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Schlagwort: Kommentatoren

Es waren viele Sachverhalte im Spiel

„Emotionen“, schön und gut. Welche Emotion genau, bitte?

Ein Spiel war „emotional“, spricht man gerne im Fußballdeutsch, aber in welcher Richtung emotional?

Wenn man einen Sachverhalt beschreiben will, wird man sich nicht damit begnügen, ihn als Sachverhalt zu deklarieren.

Man würde schon genauer wissen wollen, was denn nun vorgefallen ist.

Ansonsten wird der Rezipient der Information ja nicht aufgeklärt, er erhält keinen Erkenntnisgewinn.

Sehr grob eingeteilt wird die Existenz dieser Emotionen postuliert:

  • Angst
  • Ärger
  • Freude
  • Trauer

Wenigstens auf eine von den vieren könnte man sich doch festlegen, wenn man über Fußballspiele und die Emotionen, die diese geweckt haben, spricht.

Bemerkenswert auch, dass TV-Sender mit Gefühlen von Angst, Ärger und Trauer Werbung für ihre Produkte bewirken wollen.

Etwas feiner aufgesplittet wird die Existenz der folgenden basalen Emotionen postuliert:

  • Wut
  • Ekel
  • Furcht
  • Verachtung
  • Traurigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Überraschung

Dann einfach nur festzustellen, dass ein Fußballspiel „emotional“ war, bedeutet nichts anderes, als dass es tatsächlich Reaktionen bewirkt hat und „nicht langweilig“ war, nicht neutral wahrgenommen wurde. Das ist natürlich für eine Aussage von Beteiligten — Spieler, Trainer, Manager, Zuschauer — äußerst überraschend und leider überhaupt nicht erhellend.

Also bitte, in Zukunft nachhaken: Welche Emotion war’s genau?

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Bela vs Beckmann

Gerade geht das Transkript der Kommentatorenleistung von good old Béla Réthy beim Champions-League-Finale durchs Blogosquarium.

Ein alter Hut, möchte man da anmerken.

Von der Partie Brasilien — Kroatien bei der WM 2006 liegt hier schon länger das Transkript von Reinhold Beckmanns damaliger Kommentatorenleistung herum. Zugegebenermaßen nicht so nett aufbereitet. Aber getz mal ehrlich: Liest sich solche Transkripte irgendjemand auch nur ansatzweise durch? Okay, Beckmanns Spruch über (den wahren) Ronaldo ist ganz gelungen, aber sonst?

Beckmann bei der Arbeit Teil 1

Beckmann bei der Arbeit Teil 2

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Halb Finale

… und heute folgt die andere half.

Die erste half, Portugal — Spanien, ist bereits gespielt. Und Menschen fragen mich auf offener Straße (das ist in diesen Tagen Twitter), ob ich ernst meine, dass ich mich von dieser Partie gut unterhalten fühlte. Ich tappe nicht in die Falle, die Qualität eines Spiels mit dem Verweis auf statistische Zahlen wie Ballbesitz oder Zahl der Schüsse Richtung Tor zu unterfüttern. Und es würde mein Urteil auch schwächen, wenn ich darauf verwiese, dass noch keines der Spiele bei der EM mit spanischer Beteiligung derart unterhaltsam gewesen sei — was ohnehin nicht ganz zuträfe, denn das Aufeinandertreffen mit Italien war tatsächlich noch besser.

Ich fühlte mich jedenfalls eines Halbfinals eines großen Turniers würdig unterhalten. Viele andere nicht. Statt nun zu überlegen, warum Cristiano Ronaldo so teilweise merkwürdige Laufwege hatte, ob er wirklich der allerallereinzige im gesamten portugiesischen Team ist, der ungefähr 1 von 12 dieser Vollspannfreistöße im Tor unterzubringen in der Lage wäre (was wiederum ohnehin etwas blöd ist, wenn man nur 11 davon erhält), gehe ich lieber der Frage nach, wieso diese große Langeweile bei großen Teilen des TV-Publikums aufkam.

Gleichwohl es ein schmaler Grat ist, von dem man zur einen Seite hin schnell in Richtung Attitüde und Posertum heruntergleiten kann, wenn man ein Spiel für „sehenswert und spannend“ erklärt, dass die Mehrheit der Menschen schlicht einschläfernd fand, will ich diesen Grat mal beschreiten, und hoffe, ich rutsche nicht zur Seite ab.

Annahme 1 – Mangelnde emotionale Involviertheit

Spanien hasst man hierzulande noch immer nicht so, wie man es mit Italien zu tun pflegt. Auch Portugal läuft, abgesehen von „CR7″, eher unter „egal“, ob sie etwas gewinnen oder nicht. Ergo war den meisten egal, welches von zwei schönspielenden südländischen Teams weiterkam. Und daraus resultierte wiederum die eigene mangelnde Beteiligung. Welche aber die Grundzutat dabei ist, eine Partie spannend zu finden oder besser: überhaupt Kontakt mit ihr aufzunehmen.

