Die große ZDF-WM-Gala

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Wenn ich einen Fernseher hätte, hätte ich heute Abend die WM-Gala im ZDF geschaut. Da hätte ich dann unter Anderem gesehen:

- den unvermeidlichen Horst Eckel, Weltmeister von 1954. Zeit für ihn, langsam abzutreten, sonst muss er noch die nächsten 10 Jahre in komischen WM-Galas und bei WM-Auslosungen auftreten. Zu sagen hatte er jedenfalls nix.

- Paul Breitner, wie er seine Rolle als fiese Möpp bestätigt, indem er in Anwesenheit von Johann Neeskens Moderator Kerner widerspricht, dass die Holländer eigentlich die beste Elf der WM 74 waren. „Nein, das waren die Polen!“ – Arroganter Sack.

- Toni Schumacher, wie er beim Anblick der Gegentore im Finale 1986 (fast) anfängt zu weinen.

- Klaus Fischer, wie er im hohen Alter von ca. 50 Jahren noch Fallrückzieher beherrscht und von Manni Kaltz zugeworfene Bälle in einem Tor versenkt. Respekt. Ich konnte Zeit meines Lebens keinen Fallrückzieher. Grätschen kann ich übrigens auch nicht.

- Oliver Pocher, der versucht, Lukas Podolski zu imitieren, was total in die Hose geht. Niemand erkennt es. Peinlich.

- Ingolf Lück. Was hat Ingolf Lück bei einer WM-Gala zu suchen? Okay, als Showgast mal kurz, aber er saß den ganzen Abend auf dem Sofa neben Kerner. Versteh ich nicht, zumal er auch zum Thema nix zu sagen hatte, außer der falschen Information, dass Schnellinger ja in der 90. Minute gegen Italien bei der WM 1970 das 3-3 erzielt hätte. Natürlich war es das 1-1.

Weitere Erkenntnisse:

- Berti Vogts hat schon 1978 genauso wehleidig und verunsichert in die Kamera gesprochen wie heutzutage auch.

- Kerner lässt selten jemanden aussprechen. Hat er das bei der WM-Auslosung auch schon so gemacht?

- die beiden Typen, die Goleo und Pille sprechen, sind ungefähr so schlagfertig wie ein Stück Holzkohle.

- ob Miroslav Klose bei so einer Gala auftaucht und Belanglosigkeiten in seinen Hemdkragen nuschelt oder nicht, ist Jacke wie Hose.

- Kerners Frage ist immer „Wie haben Sie sich da gefühlt?“ und es geht im Fußball immer um „Emotionen“. Ich dachte, beim Fußball geht es in erster Linie um Fußball. Mein Gott, dieses Geschwaller ist echt nicht auszuhalten.

Wie gut, dass ich die Sendung nicht geschaut habe.

33 Kommentare

  1. Ich glaube aber daß du doch die Gala geguckt hast. Oder?

  2. Trainer Baade, entwickelt sich gerade bei ihnen eine Fussballphobie ?
    Was erwarten sie von unseren Fussballern intelektuell ? Von einem Andi Brehme, der auf Links wie ein Pferd rackerte, von einem Lothar Matthäus ? Die Jungs sollen einfach nur das Runde einmal mehr als der Gegner in das Eckige befördern und keine Reden schwingen. Mehr nicht.

    Ich kann also ihren Hass auf die dummschwätzenden Fussball-Helden unserer Nation nicht nachvollziehen. Andere Völker dieser Erde geht es nicht besser. Vielleicht sollten wir eine Intellektuellen-WM starten, so mit Westerwelle, Gysi, Grass und Wilhelmsen….

  3. Und ja, es ist mein gutes Recht zu planken!

  4. alte fussballer die nicht mehr spielen

  5. Ha, Trainer! Und ich dachte mir gestern noch: Wenn das der Baade sieht, dann kann er mal wieder nen brauchbaren Auswurf für den Kram hier texten. Medienkritik!

    Meine Leitfrage war permanent: Warum eine große WM-Gala Ende Januar? Als Drohung für die kommenden Monate? Aber schön, dass endlich mal im Fernsehen über das Wunder von Bern und die WM 1974 gesprochen wurde. Schön, dass auch endlich mal Jürgen Sparwasser zu Wort kommt, das war ne tolle Idee, den mal einzuladen. Und dass Tim Borowski zusammen mit Goleo ist Studio kommen muss, sehe ich als klare Strategie, Borowski dauerhaft zu verwirren.

