Perspektive mehr sah. Ich habe dann für Österreich gespielt – und 1983 kam der Anruf von Jupp Heynckes, der mich nach Gladbach holte. Später habe ich dann wieder die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, weil wir bei Borussia zu viele Ausländer im Kader hatten.

Weltpokalsieger 3024

Gerade hatten wir noch davon gesprochen, dass Ex-Profis für verantwortungsvolle Aufgaben rund um die Organisation eines Fußballvereins nicht zwangsläufig die beste Wahl sein müssen. Overath und Seeler kommen da sofort in den Sinn, wo die Präsidentschaft nicht allzu sehr gefruchtet hat. Auf der anderen Seite will man auch keine windigen Geschäftsleute à la Günter Eichberg oder Michael A. Roth, die sich zu Alleinherrschern aufschwingen und sich im Glanze sonnen, den Verein aber geradewegs in finanzielle Schwierigkeiten führen.

Einen deutlich anderen, seriöseren Weg geht in diesen Tagen (ausgerechnet!) Rot-Weiss Essen, wo mit Michael Welling ein Doc an der Spitze des Vereins steht, der seinen Titel zufällig in Wirtschaftsfragen erwarb, mit denen er sich auch nach seiner Ausbildung universitär beschäftigte, bevor er schließlich die Nr. 1 bei RWE wurde.

Und dass dieser Lebensweg zu einer etwas anderen Art führt, als es bei Fußballern in der Regel der Fall ist, verdeutlicht nicht zuletzt dieses Statement aus einem Interview mit der Zeit, welches er anlässlich der Solidarprämie für Mesut Özil gab, die Rot-Weiss Essen erhält, weil Mesut Özil dort in seiner Jugend kickte.

ZEIT ONLINE: Was sind die Ziele von Rot-Weiß Essen?

Welling: Wir sind auf dem Weg zum Weltpokalsieger, vielleicht im Jahr 3024. Als Fußballer wollen wir jedes Spiel gewinnen. Und wenn wir jedes Spiel gewinnen, was aktuell nicht ganz so gut klappt, wollen wir Meister werden. Und im Jahr darauf auch. Dann ist die logische Konsequenz, dass wir auch Weltpokalsieger werden wollen.

Hätte man derart Gewitztheit und auch Selbstironie je von einem der leuchtenden Strahlemänner gehört?

Interview im Stehblog: „Fußball ist immer sehr viel Glück“

Gunnar lebt in Wiesbaden und bloggt in seinem Stehblog über den dortigen SVWW, der am kommenden Sonntag Gastgeber des MSV Duisburg sein wird. Aus diesem Anlass lud Gunnar mich zu einer Prise Schnupftabak und zwei trockenen Keksen sowie einigen alten Erdnußflips ein, was wir dazu nutzten, uns über Fußball zu unterhalten, wobei das Gespräch zum Glück nicht ganz so trocken wie die Kekse war. Und über den Zwangsabstieg, Duisburgs Sportmanager und verblüffende Solidarität quatschten wir auch. Wirklich gelungen, nicht zuletzt weil Gunnar ein ausgewiesener Meister der Fragekunst ist.

Trainer, Dein Blog trainer-baade.de ist eins der bekanntesten deutschen Fußballblogs und wurde 2011 vom Magazin 11 Freunde als “Fanmedium des Jahres” ausgezeichnet. Dabei schreibst Du selten über konkrete Spiele, sondern überwiegend über das “Drumherum”. Wie kommt’s?

Weiter im Stehblog …

Der General macht eben keinen unmenschlichen Druck

Wenn man die beiden Wörter „unmenschlich“ und „Druck“ in einer Kombination liest, weiß man schon seit geraumer Zeit automatisch, um wen es geht. Oliver Kahn natürlich, der auch als Experte im Prinzip nur diese eine Platte kennt. Doch zu Oliver Kahn mehr weiter unten. Zunächst ein Blick auf einen seiner langjährigen Vereinstrainer.

Den „General“ Ottmar Hitzfeld.

