Eintracht Frankfurt und die Bierpyramide

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Es gab eine Zeit, in der es der Bundesrepublik wohl an Geld nicht mangelte. Man bekam das noch so halbwegs mit, als man in den 1980er Jahren zu irgendwie so etwas wie einem Pubertierenden reifte. Die ständig trainierenden Tiefflieger (Kampfflugzeuge waren das, nicht geistige) über dem Vorort demonstrierten schon noch, dass es eine Bedrohung gäbe. Die Bedrohung war ja auch nicht erfunden, sie war real, wenn auch nur im Fernsehen real. „The day after“ lief damals quasi in Endlos-Schleife. Der nukleare Winter. Der radioactive Fallout. Atomgetriebene U-Boote, die monatelang unter Wasser bleiben konnten. Las man.

In dieser Zeit war es üblich, dass jedes Hintertupfingen und auch Rheurdt sein eigenes Hallenbad haben sollte. Man las, dass es nicht um Hallenbad-Völlerei ginge, sondern darum, dem gemeinen Bürger, der sich keinen Pool im Keller des Hauses leisten konnte, eine Schwimmerei zu ermöglichen. Da man so aufgewachsen war, in diesen Begleitumständen, konnte man sich kaum vorstellen, dass es Orte in der Bundesrepublik geben könne, in denen man nicht mit nach Chlor stinkender Haut jeden Samstag wahlweise Freitag unter einem städtischen Haarfön für 50Pf pro Einwurf stünde, der einem die Haare trocknete, nachdem man nach Ringen im Chlorwasser getaucht war, sich mit anderen Menschen Bälle zugeworfen hatte, dicken Rentnern, teilweise damals tatsächlich noch mit nur einem Bein, sie starben ja aus, die Menschen mit von russischen oder amerikanischen oder britischen Granaten abgetrennten Gliedmaßen, damals aber starben sie noch nicht aus, und ebensolchen Frauen beim Schwimmen zugeguckt hatte, während der Bademeister rief, dass man gefälligst nicht vom Rand ins Becken springen solle.

Die größere Variante der Hallenbäder waren die Freibäder. Die hatten unterschiedliche Ausmaße, jenes in diesem Vorort war ziemlich groß, mit einem normalen Becken für Schwimmwettbewerbe, 50 Meter Länge in der Längsseite, 8 Bahnen auf der Breitseite, einem Lehrschwimmbecken, welches ein schöner Euphemismus für ein von sehr jungen Menschen unwillkürlich vollgepisstes Bassin war, dazu ein Turmsprungbecken, ja, sogar ein 10m-Turm war dabei, den hatten die wenigsten bewältigt, wohl aber immerhin den 7m oder 7,5m-Absprungstandort; die nachfolgende Rötung der Haut dauerte noch Tage an, weil einem natürlich niemand erklärt hatte, wie man sich in der Luft zu bewegen hatte. Also Kladderadatsch mit dem Rücken aus 7,5m auf die Wasseroberfläche. 3m war schon lange Standard.

Da war man aber noch jung und traute sich nicht nur Einiges zu, sondern musste sich auch Einiges zutrauen, um nicht vom Rest der Bagage als Feigling gedisst zu werden. Oft glaubt man, früher sei alles besser gewesen. In Wirklichkeit gibt es keine schlimmere Phase im Leben als zwischen 13 und 17. Plötzlich geborene Riesenbabys ohne jegliches Musik- oder Stilempfinden nehmen einen in den Schwitzkasten. Man würde ihnen gerne in die Eier treten. Klappt aber nicht, wenn man von hinten oder von der Seite in den Schwitzkasten genommen wird. Das Problem beim Schwitzkasten ist nicht, dass man schwitzt oder – das zumindest weiß man, es nicht ernsthaft – Angst um sein Leben haben müsste. Es ist der Vollprolet, oft ein Immigrant, dessen Geburtsdatum nach unten gefälscht wurde, weil sich damals in Anatolien ja niemand aufschrieb, wann jemand geboren wurde, also nach unten, well, gefälscht kann man nicht sagen, die Eltern erinnern sich einfach nicht. Das ganze Gehabe, dass ein Geburtsdatum überhaupt eine Bewandtnis habe, dass das überhaupt total albern ist, kommt den wenigsten Mitteleuropäern ja in den Sinn. Oh, mein Neffe hat Geburtstag, ich muss unbedingt noch zu Schenk-A-Shop und 39,90 Euro für ein sinnloses Konstrukt ausgeben, damit ich wenigstens etwas habe. Jahrgänge festzuhalten würde schon eher Sinn ergeben. Konkrete Geburtsdaten: Wer braucht die eigentlich? Für den Grabstein?

