Les jeux sont faits

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An vielen Stellen sprudeln Wut und Enttäuschung aus dem Hals, als hätte man der Fans Seele verraten. Hat man ja auch: Plastikspiele im Nirgendwo. Wobei das Nirgendwo sogar erst noch gebaut werden muss. Verständlicherweise und mehr als zu Recht sprudelt deshalb die Wut. Eine WM hat in Katar bei der Masse an in Frage kommenden sonstigen Ausrichterkandidaten nichts zu suchen. Auch im Jahr 2306 nicht.

Hier ist man nicht mal mehr wütend, nachdem man eine Nacht drüber geschlafen hat, denn die dunkle Vorahnung ließ sich schon länger nicht mehr gänzlich aus dem vegetativen Nervensystem fernhalten, dass es auf Katar hinauslaufen könnte. Russland und Katar, das waren die beiden Alpträume, insbesondere Letzteres, der liebhabenden Fußballwelt. Jetzt ist der Alptraum Wirklichkeit geworden.

Wie gesagt, keine Wut mehr — oder vielleicht noch keine Wut? Fühlt sich eher wie eine ganz große Enttäuschung an. Und Pädagogen-Geschwätz hin oder her: eine Ent-Täuschung bedeutet eben immer auch, dass man die Täuschung enttarnt hat, womit ihr Wirken vorbei ist. Wütend ist man dann in erster Linie auf sich selbst, dass man so naiv war, der Täuschung zu erliegen.

Hatte man irgendwo noch ein Fünkchen Hoffnung, dass selbst die FIFA nicht die Chuzpe hätte, einen derartigen Alptraum eines Turniers in einem erweiterten Dorf („WMchen in Connecticut gefällig?“ — ja, damals konnte doch keiner glauben, dass das Ganze mehr als ein Marketing-Gag sein sollte!) ohne jeglichen Hauch von Fußballkultur in Auftrag zu geben, dann ist das der Täuschung Erliegen nun vorbei. Die Maske ist endgültig gefallen, und die Fratze, die uns dahinter angrinst, ist wahrlich unheimlich.

Weshalb diese Ur-Katastrophe (für den Fußball) auch ihr Gutes hat: Niemand, auch von den weniger an den Hintergründen im Fußball Interessierten, gibt sich jetzt noch Illusionen hin, dass auch nur ein Jota des fürchterlichen FIFA-Sprechs etwas mit der Realität zu tun haben könnte.

Wir hier wussten das sicher eh schon mehrheitlich, doch wenn man sich die Kommentarfülle in den klassischen (auch ausländischen) Medien zum Thema anschaut, dann wussten es offensichtlich viele nicht. Die es jetzt ebenfalls nicht mehr übersehen können.

Ein guter Tag also für den Fußball. Auch wenn er äußerst bitter schmeckt.

13 Kommentare

  1. Auch auf Wodka folgt der Katar danach ;)
    Wie ich gestern wo las, wird es dann auch kein Alkoholverbot in der Wüste geben. Ist ja auch das Wichtigste (Schönsaufen und so).
    Mir ist das egal und ich bin auch nicht enttäuscht oder traurig. Klarer Vorteil von Katar: die Zeitverschiebung hält sich in überschaubaren Grenzen und Weltmeister wird das Gastgeberland garantiert nicht werden.

  2. Katar ist wirklich der blanke Hohn! Irgendwann ekelt einen selbst der Fußball nur noch an. Wenn er nicht gerade vom heimischen Bezirksligisten vor 50 Zuschauern getreten wird. Aber selbst da gibt es sie längst, die Mini-Hopps und Mini-Blatters, die der Konkurrenz unter der Hand mit 100 Euro-Scheinen und sonstigem Bakschisch ein Schnippchen schlagen wollen…

  3. Ja, das ist richtig – die Blatter-FIFA hat ihr wahres Gesicht der Weltöffentlichkeit gezeigt. Zu einem Zeitpunkt, zu dem man erwartet hätte dass die Herren wenigstens so tun als würden sie der Korruption im eigenen Haus Einhalt gebieten. Doch nichts dergleichen, the FIFA-Show must go on.
    Jetzt weiß wirklich jeder, der es bislang noch nicht glauben wollte, was das für ein Verein ist. Vielleicht war das – so hoffen wir mal – der Anfang vom Ende der FIFA. Man wird ja noch hoffen dürfen..

