Azǝrbaycan — Almaniya 1:3

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„Sie müssen verstehen, ja. Unsere Leute fangen erst mit fünfzehn, sechzehn mit dem Fußball an. Wir haben nur ganz wenige aktive Profis in unserer Liga, ja. Und die trainieren dann auch viel zu wenig. Manchmal sind es nur eine, anderthalb Stunden, nicht mehr. Wir müssen mehr trainieren. Wir hätten natürlich gerne so Verhältnisse wie in Deutschland, ja, davon können wir nur träumen. Ich bin jetzt vier Jahre hier, es wird noch dauern, bis wir in Europa mithalten können.“

Dazu der Dackelblick und das immer wieder verschmitzte, aber strahlende Lächeln, besonders bei der Frage danach, ob er Angebote aus der Türkei habe, ein Lächeln, für das auf der anderen Seite Jogi die Leistung dann doch deutlich zu schwach war.

So viel kam zum Spiel seitens des aserbaidschanischen Nationaltrainers. Weil das Spiel selbst ja auch kaum Anlass dazu gab, darüber zu sprechen. Ein Tor erzielt, lange Zeit gut verteidigt, teilweise ein paar dieser ominösen Nadelstiche gesetzt und den nur vermeintlich besten Torhüter der Welt einige Male sehr alt aussehen lassen (ungefähr so), warum also ein Wort über die Partie verlieren?

Dass er zudem gerade 1:0 gegen die Türkei gewonnen hat, immerhin vor Kurzem noch WM-Dritter und international eher anderthalb- als zweitklassig, würde man angesichts dieser Litanei gar nicht vermuten. Aber Abgleiche mit den Realitäten fielen dem Trainer von Aserbaidschan, äh, Azǝrbaycan schließlich schon immer schwer.

Ja?

18 Kommentare

  1. Als ich den kleinen Mann mit den großen Handbewegungen (bei Deutschland ist die Hand dann auf Über-Kopf-Höhe angekommen) gestern mal wieder gesehen habe, wurde mir klar, dass ich ihn nicht eine Sekunde vermisst habe.

  2. Unter Leitung des „kleinen Mannes“ wurde der letzte Titel einer deutschen Herren-A-Nationalmannschaft gewonnen.

    Und ja, ich höre schon das Aufstöhnen der Vogts-Gegner: „Laaangweilig!! Ja und?? Das war doch eh eher Sammers Verdienst und das ewige Gerede vom ‚Räumezustellen‘ auf Schloß Mottram Hall war doch eh kaum zu ertragen … “

    Ich will es mal mit einem damals aktuellen Oasis-Song sagen bzw. singen: „Don’t look back in anger …“

  3. Viel zu jung, Johannes:
    Schuld war nur der Motzki Sammer/
    Vogts kann nix dafür/
    Schuld war nur der Motzki Sammer/
    Bitte glaube mir/
    Denn wenn einer was zu melden hatte da/
    War das sicher nicht der Berti, das ist klar/
    Schuld war nur der Motzki Sammer/
    Der war Schuld daran.

  4. mir fällt auch auf, Trainer, dass da einer groß geredet wird. Da die Bayern keinen „nur“ sehr guten Tormann kaufen, muss Neuer (das ist die Logik) der weltbeste sein.
    Dieses „hohe Bälle, parallel zur Torlinie nicht kriegen“ muss er abstellen, wenn er ein überragender TM werden will. Er braucht unbedingt wieder einen echten Konkurrenten in der Nationalmannschaft.

  5. Zum 96er Titel gibt es ja noch eine andere Theorie, aber die hat der Trainer schon verbreitet.

    Außerdem war es doch Bierhoff…

  6. Immerhin hat es Berti Vogts geschafft, dass Aserbaidschan unter ihm nicht mehr so hoch gegen Deutschland verliert.

  7. Für mich die wichtigste Erkenntnis des Spiels: Meine Jugendtrainer haben mir immer die Abseitsregel falsch beigebracht.
    Die haben immer gesagt: Bei einem Rückpass kann es kein Abseits geben.

    Ich dachte schon, der Assistent hätte einen Fehler gemacht: ca. 83.Minute Pass von Höwedes, der ca. 5m vor der Grundlinie steht leicht nach hinten, Schürrle von der Eckfahne kommend, erläuft sich den Ball. Das ist Abseits. Und war es wohl auch schon immer. Kein Wudner, dass aus mir kein Nationalspieler geworden ist, wenn ich noch nichtmal Trainer hatte, die die Regeln beherrschen.