Annahme 2 – Mangelnde Kenntnis von möglichen Passwegen

Ich weiß, das wird jetzt hier sehr arrogant, aber wenn man keine Gassen auf dem Spielfeld sieht, sieht man evtl. nur kurz nach Abgeben geblockte Pässe, und nicht die beinahe-100-prozentige Torchance, die dann eben nicht stattfand, aber kurz davor war, zu passieren. Wer auf die Partie gestern schaute und von „Langeweile“ sprach, litt entweder unter Annahme 1 oder unter dem Problem aller Eventies: Dass nur Torschüsse als gute Spielszenen durchgehen. Weil nur dann auch der letzte Depp erkennt, dass „es jetzt gefährlich vor dem Tor“ wird. Im tatsächlichen Spiel hingegen gab es massenweise schicke Szenen, die zu mehr hätten führen können, und somit das Spiel als äußerst lebendig erscheinen ließen.

Annahme 3 – Wo Tikitaka draufgeschrieben wird, ist auch Tikitaka drin

Was dann aber eben nicht der Realität entspricht. Denn weil Portugal gestern zumindest so lange, bis die Puste ausging, ganz anders störte als die spanischen Gegner zuvor, waren ungewöhnlich viele lange Bälle Spaniens zu sehen und sogar mehrfach, man höre und staune: Fehlpässe ins Aus. Nicht einer, sondern mindestens mehrere. In der Verlängerung war es dann wieder Tikitaka und auch mit besonderem Zug zum gegnerischen Tor. Vorher aber eben nicht. Merke: Nur weil ständig überall behauptet wird, dass Spanien stets nur Tikitaka und langweilig spiele, muss das nicht in jeder Partie auch tatsächlich so geschehen.

Annahme 4 – Der Bundesliga-Quervergleich

Man darf davon ausgehen, dass die meisten Zuseher Fan einer bestimmten Mannschaft in einer der diversen Bundesligen sind. Dort ist Herzblut und somit emotionale Beteiligung und somit das Empfinden von Spannung per se gegeben. Gleichzeitig ist es in keinem einzigen Pflichtspiel jemals (außer bei Goldene-Ananas-Spielen) egal, ob die eigene Mannschaft gewinnt. Ergo empfindet man Spiele vom eigenen Team niemals als langweilig, selbst wenn sie das objektiv sind. Denn man könnte ja verlieren, oder aber man verwaltet eben gerade seine Führung — aber was gibt es Schöneres in einem Fußballspiel, als zu führen? Weshalb auch ein objektiv langweiliges Spiel der eigenen Mannschaft immer genossen wird. Für Portugal — Spanien gilt das nicht. Der gemeine Zuschauer möchte unterhalten werden, die Spieler und Teams aber suchen den Erfolg. Das sind zwei gänzlich unterschiedliche Ziele. Eine Krux, welche man während 90 oder 120 Minuten nicht auflösen kann.

Soweit also die 4 Grundannahmen, wieso das Spiel so ein verbreitet schlechtes Zeugnis erhielt, welches es aus hiesiger Sicht nicht verdient hatte. Abschließend hinzugefügt, dass es fern liegt, irgendjemanden davon überzeugen zu wollen, ebenso zu empfinden wie der Autor. Wer das Spiel langweilig fand, hat ein Recht auf gesunden Schlaf. So ähnlich eben, wie es hier bei den allermeisten CL-Gruppenspielen geht, siehe Annahme 1.

Es muss zudem noch angefügt werden, dass der in diesem Fall englische Kommentar der BBC die Qualität der Partie von selbst und automatisch um gefühlte 20% anhob. Kann man nur empfehlen, dann werden selbst nicht so extrem hochklassige EM-Half Finals mehr als erträglich, wie gestern geschehen.

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EM-Krokant: Selbst kommentieren, analog bloggen und hungrige Orakel

Es ist eine unlieb gewonnenen Plage: Die Qualität der Kommentatoren. Kann man zwar schön drüber bloggen, nervt aber beim Fußballschauen enorm. Die alten Stimmen, die die immer gleichen Platitüden absondern. Wer endlich andere Platitüden hören will, kann das jetzt bei marcel-ist-reif.de tun, wo jedermann ein Spiel kommentieren kann. Passend zur EM gerade gestartet, ist wohl auch die Frage der Synchronität von Ton und Bild gelöst worden, allerdings ist das die Selbstauskunft der Betreiber.

