Kotzerei in der Kreisliga

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Ehrlich gesagt muss ich kotzen, wenn ich des indirekten-freistosses (inzwischen vergilbten) Hinweis auf das Spiegel-Video zu Gewalt in der Kreisliga sehe.

Man las des öfteren schon vom SC Mardin, SC Marvin oder SC wat-auch-immer. All die übrigen Teams seiner Liga wollen nicht mehr gegen ihn antreten.

Sicher sind auch in den gegnerischen Teams einige dabei, die nun ihren nationalistischen Hass ausleben können, indem sie einen Boykott gegen „diese“ mitmachen, ohne dass sie dafür selbst etwas tun müssten. Nichtsdestotrotz:

Die Mentalität der Täter ist immer dieselbe. Zunächst wird der Gegner eingeschüchtert, dann wird ihm, sollte er trotz der Einschüchterungen aufmucken, auf die Fresse gehauen, und danach wird intern schön still gehalten bzw. sich gegenseitig gedeckt, so dass kein Täter zu überführen ist.

Ich sage das nicht, weil ich Ausländer so Scheiße finde, sondern weil ich Arschlöcher so Scheiße finde und jene Teams, die genau nach dieser Devise vorgehen, sollten einfach komplett gesperrt werden. So lange, bis irgendeinem der Beteiligten einfällt, wer denn zufällig der oder die Gewalttäter gewesen sein könnten. Denn hier ist jeder, der schweigt, keiner, der sich auf sein Grundrecht auf Aussageverweigerung beruft. Hier ist jeder, der schweigt, ein Täter. Ich verdrehe hier auf keinen Fall irgendwelche Tatsachen. Wer zusieht, wie gedroht, erpresst, repressaliert und dann in letzter Konsequenz auch gemeuchelt wird, und danach die Fresse hält, der ist ein Täter. Was er tut, ist nämlich nichts zu tun, nichts, was Gerechtigkeit, um im Sport zu bleiben, wenigstens Fairness walten zu lassen. Er deckt seine Kameraden, weil er kein Kameradenschwein sein will, und nimmt damit aber in Kauf, dass von seinen Leuten ausgeübte Gewalt nicht geahndet wird.

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass in solchen Fällen die faustklare Gewalt immer erst das letzte Glied einer Kette von Verhaltensweisen ist, die der Einschüchterung und gleichzeitigen Aufpeitschung der eigenen Leute dienen soll.

Wer vorher schon kuscht, der kommt nämlich ohne Schlag in die Fresse davon, tauscht aber damit seine Würde ein.

Wer vorher schon kuscht, der verliert vielleicht das Spiel, verliert aber auch seine Selbstachtung.

Es ist definitiv ekelhaft und ich bedauere, dass ich diese perfiden, aber allzu häufig wirksamen Mechanismen nicht noch genauer beschreibe, sie sind aber jedem bekannt, der Fußball in unteren Klassen spielt.

Zum Kotzen und ganz besonders zum Kotzen ist das wohlfeile Geschwafel jener, die im Spiegel-Online-Video befragt werden: Nein, natürlich wisse man nicht, wer damals die Täter waren, natürlich wisse man nicht, wer wie was wann wo gemacht habe und ansonsten hat man ja auch, weil rechtlich nichts nachweisbar ist, eigentlich gar nix mit der Sache zu tun.

Diesen Brandstiftern gibt man nicht nur das Gefühl, sondern auch den Sieg, mit so einem scheißverlogenen Verhalten durchzukommen, was nichts anderes als erbärmliches Einknicken gegenüber einer Gemeinschaft von Lügnern ist, deren innere Identität ihnen wichtiger ist als das, was tatsächlich passiert ist und wie es zu bewerten wäre, würde man es vor ein ordentliches Gericht bringen.

Wie man sich denken kann, habe ich derlei Verhalten, derlei eingeschworene Betrügereien schon mehr als einmal am eigenen Leib erfahren. Ich bitte den rüden Ton zu entschuldigen, kann aber auch weiterhin nicht nachvollziehen, wie diese Gesellen mit diesem Verhalten dermaßen plump handeln, auftreten und sich gegenseitig decken können, und trotzdem damit durchkommen können. Wohlgemerkt geht es hier weder um Nationalität noch um Schnäuzerträger.

Es geht darum, dass solche Teams mit solchen Machenschaften einen für doof verkaufen und man dem Ganzen machtlos gegenübersteht.