Nun, im Jugendfußball ist ein konkretes Geburtsdatum aber doch nicht so verkehrt. Erst Recht nicht in der Grundschule. Man misst gerade 121cm und der gegnerische Bär misst damals horrende 153cm, stinkt auch wie ein Bär, nimmt einen in den Schwitzkasten, ohne Grund, man hat nichts getan, der Bär findet es lustig, dass man nun schwitzt und ein wenig Angst hat. Irgendwann kommt die Lehrerin ins Zimmer, der Bär lässt sofort los. 153cm groß, aber noch immer in der Grundschule. Immerhin, damals, mag jetzt anders sein, noch Respekt vor der Grundschullehrerin. Man wird dann gefragt, wie das mit dem Kondensieren von Wasser tatsächlich abläuft, soll das erklären, kann aber angesichts des eingedrückten Halses noch nicht wieder sprechen.

Später wird man aufs Gymnasium versetzt, Gottseidank, endlich ist man die prügelnden Bären von 150cm los, die noch dazu in Wahrheit 2 Jahre älter waren als man selbst. Man ist natürlich genauso froh, die nicht minder prügelnden Deutschen los zu sein, die sich aber gerne mit einem verbrüderten, wenn man den Ball immer schön in den Winkel schießen konnte. Und laufen, schneller als die anderen. Man hätte nicht man selbst sein wollen, wenn man nicht so schnell laufen hätte können.

Hinter der Turnhalle rauchten sie alle komisches Zeug. Was damals wirklich nur komisches Zeug war, wie Gras (also echtes Gras, von der Wiese, vom Rasen), Dreck, Staub, Holz oder irgendwas Ähnliches. Nur um zu rauchen. Man hätte natürlich auch an der Bude ein, zwei, drei „Lose“ kaufen können, dafür hätte man aber 20, 40 oder 60 Pf haben müssen, die natürlich keiner hatte.

Irgendwann ging es los, die Busse waren bereit. Sie standen aufgereiht wie Gefängniswagen. Man musste sie betreten, man musste einen Platz finden, unten warteten die Aufsichtsbefohlenen. Hätte man dort schon rebelliert, wäre man wahrscheinlich in den damals noch existenten Kerker geworfen worden. So musste man aber die knapp 10 Minuten Busfahrt mit einer Horde von Trampeln (auch weiblichen) überleben, um dann ins eiskalte Wasser geworfen zu werden, mit der Aufforderung, sich in diesem fortzubewegen. Mit dem einzigen Sinn, dass man nach dem Fortbewegen innerhalb des Schwimmbeckens aussteigen würde, um sich dann ein paar Smileys (das waren zu dieser Zeit Fruchtgummiexemplare, keine emotionalen Ikonen) im Restaurant zu kaufen oder gar einen leichten, ersten Flirt mit der Dame vom hinteren linken angeeckten, eingerückten Tisch, die linke von den beiden, zu wagen. Klischeehaft würde man jetzt schreiben: was meistens schief ging. Ging aber gar nicht so oft schief, wie es das Drehbuch nun erforderte, denn es gab ja auch nur ungefähr genauso viele Mädchen in der Klasse wie Jungs. Also ging es maximal so oft schief, wie man Freunde oder Bekannte in der Klasse hatte.

