Neu auf dem Speiseplan: der Udinese-Karlsruher-Hamburger

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Irgendwann war ich mal jung, da bestand diese Webseite noch nicht, wohl aber Anfänge des Internets. Das war lange vor twitter, myspace oder Blogs als solchen. Damals gab es aber schon Webseiten. Ich schrob über Fußball und ließ irgendwo auch meine Emailadresse online veröffentlichen.

Eines späteren Tages, da war ich immer noch jung, erhielt ich eine Email aus renommiertem Hause. Ein Software-Produzent aus Großbritannien befasste sich gerade mit der Erstellung eines neuen Fußballspiels, das sämtliche europäischen Ligen umfassen sollte. Um bei den als wandelnde Meta-Gedächtnisse bekannten Fußballliebhabern Eindruck zu schinden, sollten selbst solche Marginalien wie welcher Spieler eines Teams für gewöhnlich einen Eckball von links und welcher einen Eckball von rechts träte, wie die Reihenfolge der Schützen für einen Elfmeter lautete oder auch wer Publikumsliebling sei, im Spiel realitätsgetreu enthalten sein. Deshalb bat man mich als ausgewiesenen xy-Fan um Antwort auf diese und noch ein paar weitere Fragen für jenen Verein.

Diese Fragen beantwortete ich wahrheitsgemäß — soweit diese Informationen mir bekannt waren (wer kennt schon den dritten „etatmäßigen“-Elfmeterschützen seines favorisierten Teams, wenn selbst der dritte „etatmäßige“ Elfmeterschütze des favorisierten Teams nicht weiß, dass er das ist?).

Weil ich aber ein Klugscheißer bin und ein Softwarehaus aus Nicht-Kontinental-Europa für gewöhnlich ungefähr 0,3 Prozent (wobei die drei Zehntel hinter dem Komma nur aus „Achtung!“, „Kraut“ und „Kindergarten“ bestehen, um nicht das unsägliche „Blitzkrieg“ zu bemühen) der deutschen Sprache beherrscht, ich zudem Screenshots der angedachten Endversion zu sehen bekam, kam ich nicht umhin, zu mailen, dass die dort aufgelisteten Spielpaarungen einige kleine Fehler enthielten:

Karlsruher Dortmund 2:1
Hamburger Hertha BSC 3:0
Bielefeld Karlsruher 1:2
Köln Hamburger 0:2

In meinem damaligen Übereifer („someone is wrong on the internet“) schrob ich eine Mail, dass das auf keinen Fall so bleiben dürfe, erging mich in Erklärungen und -läuterungen, warum Karlsruher falsch sei, während die Stadt Karlsruhe hieße, der Club aber Karlsruher SC und so weiter und so fort und sowieso genauso beim Hamburger. SV.

Natürlich hieß der Club in der Endversion dann „Karlsruher“, der Hamburger SV hieß „Hamburger“ und man ahnt, dass man sich all den Aufwand hätte sparen können, zu fragen, wer denn dritter Eckenschütze von links sei, wenn man nicht mal die 18 Teamnamen korrekt wiedergab. Aber deutsche Grammatikschwerowitsch und für Muttersprachler von Sprache ohne Grammatik nicht nachvollziehbar, wenn nicht in Unterricht gewest.

Und so betrübt es mich nur wenig, dass einer der Dortmunder (unbekannt, welcher) Spieler, die in der vergangenen Woche so unglücklich gegen Udinese Calcio ausschieden, im Interview sabbelte:

„… ist natürlich schade, so gegen Udinese auszuscheiden … und so müssen wir uns auch nicht schämen, dass die Udineser nun mal weitergekommen sind und wir nicht.“

Die Udineser sind so etwas wie die Karlsruherer oder die Hamburgerer, neuerdings bekannt als der Udinese-Karlsruher-Hamburger. Mit extra viel scharf und mit alles, aber ohne Grammatik: Udine.

18 Kommentare

  1. War das dieses schreckliche 442 Fussballmanager? Da war neben der Grammatik aber auch noch einiges anderes falsch- zumindest konnte ich da Dirk Lottner für 15 Millionen an Olympique Lyon verkaufen..

  2. Zumindest die Verwendung des Wortes „Udineser“ für die Bewohner der Stadt scheint auf Deutsch gebräuchlich. Die Alternative – Udiner – kann man ebenfalls finden. Wer entscheidet so etwas? Die zweite Variante entspräche zwar dem klassischen deutschen Sprachgebrauch. Aber es gibt Ausnahmen: Florentiner (Florenz), Neapolitaner (Neapel), Venezianer (Venedig), alles Wörter, die sich bei der Adaption an den italienischen Vorgaben orientiert haben.

  3. Wer heute die Uefa-Pokal Auslosung auf Eurosport verfolgt hat, konnte auch die Einblendung „Udinese“ erleben! Cheese…äääh…Hamburger hab ich leider verpasst.

