Ich bin ein „Chaot“

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Ich gehe zu spät zum Zahnarzt. Ich räume nur auf, wenn Besuch angesagt ist. In meinem Portemonnaie tummeln sich diverse Kassenbons von vor diversen Monaten. Meine Fußballschuhe sind fast immer ungeputzt. Meine Diplomarbeit gab ich am letztmöglichen Tag ab (und der Stau auf der A40 Richtung Bochum besorgte mir ordentliche Magenschmerzen). Wenn ich in Urlaub fahre, nehme ich immer zu wenig Unterhosen mit. Ich frage Leute nach dem Weg, und wenn sie länger als drei Ecken antworten, höre ich nicht mehr zu. Ich unterbreche oft andere Leute beim Sprechen, wenn ich glaube, etwas besser zu wissen. Wenn ich mir Pommes kaufe, fällt mindestens einer erst dann runter, wenn ich gerade die Wohnungstür hinter mir geschlossen habe. Ich mache Termine aus und dann erinnere ich mich nicht mehr, wo der vereinbarte Treffpunkt ist. Ich fahre manchmal mit einem fast leeren Tank noch über 50km mit meinem Wagen. Ich trage Jacken, an denen Knöpfe fehlen, was mir aber erst auffällt, wenn ich beim Bewerbungsgespräch angekommen bin. Ich rasiere mich immer nur dann, wenn ich zufällig vor der eingestellten Weckzeit wach werde. Ich setze einen Topf voll Wasser zum Kochen auf den Herd, und eine halbe Stunde später fällt mir auf, dass da in der Küche etwas zischelt. Ich streiche mein Schlafzimmer, aber mittendrin stelle ich fest, dass mir die Farbe nicht gefällt.

Ich bin also, um es klar zu sagen: ein „Chaot“.

Aber wer waren die 99 anderen?

10 Kommentare

  1. Noch zusätzlich hirnlos, würde ich sagen.

  2. Also – Chaos hat fuer mich was mit Spontanitaet und damit auch Ungeplantheit zu tun.
    Diese Aktion in Berlin sah aber im Fernsehen so aus als sei sie vorher geplant worden. Von daher ist der Begriff „Chaot“ in Zusammenhang mit Leuten, die vermummt und wie auf ein Kommando ein Spielfeld stuermen, wirklich total daneben.
    Aber die Aktion uebrigens genauso. Es war nun wirklich nicht so, dass Nuernberg einen dem Spielverlauf angemessenen Sieg errungen hatte…
    Mal ganz abgesehen davon, dass Gewalt scheisse ist.

  3. Ich finde an dem Clip zwei Dinge irritierend. Zum einen die offensichtliche planvolle Verabredung (recht hat asinus), die sich so in keinem(?) Artikel zum Thema findet während der „Fan-Beauftragte“ noch von spontanen Aktionen reden darf.

    Zum anderen wie leer dort die Ränge bereits sind. Es heißt doch allenthalben, das Geschehen habe sich abgespielt, als die Spieler noch auf dem Rasen standen, quasi unmittelbar nach Abpfiff eines Spieles, in dem das Siegtor erst in der Nachspielzeit fiel. Leert sich das Olympiastadion wirklich so schnell?

  4. Und bevor irritierende Kommentare überhand nehmen: ich verstehe deinen Eintrag richtig als Kritik an der undurchdachten Verwendung eines letztlich verharmlosenden Wortes, ist es nicht?

  5. Naja ich wuerde einfach mal sagen, dass das Olympiastadion nie richtig voll ist. Ausserdem liegt der Zuschauerschnitt der Hertha knapp bei 42.000, wenn mn bedenkt, dass in das Stadion 77.000 passen, sieht es wohl immer so aus, als waere es leer. So erklaere ich mir jedenfalls die leeren Plaetze.
    Gruss

  6. @sternburg:
    1. Richtig
    2. Das Olympiastadion hat sehr breite Treppen und ist so gebaut, dass man sehr schnell raus und rein kommt.
    Im Gegensatz zu den modernen Arenen ist dort kein Problem, in der Halbzeitpause zu pinkeln, Bier zu holen und puenktlich zum Anpfiff zurueck zu sein.

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  8. Ca. 71.400 passen zu Herthaspielen da rein.
    Am Samstag waren knapp 59.000 im Stadion. Die Aufnahme wurde gut 5 Minuten nach Abpfiff gedreht.

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  10. Und gestern hat es sich dann zum ersten Mal richtig gerächt, stets noch 50 Kilometer auf Reserve zu fahren. Die zweieinhalb Stunden Warten im kalten Schnee auf Nachschub waren nicht so schön, wie es angesichts der winterlichen Kulisse nahe des Zentralfriedhofs, aber jenem „Zentralfriedhof“ der nun mal wirklich alles andere als zentral liegt, klingen könnte.

    Entschuldige die späte Antwort, sternburg: ja, ist es.



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