Die zwei-drei Outlaws pro Klasse natürlich ausgenommen. Wobei Outlaws hier niemals positiv gemeint war. Es waren die Vogelfreien, die zur Jagd frei Gegebenen, die man in unmotiviert im Klassenraum herumstehende Schulschränke einsperrte, und nicht mal herausließ, als die Stunde schon begonnen hatte, während der hilflose Lehrer, dessen Phantasie nicht so dreckig war, wie man selbst handelte, den Outlaw nicht mal verbal befreite; Outlaws, die man aus dem Fenster warf (nur im Erdgeschoss), das Fenster schloss und sich einen Ast ablachte, wenn der oder die Outlaw um das gesamte Gebäude herum (denn auf der einen Seite bildete der Zaun das nicht natürliche, aber unüberwindliche Ende der Umrundung) umlaufen musste, um dann völlig abgehetzt und durchgeschwitzt in der Klasse, aber zu spät zu erscheinen und sich von führenden Persönlichkeiten dieser Zusammenstellung von vollkommen durchgedrehten hormongetränkten Halbwüchsigen auch noch Vorwürfe anhören musste, dass er oder sie zu spät gekommen sei, und auch noch Fragen beantworten musste, warum das so sei, dabei hatte man ihn oder seltener sie nur knappe 20 Sekunden vor Eintreffen der Führungspersönlichkeit, und das mit vollem Bewusstsein, mit gutem Gespür für die Zeit, aus dem Fenster geworfen, mit vielen helfenden Händen, die sich der Bösartigkeit ihrer Handlungen durchaus bewusst waren. Die sich der Bösartigkeit ihrer Handlung nicht nur bewusst waren, sondern die genau darauf gewartet hatten, an dieser Bösartigkeit teilzunehmen.

Wer glaubte, dass es auf dem Gymnasium besser würde als in jener Schule, in der man schon mal auf die Mappe bekam, wurde schnell eines Besseren belehrt. Tatsächliche Keilereien wurden seltener. Häufiger wurden jene Anstalten, jemandem durch psychische Drangsalierungen klarzumachen, wo er innerhalb der Gruppe stehe, nämlich ganz unten. Das Aus-dem-Fenster-Werfen einer ganzen Person war nur der Höhepunkt der Entrechtung, der Schikanierung, der Verhohnepiepelung von kleinen, zerbrechlichen jungen Menschen, deren Unglück es war, in eine falsche Konstellation geraten zu sein. Die wenigsten hatten sich ernsthaft etwas zu Schulden kommen lassen, hatten einen Sprachfehler oder eine Hasenscharte. Die meisten hatten gar nichts getan, außer nicht besonders selbstbewusst zu sein. In anderen Konstellationen wäre das nicht aufgefallen, mit ein bisschen Glück für die Fensteropfer. Da wären sie die komischen – damals existierte das Wort noch nicht im deutschen Sprachgebrauch – Nerds gewesen, die aber 2-3 andere Nerd-Freunde gehabt hätten. Das Schicksal spielte also Schicksal, wie es so sein Job ist, und machte in der Klasse 8a das eine Würstchen zum Opfer, während in der Klasse 8b ein ähnlich strukturiertes potenzielles Opfer das Glück hatte, auf 3 andere Jungs zu treffen, die gerne Skat spielten.

Gerettet!

War der eine. Der andere wurde jahrelang gequält. Und warum? Weil es das Schicksal so wollte. Einen Vogelfreien braucht jede Klasse. Ganz selten nur waren die Vogelfreien, die zu Zerfleischenden weiblich. Den Frauen sah man meist nach, dass sie vielleicht seltsam waren, Kleidung aus dem vorigen Jahrzehnt trugen. Wenn sie es waren, seltsam, durften sie alleine in der Ecke häkeln. Stricken, sticken, ein Buch lesen. Man war sich einig, dass auch diese „verquer“ waren, aber man bestrafte sie nicht dafür. Die männlichen Seltsamen mussten Glück haben. Hatten sie das nicht, stand ihnen ein Spießrutenlauf bevor, der so lang dauerte, dass ihn kein Mensch aushalten würde, der nicht entweder sich selbst aufgegeben oder grundsätzlich nichts auf die Meinung der anderen gegeben hätte.

