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Schlagwort: Erich Ribbeck

Die drei Karrieren der Musketiere

Ohhh, ja, wenn die Rubriken hier noch seriös gepflegt würden, müsste man spätestens jetzt die Rubrik „Oppa erzählt vom Krieg“ eröffnen. Allerdings hieße der Oppa hier nicht Trainer Baade, sondern Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk. Zum Glück, denn nicht zuletzt deshalb fehlt allen drei Dokus das Pathos und es werden auch weniger schöne Aspekte nicht ausgespart.

Drei ganz besondere Figuren des deutschen Fußballs werden hier beleuchtet, alle drei lange Zeit Nationalspieler, zwei Vize-Weltmeister, ein Weltmeister, alle drei mit Stationen im Ausland, einer hernach sogar noch Trainer der Nationalmannschaft. Aber, wie hier allzu häufig üblich, alle drei auch Figuren mit ihrem Zenit in den 1980er Jahren.

Dennoch: Auf Sportbusiness-Messen wird heutzutage die Mär verbreitet, man müsse immer auch eine Geschichte um einen Sportler herumerzählen können, am besten sollten diese einen Hamster besitzen, der Zirkusstückchen vorführen kann. Bei allen diesen drei Typen hier hingegen reichte das, was man auf dem Spielfeld zu sehen bekam. Weiß irgendjemand, mit wem Briegel verheiratet war oder ist? Welches Auto Rudi Völler fuhr? Was Toni Schumacher als Hobby hatte? Sie alle erzählten ihre jeweils eigene Geschichte in dem Sport, den sie ausübten. Was ihrer Epoche geschuldet sein mag, in der es eben keine Sendezeit für allzu viel Boulevard rund um den Sport gab. Was aber auch dem geschuldet sein mag, dass sie ihren jeweils eigenen Werdegang mit auf den Platz nahmen. Ein Umstand, den man auch erfühlte, ohne diesen zu kennen.

Das allerdings kann man hier nachholen in drei sehenswerten Dokus, jeweils knapp eine Dreiviertelstunde lang, schaut sich gut weg und ist doch erhellend. Die Jugendtrainer ebenso zu Wort kommen lässt wie frühere Mitspieler, einstige Trainer, aber auch einordnende Journalisten. Und wie oben erwähnt fehlt trotz des Blicks hinter die Kulissen jegliches Schmierantentum und so kann man diese drei Karrieren wirklich genießen, schließlich kommen Spielszenen jeweils auch nicht zu kurz.

In den Karrieren jener drei Musketiere nämlich, als da wären:

Toni Schumacher

Natürlich kommt eine Doku bei diesem wie eine entfesselte Bestie haltenden Torhüter nicht am Thema „Battiston“ vorbei. Doch hier liegt der Schwerpunkt auf den Anfängen der Karriere, in der sich damals noch „Harald“ Schumacher ein Zimmer mit der ebenfalls auftretenden Schwester teilen musste. Wer hätte gedacht, dass der harte Toni — man erfährt auch, warum er so genannt wird — inzwischen Kunstsammler ist? Und wie das so war, als er dann „Anpfiff“ veröffentlichte, durchaus mit Stimmen anderer Menschen als den sonst üblichen. Und wie er nach beinahe zwei Jahrzehnten Funkstille dann doch wieder bei seinem Effzeh einsteigen durfte und auch wollte. Prädikat: Toni hält zumindest hier den Ball.