Die Wikipedia schreibt, dass man Ottmar Hitzfeld den Beinamen General „wegen seiner sachlichen Art“ verpasst habe. Moment mal: Ein General sollte zwar sicher kühlen Kopfes abwägen, keineswegs zu viel riskieren und immer mit klarem Verstand handeln. Aber sollte er in seinem Auftreten besonders „sachlich“ sein? Ein General, der auf seine Truppe wie ein Orthopäde oder ein Landschaftsgärtner wirkt(, um nicht immer die armen Buchhalter mit diesem Etikett zu strapazieren)? Würde man von einem General nicht eher Eigenschaften wie Entschlossenheit, Zähigkeit, Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt Härte gegen die Umwelt, vor allem die feindliche, sowie seine Untergebenen erwarten?

Härte gegen Untergebene ist allerdings sicher nicht das, was man dem verbindlichen Hitzfeld zuschreiben kann. So berichtet Stefan Wessels im Interview mit 11Freunde:

Stimmt es eigentlich, dass Ottmar Hitzfeld seine Nummer Eins nie kritisiert hat?

Nur sehr selten. Das kann man natürlich kritisch sehen, aber die Menschenführung zeichnete diesen Trainer immer aus. Oli hatte seinen unantastbaren Status, auch innerhalb der Mannschaft. Falls ihm Fehler unterliefen, wurde in den ganzheitlichen Mannschaftssitzungen nie darüber gesprochen. Das hat Hitzfeld sicherlich berechnet, aber die groben Patzer blieben ja eigentlich auch immer aus.

Denkbar wäre es wohl eher, dass man Ottmar Hitzfeld einen „General“ nannte, weil es da diesen Otto Hitzfeld gab, der General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg war und noch dazu aus Schluchsee stammte, also unweit von Ottmar Hitzfelds Heimat Lörrach aufwuchs und sicher dort kein Unbekannter war. Doch dazu ist nichts Genaueres bekannt. Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg mögen aus begrüßenswerten Gründen heute kaum noch präsent sein, aber damals waren sie es möglicherweise, siehe auch den Spitznamen von Friedhelm Konietzka, der da nach dem russischen General Timoschenko lautete.

Moderne Menschenführung ist es jedenfalls sicher nicht, so wie Ottmar Hitzfeld, jemanden nie zu kritisieren. Auch wenn man das bei einem der weltbesten Torhüter natürlich für sich so entscheiden kann, ohne dass das grundsätzlich falsch sein müsste. Es wirkt aber eben so, wie man Hitzfeld auch sonst kennen gelernt hat, auch jetzt als TV-Experte: nie anecken, keine harten Äußerungen, keine Straightheit, also kurz gesagt: alles andere als wie ein General.

Kommen wir dann zum Rezipienten dieser Nichtbeachtung, zum mehrfachen Welttorhüter (der IFFHS) Oliver Kahn. Der ständig diesen unmenschlichen und so weiter spürte. Eins wird jetzt jedenfalls klar: Vom Trainer kann er ihn nicht gespürt haben. Im Gegenteil wurde er von diesem fast nie (!) kritisiert. Was für eine unglaubliche Vogelfreiheit er genossen haben muss. Und wie wenig sich Hitzfeld wahrscheinlich überhaupt mit dem Torwartspiel beschäftigt haben wird, wenn er dessen Wirken nie bemängelte. Man kann sich vorstellen, dass es einem auch im negativen Sinne leicht zu Kopf steigt, wenn man ständig als Welttorhüter geehrt, aber nie kritisiert wird, nicht mal vom eigenen Vereinstrainer. Ein Schlaraffenland, welches aber zu Megalomanie verführt, wie dann ja auch mehr oder weniger geschehen.

Während diese Sprach- und Kritiklosigkeit Hitzfelds uns wieder zur Frage bringt, wo eigentlich überhaupt der Druck in solchen Situationen herkommt: Von innen oder von außen? Wie hier gerne zitiert, kannte Wolfgang Kleff als Torwart keinen Druck, sondern sah sich als Helfer in der Not. Wenn der Vordermann einen Fehler gemacht hatte, konnte er als Torwart ihn wieder ausbügeln, so seine Einstellung. Und man denke über all die anderen Torhüter nach, die mit Freude, mit Respekt oder mit Angriffslust ihrem Job nachgehen, aber nie von dem unmenschlichen und so weiter sprechen, weil er für sie nicht in dieser extremen Form existiert.