Die schlimmsten Fälle, nein, Suizid, so weit ging es dann doch noch nicht, die schlimmsten Fälle aber hörten auf, überhaupt eine Kommunikation zu wagen. Schlimm im Sinne der Misshandlung, nicht im Sinne der Andersartigkeit der Opfer.

Irgendwann wurde es dann richtig schlimm, und das war jener Moment, als den ersten Männern Schamhaare wuchsen oder sie eine erste (und von da an viele weitere) Ejakulation erlebten. Danach war Land unter, egal, wo oder wie oder wer man war.

Sobald es ums Geknutsche ging, sobald es darum ging, den Mädchen die ihnen eigentlich nicht zustehenden Brüste wieder wegzunehmen, wurde es richtig übel mit der Drangsalierung der Opfer, die nur zufällig in diese Rolle geraten waren. Jede Schmach, die man solch einem leichten Opfer zuteil werden lassen konnte, war eine kleine Erhöhung der eigenen, vermeintlich mächtigen Person gegenüber den Damen, die man nun plötzlich begehrte. Ein Opfer, auf dem man rumhacken konnte, war dabei willkommene Gelegenheit zur Selbsterhöhung. Womit es wirklich finster wurde. Hatten die Jungs ohne weibliches Publikum das Oper noch nur aus dem Fenster geworfen, begann es jetzt, dass man das Opfer derart schikanierte, das nichts anderes verbrochen hatte, als ein Opfer zu sein. Still, schweigsam, womöglich komisch, aber nichts mehr als das. Nicht vorlaut oder frech, einfach nur still.

Wenn die Schule dann auch noch neben einem Freibad gelegen war, in dem man in der 5. und 6. Stunde schwimmen geht, mit dem Sportlehrer, der sehr klein, aber äußerst seriös und äußerst respektiert war, dann fing danach das ganze Unglück an. Menschen, sehr junge, zogen weiblichen Menschen ihre Badeanzüge oder den sehr mutigen Bikins vom Leib. Sie entblößten sie, fanden das witzig. Man sah weibliche Geschlechtsteile, bevor man dazu bereit war, man musste quasi, wenn man in dieser kleinen Republik der Pubertät lebte, all diese Schikanen mitmachen, sofern man nicht der Anführer der ganzen Bagage war.

In eben jenem Schwimmbad, wo es oben genannte Smileys gab, wo es auch Eis und Cola gab, allerdings unbezahlbar vom Taschengeld, wenn man mehr als einmal pro Monat hinging, wurde man dann irgendwann vom Jüngling zum Mann. Nicht im Sinne einer Entjungferung, sondern im Sinne dessen, dass man verstand, dass das ganze Gehaue und Gesteche und Geprotze um die Mädchen letzlich nur einem Ziel diente: ein Mädchen zu bekommen. War man nicht extrem gut aussehend oder aber extrem witzig, musste man schon einiges in die Waagschale werfen, um mitspielen zu können. Das Schlimme beim Mitspielen war nicht, dass es nicht Mädchen gegeben hätte, die einen wollten, sondern dass man von der Bewertung von außen durch die übrigen männlichen Menschen angewiesen war. Es gab Mädchen, die weder einen schlechten Körper noch einen Mangel an Humor hatten, aber sie wirkten so fragil, wie man eigentlich selbst war. Womit klar war, dass sie keine eigentlichen Prinzessinnen sein konnten. Prinzessinnen sind die, die irgendwann, man weiß nicht genau, wann das beginnt, wissen, welchen Wert sie auf dem Markt zu jener Zeit haben.

Das ganze Leben also in einem Freibad, um einen herum nur hormonell übersteuerte Männer, die glaubten, Mädchen mit besonders tollkühnen Sprüngen vom 10m-Turm (oder vom Beckenrand, das war schließlich Auflehnung gegen die Obrigkeit, somit Rock‘n'Roll in Reinform) beeindrucken zu können, es gab auch nicht so übersteuerte Männer, die gingen aber meist nicht mit ins Freibad, weil ihre Eltern der Meinung waren, man müsse unbedingt noch Klavier lernen. Oder Cello. Als wenn je ein Mensch in seinem Leben wieder einmal hätte Klavier spielen müssen und damit etwas Positives bewirkt hätte. Was vormittags Latein war, war nachmittags Klavierunterricht. Die Gemischten, die nicht so laut auf ihrer Brust trommelten, die es aber geschafft hatten, von ihren Eltern die Erlaubnis zu bekommen, ins Freibad zu gehen, waren die, die später auch an der Uni sein würden.