Rudi Völler

Dass der nette Volksheld, von diesem getauft auf den Namen „ein‘ Rudi Völler“, auch ganz anders kann als nett zu sein, weiß man spätestens seit seiner Scheißdreck-und-Käse-Rede nach einem 0:0 auf Island. Manch Fußballnation wäre heutzutage bekanntlich froh über ein 0:0 auf Island oder sogar in einem EM-Achtelfinale, doch das war damals gänzlich anders. Wie auch Völlers Karriere noch so ganz anders verlief als die heutigen Fußballkarrieren. Auch er in „bescheidenen Verhältnissen“ aufgewachsen, wie man euphemistisch für jene ganz am Ende der Leiter der Wirtschaftskraft gerne sagt, auch er von seinem Heimatverein erst im Quasi-Erwachsenenalter zu seinem ersten Proficlub gewechselt, dauerte Völlers Karriere weit über die Zeit als Aktiver hinaus. Von den Anfängen in Hanau bis zur Sportdirektorzeit beim Bayer, kommen hier auch die weniger lobhudelnden Stimmen zu Wort. Der Rudi, der cholerische Volkstribun, der erst in letzter Zeit ein wenig von seiner Strahlkraft verliert. Und die zweieinhalb Minuten vom un- redseligen Calli erträgt man hier auch gut, zumal der Blick auf die Zeit in Italien dafür entschädigt. Einzig von Olympique Marseille wollte wohl niemand etwas zu Rudi Völler sagen. Welche Gründe das wohl haben könnte? Prädikat: Die liebe „Tante Käthe“ kann auch anders.

Hans-Peter Briegel

Wer sah je Bilder von Hans-Peter Briegel bei einem seiner Leichtathletik-Wettkämpfe? Vom deutschen Jugendmeister im Weitsprung? Wer hat je ein Interview mit dessen Leichtathletik-Trainer gehört? Wer weiß heute noch von der immensen Torgefahr des eigentlich ja Verteidiger spielenden Briegels? Und wer könnte sich heute vorstellen, dass jemand erst mit 16 (!) mit dem Vereinsfußball beginnt und hinterher Vize-Weltmeister ist. Viele Stimmen vom Beginn der Karriere der „Walz aus der Pfalz“ und noch dazu viele Bilder aus seiner Zeit in Italien, die man ja hier damals nicht zu sehen bekam. Prädikat: Hoch gehopst, weit gesprungen.

Durchaus alle drei sehenswert für verschneite Abende unter der Woche, jetzt, da die Bundesliga mal wieder beinahe komplett nicht den Winter im Europapokal überstehen wird.

Danach freuen wir uns dann auf die kommenden Dokus, wie das so war, im Internat von Julian Draxler, im Internat von Leroy Sané und ganz besonders die Doku zur wilden Zeit im Internat von Toni Kroos.

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Trainer mit den meisten Spielen in der 1. Bundesliga

Trainer Spiele Vereine
Otto Rehhagel 832 Kickers Offenbach, Werder Bremen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf, FC Bayern München, 1. FC Kaiserslautern,
Jupp Heynckes 642 Borussia Mönchengladbach, FC Bayern München, Eintrach Frankfurt, FC Schalke 04, Bayer Leverkusen
Erich Ribbeck 569 Eintrach Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, FC Bayern München
Udo Lattek 522 FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, 1. FC Köln, FC Schalke 04
Thomas Schaaf 513 Werder Bremen, Eintracht Frankfurt
Felix Magath 495 Hamburger SV, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, FC Bayern München, VfL Wolfsburg, FC Schalke 04
Hennes Weisweiler 470 Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln
Ottmar Hitzfeld 461 Borussia Dortmund, FC Bayern München
Friedhelm Funkel 459 Bayer Uerdingen, MSV Duisburg, Hansa Rostock, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC
Christoph Daum 426 1. FC Köln, VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt

Stand 30.6.2015

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Die Handicaps einiger Fußball-Profis

Golf ist die Sportart, mit der der überwältigende Teil aktueller und früherer Fußball-Profis entspannt oder so manchen Euro für wohltätige Zwecke erspielt. Dabei haben die beiden Sportarten außer dem Ball nichts gemeinsam. Gut, Schläger gibt es auch beim Fußball immer mal wieder, die sehen aber oft schnell mal einen Platzverweis und erleben das Ende der Partie nicht mehr vor Ort. Doch wo Fußball ein Mannschaftssport ist, ist man beim Golf zumindest im konkreten Duell immer Einzelkämpfer. Wo der Ball beim Fußball ins Tor muss oder gerne auch mal „in die Maschen“, soll er beim Golf in einem Loch versenkt werden. Und während man beim Fußball die Schuhe nur im Ausnahmefall während einer Partie wechselt, ist der Griff zu den unterschiedlichen Spielgeräten im Golf üblicher Teil des Spiels.