  8. Das hast Du falsch verstanden. Richtig muss die Formulierung lauten: Bei einem Pass, der in Bezug zur Richtung des Tores, auf das das angreifende Teams spielt, nach hinten, also in Richtung des eigenen Tores, gespielt wird, kann es kein abseits geben.

    Der Einfachheit halber mündet dies dann in der Aussage „Bei einem Rückpass gibt es kein abseits“, gemeint ist aber nicht, ob es ein Rückpass nach einem ersten, initiierenden Pass ist oder nicht, sondern einzig, ob der Pass in Richtung des eigenen Tores gespielt wird. In dem Fall gibt es dann eben kein abseits.

    Ausreichend klar erklärt?

  9. In welche Richtung der Pass gespielt wird, ist in der Abseitsfrage ohne Bedeutung.

  10. Hm, der Herr OF ist ausgebildeter Trainer und auch Schiedsrichter, also wird er es wissen. Außerdem kann ich gerade keinen Verweis auf eine Änderung der Abseitsregel in den letzten x Jahren finden.

    Aber war es nicht einst so wie ich es oben beschrieb und wie ckwon fragte?

    Ich sage allerdings lieber nichts mehr ohne meinen Anwalt in dieser Frage.

  11. Ehrlich gesagt, hab ich Deine Erklärung nicht verstanden. Deswegen will ich nicht so vehement widersprechen. Was meinst Du mit initiierendem Pass?

  12. Wo ist Erwin Striegel?

    Oder: Abseits ist, wenn der Schiri pfeift.

    Trotzdem löst diese Fragestellung, also ob die Richtung des Passes nach vorne oder nach hinten für Abseits relevant ist, tatsächlich für Normal-Abseitskundige Nachdenken aus.

    zu Hans-Huberts: Der hat sich sein Image wirklich redlich verdient. Er hat lange dafür gearbeitet und wenn er es so wollte, hat er auf ganzer Linie Erfolg gehabt.

  13. OF hat Recht: Die Richtung des Passes ist in Bezug auf das Abseits irrelevant. Beispiel: Ein Angreifer spielt den Ball nach hinten; ein Mitspieler, der im Moment dieses Abspiels der gegnerischen Torlinie näher war als der Ball und nur den gegnerischen Torwart vor sich hatte, läuft nun zurück und holt sich das Spielgerät. Das ist Abseits, und das war es meines Wissens auch schon immer.

  14. Ja, das ist richtig und (für mich) auch unstrittig. Mir ging es darum, dass jemand, der zwar näher am gegnerischen Tor steht als der vorletzte gegnerische Spieler, aber hinter* seinem ballführenden Mitspieler, nicht abseits ist, wenn er angespielt wird.

    So hab ich es jedenfalls auch einst gelernt.

    *oder sogar auf der gleichen Höhe

  15. Ah, okay, dann hatte ich dich falsch verstanden. Wenn er hinter seinem ballführenden Mitspieler steht, steht er ja automatisch auch hinter dem Ball und kann somit nicht Abseits sein.

  16. Womit wir wieder bei dem wären, was im Volksmund als „bei Rückpass (für einen Pass nach hinten) gibt es kein abseits“ ausgedrückt wird.

    Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler.

    Was genau an „näher […] als der Ball“ verstehst Du nicht, Trainer Baade? Wie gesagt, ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt, aber nur um jegliche Blamage zu vermeiden.

    Jedenfalls ist also ckwons Eingangsfrage geklärt, dass die Jugendtrainer nichts Falsches erzählt haben, sondern es nur in Deutsch für einfache Gemüter verpackt haben. Also für so Leute wie mich.

  17. … bei aller Detailtreue, bitte ich doch um den beschreibenden Hinweis der Bertischen Zunge, welche so lustvoll über die Oberlippe leckt.

  18. Hmmm, immerhin kannten ja auch andere Leute die vereinfachende aber falsche Form.

    Wobei, besser wäre wenn die Jugendtrainer beigebracht hätten: „Wenn du jemand anspielst, der hinter dem Ball steht, ist er nie abseits“

    Ist auch nicht komplizierter, dafür richtig.

    OK, in 99% der Fälle, wenn man einen Rückpass spielt, dann ist es auch kein Abseits, aber das 1% kann über Meisterschaft oder nicht entscheiden.

    Man stelle sich vor: Spieler A läuft auf den Torwart zu, Spieler B läuft mit, ist aber zu weit vorne, Spieler A spielt Rückpass den sich dann Spieler B nach hinten erläuft, obwohl Spieler A auch einfach selbst hätte einscheiebn können…



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