Während die Klavierschüler wie von den Eltern gewünscht lieber eine Ausbildung machten, etwas „Solides“, meist im Bürobereich, niemals aber mehr als 20km von zu Hause weg, waren die von weit oben Herabspringer meist am Ende dann doch nur Gas-Wasser-Scheiße. Was man damals aber nicht ahnen konnte, denn natürlich waren sie überlegen. Sie waren mutiger. Womöglich waren sie auch einfach bescheuerter.

Man saß dann also auf seinem Handtuch, wusste, dass man kein Orang-Utan sein würde, war aber froh, dass man nicht Klavier üben musste. Und dann saßen neben dem Handtuch drei ältere Männer. Älter bedeutet hier: zwischen 22 und 25, somit also sehr alt. Sie hatten auf der selben Schule Abitur gemacht, die man jetzt noch besuchte, aber sie studierten in Frankfurt.

Es gab damals weder Dosenpfand noch überhaupt ein Problem mit Bierdosen. Die Bierdosen, erinnert sich noch jemand?, hatten damals immer nur 0,33l in ihrem Bauch, die perverse Idee einer 0,5l-Dose wurde erst später geboren. Und die drei Herren Studenten hatten massig von diesen 0,33l-Dosen in ihren Kühltaschen. Sie tranken sie aus, begannen irgendwann gegen 14h oder 15h, schlürften immer mehr davon, ihre Kühltaschen schienen unendlich groß zu sein.

Die leeren Dosen aber warfen sie nicht einfach weg, sondern stapelten sie fein säuberlich zu einer Pyramide auf, deren Grundfläche immer größer wurde. Drei Männer, nur 0,33l-Dosen, natürlich wuchs die Pyramide schnell. Schneller als man eigentlich denken konnte. Einer von ihnen trug ein Trikot von Eintracht Frankfurt. Sie waren allerdings uralt mit ihren 23, 24 Jahren und stapelten Dose um Dose um Dose und die Pyramide wuchs.

Irgendwann waren sie von all den kleinen Bieren und der prallen Sonne so geschafft, dass sie einschliefen. Wir raubten weder Bier noch Aufmerksamkeit und fanden uns neben diesen Studenten wieder, deren Hauptbeschäftigung in den Semesterferien es zu sein schien, Bier zu trinken und faul in der Sonne zu liegen. Es war einer der ersten Momente, in denen man Sympathie für Eintracht Frankfurt empfand. Man beschloss, sein Leben nach dem noch extrem weit entfernten Abitur ähnlich zu führen wie diese aus Frankfurt in die Heimat zurückkehrenden Bierdosentrinker und Bierdosenpyramidenbauer.

Ob sie ihr Studium überhaupt geschafft haben, weiß niemand. Klar war aber, dass sie anders als die Jünglinge des eigenen Jahrgangs überhaupt kein Interesse an Frauen, Knutschen oder Bikinis Runterreißen hatten. Sie lagen einfach da und genossen es, wie das Bier die Kehle benetzte und die Pyramide immer größer wurde.

36 Kommentare

  1. Coole Pointe, aber braucht das Fansein bei der Eintracht echt so viel Rechtfertigung? :-)

  2. Bin ja kein Fan der Eintracht (geworden).

  3. Und wenn man mal wieder denkt, man könnte vielleicht mal die eine oder andere Jugenderfahrung im Blog verarbeiten, legt der Trainer die Latte einfach noch mal ein Stückchen höher und man lässt es lieber bleiben.

  4. Ganz großes Kino, Chapeau!

  5. „Bin ja kein Fan der Eintracht (geworden).“ – hattest Du überhaupt eine faire Wahl, Trainer? Man hört ja, dass im Kohlenpott die Kinder schon bei der Geburt beim Verein angemeldet werden.

