Der Ende keines Zyklus

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Frankreich verliert 1:3 in Österreich und wir blättern gar nicht allzu weit zurück, als uns die vorbildlichen Fußballinternate und natürlich die ungleich attraktiveren Aufstiegsmöglichkeiten gerade für Immigranten als mögliche Gründe für die dauerhafte Überlegenheit der Nachbarn im Westen vorgehalten wurden. Jetzt fragen wir uns, ob die Schwäche der Franzosen nicht zum großen Teil daran liegen könnte, dass alles Menschliche in Zyklen abläuft, selbst beim vermeintlich männlichen Fußball.

Wo ist der Internatsvorteil, die tolle technische und taktische Schulung, die frühe Ausrichtung auf den Fußball als Lebensinhalt und wo sind die über den grünen Rasen gelobten noch vorbildlicheren französischen Fußballausbilder, wenn man 1:3 in Österreich, ja, eben nicht einfach verliert, sondern dem Dahinsiechen der letzten Jahre — das erreichte WM-Finale 2006 war wohl nur das Pendant zu Deutschlands WM-Finale 2002 in einer ansonsten grauenhaft anzusehenden Epoche — einen für alle weit sichtbaren Leuchtturm der Einfalls- und Erfolgslosigkeit aufsetzt?

Natürlich könnte keine Auswahl der Welt den Rücktritt von Zinedine Zidane einfach so verschmerzen, und man kann solche mit Fug und Recht als Jahrhunderttalent bezeichneten Größen nun mal auch bei massig Interessenten nicht einfach so aus dem Internat zaubern. Doch genau dieses Ziel verfolgt man doch mit der Züchtung ganzer Heerscharen von Jugendlichen: Ein breites Fundament zu bilden, um die Ausschläge der Tiefs nicht allzu drastisch ausfallen zu lassen. Hier aber: 1:3 in Österreich. Eine einzelne Niederlage machte noch keinen Trend, doch für Frankreich ist es eben genau das schon lange. Es wird nur jetzt gerade besonders augenfällig.

So zeigt sich wieder einmal, zum Glück für uns, aber auch die Betreiber, dass niemand den genauen Weg zum Erfolg kennt. Und der Stein der Weisen wird im Fußball durch so Faktoren wie ständige Evolution des Spiels selbst, der taktischen Mittel, aber auch der Zusammensetzung der Ligen derart raffiniert stetig verändert, dass kein Mensch ahnt, wo er wohl aufzufinden sein könnte, geschweige denn, dass jemand sein Aussehen beschreiben könnte.

In französischen Fußballinternaten befindet er sich derzeit jedenfalls nicht. Wobei auch das morgen schon wieder anders sein könnte, antizyklisch-zyklisch.

11 Kommentare

  1. Der Trend ist für Frankreich jetzt aber auch schon drei Jahre alt.

    Davon abgesehen hast Du natürlich Recht. Interessant vielleicht noch, dass die erfolgreiche Arbeit eines Verbandes, eines Vereins oder eines Trainers dann erst einmal kopiert wird (meist ohne den gleichen Erfolg zu haben), bis dann einer ankommt und genau das Gegenteil macht: ein Mittel gegen exakt dieses Erfolgsrezept zu entwickeln.

    Einfach gesagt: Wenn’s alle machen, wird das Gegenteil richtig sein.

  2. Das wird jetzt super abgedroschen klingen, aber:
    „Entscheidend ist auffem Platz.“ Und dort kann man nur 11 (bis 14) Leute aufstellen, egal wie viele Talente und Stars man in den Internaten „herangezüchtet“ hat.
    Frankreich hat immer noch sehr gute Einzelspieler (wie z.B: Frooonk oder Henry). Aber auch sehr viel alternde Stars, die ihren Zenit schon längst (im Jahre 2000) überschritten haben und die jetzt erst einmal durch nachrückende, unerfahrenere (Internat-) Spieler ersetzt werden müssen.
    Sehe da einige Parallelen zur DFB-Elf anno 1998.