Vielleicht einfach jetzt gleich beim Hingucker Spanien — Italien ausprobieren. Oder später bei Irland — Kroatien: marcel-ist-reif.de.

Der Schalkefan hatte gleich zwei tolle Ideen, zum einen hat er den kleinsten EM-Spielplan aller Planeten, zum anderen lässt er seine Leser „analog bloggen“ (nur ein Beispiellink), indem diese Spielberichtsbogen ausfüllen und ihm zusenden. Sehr schicke Idee — und sehr nette Spielberichte kommen dabei auch heraus.

Ja, Satire und Fußball, heikles Thema, kann man machen, muss man aber aufpassen. So wie Django Asül zum Beispiel hinten im Kicker. Geht dann eigentlich immer schief, ist weder hintersinnig noch amüsant. (Ähnlich lustig ist es, eine Rubrik statt EM-Splitter „EM-Krokant“ zu nennen.)

Man kann es aber auch machen wie das Schandmännchen, das sich auch immer mal wieder mit Fußball befasst. Dort gelingt es immer öfter. Heute als Thema: Das einzig wahre, mit gesundem Hunger ausgestattete tierische Orakel zur EM. Guten Appetit.

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Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag

Weil das Bashing — zu deutsch Schelte, nicht dass das in Vergessenheit gerät — von Kommentatoren so abgenudelt ist, dass sich mittlerweile schon jeder Blog-Kommentator zunächst mal entschuldigt, dass er nun doch wieder bashen muss, wenn er es irgendwo tut, hier der ultimative Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag. Gleichzeitig entschuldigt sich jedoch niemand, wenn er bei twitter voll in die Saiten greift und abledert, was das Zeug hält. Zuletzt erlebt beim zugegebenermaßen unerquicklich schlechten Tom Bartels gestern bei der Partie Deutschland — Italien, als man sich vor Nörgeltweets bezüglich Tom Bartels‘ Leistung kaum retten konnte.

Weshalb dem etwas entgegen geworfen werden muss.

Und das geht folgendermaßen, einfach, schlicht und ergreifend:

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

Ich selbst muss lange überlegen, bis mir zumindest aus der Gegenwart einer in den Sinn kommt. Ich verfüge weder über himmel noch verfügte ich je über Uraufführung, zudem schaue ich TV-Fußball ohnehin häufig in Situationen, in denen man den Kommentar kaum versteht und genauso häufig kann ich mir den Namen nicht merken, sofern es nicht eine jener Eminenzen ist, die man seit Jahren kennt oder seit Jahren basht bzw. schilt.

Wie dem auch sei, ich kann heute mit keinem Namen in Vorleistung gehen, würde aber gerne wissen, welchen Kommentatoren Ihr als angenehm empfindet. Timbre, Themen, Tonation. Was auch immer dafür relevant sein könnte. Und gerne auch aus der Vergangenheit, muss aber natürlich nicht, ein aktuell Wirkender wäre fast noch lieber.

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

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Akustikbeispiel: Wie sich Marcell Jansen guten Fußball-Kommentar vorstellt

Es gibt neben einigen Artikeln in den uralten Medien auch bei angedacht eine lesenswerte Diskussion zu den Äußerungen von Marcell Jansen bezüglich Gerd Gottlobs Leistung beim Spiel in Belgien. Mit dem Tenor, dass Jansen darin eigentlich nur Stuss fordert.

Es ist schließlich nicht von der Hand zu weisen, dass zwischen seinem Wunsch nach sachlich-fachlich-qualifizierteren Kommentatoren — auf dass er stets richtig, zumindest aber nie zu schlecht bewertet werde — und der Forderung nach emotionaleren Kommentarweisen wie man sie in Spanien oder Italien kenne, ein Widerspruch besteht.

Als Krönung des Kommentierens von Fußballspielen will uns der kleine Marcell Jansen — der übrigens auch die Formel des Lebens kennt und Famoses über die Erziehung von Profis locker aus dem Ärmel schüttelt — niemand Anderen als Werner Hansch als fähigen Kommentatoren verkaufen. Was nur der Tatsache geschuldet sein kann, dass er zu Hansch‘ Zeiten noch ein Knäblein war.

Wie sich das damals mit dem Traber aus Recklinghausen am Mikrofon anhörte, macht nämlich die große Werner-Hansch-Maschine deutlich.


[photopress:die_grosse_werner_hansch_maschine.jpg,full,centered]

Dabei bitte alle Tasten in der Reihenfolge der Zahlen anklicken, es existiert durchaus inhaltliche Kontinuität und ein Crescendo bis zum sinnebetäubenden Hansch-Finale in diesem wunderbaren Zeitdokument namens Werner-Hansch-Maschine.

Unser Favorit: Taste 31.

Unser kluger Knabe des Monats: der kleine Marcell.

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