Quell des Frohsinns „Passives Abseits“

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Letztens schon machte ich hier einen Vorschlag zur Güte in punkto passivem Abseits, dessen Praktikabilität sich allerdings erst noch erweisen müsste. Zusätzlich zur Frage, ob diese Änderung überhaupt den Geist des passiven Abseits träfe. Man kann mich also sehr deutlich auf der Seite der Befürworter einer Vereinheitlichung oder Entschärfung dieser Problematik finden.

Ein Argument für die Beibehaltung des passiven Abseits ist mir beim Betrachten der Jubelbilder des Wochenendes und „schonau“ der Jahre davor allerdings in den Sinn gekommen und daraus nicht mehr heimgegangen, weshalb ich es hier kurz einwerfen möchte:

Ohne das stets unterschiedlich ausgelegte passive Abseits, das noch keine Wahrsagerin mit über den Zufall hinausgehender Quote vorhersagen könnte, gäbe es nicht diese herrlichen Jubelbilder von Torschützen, die sich zum Deppen machender Weise wie von der Tarantel gestochen übers Spielfeld sprinten, auf ihren Knien einige Dutzend Dezimeter weit rutschen und ihre meist unansehnlich unakkurat tätowierten Arme wild fuchtelnd durch die Luft bewegen, nicht ohne Grimassen zu schneiden, die auf Aussetzen des Verstandes schließen lassen dürfen, kurz: Ihr gesamtes narzisstisches Jubelrepertoire einmal durchexerzieren.

Bevor ihnen dann auffällt, dass ihr Treffer keine Anerkennung findet und all die Grashalme beim Torjubel völlig umsonst platt gewalzt wurden, wie auch das gesamte Auslösen des Jubelprogramms (das offensichtlich über einen „Point of no return“ verfügt, nach dessen Überschreitung unwiderruflich das gesamte Programm abgespult werden muss, Männer werden eher verstehen, wovon dabei die Rede ist) einem Fehlalarm zugrunde lag. Und der Torschütze noch dazu meist der letzte ist, der von der Nichtanerkennung erfährt, eben weil er sich gerade in seinem Jubelrausch befindet, während der etwas weniger euphorische Mitspieler ihn tätscheln muss und mit leichtem Bedauern und auch einer gewissen Angst vor der Reaktion des vermeintlichen Torschützen auf den Linienrichter weist (welcher allerdings nicht weniger theatralisch wiederum sein Programm der Nichtanerkennung eines Tores angeworfen hat).

Es folgt die unehrenhafte Aufgabe für die verhinderten Torschützen: Ihre Arme wieder einpacken, das Gesicht zu einer Leidensmiene verziehen und dann weiterspielen, mit einem Strichlein fürs Deppsein mehr auf der Gürtelschnalle.

Ich gebe zu, aus diesem Blickwinkel bereitet das passive Abseits dann doch eine schöne Stange Vergnügen. Allerdings nur aus diesem.

8 Kommentare

  1. Wunderbar, wie du aus so einer lästigen Diskussion wieder das aus fußballkultureller Sicht Wertvolle rausgezogen hast. So hab‘ ich das am liebsten: Auf der Couch die gleichen Gedanken haben und du schreibst es auf.:)

  2. Schön auch, wenn die heimische Presse den gegnerischen Torhüter als „fairen Sportsmann“ bezeichnet, weil er NACH dem Spiel darauf hingewiesen hat, dass das Tor regulär gewesen sei. Statt ihn einen zynischen Mistkerl zu nennen.

  3. Köstlich! Gesamtes Jubelrepertoire „mit meist unansehnlich unakkurat tätowierten Armen wild fuchtelnd durch die Luft bewegend“ abspulen… Trainer, du sprichst mir aus der Seele. Sozusagen der Gegenentwurf zum „sterbenden Schwan“(der allzuoft wie Phoenix aus der Asche wieder aufersteht, wenn der Schiri Gelb gezückt hat). Das mit den Tätowierungen ist mir sowieso ein Rätsel…

  4. „Point of no return, nach dessen Überschreitung unwiderruflich das gesamte Programm abgespult werden muss“

    da mag man sich Trainer baade aber nicht in Aktion vorstellen.

  5. Sirrenski hingegen sehr gerne.

  6. Da wollen wir auch mal diejenigen würdigen, die uns solche Anblicke erst ermöglichen: Markus Sinn war nämlich das Winkemännchen, das Pinto den Treffer wegwedelte. Derselbe Markus Sinn wedelte vor zwei Wochen schon mal mit seiner Fahne und annulierte beim Spiel Braunschweig vs. Fortuna den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Beister, der so ziemlich aus derselben Position wie der von Pinto fiel. Damals stand Sascha Rösler dem Torwart angeblich im Weg herum – Rösler an der Sechzehn-Meter-Linie, der Torwart auf der Linie. Eine lustige Fehlentscheidung, über die selbst Braunschweigs Trainer Lieberknecht im Nachhinein schmunzeln musste. Und da der DFB ja knallhart zu seinen Schiris ist, gabs auch die entsprechende Strafe für den Regelunkundigen: nicht 5. Liga zur Übung, sondern in Köln 1. Liga winken.

    Immerhin unterließ er den kühnen Fahnschwenk später bei Podolskis zweitem Treffer, der Mann scheint lernfähig. Außerdem macht 5. Liga auch keinen Sinn: wenn er da sowas wegwinkt, besteht die akute Gefahr, dass er nach dem Spiel etwas Schwierigkeiten haben könnte, die Umkleide auf eigenen Füßen zu erreichen. Hat der DFB also wieder alles richtig gemacht.

  7. Wäre ja auch noch lustiger gewesen, wenn er zu Podolskis zweitem Treffer extra in die andere Spielhälfte gesprintet wäre, um dort Abseits anzuzeigen…

  8. Stimmt, hatte ich nicht bedacht. Also doch nicht lernfähig. Dann haut er demnächst bestimmt mal wieder einen raus.



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