Ob Hitzfeld, der vielleicht kein General, aber sicher kein schlechter Menschenkenner ist, ahnte, dass man dem ohnehin schon innerlich unter unmenschlichem Druck leidenden Torhüter nicht noch ein Pfefferminzplättchen mehr Druck hätte auferlegen dürfen, ohne dass er geplatzt wäre?

Merkwürdig jedenfalls, dass jemand, der — auch wenn es nur ein gut gepflegtes Image gewesen sein mag, welches als Torhüter nach außen schließlich nicht schaden kann — Härte gegen sich im Training, Härte im Zweikampf mit dem Gegner und Härte gegen eigentlich alles, was so kreucht und fleucht in der Welt, als sein Credo propagierte, vom Trainer mit Samthandschuhen angefasst werden musste. Zur Erklärung dieser fiesen Entrücktheit, die Kahn in vielen Phasen ausstrahlte, trägt es jedenfalls ein Scherflein bei.

Zu einem Bild davon, wie es in einer Kabine unter Hitzfeld zugeht, aber auch. Ob Ottmar Hitzfeld sich auch nicht an Matthias Sammer als seinen Spieler gewagt hat?

Anforderungen an Profis immer höher

Clemens Tönnies vom FC Schalke 04 erwartet ein Quäntchen mehr von seinen Angestellten aka Fußballspielern. Sie sollen nicht nur gut Fußball spielen, sondern auch noch hellsehen können.

Jeder darf mal einen schwächeren Tag haben, aber dann muss er vorher zum Trainer und das sagen.“

So wird er von der Mitgliederversammlung seines FC Schalke zitiert und man würde gerne ergänzen: Sollten die Spieler nicht auch gleich vorher Bescheid sagen, wenn sie hellsehen, dass sie das nächste Spiel verlieren werden? Sparte Reisekosten.

Dekompositions-Häppchen am Abend

Hey, natürlich ist das hier alles immer nur Sammeln aus zweiter Hand. Eine Zeitung ist es hier nicht. Nur ein Blog.

Aber ich glaube, man würde zustimmen, wenn man sagt, dass es wenig Anlass gibt, grundsätzlich an der Aufrichtigkeit der FAZ (im Sportteil jedenfalls) zu zweifeln, oder?

Heute jedenfalls ein neues Häppchen zur Dekomposition zum vermeintlich großen Meister im deutschen Fußball, dem Heiland, dem mehrfachen U-Europameister und natürlich Triple-Sieger, alles allein durch seine Blut-Schweiss-und-Tränen-Reden und den nie nachlassend eingeforderten Ehrgeiz bewirkt.

Gefunden von Calli Camp in den Kommentaren, blicken wir doch gerne darauf, ob nach den folgenden Zeilen überhaupt noch etwas zum Dekompositionieren übrig ist:

„Wären in dieser Zeit Spielstrukturen geschaffen worden, sähe man das noch heute auf dem Platz. Es ist auch kein Geheimnis, dass Nachfolger Dutt in ziemlich leere Aktenordner blickte, als er nach solchen Strukturen suchte. Außer ein paar Hochglanzbroschüren mit knackigen Überschriften fand sich da offenbar nicht viel.“

Und weiter geht es auch mit diesen Worten:

„Selbst Förderer und Unterstützer von Sammer im DFB zeigen sich mittlerweile ’sehr enttäuscht‘, wenn es um die Nachhaltigkeit seines Wirkens auf dieser Ebene geht.“

Alles in der FAZ: Deutschland – null Punkte! gefunden. Wer gerne am Mythos festhalten möchte, dass Matthias Sammer der den Fußball verstehende Heilsbringer ist, für den sind, das soll ja nicht verschwiegen werden, auch ein paar Brosamen im Text enthalten:

„Tatsächlich hat sich einiges in der Nachwuchsarbeit getan. Die Professionalisierung der Teams hat sich nicht zuletzt dank Sammer deutlich verbessert. Personal ist auf allen Ebenen hinzu gekommen.“

„Sehr enttäuscht“ kann man allerdings auch nur dann sein, wenn man Matthias Sammer bei Installierung gar nicht gefragt hat, was dieser denn wohl so zu tun gedenkt, wenn dann am Ende fast nichts bei herauskommt. Insofern ist die Enttäuschung zwar verständlich, wäre genauso aber auch vermeidbar gewesen.