  3. Liegt vielleicht am Trainer, Trainer.
    Nebenbei: es haben Frankreich und Österreich bei der EM je einen Punkt geholt und ein Tor geschossen, so dass die ehemals großen Unterschiede da schon verflucht klein waren, ja, eigentlich war Österreich mit 3 Gegentoren sogar doppelt so gut (halb so schlecht? Egal) wie Frankreich, die mal eben 6 Dinger kassiert haben.
    Und Zidanes Abgang? Mal so gesagt: die Niederlande hat es 1974 mit Cruyff und 1978 ohne ihn ins WM-Finale geschafft; da hat also irgendwas funktioniert, was es bei den Franzosen derzeit nicht tut.

  4. Die Gretchenfrage zu diesem Artikel:

    War Österreich so gut, oder Frankreich so schlecht?

    Der Artikel basiert auf der These, dass Frankreich so schlecht war – meiner These nach, wurde das Team Österreichs durch Karel Brückner wachgeküsst, sprich es ist stark geworden (wie stark wird sich gegen Litauen weisen).

    Ja, Frankreich hat keinen Zidane mehr, aber das Team ist noch immer top, aber gegen eine Mannschaft wie Österreich, deren Männer ø über 10 cm größer sind und mittlerweile wissen wie man international kickt, ist es nicht mehr so einfach wie noch vor 1-2 Jahren.

    In Österreich ist was großes im Entstehen… (siehe auch Erfolge U21) ABER diesen Weg zu kopieren bringt auch keinen weiter. Das Erfolgsrezept gilt immer nur für paar Jahre und kann nicht kopiert werden.

    Jedes Land ist einzigartig, jeder Spieler ebenso.

  5. Frankreich hat nicht nur alternde Stars und einen schlechten Trainer sondern vor allem einen schlechten Trainer, der an alternden Stars festhält. Das Spiel gegen Italien hat er zum Beispiel klassisch vercoacht, um danach seiner (einem Spieler ausgespannten) Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Das lässt auch noch auf einige menschliche Schwächen schließen. Aber wir haben 2000 ja auch unseren Ribbeck erduldet – dieser Trainer war einfach auch das Symptom einer Krise, nicht die Ursache.

    Zumindest einwohnerreiche Länder mit Fußballtradition wie Frankreich, Italien und selbst Spanien kommen immer mal wieder hoch, vielleicht schafft’s ja sogar England. Eher verschwinden kleinere Länder nach dem Abtritt einiger Superstars mal in der Versenkung, ich sage nur Ungarn oder jetzt Dänemark. Die Niederlande 1974 waren weit mehr als „nur“ Cruyff, da entstand rund um Ajax eine Fußball-Schule, eine Philosophie, die bis heute wirkt. (Allerdings verdaddeln die Oranjes des 21. Jahrhunderts ihre Titel auch immer noch so, als wäre noch 1974…)

  6. Frankreich hat unglücklicherweise nicht nur einen schlechten Trainer, sondern insgesamt keinen guten. Hervorragende Spieler, auch junge, gibts zu Hauf. Allerdings nicht im defensiven Mittelfeld. Ohne Vieira kein Spiel in der Mitte. So ist das momentan, und Domenech hat zwar viele „impressions“, aber wenig Konzepte. Dann macht man halt weiter von Standardsituation zu Standardsituation. Vielleicht hat Wenger ja irgendwann wieder Zeit und Lust.

  7. Wenn Österreich auf einmal im Fußball gut wird, was wird dann aus den Skispringern…

  8. Christoph, eine interessante Frage, aber nicht für diese Seite. Wie gesagt, Formel 1 kommt gleich hinter Skispringen bzw. umgekehrt. Kommt mir nicht mit Basketball oder noch schlimmer Skateboarden oder sonstigem modernen Scheiß. Ich bin alt, und das bleib ich auch, bis ich sterbe. Natürlich darf man das gerne mal erwähnen, dass es auch andere Sportarten gibt, mit diesem kleinen Lächelnerzeugen muss es das dann aber auch gewesen sein.

    Abgesehen vom Überbächespringen, welches heutzutage eine deutliche Abkehr der Jugend erleiden muss. Verständlich allerdings auch, angesichts all der undurchsichtigen Jury-Entscheide und nachträglich veränderten Endresultate. Da hätte ich auch keine Lust mehr.

  9. @Christoph Rode: wir Österreicher sind im Skifahren aber viel besser als im Skispringen. :-p

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