Warum gerade Golf so eine Faszination auf viele gewesene Fußballprofis ausübt, ist nicht endgültig geklärt. Für die wenigsten von ihnen gilt schließlich, dass sie ständiger Teil des Jetsets, der Szene, der Schickeria sind wie es beim ewigen Franz Beckenbauer der Fall ist.

Aber vielleicht ist gerade die eher gemächliche Ausführung des Spiels bei gleichzeitig dennoch erforderlicher Konzentration beim Golf das, was den Reiz für die Fußballer ausmacht.

Jedenfalls scheinen viele von ihnen viel Zeit zu haben, um ihr Handicap beim Golf zu verbessern, wie die folgende Aufstellung zeigt. Und da bei solchen Promi-Turnieren auch immer schön die Durchmischung von Sportlern und Sportjournalisten erfolgt, wurden auch einige der letzteren in die Auflistung mit aufgenommen.

Name Handicap
Franz Roth 5
Karl Allgöwer 7
Jürgen Grabowski 7
Sepp Maier 7
Kenny Dalglish 8
Franz Beckenbauer 9
Thomas Allofs 10
Rainer Bonhof 10
Sir Bobby Charlton 10
Kevin Keegan 10
Hermann Ohlicher 10
Oliver Kahn 12
Dieter Hoeneß 13
Bernd Schuster 13
Ottmar Hitzfeld 14
Thomas Berthold 14
Oliver Bierhoff 16
Andreas Brehme 16
Uli Hoeneß 18
Erich Ribbeck 18
Winni Schäfer 18
Sissy de Maas 20
Harald Schumacher 21
Michael Ballack 22
Werner Olk 22
Jörg Wontorra 22
Lothar Matthäus 24
Uwe Seeler 25
Marco Bode 27
Klaus Allofs 28
Dieter Kürten 28
Harry Valérien † 28
Uwe Seeler 32

Mit Bulle Roth jemand ganz vorne in dieser (unvollständigen) Liste, der ansonsten nur selten im Rampenlicht auftaucht, während das eher mediokre Handicap des sonst so ehrgeizigen Lothar Matthäus doch eher verwundert.

Jedenfalls hat die Golf-Affinität der Fußballer nicht damit zu tun, dass adidas einer der großen Player (sic) beim Golf und der Golfausrüstung ist und viele Ex-Profis mit adidas verbandelt sind. Wie man bei der Seite zum Golf „lakeballs“ nachlesen kann, strömt auch Puma auf den Markt für Golf und Golfausrüstung und das mit Vehemenz. Bei der schon länger durchgeführten Wandlung von Puma vom reinen Sportartikelhersteller zum Produzenten von „Lifestyle“ und dazugehörigen Accessoires darf das nicht allzu sehr verwundern.

Die weiter oben beschriebenen Unterschiede zwischen Fußball und Golf geht VfB-Sportdirektor Robin Dutt übrigens Golfmagazin an: „Man kann [beides] als Leistungssport oder als Freizeitsport betreiben, benötigt Ballgefühl und ist bei beiden Sportarten an der frischen Luft.“ Nun gut, so kann man es natürlich auch sehen, auch wenn das letzte Argument für jede Sportart gilt, die nicht in der Halle ausgeübt wird. Das Handicap von Robin Dutt ist übrigens nicht bekannt.

Einige weitere Anekdoten über die Beziehung zwischen Golf und Fußballern haben übrigens — wer sonst? — die 11Freunde gesammelt. Wie üblich auch mit den Funden aus ausgiebiger Bildrecherche zum Thema.

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Dunkles aus dunkler Zeit

Es ist eine der großen Betriebsmotivationen hier in diesem Blog, doch eines Tages noch zu erfahren, was bei der EM 2000 in den Reihen der Nationalmannschaft wirklich vorgefallen ist, als die eine oder andere Revolution drohte, die Mannschaft auseinanderfiel und der deutsche Fußball das jämmerlichste Bild seit dem Krieg abgab. Mehmet Scholl allerdings hat zum Beispiel geschworen, die genauen Umstände nie zu verraten, vielleicht bricht ja einer wie Markus Babbel oder der Loddarmaddäus himself mal das Schweigen.