  6. Was ein Aspekt der seltsamen Situation ist, dass ich hier blogge, und Hardcore-Fußballfan bin, ist ja dass mein Vater kein Fußballfan ist. Insofern: Nirgendwo angemeldet, nicht fußball-sozialisiert. Dann aber selbst dahingekommen.

  7. In Wirklichkeit gibt es keine schlimmere Phase im Leben als zwischen 13 und 17.

    So sieht das aus.

    Und auch sonst toller Text. Danke.

  8. Geschätzt würde ich das irgendwo Mitte/Ende der 80er verorten, was die Sache interessant macht, denn zu dieser Zeit gab es selbst im Frankfurter Umland kaum Eintracht-Fans, zumindest nur ein Bruchteil dessen, was plötzlich ab ca. 91 auftauchte und, natürlich, schon immer Eintracht-Fan war.
    Dass also aus dem Ruhrpott stammende – wo ja kein Mangel an Fußballvereinen diverser Güteklassen herrscht und herschte – Studenten den Verein ihres Studienorts annahmen (oder zumindest dessen Trikot tragen, was aber damals auch noch nicht so gewöhnlich war wie heute), lässt sich wohl nur mit einer gewissen revolutionären Haltung, die typisch für dieses Alter sein soll, erklären.

    Zur langen Herleitung der Begebenheit drängt sich mir übrigens der Verdacht auf, dass da noch ein paar Kindheitstraumata verarbeitet werden müssen, möchte da aber nicht aus der Ferne urteilen.

  9. Kindheitstraumata: Nö.

    Außerdem war ich – glücklicherweise – keins der Opfer, sondern Täter.

  10. Es ist übrigens tatsächlich Anfang der 1980er. Und somit später auch Mitte bis Ende.

  11. Sehr guter Artikel, aber: zu viert spielte man Doppelkopf, kein Skat. :)

  12. Eintrachtfans sind cool und trinken Bier – einige Dinge haben einfach Bestand.

    Herrlicher Text, bei dem ich mich an längst vergessene Klassenkameraden erinnerte. Wie’s wohl dem Pongo geht? Und an die Mädels ‚die weder einen schlechten Körper noch einen Mangel an Humor hatten‘ erinnere ich mich als heute alter Sack natürlich auch gerne. Lechz.

  13. Pingback: Stadtwaldgebabbel

  14. Ach damals.

    Es war alles noch so leicht, wenn man weder Opfer noch Täter war. Man war einfach immer da, schaute zu, wie andere verprügelt worden sind und eben die anderen prügelten.

    Die gab es auch. Die waren meiner Meinung in der Überzahl. Haben eben andere Sachen gemacht.

    Warum vom 10er springen, wenn die weibliche Bevölkerung sowieso den Bikini nicht lüften wird. Das hat doch nie funktioniert!

    Und diese Smileys, gibt es die noch? Das ist wie Brauner Bär, der kam irgendwann mal wieder…

  15. Tja, leider gab es bei mir, Anfang der 70er in meinem Frankfurter Vorort, der damals noch nicht zu Frankfurt gehörte, keine coolen Bierdosenpyramidenbauer, allerdings gaaanz viele Bikinihosenrunterreißer. Das Fensterstürzen gab es auch nicht, dafür wurden Mädels, im speziellen Falle ich, extrem oft mit Wasser übergossen und mit Krampen beschossen.

    Vielleicht bin ich deswegen Eintrachtfan geworden, weil ich mich nach Deinen biertrinkenden und nur in der Sonne rumliegenden Jungs gesehnt habe, die es in meinem Frankfurter Vorort allerdings nicht gab…:)

  16. Herrlich Trainer, ich werd spontan 30 Jahre jünger. :-)
    Und ja wir waren genau so scheiß kleine mackerige Arschlöcher, miese pubertierende 14-15jährige.
    Nur das wir schon auch ohne Studenten am Wochendend zur Eintracht pilgertenn nachdem wir die Mädchen im Freibad dümmlich kichernd tunkten.
    Und man trank verdammt nochmal Stubbis, deren Inhalt soweit ich mich erinner mit den 0,33 Dosen auch nicht ganz übereinstimmte.
    Der Unterschied war nur das damals keine aufgeschreckten Sozialarbeiter und alarmierte Fernsehteams durch den Schulhof der permanenten Ernidrigungen schlurften und den Untergang des Abendlandes heraufbeschworen. Kann aber auch sein das ich das die einfach nicht wahrgenommen habe. Man hatte ja besseres zu tun.