    Ingolf Lück wäre dann noch Renate Künast entgegenzuhalten. Da ich Fernsehen schon lange nicht mehr verstehe, mache ich mir darüber erst gar keine weiteren Gedanken.

    Bleibt wohl nur Jürgen Klopp, der von Kernmann gefragt wurde, worauf er sich denn bei der WM am meisten freue. Seine Antwort: „Dass es endlich losgeht und das ganze Gerede aufhört.“ Geht doch!

  6. Du hast natürlich recht: die Kernfrage, warum überhaupt so eine Gala, kommt in meinem Beitrag nicht zur Sprache. Dass das allein der Eigenwerbung dient, ist ja selbst mir, der ich keine Ahnung vom Fernsehen habe, klar geworden. Spätestens dann, als auch die neue Sportstudio-Moderatorin da saß (die sich vom aalglatten Kerner direkt auf ihre Brüste geschaut fühlte „Hey, wo schaust Du mir hin?“).

    Der selbe Grund erklärt auch Ingolf Lücks Anwesenheit: Der macht nämlich Comedy während der WM im ZDF. Wenn er das so macht wie gestern, dann muss er aber noch viel üben.

    Und: über die WM 1954 wurde ja gar nicht gesprochen. Zum Glück. Oder war ich da gerade auffem Klo?

  7. Es geht beim Fußball um Fußball? Deshalb fallen da so wenig Tore…

  8. Die WM-Gala ist großes Fernsehn‘ – da lass ich nix drauf kommen. Und überhaupt können die Kollgen Ben Wurst und Frank Käse sich ja immer ganz eloquent über alles aufregen, aber es selbst besser machen, selbst mal den Ball nehmen und nen Tor schiessen, dazu fehlt ihnen der Schneid. Leider habe ich die WM-Gala verpasst, weil ich noch was viel tolleres gemacht habe. Bevor ist das tat, genehmigte ich mir allerdings einen Döner an Duisburgs Spermagrill am HBF. Beim Verzehr der Speise schlenderte ich auch, zum ersten Mal in meinem Leben, in den linken Seitenast des Bahnhofs, der zu einer schmuddeligen Spielothek führt. Vor dieser Spielothek ist eine, WM-inspirierte Deko aufgebaut (Zigarettenkppen liegen auf dem Boden, eine Lederblase baumelt von der Decke, zwei, als zerknautschte Fußbälle getarnte Sessel laden zum verweilen und es riecht nach Pisse), die die Aufmerksamkeit des Besuchers auf einen besonderen Kickertisch (Tischfußball) lenkt. Dieser Kickertisch hat allerdings nur auf einer Seite die bekannten Stangen um die Spielfiguren zu bewegen. Die andere Seite ist mit einer mechanischen Konstruktion versehen, über die ein Computer die Stangen bewegt. Man kann und soll also gegen den Computer kickern. Ich finde das großartig, allerdings frage ich mich, wie es funktionieren soll. Ortet der Computer etwa den Ball? Bewegt er sich nur irre schnell und schießt knüppelhart? Das alles sind Fragen die mich bewegen und ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie ein computergesteuerter Kicker funktioniert. Leider war ich aber auch zu geizig, es zu ergründen.

  9. Richard hat natürlich vollkommen Recht: das war großes Fernsehen und nein, ich kann kein größeres Fernsehen machen. Nich beantwortet ist aber weiterhin die Frage, was genau großes Fernsehen mit der WM zu tun hat und warum diese unheilvolle Koalition schon Mitte Januar geschmiedet wurde.

    Da kommt nun der weise Trainer Baade ins Spiel und nennt das Stichwort „Eigenwerbung“. Okay, zu dieser gedanklichen Leistung wäre ich auch noch fähig gewesen: Mal kurz alle ZDF-WM-Experten Paroli laufen lassen, mal austesten was ankommt, eben der Probelauf. Da wird ein Donnerstagabend im Januar zum Mururoa-Atoll des Entertainment.

    Bleibt die Selbstkritik: Medienkritik macht Spaß, ist aber große Scheiße. Da kann man auch übers Wetter meckern.

