Kabinenkotzen

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Herrlich, was Herr Pabst, von dem noch nie jemand zuvor gehört hat, der aber immerhin so expertis ist, dass er von der Süddeutschen interviewt wird, über Max Merkel (und dessen Erbe, Werner Saint Laurent) zu sagen hat:

„Was Max Merkel gepredigt hat, diente dazu, einen Fußballer frühzeitig in Rente zu schicken. Zuckerbrot und Peitsche. Einmal ganz lieb, und dann sehr hart. Zehnmal 200 Meter laufen, fünfmal 400 Meter, zweimal 1000 Meter und dann übergeben sich die Spieler vor der Kabine. Das macht man nicht. Da brauchen sie 14 Tage, drei Wochen, bis man sich wieder erholt.“

Eigentliche Quintessenz des Interviews ist aber, dass man — anders als das Gejammer von (ausgerechnet!) Huub Stevens, Ottmar Hitzfeld und Co. glauben machen soll — durchaus zwei Spiele in 48h durchführen könne. Nur müsse man dann eben genügend Grundlagenausdauer haben sowie regenieren, statt hart zu trainieren. Außerdem empfiehlt er unterschiedliche Trainingsinhalte je nach Alter des Spielers.

Unabhängig von der Frage, wie viele Spiele man innerhalb eines bestimmten Zeitraums sinnvoll bestreiten kann, spricht er noch dem einen oder anderen die nötige Ausdauer ab:

„… als Voraussetzung die Ausdauer. Das heißt, ein Fußballer muss 90 Minuten laufen können. Und das, habe ich manchmal den Eindruck, können nicht alle: Die sind nach 60 Minuten platt.“

Auch wenn ich schon länger kein popeliges Bundesligaspiel mehr über 90 Minuten live gesehen habe — und auch, wenn es „populistische Scheiße“ ist, über mangelnden Arbeitseinsatz der „Scheißmillionäre“ zu wettern — erstaunt schon, dass jemand, der die ganze Woche nix anderes zu tun hat, als sich auf ein Spiel am Samstag vorzubereiten, es nicht schafft, 90 Minuten lang ohne Konzentrations- und Kraftverluste Fußball zu spielen.

Schließen wir mit Mario Baslers Worten nach seinem Abschiedsspiel: „Ich war genauso fit wie während meiner Karriere: nämlich gar nicht.“

5 Kommentare

  1. Ich sach mal so: Wenn man bedenkt, dass die Frauenhandballnationalmannschaft gerade sowohl am Sonntag, als auch am Montag, ebenso wie am Dienstag ein Weltmeisterschaftsspiel hatte, dann wirkt diese ganze Diskussion um die zu kurze Erholungszeit von 43 Stunden doch irgendwie ein klitzekleines bisschen lächerlich.

    Klaro, der Quervergleich hinkt (ständiges Wechseln und so), aber Handball halte ich doch ebenfalls für eine ziemlich intensive und kräftezehrende Sportart. Und dann 3 Partien à 60 Minuten innerhalb von 50 Stunden, naja, jeder darf sich seinen Teil denken…

  2. Trainer, ich will Dir keine populistische Scheiße unterstellen. Aber Fußball heißt ja nicht nur 90 Minuten laufen. Da kommen noch hüpfen, grääätschen, hinfallen, Trickot zupfen, Rudel bilden, meckern, Schiri beleidigen, Ball treten, Gegenspieler treten, mit dem Schiri sinnlos diskutieren, rotzen und jubeln dazu. Nicht zu vergessen auch das Presse boykottieren. Und wenn man dann Sonntag Nachmittags endlich trainignsfrei hat, schaut man sich ja in der Aufzeichnung auch noch den Doppelpaß an. Weißt Du eigentlich wie anstregend Wonti und Lattek sind?

  3. @Manfred
    Danke für den Link. Angenehm unaufgeregtes und sachliches Interview zu der Thematik, die meine Grundhaltung erfreulicherweise auch ein wenig bestätigt. =)

    Gerade was Schmidtlein bzgl. der Einstellung und Motivation sagt, ist glaube ich nicht ganz von der Hand zu weisen. Wenn dein ganzes Umfeld rumnölt, dass die Regenerationsphase zu kurz wäre, ist klar, dass du als Spieler selbst viel mehr auf kleinere Zipperlein achtest und (unbemerkt) weniger an die Schmerzgrenze herangehst, als vielleicht möglich.

  4. @ Hirngabel: Ich bin ja schon seit langem für eine umfassende psychiatrische (is so gemeint, Psychologen wären bei dem Pack reichlich fehl am Platz) Betreuung aller, die gegen das erste Nuhrsche Gesetz handeln: ‚Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.‘ Und das sind solche Schwadronierer eines Schlages wie der Herr (sic) Rummenigge, der ja nun von nix ne Ahnung hat, aber seinen Verbaldurchfall unkontr- und permanent protokolliert beweist. Nette Abfuhr zu dem Thema auch beim indirekten Freistoss, und ich erspar dem Trainer das händische Linkchecken usw und paste mal einfach:
    ‚Der Ärger der Profis ist nachvollziehbar, aber er spricht nicht für ihre Denkfähigkeit. Wenn vier Bundesligaklubs donnerstags im Uefa-Cup mitmischen, dann muss in der Regel fast immer wenigstens einer am Samstag ein zweites Mal ran. Denn die Uefa hat den Dienstag und den Mittwoch für die Champions League geblockt und die DFL nur zwei Sonntagsspiele in den Fernsehverträgen festgeschrieben. Diesen Kontrakt haben alle Vereine mit Begeisterung abgesegnet, weil er die fetteste Beute, sprich das meiste Geld, einbrachte. Nur weil die Erlöse aus der Vermarktung quasi explodierten, konnten sich die Gehälter der Profis in den vergangenen fünfzehn Jahren vervielfachen. Der Aufschrei der Empörung ist also nichts anderes als ein Ausdruck von Wichtigtuerei, von Distanz zum Fußballgeschäft, in einem Ausmaß, das die Ignoranz streift. Von Leuten, die den Fußball nach ihrer Bequemlichkeit gestalten wollen und nicht nach den Bedürfnissen der Marktwirtschaft fragen. ‚Kurzehosenträger’ wäre eine griffige Formulierung für Profis, deren Gedanken nach der ersten Gehirnwindung so schnell enden wie ihre Sportbekleidung über dem Knie.‘
    (Quelle: Peter Heß, FAZ)
    Dem ist nicht nichts mehr hinzuzufügen (außer den beiden oben verlinkten Interviews, aber die kennt man ja jetzt hoffentlich).



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