Bis dahin müssen wir uns weiterhin mit dem begnügen, was damals anwesende Zeitzeugen so aufgeschrieben haben, z. B. der Spiegel über die EM 2000 und Ribbecks Anteil. „Populist“ mit „überschaubarem taktischen Interesse“ sind da noch die harmloseren Wendungen, mit denen Erich Ribbeck bedacht wird. Aber auch Matthäus kommt extrem schlecht weg und ein bisschen Licht ins Dunkel gelangt durchaus mit diesen Worten des Spiegels. Schöner „Read“ für dunkler werdende Tage, denn es ist fast ein bisschen gruselig, wie dunkel es damals, keine 15 Jahre her, in der Nationalmannschaft zuging.

„Der Kaffeehaus-Trainer“.

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Alle Bundestrainer der Nationalmannschaft

Dauer Bundestrainer
1926-1936 Dr. Otto Nerz
1936-1964 Sepp Herberger
1964-1978 Helmut Schön
1978-1984 Jupp Derwall
1984-1990 Franz Beckenbauer
1990-1998 Berti Vogts
1998-2000 Erich Ribbeck
2000-2004 Rudi Völler
2004-2006 Jürgen Klinsmann
2006- Jogi Löw

Dr. Otto Nerz und Sepp Herberger waren in der Zeit vor 1945 „Reichstrainer“ der Nationalmannschaft, nicht Bundestrainer. Sepp Herberger wurde dann ab 1950 aber wieder Trainer dieser Auswahl und hieß somit ebenfalls wie seine Nachfolger „Bundestrainer“. Einzige Ausnahme: Franz Beckenbauer, der keinen Trainerschein besaß, wurde „Teamchef“ genannt. Seine Assistenten waren dann jeweils die Bundestrainer. De iure gehörten sie also in diese Liste, de facto war aber Franz Beckenbauer für Auswahl und Aufstellung der Spieler verantwortlich und erfüllte somit jene Aufgaben, die man im deutschen Sprachraum einem „Trainer“ zuschreibt.

Stand 2012 hatte der DFB also seit 1926 10 verschiedene Trainer der Nationalmannschaft, was einer Durchschnittsverweildauer von 7,8 Jahren entspricht, da in der Zeit von 1942 bis 1950 keine Nationalmannschaft existierte.

Jogi Löw heißt amtlich natürlich Joachim Löw, so wie Rudi Völler eigentlich Rudolf Völler heißt und Berti Vogts ein Hans-Hubert Vogts ist. Niemand verwendet im Fußball aber ihre echten Namen, weshalb sie so in der Liste erscheinen, wie es gebräuchlich ist.

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Engländer in langen Hosen?

Jupp, der … lassen wir diesen billigen Witz mit Bart. Jupp Derwall ist leider letztens von uns gegangen.

Hinterlassen hat er immerhin einen EM-Titel. Das ist mehr als Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Erich Ribbeck und Jogi Löw zusammen an Titeln gesammelt haben. Damit das nicht unterschätzt wird, muss man das ja auch mal aussprechen. Diese ganzen dritten Plätze, man kann mittlerweile das eigene Bad damit pflastern, aber einen Titel haben sie bislang nicht erreicht. Rudi Völler wurde beim Heimkehren noch gefeiert wie ein „ein Rudi Völler“, auch bei Klinsmann jubelte man noch. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 ließ man sich auf schäbigste Weise — nämlich indem man einen [Piep] namens Pocher den Gegner, der einen allerdings gerade geschlagen hatte, und das nicht gänzlich unverdient, verspotten ließ — noch in Berlin feiern. 2010 hatte man dann endlich eingesehen, dass man mit all dem erfolgreichen, in letzter Konsequenz aber unterlegenen Fußball Jupp Derwall (und auch Berti Vogts) immer noch nicht das Wasser reichen konnte.

Gut, das mag auch ein wenig damit zu tun haben, dass man es in Spanien mit Dopingverfolgung nicht so genau nimmt. Aus genau den selben Gründen aber wurde schließlich Deutschland 1954 Weltmeister. Wer heute noch an die Sage von den Eisenstollen Adi Dasslers glaubt und die Spritzen, die Gelbsucht etc. ignoriert, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Nicht mehr zu helfen, womit wir bei einer Nation wären, die fußballerisch abgesehen von einer Schiedsrichterfehlentscheidung in einem Heimspiel eigentlich noch nie überhaupt irgendetwas gerissen hat (selbst die Russen sind schon Europa- und drei(!)facher Europa-Vizemeister): England.

