Das ist einfach nicht mein Niveau

| 4 Kommentare

Wenn einer viel zu gut ist für den Rest, als der Rest, über dem Rest, dann sieht es normalerweise so aus, dass man jeglichen Ball, den man erobert, so schnell wie möglich zu diesem viel besseren Spieler als der Rest befördert, woraufhin der seine Gegner wie Slalomlakritzschnecken stehen lässt und ein Tor nach dem anderen schießt oder so unwiderstehlich für seine Mitspieler auflegt, dass die gar nicht anders können als ins Tor hineinzutreffen. Man weiß dann: Entweder kommt der Gegner nicht mehr wieder, weil er nicht so taten- und vor allem machtlos zusehen will, wie ihm Tor um Tor gezapft wird, oder der viel Bessere kommt nicht mehr wieder, weil er a) nach oben hin weggekauft wurde oder b) sich selbst bei dieser Überlegenheit tierisch langweilt.

Man hat gesehen, dass das für Luca Toni einige Klassen zu tief war.

Nicht ganz wörtlich wird Mehmet Scholl so wie oben zitiert. Das tatsächliche Resultat war nach 45 Minuten eine Gelbe Karte, die kicker-Note 3,5 und ein Kopfball an die Latte. Das Team lag bei seiner Auswechslung schon 0:2 hinten, am Ende verlor es 0:5. Natürlich spielen immer 11 Mann und niemand kann das Spiel alleine gewinnen, der Titan hat’s ja auch nicht geschafft. Aber ist das nicht doch ein bisschen mager, wenn man annimmt, dass hier ein Weltmeister spielte, ein italienischer Nationalstürmer und auf der anderen Seite eine Drittligamannschaft?

Wie hat man sich das also konkret vorzustellen, dass ein Spieler wesentlich besser als die anderen ist, er das aber nicht ausspielen kann, weil die Klasse einfach zu tief ist? Die Antwort weiß wohl nur der Grünwalder Wind.

Für alle unter uns, die wirklich Scheiße spielen, bieten sich allerdings nun ganz neue Ausreden: Das sei einfach nicht unsere Klasse, viel zu tief, auf dem Niveau könne man eben nicht zeigen, was man wirklich kann, das gehe nur in Länderspielen oder in der Champions League, aber doch nicht gegen dieses Team aus der Bunten Liga. Und überhaupt: Falls man ausgewechselt werde, werde man vor Schlusspfiff nach Hause gehen, ohne abzuwarten, wie die Partie nun ausgeht. Wie ein Weltmeister eben, der ganz profan auch keinen Bock auf im-Stau-Stehen hatte. Achja, und natürlich eine Gelbe Karte abholen, weil der Schiedsrichter nun mal keine Ahnung habe. Viel zu tief, dieses Niveau.

4 Kommentare

  1. Ich vergleiche den Fußball jetzt einfach mal mit Basketball (auch auf die Gefahr hin, dass mich einige dafür in der Luft zerreissen werden). Wenn ein guter Basketballer, sagen wir mal ein Center aus der NBA gegen einen deutschen Drittligisten keinen Stich sieht, dann liegt das nicht daran, dass das Niveau zu niedrig ist sondern der Spieler zu schlecht. Ein Weltklasse-Spieler muss einfach gegen einen Drittligisten auf seiner Position dominieren!

  2. @Tom: Du sagst es: „einfach mal vergleichen“. Ich sage: Äpfel und Birnen. Es ist im Basketball wesentlich einfacher, seine persönliche Klasse so auszuspielen, dass sich das auch im Ergebnis spiegelt. Im Eins-gegen-eins können sich überragende Basketballer viel häufiger durchsetzen und ergo Punkte machen, als es der bester Fußballer je könnte. Wird der Basketballer mit zwei oder gar drei Gegner bedacht, passt er – denn er ist ja ein guter seiner Zunft – klug zum freien Mitspieler usw. usf.

    Generell unterstelle ich Toni zwar auch eine gewisse Leckmichdochamarschigkeit, aber er ist auch nicht unbedingt in weltmeisterlicher Nationalmannschaftsstürmerform. Und auch wenn man Cristiano Ronaldo nach Ahlen verfrachtet, können die 0:5 gegen Union verlieren.

    Ist das nicht herrlich? Ein echter Mannschaftssport.

    ps. Was Scholl sagt, ist natürlich grober Unfug. Aber was hat er denn eigentlich wörtlich gesagt?

  3. Man hat gesehen, dass Luca Toni für das einige Klassen zu tief war.

  4. Aber ist das nicht doch ein bisschen mager, wenn man annimmt, dass hier ein Weltmeister spielte, ein italienischer Nationalstürmer und auf der anderen Seite eine Drittligamannschaft?

    Einer gegen elf. Da ist selbst ein Weltmeister machtlos.

    Und nichts gegen Drittligamannschaften, da wird auch schon ein ganz ordentlicher Fußball gespielt. Habe mich davon selbst schon mehrmals überzeugen können, übrigens auch beim Spiel gegen Jahn, dem aktuellen Tabellenführer der Dritten Liga.

    Mal ganz abgesehen davon, dass Luca Toni gar nicht schlecht gespielt hat. Bemüht, ein wenig unglücklich (ein Abseits-Tor, ein Wembley-Tor, eine lächerliche Gelbe Karte), aber durchaus mit Torgefahr und Zug zum selbigen. Mager war das Spiel der kleinen Bayern also durchaus, aber so geht’s seit Saisonstart, insofern war das keine Überraschung mehr. Und das 0:2 bzw. 0:5 lag noch am wenigsten an Toni.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.