  17. Achso, wollte noch fragen. Was sind denn „Krampen“?

    Ich kenn das nur als Vokabel für schlechte Spieler. Gibt es wirklich etwas in der Realität, was das beschreibt?

    Btw, habe vergessen zu erwähnen, s. o., dass ich neben Täter eben auch Opfer war.

  18. Ich kenn nur solche Krampen. Für schlechte Spieler kannte ich das noch nicht…

  19. Vor ein paar Tagen saß ich nach einem schönen Kick mit Freunden noch ein wenig mit eben diesen Herren zusammen, um, nun ja, über Fußball zu reden. Wir kamen irgendwie auf die Welt- und Europameister von 1981 zu sprechen, auf Dietrich Weise (hier also die erste Querverbindung zu Eintracht Frankfurt), auf Roland Wohlfarth, Holger Anthes und all die anderen. Neben dem Ehrgeiz, möglichst viele der Spieler zu erinnern, stellte sich irgendwann auch die Frage, wer denn noch im Profifußball tätig sei. Zorc, Loose und Vollborn waren klar, irgendeinem fiel noch die Tätigkeit von Alfred Schön in Hoffenheim ein.

    Ziemlich aus dem Nichts hieß es dann: „Was macht eigentlich Ralf Falkenmayer?“. Aus dem Nichts deshalb, weil niemand daran glaubte, dass er im Profifußball aktiv sei; vielmehr wurden mitunter Stimmen laut, die seine Berufschancen im Vergleich zur legendären Toto-Lotto-Annahmestelle als eher mau einschätzten. So mussten wir also doch Wikipedia um Hilfe bitten und fanden heraus, dass Falkenmayer in einem Großhandel für Laminat und Parkett arbeite und den SV Niederursel trainiere. Und dass der ehemalige Bundesligaprofi von Eintracht Frankfurter gelernter Schwimmeistergehilfe sei.

    Trainer, Du bist ein Teufelskerl.

  20. Zu den Krampen noch:
    ein wenig bezweifle ich ja, dass womeninblack tatsächlich mit den von hilti verlinkten Krampen beschossen wurde(n).

    Bei uns waren die Krampen, die man mit Hilfe eines Gummis durch die Gegend schoss, aus Papier.

  21. Ich kannte Krampe wirklich nur als Ausdruck für einen schlechten Fußballspieler. Oder generell für jemanden, der in etwas schlecht ist. Dass diese gefalteten Papierschnipsel einen eigenen Namen haben, ist mir gänzlich neu. Wo da die Verbindung zwischen beiden Bedeutungen liegt, ist mir auch nicht klar.

    Es gibt auch noch die „Arschkrampe“, das ist aber nichts anderes als eine gewöhnliche Bezeichnung für einen missliebigen Menschen, den man auch einfach nur als „Arsch“ bezeichnen könnte. Kann nicht mal sagen, ob die „-krampe“ das nun verstärkt oder verharmlost. Glaube eher Ersteres.

    Jedenfalls wurde womeninblack wohl „nur“ mit gefaltetem Papier beschossen – wollen wir hoffen.

  22. Ich meine, die Bezeichnung des zu verschießenden gefalteten Papiers rührt daher, dass das Werkstück in etwa die selbe Form hat und auch älter ist, die Papiermunition also nach dem gebogenen Metallstift benannt wurde. Quasi eine Papierkrampe

    Ob unsere Altvorderen mit Metalkrampen tatsächlich früher auch ihre Gummis munitionierten, davon habe ich keine Ahnung, kann es mir angesichts der allgemein verrohten Zustände früher aber durchaus vorstellen.

    Ich kenne die einfache Bedeutung als Abwertung für einen Menschen übrigens auch nicht. Dafür natürlich die Bedeutung Arschkrampen – und sogar nicht ausschließlich vom Frühstyxradio.