Womit wir zum Ausgangspunkt zurückkehren, denn jener Jupp Derwall, der 1980 Europameister wurde und letztens leider verschied, trat einmal bei einem Länderspiel gegen eben jene Engländer an. Und was sehen wir da (abgesehen davon, dass auch der Rest der Galerie klickenswert ist, weil dort Bilder mit Seltenheitswert zu sehen sind)? Die Engländer spielten in langen Hosen.

So kann das natürlich nix werden im Weltfußball.

(Bild Nr. 15 ist übrigens in Kürze in einer Sonderausgabe der 11Freunde zu erwarten. Offensichtlich gab es noch keine Wasserwaagen zu jener Zeit. Die Brille ist übrigens nicht in 3D, trotzdem erweckt sie den Eindruck, im nächsten Moment aus dem Bild zu fallen.)

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Ehre, wem Ehre

Da gerade wieder demonstriert wurde, wie die deutsche Mannschaft inzwischen Ausfälle höchster Qualität verkraftet und dennoch gegen Gegner mittlerer Kategorie erneut ein Torfestival aufs Parkett legt, muss man noch einmal konstatieren, dass die falschen Bundestrainer die Bundesvervielendankundichwillauchmitaufsfoto-Abzeichen bekommen haben.

Denn von allen Bundestrainern hat ausgerechnet (jaja!) derjenige keins erhalten, dem man eigentlich ein Denkmal bauen müsste. Erich Ribbeck hat die undankbare Rolle übernommen, den deutschen Fußball ins internationale Nichts zu führen. Auch Lothar Matthäus gebührt an dieser Stelle Dank, dass er noch so lange aushielt und sich auch nicht zu schade war, am Ende seiner Karriere noch mal vor der Weltöffentlichkeit den fußballerischen Deppen zu geben. Ohne die niederschmetternden Ergebnisse unter Leitung dieser beiden Fußballmenschen, ohne den derart peinlichen Auftritt bei der Europameisterschaft 2000, ohne ganz unten angekommen zu sein, wäre kein Wechsel in der Strategie der Sichtung und Ausbildung passiert.

Dessen Resultat am Freitag bestaunt werden durfte: Kaum Vorbereitungszeit zum Trotz war der Gegner zu schwach, um den eigenen Sieg ernsthaft in Gefahr zu bringen. Was eben immer auch daran liegt, wie gut dessen Gegner spielt. Ohne abheben zu wollen — denn so wie manche die deutsche Mannschaft schon wieder ins EM-Halbfinale schreiben wollen, ist es nicht — hat man es hier dennoch mit einer breiteren Basis zu tun, als dass sie nur auf den Schultern einiger weniger läge.

Man hat also alles falsch gemacht. Denn jene auszuzeichnen, die Titel holten, als es ohnehin gut lief — das ist zu billig. Erich Ribbeck hingegen hat alles richtig gemacht, als es gar nicht so einfach war, den Weg aus der Krise überhaupt zu erkennen: Das gesamte Ding erstmal vor die Wand fahren, damit es auch die alten Herren im DFB endlich mitbekommen, dass 1990 längst vorbei und 1996 nur ein Strohfeuer war.

Ein Bundesverdingsbums also für Erich Ribbeck, die anderen können ihre erstmal wieder abgeben und sie sich vielleicht später aus dem sicher gut bewachten Spind in dieser Villa Bellevue wiederholen, wenn ein Titel gewonnen werden sollte.

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Konsequenz, meine Herren

Ich erwarte von all jenen, die sich ständig derart äußern, dass das Spiel um den 3. Platz überflüssig sei und abgeschafft werden solle, weil es irrelevant sei, ob man Dritter oder Vierter werde und die Spieler ohnehin nicht mehr motiviert seien, so viel Konsequenz, dieses Spiel dann heute Abend auch nicht anzuschauen. Selbst wenn der Bier- oder Garten so verlockend wie in den vier Wochen zuvor rumsteht und seine leckere Geruchs- und Geschmacksmischung aus dem Spitznamen Ribbeckscher Nationalspieler und einem der Premiumpartner der Nationalelf verströmt, selbst wenn alle anderen wieder vor der Glotze oder Leinwand hocken, selbst wenn es drinnen einfach zu heiß ist zum Laufen und der Pass sitzen muss: Konsequenz, meine Herren Spiel-um-den-dritten-Platz-Madigmacher.