(Weitergeführt von den „Dekompositions-Häppchen am Morgen“.)

Bewertungen beurteilen

Wolfgang Holzhäuser ist hier gerne gesehener Gast. Auch zu seinem Abschied lässt er sich nicht lumpen und haut noch mal einen raus.

Die Bewertung einer Laufbahn wird von ihrem Ende her beurteilt.

Fragt sich nur, wo das Ende der Bewertung anfängt — und wo es aufhört.

Bayer Leverkusen kann es nur gut tun, wenn nun endlich Logik, zumindest aber Satzbau im Sinne des Sprechenden in die Führungsetage einzieht. Da sollte die Freude über seinen Abschied groß sein.

Markus Babbel wird diese Zeilen nie lesen

Zumindest wird er diese Zeilen dann nie lesen, wenn sie ihm niemand ausdruckt.

Das Bekenntnis der Woche gelang Markus Babbel: „Ich habe kein Internet.“

(Gehört und aufgeschrieben von Chris Kurbjuhn.)

Anders als Uli Hoeneß, der aus dem Jahr 1952 stammt, ist Markus Babbel Jahrgang 1972 und damit eigentlich Atari-, spätestens aber C64-Generation. Babbel entpuppt sich immer mehr als eine der größten Leertröten auf der Orgel, deren Tasten nach den im Geschäft befindlichen Trainern beschriftet sind.

Da ist es doch schade, dass er sein Werk in Hoffenheim nicht vollenden durfte.

Und nein, Internet zu nutzen oder nicht, sagt eigentlich gar nichts darüber aus, wie gut seine Fähigkeiten als Fußballtrainer sind. Eher über die allgemeine Offenheit für Neues und die Fähigkeit, zu erkennen, wo man Vorteile gegenüber seinem Gegner — und nur darum geht es schließlich im Fußball — erlangen könnte. Aber jenen Vorteil oder in dem Fall Nicht-Nachteil lässt Markus Babbel lieber ungenutzt.

Borussia Mönchengladbach ist das Videoton Székesfehérvár Italiens

Zumindest für einen Italiener ist Borussia Mönchengladbach das jedenfalls, nämlich für den Weltmeistertorwart Gianluigi Buffon. Immerhin macht dieser allerdings Fortschritte:

In Ihrem Buch schreiben Sie, in der Jugend hätte Sie Borussia Mönchengladbach wegen des verteufelt unaussprechlichen Namens fasziniert. Klappt die Aussprache mittlerweile flüssiger?

Buffon: In der Bundesliga läuft es ja wieder besser, und sie sind zurück in Europa. Da hatte ich genug Gelegenheit, meine Aussprache zu verbessern.

Für einen Coach ist das der Tod

Jörg Berger schrieb/ließ schreiben in seinem Buch „Meine zwei Halbzeiten“, mit dem Titel Bezug nehmend auf seine Republikflucht aus der Deutschen Demokratischen Republik und seinem weiteren Leben in der zunächst alten, später dann neuen Bundesrepublik Deutschland:

Es wurden Gerüchte gestreut, ich sei schwul — ausgerechnet ich! Für einen Spieler und erst recht einen Coach ist das der Tod.

Wodka-Wetttrinken und Champagner-Unfall

Stichwort Stuttgart. Der langjährige Präsident des VfB Stuttgart, der mit allen Wässerchen gewaschene Gerhard Mayer-Vorfelder, wurde kürzlich 80 Jahre alt, wie sicher niemandem entging.