  23. @ womeninblack

    Klingt ganz danach, als wenn Du aus dem Frankfurter Nord-Westen (Harheim, Bonames?) kommst.

    Zu Ralf Falkenmeyer:
    sein Name passt perfekt zum Blog, da der gute Herr Falkenmeyer gelernter Schwimmeister-Gehilfe ist.

  24. @Millhouse:

    was ja, vielleicht ein wenig versteckt, bereits als Pointe meines Kommentars gedacht war…

  25. @ heinzkamke

    Ja. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Im Nachhinein ist mir das auch aufgefallen. :-)

  26. @heinzkamke:
    Bitte fragen Sie sich einmal, ob der letzte, ein wenig selbstgerecht anmutende Kommentar wirklich nötig war!

  27. Was macht eigentlich ein Schwimmmeister-Gehilfe? Putzen?

    @Heinzkamke: Evtl. habe ich mal wieder einen gag verpasst, aber nach meinem Empfinden mutet der vorletzte Kommentar (anders als meiner hier) nicht selbstgerecht, sondern vielmehr selbstkritisch an.

  28. @sternburg:
    Für mich klang’s schon stark nach „aber ich hab den Witz schon vorher gebracht“. Ok, ist vielleicht kein Paradebeispiel für Selbstgerechtigkeit, aber so wirklich nötig fand ich’s, im Nachhinein betrachtet, nicht.

  29. Offensichtlich ist der Kommentar vom 14.1., 10.15h, nicht vom originalen heinzkamke, seh ich das richtig? Dann würde ich das in „anonym“ ändern, ohne damit irgendeinen Bezug zu anderen Akteuren bedeuten zu wollen.

  30. Trainer, wenn Du 16.1. 10.15 Uhr meinst: doch, der ist schon von mir.

    Vielleicht sollten wir diesen Kommentarthread nicht weiter verfolgen, wenn ich so viel Verwirrung stifte. Oder, noch besser, ich sollte öfter mal vorher nachdenken.

  31. Ja, ich meinte 16.1., noch mehr Verwirrung, diesmal meinerseits. Da dort der Link zu Deinem Blog fehlte, nahm ich es an, zudem kam mir die Formulierung etwas merkwürdig vor.

    Vielleicht sollte ich wiederum doch mal darüber nachdenken, das nachträgliche Ändern der eigenen Kommentare zu ermöglichen. Bin da aber unschlüssig.

  32. Davon unbenommen wollte ich noch zum Kommentar vom 3.1. um 14.20h anmerken: Nicht doch. Im Gegenteil, ich bitte darum und fände sicher großen Gefallen.

  33. Pingback: Zwischendurch: Fußball (I) | Die Lese :: Rainer Kühns Lindenblatt

  34. Pingback: Identitäten in Blogs – Eine Hommage an Trainer Baade « Dreh- und Angelpunkt

  35. Gerne komme ich noch einmal auf Ralf Falkenmayer zurück, dessen aktuelles Betätigungsfeld, wie der eine oder die andere gesehen haben dürfte, im Donnerstagskicker Gegenstand der Rubrik „Hallo, X. Was machen Sie eigentlich?“ war.

    Als Gelegenheits-Kickerleser frage ich mich seit gestern, ob es üblich ist, so konkret nachzufragen, wie es Michael Ebert tat, nachdem Falkenmayer zum Ende des Gesprächs hin erläutert hatte, wie er bei dem oben in den Kommentaren bereits besagten Parketthandel gelandet ist:

    „kicker: Sitzen Sie dort im Büro?
    Falkenmayer: Ich bin mehr im Lager tätig. Wir disponieren und koordinieren die LKW und wir be- und entladen sie.“

  36. Interessant.

    Als ebenfalls nur Geelgenheits-Kickerleser wäre mir das ohne Deinen Hinweis entgangen.

    Unbeantwortet bleibt weiterhin damit, was ein Schwimmmeister-Gehilfe sonst so zu tun hat. Hier: hätte, wenn er nicht LKW be- und entladen würde.



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