Parallelwelten

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Ein bemerkenswerter wie rätselhafter Aspekt an Fußballfans ist, dass sie keineswegs Fans von Fußball sind.

Sie sind fast immer nur Fan eines bestimmten Vereines. Was zu seltsamen Auswüchsen führen kann, nämlich dass man sich gerne von einem Hardcore-Fan eines bestimmten Vereines zu einem Spiel von zwei x-beliebigen anderen Mannschaften begleiten lassen kann, woraufhin jegliche Begeisterung desjenigen für Fußball an sich erlischt und er noch während der Partie einschläft. Sollten ein oder mehrere Tore fallen, wird er vielleicht grunzend kurz aus seinem Schlaf hochrecken, wird sich aber keine Synapse mehr für den Ausgang des Spieles interessieren als vorher.

Es ist, als läge ein merkwürdiger Defekt im Hirn des gemeinen Fußballfans vor.

Spielt sein Team, bibbert, schluchzt, jauchzt, frohlockt, prügelt, blutet (herz-), brüllt, klatscht und skandiert er, als gäbe es keinen Anstand. Doch dieses Verhalten ist untrennbar mit seinem Verein verbunden. Ist es der gleiche Sport, aber nicht die selbe Liga oder gar ein gänzlich anderer Wettbewerb und somit keine Konkurrenz, kann man mit diesem doch ach-so-begeisterungsfähigen Fußballfan nichts anfangen; für einen geselligen Fußballabend ist er genauso wenig zu gebrauchen wie fürs Fachsimpeln über diese Partie — schließlich würde er seine Aufmerksamkeit ohnehin nicht lange aufrecht erhalten können.

Und so kann man durchaus über unzählige so genannte Fußballfans in der Bekanntschaft verfügen: Für die allermeisten denkbaren Guck-Partien fallen sie als Partner leider aus.

In diesen Tagen wird es wieder besonders deutlich. Fußballfans und Fußballfans.

8 Kommentare

  1. Even worse, wenn sich die Begeisterung neben dem Verein noch auf eine bestimmte Liga, meist die obere, beschränkt. Erfolgsfan heißt das glaube ich.

  2. püh,

    nur weil der werte Herr Trainer sein Herz an keinen Verein bindet… Wohl Angst enttäuscht zu werden was?

    Ich mag Fußball. Ich finde Fußball toll, auch in der dreiunddreißigsten Liga.

    Aber mein Herz schlägt für meinen Verein, da bin ich aufgeregt und gehe mit. Der Rest ist eben nur Fußball. Ganz entspannt.

  3. @nedfuller:
    Hast Du das wirklich „nur Fußball“ geschrieben?
    Das muss doch ein Tippfehler sein, oder? N U R Fußball?

  4. Sehr schön, Trainer.

    Der Text, der mir aus dem Herzen spricht, und dass Du wieder da bist.

  5. Vor allem, dass Du wieder da bist.

    End of Kommentarspam.

  6. Danke für die nette Begrüßung, heinz.

    Und zu nedfuller sage ich gerne später noch was dazu, aber jetzt drängt gerade jede Minute. Hat man wenigtens keine Zeit, nervös zu werden. Ich gestehe: ich gehe schon um 12h in eine Kneipe, aber eine (für Fußballgucken) unbekannte. Riskantes Spiel vom Trainer.

    Euch allen bestes Vergnügen. In Euren Büros.

  7. Danke, danke, danke, danke für diese wohltuenden und klaren Worte.
    Das bizzarste bei den „echten Fußballfans“ ist aber das arrogante Herunterschauen auf die sog. „Erfolgsfans“, v.a. da beide Gruppen ein ganz wesentlicher Aspekt eint: eindimensionale, unkritische Gefühlsduseligkeit, bei der Wissen um die Sache eher keine Pluspunkte bringt.

  8. Und ja. Toll, dass der Trainer wieder mit seinen Gedanken (immer in schöne Worte gefasst) da ist.



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