Und Ohnmacht gegenüber einer Ungerechtigkeit erzeugt in erster Linie Wut.

8 Kommentare

  1. Weil ich mich mit Kreisliga so schlecht auskenne, Trainer, nur schnell eine banale Frage, um zu verstehen, worum es geht: Meinst du das Video?

    http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,24561,00.html

  2. Inhaltlich: Aus eigener Erfahrung 100 Prozent Zustimmung.
    Sprachlich: uncharmant, direkt, tacheles. Also: angemessen.

  3. Ja, das mein ich, aber ach, wenn man das sieht, fühlt man sich schon wieder schlecht, weil man diesen Populismuskram mitmacht.

    Diese ganze widerliche Art der Berichterstattung ist mir zuwider, aber an dem, was ich hier drüber geschrieben habe, ändert es nichts. Denn die Berichterstattung ist ja nicht das, was wirklich passiert ist/passiert.

  4. Nein. Es mag zwar Populismuskram sein, aber deiner Polemik entnehme ich vor allem: Eine Kritik der Gewalt, die nicht als Veronica Ferres-Frieda Springer-Charity-Business-Sprechakt mit maximaler ZDF-Kompatibilität verfasst ist und daher bei mir soweit auf Zustimmung stößt. Spannend aber auch das Video: Wie sie da für die Kamera im Kreis eines trostlosen und menschenleeren Platzes stehen und dann (ungefähr) Sätze wie diese fallen: „Hey, Männer, ich muss euch was sagen: Der Gegner ist nicht gekommen, das Spiel fällt aus. Schade. Aber das sind wieder 3 Punkte für uns.“

    Aua, das ist allertraurigstes Reenactment. Und dabei sind sie trotzdem nur Schauspieler ihres eigenen Lebens.

  5. Wir hatten vor etwas mehr als einem Jahr ebenfalls und erneut Probleme mit Teams wie diesem Bremer Klub. In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, das ein Verein gar zwei Aufstiege geschenkt bekam, weil keiner mehr Bock hat.

    Wenn man die Reviersport -Internetseite aufschlägt, dann begegnet wöchentlich einmal, quasi als Aufmacher ein Bericht über irgendeinen Abbruch in irgendeiner Kreisliga irgendwo im Ruhrgeit. Dabei fällt auf, das es keiner war und keiner weiß, wer es war bzw immer die anderen Vereine Schuld sind.
    Das härteste, weil bekloppteste (kann man da Abstufungen finden?), war in meinen Augen der Ausraster eines Teams vor ein paar Wochen, daß sich bei einem Rückstand von über 15 Toren vom Schiedsrichter benachteiligt sah. Unfassbar hohl.

  6. Wieso machst du hier Populismuskram mit? Das Thema scheint ja geradezu nicht populär genug zu sein. Sonst müsste man sich ja nicht mehr darüber aufregen.
    Ich denke, dass Gewalt beim Fußball und um den Fußball herum ein Problem ist, über das man garnicht genug schreiben kann. Wenn man sieht, wie Leute in ihrer Freizeit auf dem Platz auf die Fresse kriegen und Fans bei Auswärtsfahrten misshandelt werden, dann muss/kann/soll man was dazu schreiben. Und erst recht, wenn die „ach so guten“ Kampagnen nur zu noch stärkerem Kopfschütteln animieren.

  7. Tja, aber wir stärken in Deutschland den Rechtsstaat ja nicht durch mehr Personal, sondern durch Verschärfung von Gesetzen.

  8. Ich weiß, das ist hier nicht das Lawblog. Aber mit „Denn hier ist jeder, der schweigt, keiner, der sich auf sein Grundrecht auf Aussageverweigerung beruft.“ bist du übervorsichtig.
    Du sagst es ja selber: „Wer zusieht, wie gedroht, erpresst, repressaliert und dann in letzter Konsequenz auch gemeuchelt wird, und danach die Fresse hält, der ist ein Täter.“
    Das würde das Amtsgericht deines Vertrauens m.E. ganz genau so sehen. Allenfalls mit dem Detailunterschied, daß er eventuell Beihilfer ist, statt Täter, aber geschenkt.

    So gesehen wird dein obiger Satz dann aber doch wieder richtig, denn schließlich hat nur der (potientielle) Straftäter ein Aussageverweigerungsrecht, und nie der unschuldige Zeuge. Eigentlich schade, daß einem das Zeug in der Realität immer so wenig hilft…



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