  4. Ah Trainer, Du scheinst Dich ja in Italia auszukennen. Ich finde das auch total verwirrend mit den ausländischen Städtenamen. Ich wollte mal vor Jahren Urlaub in Langnese machen da die Leute am Strand im Werbespot für den Ort immer so lustig drauf waren. Ich bin dann spontan mit meinem Fiat Sport 500 Richtung Italien losgesemmelt. In Bozen/Bolzano habe ich dann endlich eine italienische Straßenkarte gekauft, konnte Langnese aber nirgends auf der Karte finden da mir der italienische Name Langeses nicht bekannt war. Ich habe mir dann noch ein paar Tage Kaltern/Caldaro angeguckt was auch nicht schlecht war obwohl die Leute am See, der übrigens saukalt war, nicht so lustig drauf waren wie die Leute am Strand in der Werbung für Langnese. Irgendwie dumm gelaufen.

  5. Ahh, ich hätte mir erst die anderen Kommentare durchlesen sollen. Es heißt auch Olympique Lyonnais. ;-)

  6. Langnese hieß in der ersten Anstoßversion übrigens Langnase. Aber das nur nebenbei.

  7. Ist Langnese nicht ein Vorort von Gelati?

  8. Und München heißt auf italienisch Monaco… von der Klientel bzw. den Einwohner passt das ja.

    Ach ja, und die Olympiade ist nicht seit 6 wochen vorbei, sondern gerade dran. Wo wir grade schon bei den Fehlern à la Udinese sind.

  9. Udinesi klingt auch wirklich zu niedlich, wenn man gerade gegen solche ausgeschieden ist. Aber wie Jürgen Kalwa schon schrieb, wer entscheidet sowas?

    Weil das Spiel ja gar zu langweilig war machte ich mir Gedanken über Nikosianer, und ob die denn nun wirklich Zyprer oder nicht doch Zyprioten genannt werden, wie auf einigen Webseiten fast schon naseweisig geschrieben steht. Also schrieb ich an die Deutsche Botschaft in Nikosia, ist heutzutage ja flott gemacht. Eine furchbar freundliche Maria Irgendwie schrieb zurück, dass beides gesagt werden würde, Zyprer aber öfter zu hören wäre. Wieso ich mich mit solchem Kokolores abgeben wüde fragte sie nicht. Vermutlich war sie aber nur zu nett.

  10. Ich gehe jede Wette, 30% der Mailanfragen an die Botschaft in Nikosia betriffen genau diese Frage. Insofern war Maria vielleicht auch einfach nur abgestumpft.

  11. Du musst den Leuten das mit Udine/Udinese anhand von Bologna und Bolognese erklären… oder Parma und Parmesan… oder Nepal und Nepalese.

  12. Pingback: links for 2008-10-08 | Du Gehst Niemals Allein

  13. Hm, also ich weiß nicht. Auf der verlinkten Wikipediaseite steht was von „Fußballclub Udinese“ und dem „Udineser Stadion“ (klingt fast wie Weserstadion).
    Die Vereins-Website findet man unter http://www.udinese.it
    Ich werde mir sicherheitshalber mal http://www.hamburger.de und http://www.karlsruher.de registrieren lassen…

  14. Lieber Trainer: DANKE! Genau das – und zwar auch mit Hinweis auf Computerspiele und CNN International, wo Karlsruher und Hamburger spielte und wo man anscheinend Ulm für eine Abkürzung hielt und deswegen ULM schrieb – habe ich schon seit Jahren gesagt. Udine, Udine, Udine.

    Aber auf mich hört ja keiner.

    Ähnliches Phänomen übrigens in der Türkei, wo viel zu viele Menschen mittlerweile auf der Karte vergeblich nach Trabzonspor, Bursaspor und Sivasspor suchen. Heißt aber Trabzon, Bursa und Sivas.

  15. anlässlich der uefa-cup-auslosung mutete mir analog die versingularisierung „Tottenham Hotspur“ mal wieder komisch an. scheint aber totally correct zu sein. schreibe allerdings weiterhin lieber „-spurs“ oder noch besser gleich überhaupt nur „Spurs“…

  16. Wikipedia sagt:

    […]
    Der Verein wurde 1882 von jungen Männern aus dem Cricket-Verein Hotspur und dem örtlichen Gymnasium gegründet um sich über die Wintermonate in denen kein Cricket gespielt wurde fit zu halten. Ursprünglich war der Verein unter dem Namen Hotspur Football Club bekannt, welcher auf den im 14. Jahrhundert lebenden Sir Henry ‚Hotspur‘ Percy zurückzuführen ist. Der Legende nach soll das Treffen für die Namensfindung unter einer Straßenlaterne an der Ecke Park Lane und Tottenham High Road, wo sich die heutige Clubzentrale befindet, stattgefunden haben.
    […]

  17. Tatsächlich wurde der Verein übrigens von türkischen Einwanderern unter dem Namen „Totten Hamhutspor“ gegründet.

    „Totten“ war damals der Name eines populären Lieferanten von Lakritzspeiseeis, welcher Gründungssponsor des Vereins war.

    Quelle: Wikipedia oder so

  18. ganz genau genommen war es ein Grieche aus dem griechischen Viertel in Istambul und er hieß auch nicht Totten (wird immer wieder falsch zietiert), sondern Spor. Bevor er die Hottentam Spors gründete, hatte er übrigens schon Trabsponsor geründet.



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