Früher vs heute, die wirre Version

| 3 Kommentare

Man muss Verständnis haben für die alten Säcke, dass sie nicht einfach sagen: Okay, heute verdienen die Jungs wesentlich mehr und sie spielen auch noch viel besser, viel schneller und überhaupt hätten wir von damals heute keine Chance. Warum man dafür Verständnis haben muss, ist mir zwar noch nicht eingefallen, aber versuchen wir es doch einfach mal, aus dem viel zitierten Respekt heraus, den manche so gerne beklagen, wenn er fehlt.

Einer der alten Recken trägt allerdings auch nicht gerade dazu bei, dieses Verständnis aufzubringen, was daran liegen könnte, dass er selbst nicht versteht, was er eigentlich sagen möchte. Auf diesen früher-heute-Vergleich der Leistungen der Fußballer angesprochen, antwortet Norbert Nigbur jedenfalls das Folgende.

Bei der These, dass der heutige Fußball viel schneller daher kommt, reagieren Spieler aus Ihrer Generation immer sehr empfindlich.

Diese Aussage macht mich auch fuchsteufelswild. Technisch waren wir eindeutig überlegen. Oder gibt es heute noch einen Stan Libuda? Das ganze System hat sich doch verändert. Damals hatte man als Stürmer kaum Freiräume, dafür hat schon der Libero gesorgt. Klaus Fischer wäre auch heute noch Torschützenkönig.

Wie beim Geblitztwerden ziehen wir einige KulanzlückeninderArgumentation ab, weil der fuchsteufelswilde Norbert Nigbur hier möglicherweise verkürzt wiedergegeben wird. Vielleicht hatte er im originalen Gespräch noch einige Bindeglieder zwischen seinen Hauptsätzen eingefügt, die dem ganzen einen nachvollziehbaren Sinn verliehen. Da dies nicht eindeutig zu klären ist, wenn man nicht wieder Emails schreiben will, auf welche mit vorgefertigten Textblöcken geantwortet wird, belassen wir es bei dieser Kulanz.

Und dennoch bleibt nicht viel über, was man verwerten könnte, dabei hatte man (das ist hier: ich) lange Zeit geglaubt, Norbert Nigbur sei auch deshalb ein wenig sympathisch, weil er nicht so von Ehrgeiz zerfressen war und sogar Zeit für eine lustige Schallplatte aufbrachte, während er eigentlich noch im Saft stand und die Stürmer, die auf sein Tor zueilten, keine Freiräume hatten, weil schon der Libero dafür sorgte.

Lassen wir auch die Frage am Wegesrand liegen, was er damit sagen will, dass es heute keinen Stan Libuda mehr gibt. Natürlich gibt es keinen solchen mehr, er ist ja tot und unter der Erde, wobei es eben auch keinen Nachfolger gebraucht hätte. Jede Zeit hat ihre eigenen Helden und so darf man zur Verteidigung des Nigburschen Geschwafel nach Abzug der berücksichtigten Kulanzlücken konstatieren, dass die Frage nach einem solchen Vergleich ohnehin unzulässig, weil niemals zu beantworten ist. In die Falle hereingetapert ist er aber trotzdem, und immerhin das darf man ihm dann vorwerfen, wenn man schon aufgegeben hat, nach Sinnhaftigkeit in seiner Antwort zu suchen.

Womöglich ist es aber auch Resultat der Tatsache, dass ein unschöner Nebeneffekt des Altwerdens ist, dass man alt wird.

3 Kommentare

  1. @den Trainer: Danke für die Thematisierung des Themas Ehemalige.

    Es ist eigentlich unglaublich, wie wenig die allermeisten früheren Profis, Kommentatoren sowieso und auch Trainer vom Fußball, wie er nicht erst seit heute gespielt wird, verstehen. Das geht beim Dummschwätzer (also dem Kaiser) los und setzt sich nahtlos über die sog. Experten wie Effenberg, Basler, sonstigen Alt-Internationalen und v.a. bei Leuten, die ihr nicht unerhebliches Geld mit dem Kommentieren über Fußball verdienen, fort.

    Wenn schon bei so einem Mini-Glühwürmchen wie meinereiner, bei dem eine „nur“ aus Spaß-an-der-Freud – zumindest eingebildete – Sachkompetenz rudimentär vorhanden scheint (durch Lesen von entsprechenden Artikeln wie auf Spielverlagerung.de, durch Gespräche mit Trainern im Amateurbereich, auch nur durch einfaches Zuschauen von Spielen – natürlich auch der Profis im High-Level-Bereich), selbst dann können gegenüber Aussagen dieser „Experten“ massive Zweifel an deren Kompetenz sehr oft argumentativ begründet werden.

    Grass fressen, A…. aufreißen, über den Kampf ins Spiel finden, Zweikämpfe annehmen, über die Flügel kommen, etc. pp. sind so absolut ausgelutschte Plattitüden, dass dies nicht mal mehr ein E-Jugendlicher annimmt.

    Wann verschwinden endlich diese früher-war-sowieso-alles-besser-Typen?

  2. Vergleichen kann mMn Alles mit Allem. Es geht ja nur darum Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu benennen und daraus eine hinsichtliche Schlussfolgerung zu ziehen.

    Ein Unterschied zwischen früher und heute könnte z.B. sein, dass früher deutsche Mannschaften erfolgreicher bei WM, EM, Cup-Wettbewerben waren. Und „erfolgreicher“ finden viele besser als besser oder schneller spielen. So sehr, dass besser synonym für erfolgreicher wird und am Ende ganze alleine übrig bleibt. Was dann möglicherweise auch die Antwort ist auf die Frage:

    Wann verschwinden endlich diese früher-war-sowieso-alles-besser-Typen?

    Stimmt natürlich nicht. Sie bleiben, bekommen aber weniger Sendezeit. Und man muss dann auch noch im richtigen „früher“ gelebt haben, damit es auch besser war.

  3. Lese ich Norbert Nigbur, muß ich zwanghaft Bernd Franke schreiben. Ja, Bernd Franke.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.