  4. Warum zählt Russland für Dich auch als „Alptraum der liebhabenden Fußballwelt“?

  5. Wie die große Mehrheit der übrigen Leute auch, finde ich Russland an sich durchaus aus sportlicher Sicht okay, dennoch fühlt es sich nicht wirklich nach Europa an, zudem wird die Auswirkung der Wahl Russlands durch die Kombination mit Katar verschärft. Beides innenpolitisch äußerst problematische Länder, beide trotz besserer konkurrierender Bewerbungen unter merkwürdigen Machenschaften schließlich gewählt worden.

    Okay, trotzdem hätte ich vielleicht sagen müssen: mein Alptraum, Russland und Katar.

    Fokus sollte aber ohnehin auf der Auswahl Katars liegen.

  6. anstadt hier auf fremde länder rummzuhackn soltet ihr mal guckn was für eine scheiße in den anderen ländern abgeht.nirgendwo findest du ein land das 100% korrekt ist.

  7. ich glaube, die FIFA nimmt mit, was geht – solange es noch geht. Blatter hat ein System installiert, dass sich selbst zerstört.

    Ich glaube auch, dass spätestens in Katar nicht mehr die besten Fussballer der Welt auflaufen werden. Man muss sich nur das Scharmützel anschauen, das sich der FC Bayern mit dem Holländischen Verband liefert. Da gucken alle Top-Vereine, bei denen die besten spielen hin. Und sollte sich Bayern da durchsetzen können, dann spielen bald nur noch 1b- oder Jugendmannschaften bei einer WM.

    Man wird auch schon bald nicht für den Club aus seinem Land bei einem internationalen Spiel sein. Warum auch.

    Nur weil Bayern gegen Barcelona spielt soll ich als Deutscher für Bayern (die ich nicht leiden kann, bei denen mehr nicht-Deutsche als Deutsche spielen usw.) sein? Nein, ich bin als Fussballfan begeistert von einem Spielsystem (Barca-Schule gegen Fergussen, Mourinho gegen Wenger, usw.) und von den Top-Spielern eines Systems.

    International werden nicht mehr die WMs das große Spektakel sein, sondern große Clubmannschaften das Interesse (und das Geld) an sich ziehen. Dass das so kommen wird sieht man auch daran, dass eine WM ins fussballersiche Niemandsland nach Katar vergeben wird.

    Das System Blatter stirbt und die Protagonisten machen sich schnell noch mal die Taschen voll.

  8. Ich habe trotz der Absage des englischen Fifa-Kritikers dann doch das Sportstudio mit dem unsäglichen Wold-Dieter Poschmann geguckt. Zwei Punkte fand ich interessant:

    1. Russland ist laut „Transparency International“ das korrupteste Land Europas. International gesehen auf Platz 140 oder so (wenn ich mich recht erinnere).

    2. Natürlich haben auch „wir“ 2006 die WM nur durch Bestechung bekommen.

    Statt bei letzterem Punkt nachzuhaken und weiter zu bohren, hat Poschmann das Thema quasi weggelächelt. Typisch. Eines „Journalisten“ nicht würdig. Aber der war ja schon immer eine Niete (und darum auch auf dem Posten, auf dem er ist).

  9. „beide trotz besserer konkurrierender Bewerbungen […] schließlich gewählt worden.

    Nach welchen Kriterien besser?

  10. Nach den Kriterien der „technischen Bewertungskomission“ oder Ähnlichem, welche Urteile zu den jeweiligen Bewerbungen in punkto Infrastruktur und sonstige Durchführbarkeit abgab.

    Quellen habe ich gerade gesucht, aber ad hoc keine gefunden, diese Aussagen sind dennoch nicht von mir imaginiert.

  11. Danke. Wusste nicht, dass es dazu Informationen gab.

  12. Hier wird die Bewertung der Bewerbungen erwähnt.

  13. Danke, erneut.

    Sehr weit beyond topic sei mir die Frage gestattet, was Herr Kistner meint, wenn er darauf hinweist, dass bei der russischen Bewerbung „im Prüfbericht überflüssige Stadionneubauten und Reisestrapazen angemahnt wurden“? Läuft meinen Verständnis etwas zuwider.



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