Nicht mal schwimmen kann er

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Wir lesen wohl alle immer mal wieder Texte von Daniel Theweleit, und in den meisten Fällen sind wir damit zufrieden. Grundsätzlich scheint er ein netter Kerl zu sein, der weiß, wovon er schreibt, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt und der vor allem — soweit beurteilbar — über einigermaßen ausreichende Hintergrundinformationen verfügt, um seine Beiträge näher an die Wahrheit rücken zu lassen als die von vielen anderen. Womit ausdrücklich auch festgehalten werden soll, dass für diese Empfindung ein gewisses Vertrauen in die Absichten des Schreibers nötig ist, welches hier immer noch vorhanden ist.

Gestern aber schrieb er etwas, was geradezu nach einer Krone verlangt, auch nach einer Krönungszeremonie, in der ihm diese Krone aufgepfropft werden darf. Denn Theweleit schafft es doch tatsächlich, in einem Beitrag über Roman Weidenfeller auf derart perfide Weise Jogi Löw einen mitzugeben, dass man ihm dafür die Krone der Perfidie aufsetzen müsste:

Denn Löw ist ein Mann, der sich gerne bei den Erfolgreichen bedient, das ist in dieser Woche wieder zu beobachten.

Womit er auf die Nominierungen so vieler aktuell äußerst erfolgreicher Dortmunder Spieler für den Kader gegen Schweden anspielt und genauso die damaligen Nomierungen von einigen Hoffenheimer Spielern anklingen lässt.

Nun hat man hier zu wenig Archivarenarbeit geleistet, um auflisten zu können, ob Theweleit je mit anderer, gespaltener Zunge zu diesem Thema schrieb. Unstrittig aber ist doch wohl, dass a) es grundsätzlich die Aufgabe eines Bundesjogis ist, die möglichst (zusammen) erfolgreichsten zu nominieren und b) er genau das bislang eben nicht tat, wie sehr irgendwelche Journalisten und der ob dieser Aussagen in Wallung geratene Pöbel ihm auch Kevin Kuranyi ins Südafrika-Heftchen schreiben und schreien wollten oder wie sehr auch an anderen Personalien gekrittelt wurde.

Oder hat irgendjemand schon das allgemeine ständige Wehklagen ob der Berufung von Klose und Podolski sowie das Zusammenrechnen der ach so wenigen Bundesligatore dieser beiden in der vorangegangenen Saison vor der WM 2010 vergessen?

Diesen Strömungen hat sich Löw strikt widersetzt, und wenn er nun Holtby, Schmelzer, Hummels und Co. für ein Testspiel nominiert, dann nutzt er doch lediglich diese angedachte Funktion des Spiels, darin Spieler testen zu können. Wie und wo sollte das sonst geschehen, wenn nicht in einem Testspiel? Stammspieler sind diese fünf bis acht Neulinge damit noch lange nicht und es ist auch geradezu wendehalsig, ihm diese Nominierungen jetzt vorzuwerfen. Schließlich ist dies ein Testspiel. Schließlich würde man ihm im Falle der Nichtnominierung erfolgversprechender Spieler das Gegenteil vorwerfen, -rechnen und -halten. Wie ja schon mehrfach geschehen.

Sollte er die selben Spieler später nicht mehr nominieren, wird man ihm dann die obige Titelzeile in den Schwarzwald werfen, genau wie Berti es einst bezüglich des Umgangs mit ihm selbst beklagte. Mit anderen Worten: Man wird Löw vorwerfen, dass er die selben Dortmunder Spieler, die plötzlich nicht mehr so erfolgreich sind, auch nicht mehr nominiert, und stattdessen auf Spieler mit 40-80 Länderspielen Erfahrung setzt. Was natürlich total unvernünftig wäre.

Man könnte ja untergehen.

6 Kommentare

  1. Aber es ist doch auch immer einfacher „dem Mob“ nach dem Mund zu schreiben als genau das Gegenteil zu tun, oder nicht? ;-)

  2. Hmm er bedient sich bei den aktuell erfolgreichen… Interessante These. Wo doch immerhin 2 Spieler des aktuellen Zweitplazierten dabei sind.

  3. Gut beobachtet. Das Zitat ist mir auch aufgestoßen.

  4. In einem irrst Du, Trainer.
    Beim Kampf um die Perfidität ist, wie man sieht, Theweleit nur zweiter geworden…

  5. „Wie man sieht“? Ich sehe leider nicht, Aufklärung wäre nett. Habe zwar eine Ahnung, was Du meinen könntest, aber keine Gewissheit.

  6. Vorgestern aber schrieb der Trainer etwas, was geradezu nach einer Krone verlangt, auch nach einer Krönungszeremonie, in der ihm diese Krone aufgepfropft werden darf. Denn der Trainer schafft es doch tatsächlich, in einem Beitrag auf derart perfide Weise Daniel Theweleit einen mitzugeben, dass man ihm dafür die Krone der Perfidie aufsetzen müsste:

    „Womit ausdrücklich auch festgehalten werden soll, dass für diese Empfindung ein gewisses Vertrauen in die Absichten des Schreibers nötig ist, welches hier immer noch vorhanden ist“

    Um danach völlig zu Recht und schön süffisant die Absicht des „Schreibers“ auseinander zu nehmen…



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