Engländer in langen Hosen?

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Jupp, der … lassen wir diesen billigen Witz mit Bart. Jupp Derwall ist leider letztens von uns gegangen.

Hinterlassen hat er immerhin einen EM-Titel. Das ist mehr als Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Erich Ribbeck und Jogi Löw zusammen an Titeln gesammelt haben. Damit das nicht unterschätzt wird, muss man das ja auch mal aussprechen. Diese ganzen dritten Plätze, man kann mittlerweile das eigene Bad damit pflastern, aber einen Titel haben sie bislang nicht erreicht. Rudi Völler wurde beim Heimkehren noch gefeiert wie ein „ein Rudi Völler“, auch bei Klinsmann jubelte man noch. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 ließ man sich auf schäbigste Weise — nämlich indem man einen [Piep] namens Pocher den Gegner, der einen allerdings gerade geschlagen hatte, und das nicht gänzlich unverdient, verspotten ließ — noch in Berlin feiern. 2010 hatte man dann endlich eingesehen, dass man mit all dem erfolgreichen, in letzter Konsequenz aber unterlegenen Fußball Jupp Derwall (und auch Berti Vogts) immer noch nicht das Wasser reichen konnte.

Gut, das mag auch ein wenig damit zu tun haben, dass man es in Spanien mit Dopingverfolgung nicht so genau nimmt. Aus genau den selben Gründen aber wurde schließlich Deutschland 1954 Weltmeister. Wer heute noch an die Sage von den Eisenstollen Adi Dasslers glaubt und die Spritzen, die Gelbsucht etc. ignoriert, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Nicht mehr zu helfen, womit wir bei einer Nation wären, die fußballerisch abgesehen von einer Schiedsrichterfehlentscheidung in einem Heimspiel eigentlich noch nie überhaupt irgendetwas gerissen hat (selbst die Russen sind schon Europa- und drei(!)facher Europa-Vizemeister): England.

Womit wir zum Ausgangspunkt zurückkehren, denn jener Jupp Derwall, der 1980 Europameister wurde und letztens leider verschied, trat einmal bei einem Länderspiel gegen eben jene Engländer an. Und was sehen wir da (abgesehen davon, dass auch der Rest der Galerie klickenswert ist, weil dort Bilder mit Seltenheitswert zu sehen sind)? Die Engländer spielten in langen Hosen.

So kann das natürlich nix werden im Weltfußball.

(Bild Nr. 15 ist übrigens in Kürze in einer Sonderausgabe der 11Freunde zu erwarten. Offensichtlich gab es noch keine Wasserwaagen zu jener Zeit. Die Brille ist übrigens nicht in 3D, trotzdem erweckt sie den Eindruck, im nächsten Moment aus dem Bild zu fallen.)

6 Kommentare

  1. Die Engländer haben zwar tatsächlich sehr wenig bei großen Turnieren gerissen, aber nur weil sie 1954 in Trainingsanzügen den Platz betraten, heisst das ja nicht, dass sie die Dinger für das Spiel anbehielten.
    Eine akribisch geführte Website erwähnt jedenfalls kein Spiel der Engländer in langen Hosen; jedenfalls nicht mehr im 20. Jahrhundert.

    http://www.historicalkits.co.uk/international/england/england-1946-1960.html

    Und die gedruckte „Chronik des deutschen Fußballs“ bietet einen recht ausführlichen Artikel zu diesem Freundschaftsspiel, aber lange Hosen während des Spiels werden nicht erwähnt.

  2. für mich sieht das eher nach einlaufen im trainingsanzug aus … vielleicht haben die sich erst zum spiel der langen hosen entledigt?

  3. Viel bemerkenswerter finde ich Bild 7 in der oben erwähnten Galerie. Zum Teil unglaublich jung aussehende Fußballer, gerade aus dem Schatten der letzten verbliebenen Weltmeister von 1974 getreten, eine junge Mannschaft bei ihrem ersten großen Turnier – und schon Europameister.

    Bemerkenswert auch, wenn man bedenkt, wie es weiterging: Zum ganz großen Wurf sollte es danach nicht mehr reichen, stattdessen gab es sogar ein peinliches Vorrundenaus und so manche Unsportlichkeit. Erst die nächste komplett neue Mannschaft sollte dann wieder einen Titel holen, ein Jahrzehnt später.

    Dieser Europameisterschaftstitel scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein; er steht im Schatten des „legendären“ Sieges von 1972 und des „noch bekannten“ von 1996. Aber dieses Bild von 1980 noch einmal zu sehen… kaum zu glauben, dass das schon 30 Jahre her sein soll.

  4. Ja, wirklich dumm: da liegen alle vor den deutschen „WM-Helden“ auf dem Bauch und verharren in devotester Vergötzung. Dann sagt einer: der letzte Titel ist 15 Jahre her. Und war nich mal ’ne WM. Danke! Man wünscht sich fast in die 80er zurück. Da gab es noch keine Seligsprechungen für zweite und dritte Turnierplätze. Dieser neue Untertanengeist widert mich an. Nicht nur im Sport. Vor jedem blöden Geldsack, jeder billigen PR-Pose, jedem gegelten Blingbling wirft man sich neuerdings in den Dreck. Widerlich.

  5. was man auch immer so unter neulich versteht: laut wikipedia ist der gute jupp schon 2007 von uns gegangen. die jüngeren unter uns halten 3 jahre für eine beträchtliche spanne. immerhin haben wir in der zwischenzeit einen dritten und einen zweiten platz eingesammelt…

  6. Vielleicht sind auch einfach die ersten beiden einlaufenden englischen Spieler zufälligerweise Torhüter? Torhüter in langen Hosen. Quasi Ungarn.

    Mein Lieblingsfoto ist übrigens die #9, auf der sich zwei Personen ins Bild gedrängt haben, die sich in den letzten knapp 30 Jahren irgendwie auch nicht so recht verändert haben. „Herr Ernie und Herr Bert, machen’s doch bittscheen mal eine typische Gesichtsbewegung, verbindlichsten Dank.“



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