Besser anketten, den deutschen Tessiner

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Herrliches Zitat, welches demonstriert, dass die 2002er-Finalniederlagenserie an den Leverkusener Spielern doch nicht ganz so spurschwach vorbeigegangen ist, wie nur kurze Zeit später alle beteuerten (ohne Quellen dafür zu haben):

Noch ist es ja nicht so weit, noch hat er seine Karriere nicht beendet. Auch wenn nicht ganz so einfallsreiche Spötter behaupten, das, was Arminia Bielefeld zur Zeit zeige, habe nichts mit Fußball zu tun. Der Polen-Olli, der ja eigentlich Schweizer ist, und noch dazu auch noch nicht-deutschsprachiger Schweizer. Ein Spieler, der über seine gesamte Karriere hinweg sympathisch war, egal, wo er spielte. Mag vielleicht wie bei Bernd Schneider daran gelegen haben, dass er so still und zurückgezogen war und damit eine ideale Projektionsfläche für den Traum von einem echt sympathischen Fußballer bot.

Vielleicht ist er in Wirklichkeit einfach total hohl, aber das würde man gar nicht so recht wissen wollen. Er wirkt vielmehr neben seiner vermeintlichen Bescheidenheit immer ein wenig wie eine viel zu dünn geratene Comicversion von einem Fußballer, weshalb man ihn wohl mit Charakteren aus angenehmen Vorabend-Cartoonserien assoziiert.

Wie dem auch sei, noch ist es nicht so weit, aber der Tag wird kommen, dann wird auch der letzte der älteren Generation der 2006er-WM-Spieler nicht mehr aktiv sein. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch der Rückblick auf seine nicht kurze Karriere fertig sein. Bis es so weit ist, kann man sich vielleicht mit diesen interessanten Porträt der NZZ von Oliver Neuville über Wasser halten, welches eher die Anfangstage seiner Karriere beleuchtet. Und natürlich den traurigen Tief-Höhepunkt:

Oliver Neuville ist auch ein unglücklicher Serien-Verlierer, allerdings auf Weltklasseniveau. 2002 hat er, innerhalb von zwei Monaten, die Meisterschaft verspielt mit Bayer Leverkusen am letzten Spieltag, dann den deutschen Cup- Final verloren, dann das Endspiel der Champions League gegen Real Madrid. Und zuletzt den WM-Final gegen Brasilien, 0:2. „Wir sind anschliessend nach Saint-Tropez in Urlaub gefahren“, sagt Schönwetter. „Und wir mussten ihn anketten an der Bar, sonst wär er runtergfallen.“

Wenn das nicht sympathisch ist …

Achja. Und Raucher ist Oliver Neuville auch.

10 Kommentare

  1. „Und wir mussten ihn anketten an der Bar, sonst wär er runtergfallen.“

    Das muss man heutzutage immer noch….leider!!

  2. Das wäre jetzt wie genau zu verstehen?

    Verschwurbelte Andeutungen an der Grenze zu undefinierten Grenzen finde ich etwas fragwürdig.

  3. Handballer Neuville ? Sympathisch auch für Fans anderer Vereine?

    Gilt wohl maximal für 17 aktuelle Bundesligisten…

    „Ich wurde gefoult, hätte sonst Elfmeter gegeben“ Da könnte ich mich heute noch drüber aufregen.

  4. Immerhin wurde er im Gegensatz zu den meisten anderen Sündern ähnlicher Bauart nachträglich gesperrt, was ja wenn ich mich recht entsinne durch so einen elendigen Gummiparagraphen gerechtfertigt wurde, den man nur aus der Schublade zieht, wenn die FOTO laut genug schreit.

    Sympathisch finden „muss“ man ihn aber natürlich sowieso nicht.

    Frage mich aber, wie schnell Leute ihre Meinung änderten, wenn der Betreffende plötzlich im eigenen Verein kickte.

  5. Zumindestens gibt es jede Menge deutlich unsympathischere Fussballer… ;-)

  6. Bei Neuville fällt mir neben dem Dortmund-Tor vor allem auch noch das letzte Spiel bei Hansa Rostock ein. Er hatte schon einen hübschen neuen Vertrag; ich glaube, bei Leverkusen. Es war 1999 an diesem legendären letzten Spieltag, der nicht nur für Nürnberg und Frankfurt dramatisch war, sondern eben auch für Rostock. Diese brauchten einen Sieg in Bochum, lagen dort aber zurück. Oliver blutete übel am Ohr, wurde dann aber mit Turban noch recht wichtig in dem Spiel. Wäre er ohne Turban sicher auch geworden, aber so was prägt sich halt noch mehr ein.

    Hier das Zitat von seine Homepage: „In seinem letzten Spiel für Hansa Rostock wurde Olli bei einem Zweikampf am Ohr verletzt. Obwohl die Wunde mit sechs Stichen genäht werden musste, spielte Olli mit einem Verband in Form eines Turbans weiter, er schoss ein Tor und gab Majak am Ende den entscheidenden Assist zum Siegtreffer.“

    Und ein Bild: http://www.oliver-neuville-homepage.de/mediac/400_0/media/neuoli01.jpg

  7. Danke, McP, das Spiel hab ich auch noch sehr gut in Erinnerung. Stand etwa 200m vom Stadion entfernt.

    Womit aber auch eins ganz klar wäre: zweifellos ein untadeliger Sportsmann, nicht wahr?

  8. Aus meiner Sicht schon, die mag nicht komplett sein, aber das möchte ich dann auch nicht wissen. Mir hat er bei dem Handtor eher Leid getan, weil das mMn nicht so recht zu ihm passte und dann eben doch einen Fleck auf der Weste hinterläßt. Jedenfalls finde ich nicht, dass er vor allem deshalb bei seinen Vereinen beliebt, weil er bei anderen unbeliebt war. Aber er hat auch so was Knuffiges (Aussehen, Sprache, Spielweise, schüchternes Auftreten). Das ist schon ein beinahe unfairer Wettbewerbsvorteil in Sachen Sympathischfinden.

  9. Meine Frage war auch eher rhetorischer Natur. Natürlich muss das jeder selbst wissen, aber meinem Empfinden nach (siehe Beitrag) ist er das: sympathisch. Ebenso natürlich ist das eigentlich kein Kriterium für einen Fußballer, aber am Ende ist es doch eben genau das. Und da hat er natürlich, wie ich finde, enorme Pluspunkte.

    Es gibt andere, die viele Tore schossen, die man nicht so mag wie ihn, ckwon natürlich ausgenommen.

  10. Und dann kam das Ende doch ganz schnell, nämlich jetzt. Schade, Oliver.



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