  10. Oh doch. Man darf und soll sich aufregen.
    Auch ich habe keinen Fernseher, allerdings reichen meine Fantasie und meine jahrelange Medienerfahrung als Tochter eines Fußballbesessenen , um mir dieses Horrorkabinett in den buntesten Farben ausmalen zu können. Gut, dachte ich beim Lesen dieses Artikels, dass mich ihre Satellitenstrahlen nicht erreichen und ich deshalb nicht zwischen peinlicher Berührtheit, ob der schonungslosen Blödheit und unangemessener Selbsternstnahme der Akteure, und kopfschüttelender Entnervtheit hin – und her schwankend, schnell umschalten musste. Schön nur, dass Günther Netzer nicht dabei war. Warum eigentlich nicht? Ist der tot oder was?

  11. Nee. Günter Netzer (ohne h, ich betone es immer wieder) ist ARD. Deshalb war er nicht dabei.

    Außerdem heiße ich nicht Vornamen Baade, sondern „Trainer Baade“. Merkt Euch das endlich mal. Ich bin eine Kunstfigur, fiktional, you know?

  12. Ich habe mehrere Fragen hierzu:
    Günter Netzer ist ARD.
    Ist mit und ohne „h“ kein sinnvoller Satz. Was du wolle sagen?

    und @ric
    Wie kann man an sonem Computer-Weltraum-Porno-Kicker vorbei gehen ohne dat Dingen auszuprobieren? Also ich hätte bestimmt bis zu 5¤ investiert um dat Teil zu testen.
    Wo steht der genau, der Kicker?

  13. Das sagt übrigens der Spiegel dazu.

  14. @ Ecki aka Manager Eckhardt: HBF-Duisburg Haupteingang rein, dann kommt links erst der Burger-King, dann der DM-Markt, dann der Zeitungshandel und dann ein Blumenladen. Danach gehts rechts rein zur Spielothek. Wenn Du in einer Kneipe mit Girlanden, 40 jährigen Rotnasen OHNE Karnevalsverkleidung, männlich auf dem Barhocker und weiblich hinter dem Tresen, bist, dann bist Du zu weit.

  15. Wie ohne h, das ist doch das exaltierteste an ihm, sein schmieriges blondes h.

  16. Großes Fernsehen?!
    Jede abendfüllende Show ist schon von der Konzeption her Volksverdummung – ob jetzt Gottschalk, Kerner oder Jauch –
    alles Mist – lieber Bücher lesen oder zocken!

  17. Günther Netzer und Thorsten Frings. Man kann es nicht oft genug sagen.

    Gratulation an Trainer Baade: Er hat es geschafft, hier Leben rein zu bringen. Kerner zieht eben immer.

  18. Was ist ein Kerner?

  19. Trainer, der Weihnachtsmann war da… Wir beide fahren zur WM!

  20. Das Blog wird vorübergehend wegen Freudentaumels geschlossen.

  21. Trainer Baade! In deiner Sammlung der Spitznamen der Teams sind dir mehrere peinliche Fehler unterlaufen, vergleichbar mit Lücks 3:3 von Schnellinger. (Oder sind diese Texte gar nicht von dir? Diese Fehler, verursacht durch mangelndes Wissen, sehen dir nämlich nicht ähnlich!)

    - Die niederländische „Elftal“ heißt „Oranje“, nicht „Oranjes“. Oranjes ist das niederländische Königshaus, das sich aber nicht für die WM-Endrunde qualifiziert hat.

    - Desweiteren hat der Iran ebenfalls keinen Spitznamen, nicht bloß Tschechien und Japan.

    - Italien ist die Squadra Azurra, nicht Azurro.

    - Die Spitznamen „Mannschaft“ und „Stars and Stripes“ halte ich für bedenklich.

    Nix zu danken, bin in bester Klugscheißerlaune.

  22. So. Blog ist wieder eröffnet.

    Du hast recht, Ben. Iran hat auch keinen Spitznamen (in meiner Liste).

    Natürlich ist die Squadra Azurra die Squadra Azurra und nicht das Lied von Adriano Celentano, das mir beim Schreiben des Beitrags, der natürlich von mir ist, durch den Kopf ging. „Azurroooo… lalalalalalala“ – Du weißt schon.

    Mannschaft hab ich mir selbst ausgedacht, quasi. Also wir haben keinen Spitznamen, aber das Ausland nennt uns manchmal so. „La Mannschaft“ oder auch „el mannschaft“ oder auch „The Mannschaft“.

    Vergessen hast Du übrigens zu kritisieren, dass die meisten Namen in ihrem Original („Plavi“, „Sbirna“) daherkommen. „Die Wüstensöhne“ hingegen sind auf deutsch. Hab keine Übersetzung gefunden.