Auf der Webseite des offziellen VfB-TVs ließ man sich nicht lumpen und karrte damalige Weggefährten vors Mikrofon. Eigentlich wohl für eine kleine Laudatio, doch es kommt dann ein wenig anders. Jürgen Sundermann zum Beispiel, gleich 3x für insgesamt 6 Saisons Trainer beim VfB, erinnert sich höchst lebendig, wie es war, als der einstige Zweitligist VfB Stuttgart den Wiederaufstieg schaffte oder man im Europapokal in Moskau antrat.

So frei von der, ähem, Leber weg redet man wohl auch nur, wenn man an der Spitze der Alterspyramide angekommen ist. „Einmalig“ nennt Wundermann Sundermann seine Erlebnisse mit Gerhard Mayer-Vorfelder und die Begeisterung schwingt immer noch mit. Anderen würde man eventuell ein wenig galanter zum Geburtstag gratulieren — bei MV scheint diese Art stimmig zu sein.

Hier die ausschweifenden Anekdoten im Beitrag beim VfB-TV selbst anhören.

(Mit Dank an Finder Yensinho.)

Mosaikstein Mayer-Vorfelder

„Er liebt den intellektuellen Austausch, schöpft aus seiner klassischen Bildung, kokettiert mit der Bibellektüre und verwendet Latinismen.“ Was zunächst nach Alex Feuerherdt in einer Folge von Collinas Erben klingt, ist tatsächlich auf jenen gemünzt, welcher — nach Selbstauskunft und daher wohl mit Vorsicht zu genießen — dafür verantwortlich ist, dass der deutsche Fußball sich so entwickelt hat, wie es insbesondere in der A-Nationalmannschaft seit Jahren zu begutachten ist. Sein Name lautet nicht etwa Matthias Sammer oder Theo Zwanziger und auch nicht Berti Vogts, sondern Gerhard Mayer-Vorfelder, von 2001 bis 2006 DFB-Präsident.

Oliver Fritsch beschrieb ihn schon im Jahr 2011 mit diesen Worten, aktuell feiert „MV“ seinen 80. Geburtstag. Hier hegt man keinerlei Sympathien für Mayer-Vorfeldersche Weltbilder oder sein Gedankengut. Und sein Agieren für die Progression des deutschen Fußballs heilt auch keineswegs diese Ansichten, Ressentiments und Verirrungen.

Aber gelesen haben sollte man, was Mayer-Vorfelder für den deutschen Fußball tat, weshalb ich dringend diesen Text empfehle, immer im Hinterkopf habend, dass der Mythos Sammer noch auf seine umfängliche Dekomposition wartet und der empfohlene Artikel eines von vielen Mosaiksteinchen sein kann, welche zusammen diese Dekomposition leisten.

Matthias Sammer ist Traditionalist

Das kommt wahrscheinlich wenig überraschend, aber Matthias Sammer ist Traditionalist. Nicht nur im Fußball, dort auch, aber eben auch in der Musik. Zumindest dann, wenn es stimmt, was er dem Playboy im Mai 2012 eröffnete. Das muss nicht der Fall sein, denn an anderer Stelle hat er auch schon mal behauptet, dass seine Liebe zu deutschem Schlager in Wahrheit erfunden war, um die Medien ein bisschen zu narren. Sich selber zum absoluten Vollhonk (musikalisch) zu machen, um die Medien zu narren — das wiederum kann auch nur jemand bringen, der sich für Schlager begeistert und es dann auch noch zugibt.

Eigentlich wäre es ja auch, weltoffen wie wir alle sind, einfach zu tolerieren, dass jemand auf Schlager steht. Ein wenig unangenehm fühlt sich dann aber die Begründung an, die Sammer dafür liefert:

Ich habe mich, was das betrifft, auch absichtlich ein bisschen antizyklisch verhalten. Einfach um zu sagen: Moment, wieso sollen wir denn immer irgendwo anders schauen, wenn es auch bei uns schöne Sachen gibt? Da bin ich auch ein bisschen Traditionalist.

Man darf davon ausgehen, dass sich Matthias Sammer bestens mit Toni Kroos versteht.