Wer das Spiel überflüssig findet, schaltet gefälligst auch nicht ein.

Ich werde das kontrollieren!

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Konzepte sind Kokolores — Kirmes aber auch

Man hält sich ja gerne daran auf, dass Erich Ribbeck eine schwer blinde Pfeife war, die wirklich gar nichts im Köcher geschweige denn Großhirn hatte, was vielleicht ein bisschen mit Fußball zu Tuna gehabt haben könnte. Und Bashen ist hier ja verboten, seit das allgemeine Bashing-Verbot für kleine Eck-Blogs wie unsereins in Kraft getreten ist. Deshalb wird nicht mehr gebasht, jedenfalls nicht, so lange nicht „mind. ein bashing-freier Raum für das Publikum“ zur Verfügung steht.

Wir waren keine Einheit, sondern ein Haufen von Individualisten. Mit Professionalität hatte das nichts zu tun. Ganz zu schweigen von einer Spielphilosophie, die es bei uns überhaupt nicht gab. Löw hat einen Plan, damals gab es keinen. Es war hanebüchen, was bei uns abgelaufen ist. Eine Truppe wie bei einer Kirmes.

Sagt Markus Babbel, und der muss es schließlich wissen. Weil er dabei war, als die Nationalmannschaft einen der ersten Tiefpunkte vor dem nächsten erreichte: die EM 2000 in Botswana und Holland. Ein peinlicher Auftritt, in jeglicher Hinsicht. Babbel lässt sich mit Didi Hamann von der FOTO-Zeitung beim Saufen in Köln erwischen. Oliver Bierhoff, damals noch oder schon oder zwischendurch Mannschaftskapitän, verletzt sich beim einzigen öffentlichen Training schwer an der Krawatte und muss sofort von einem Helikopter in eine Krawatten-Rettungsklinik in Colorado, USA, geflogen werden. Oliver Kahn ist während des gesamten Turniers, der einzige, der mitspielt, neben Mehmet Scholl natürlich, der aber wieder mal beweist, dass Oliver Kahn unrecht hat: „Musse alleine de Spiel gewinne“ geht eben nicht, wenn man neben sich nur Gurken, Kroepoek und anderes genmanipuliertes Gemüse rumstehen hat. Zumindest wenn — so ehrlich darf man sein — da kein Trainer steht, der das Gemüse nicht wenigstens auf die höchste Stufe der Mikrowelle richtig eingestellt hat.

Einem peinlichen 1:1 gegen Balkan folgt ein noch peinlicheres 0:1 gegen England, und diesmal war es gar nicht Oliver Kahn, der in dem entscheidenden, großen Spiel gepatzt hatte (der Druck, unmenschlicher (man sollte eine Extra-Fußnote für diesen Ausdruck anlegen, auf dass man immer auf diese Fußnote verlinken kann, wenn nötig)), sondern der Rest der Gurkentruppe. Die erste Turnier-Spiel-Niederlage gegen England seit 36 Jahren und wer war schuld? Natürlich Kokolores-Ribbeck. Dem hätte man aber nicht mal eine Homegrow-, sack- und Baumarkttruppe anvertrauen dürfen zu dieser Zeit. Weshalb fraglich bleibt, wieso Babbel, Nowotny und Scholl und Co. auf dem Platz nicht einfach gemacht haben, was sie wollten: Hätte der olle subjektiv-objektive Ribbeck doch eh nicht gemerkt, wenn sie ihre Positionen verlassen hätten. Er hätte vielleicht einmal kurz versucht zu pfeifen, auf dem Unterarm, wie es ansonsten Rehhagel immer tut. Da das Getute (Delling -1) in Stadien aber ohnehin immer so laut ist, dass niemand ernsthaft ein Gepfeife (auf dem Unterarm) von der Bank hören würde, hätten alle einfach so tun können, dass sie nichts hören und sich nachher beim Feiern über den Gewinn des Coupe-Joules-Flambiert einen in den nicht vorhanden Trainer lachen können, dass sie trotz ihres Trainers Weltmeister geworden wären. Nach amerikanischen Maßstäben jedenfalls.