    Das mit den Oranjes ist das alte ICQ-Leiden…. Alt+s, aber dann nicht richtig auf Alt gedrückt haben. Wird umgehend korrigiert.

    Außerdem würde mich noch interessieren, wie denn die Spitznamen der tschechischen und der japanischen Mannschaft sind. Kann mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet Japan keinen Spitznamen hat.

    Irans Spitzname hingegen interessiert mich nicht.

  23. ROFLOL Ben… ich liebe Dich: „Diese Fehler, verursacht durch mangelndes Wissen, sehen dir nämlich ähnlich!“

    Dabei stelle ich mir den Wurstheine Baade vor, wie er debil dreinschauend und rauchend vor dem Rechner sitzt und sich in tiefer Überzeugung seiner Fußballallwissenheit auf die überfetteten Oberschenkel klopft.

    (Ich habe Deinen Satz unwesentlich, der Lesbarkeit wegen, angepasst.)

  24. Herr Trainer,
    bei aller Anerkennung Ihres Wissens und Sachverstands rund ums runde Leder zweifle ich an Ihrer kulturellen Kompetenz. Wie um Gottes Willen kann man bei „Azzuro“ auf diesen dubiosen Celentano kommen? So nennen pfiffige Eisdielenbesitzer vielleicht ihre neueste Kreation, mit Musik hat das aber nichts zu tun. Bei Azzuro kann und darf einem Menschen Ihrer und meiner Generation eigentlich nur eins einfallen: Die Toten Hosen! Ist schon grandios, was die Düsseldorfer Softpunker aus diesem Song zur WM 1990 gemacht haben.
    Und alle, die älter sind und/oder die Musik der Hosen nicht mögen, landen bei Paolo Conte, der den Song geschrieben und interpretiert hat, aber nie und nimmer bei diesem Schmalzbarden Celentano…

  25. Adriano Celentano ist groß – ich finde es viel eher höchst peinlich zugeben zu müssen (und mit kultureller Kompetenz absolut nichts „zutunhabend“), dass man bei dem Wort an diese Bröselbaden denkt. Wie es mir glaube ich auch geschah.

  26. Also Fussballgalen (oder sagt man korrekt Galas?) sind doch immer peinlich, oder? Oder erinnert sich keiner mehr an die Auslosung mit der unsäglichen Heidi Klum? Das ganze ist noch mal quasi in Echtzeit nachzulesen bei:
    http://www.fussball-und-titten.de/blog/2005/12/couch-ticker-live-aus-der-ard.php

  27. Meine Oberschenkel sind nicht „überfettet“. Das kann man durchaus von meinem Bauch behaupten, meine Oberschenkel hingegen bestehen immer noch zu einem überdurchschnittlichen Prozentsatz aus Muskelmasse. Es ist sogar so, dass Hans-Peter Briegel mal bei mir anrief (11. August 1983, 17:34h, zuerst war meine Mutter „am Apparat“) und sich Tipps holte, wie er mehr Muskelmasse in den Oberschenkeln aufbauen könne.

  28. Hallo,

    ich war nach dem WM Spiel mit BRasilien mal gespannt ob er seinen Lieblingsspruch wieder bringt:
    „Wenn die gegen ne Weltklasse Manschaft spielen müssten … fasel blabla“

    LEider hat er doch noch rehctzeitig geschaltet;) Naja, Viel Luft und wenig inhalt = Netzi

  29. Günter Netzer ohne h, ich sag es immer wieder.

  30. Ich weiß, es ist schon etwas spät, aber ich bin durch Zufall hier gelandet und möchte für Adriano Celentano in die Bresche springen.
    Adriano Celentano IST der Interpret von Azzurro und zum Beweis möchte ich an Wikipedia verweisen.
    Wenn man dort nach Paolo Conte sucht erhält man folgende Info:
    „Das Lied Azzurro, das Conte zusammen mit Vito Pallavicini für Adriano Celentano schrieb, gehört neben Via con me und sotto le stelle del Jazz wohl zu seinen bekanntesten Werken.“
    Den ganzen Artikel findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Paolo_Conte#Azzurro

    Ich denke bei dem Lied jedenfalls sofort an Adriano Celentano und empfinde ihn weder als „zweifelhaft“ noch als „Schnulzenbarden“!



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