Insofern ein Armutszeugnis für die Truppe von 2000. Die Truppe von 1996 gewann schließlich auch trotz Trainer.

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Endlich! Trend aus Wahrheitanien angekommen

Schmadtke kritisiert sich selbst“, titelt der kicker.

Unbestätigten Gerüchten zufolge möchte Lothar Matthäus seine nächste Kolumne in der Sport-FOTO ebenfalls seinen eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten widmen, der Verlag hat in folgedessen angekündigt, die kommende Ausgabe von 100 auf 200 Seiten zu erweitern.

Ähnliches wird vom kommenden DSF-Doppelpass berichtet, bei dem Udo Lattek eine Stunde lang zum Thema „Ich, wie es wirklich war“ dozieren möchte. Zur Sprache bringen wird der Altmeister dort die vielen, nirgendwo erwähnten und an die große Glocke gehängten Fehlentscheidungen seiner Trainerlaufbahn sowie die vielen verpassten Titel und wie es dazu nicht kam.

Erich Ribbeck sagt, er habe bereits alles gestanden, Paul Breitner hält nix von „diesem neumodischen Trend“ und Ottmar Hitzfeld möchte „erst die TV-Bilder abwarten“, bevor er sich äußert.

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Heerwagen: Einfach hochmäßig!

Ja, lassen wir uns das ruhig mal auf der Zunge bzw. der Netzhaut zergehen: einfach hochmäßig! Klingt nach etwas Tollem, oder? Etwas, was hochmäßig ist, verleiht entweder Hochgefühle oder es ist von hoher Qualität. Würde man so meinen.

Es ist dann aber doch nur eine weitere Stilblüte der Marke „hochsterilisiert“ und „Der Jürgen und ich sind ein tolles Trio“: Philipp Heerwagen schreibt auf seiner Webseite anscheinend tatsächlich selbst, wo gibt’s das noch im weiten Rund der Agentur-betreuten Spielerseiten?

„So etwas zu sagen wäre respektlos gegenüber meinen Mitspielern und der Führung des Vfl-Bochum, sowie schlicht und einfach hochmäßig!“

Die Vermutung bestätigt sich, wenn man weiterliest und auf folgende, nennen wir sie unglückliche, Formulierung stößt:

„Leider gehen manche Zeitungen mit der derzeitigen Torwartdiskussion mehr oder weniger objektiv um […]“

Ja, das ist wirklich bedauerlich. Ribbeck’sche subjektive Objektivität wäre da schon willkommener.

Weiter unten klärt er uns noch darüber auf, dass er sich — seines Zeichens schließlich Torwart — letztens die Hand gar nicht beim Renovieren seines Partykellers verletzt habe, sondern beim Renovieren irgendeines Kellers eines Freundes. Dieser hatte ihm seinerseits beim Umzug geholfen, weshalb der gute Philipp sich selbstredend revanchierte. Hätte es uns aber mehr gestört, wenn es sein eigener Partykeller gewesen wäre? So hochmäßig wären wir doch nicht …

Gesehen bei dieser Seite, die man kennt.

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Und unter Ribbeck?

„So schlecht wie unter Adolf Hitler hat Deutschland in seiner Geschichte niemals Fußball gespielt.“

Gesehen bei Euro 08.

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Playin‘ for ma cantry

Ja, so wichtich kann es einem sein, dass man für sein cantry spielt. Fraglich bleibt dabei allerdings, was der Trainer von his cantry darüber denkt, ihn noch mal zurückzuholen. Bitter, wie wir wissen, dass Erich Ribbeck den schlechten, alten Lodda sogar aus New York zurückholte, nur um ihn grandios scheitern zu lassen. Ob es für den Metropoliten David Beckham noch etwas bringt, in der Sausage- und Fußball-nur-für-Show-Liga darum zu betteln, dass er weiterhin für sein Land spielen möchte, sei dahin- und vor allem äußerst in Frage gestellt. In Frage stellt er es jedenfalls selbst.

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