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Schlagwort: Nationalmannschaft

Alle Trainer des Jahres in Italien

Ein wenig erstaunlich für ein Land mit solch langer Fußballtradition, zudem mit gleich mehreren Sportzeitschriften, welche schließlich auch in der fußballlosen Zeit wie Sommer- oder Winterpause etwas zu berichten haben müssen, existiert in Italien erst seit dem Jahr 1997 eine offizielle Wahl zum „Trainer des Jahres“. Dieser wurde bislang ausnahmslos aus der Serie A bzw. den jeweiligen Nationaltrainern rekrutiert. Dabei tauchen einige Namen gleich mehrfach auf, so als würde sich das Trainerkarrussell auch in Italien lange Zeit nur mit den immer selben Namen drehen.

Einziger ausländischer Sieger dieser von der Associazione Italiana Calciatori, dem italienischen Fußballverband durchgeführten Wahl ist José Mourinho, der wie so viele vor ihm zwei Mal hintereinander gewann. Den „Special One“ wird das natürlich gefreut haben, in gewisser Weise wird es für ihn aber auch selbstverständlich gewesen sein, schließlich gewann er nach langer Pause für diesen Club im Jahr 2010 mit Inter Mailand mal wieder die Champions League und sogar das Triple aus dem Gewinn der Champions League sowie nationaler Meisterschaft und nationalem Pokal.

Jahr Trainer Mannschaft
1997 Marcello Lippi Juventus
1998 Marcello Lippi Juventus
1999 Alberto Zaccheroni AC Mailand
2000 Sven-Göran Eriksson Lazio Rom
2001 Carlo Ancelotti Juventus/AC Mailand
2002 Luigi Delneri Chievo Verona
2003 Marcello Lippi Juventus
2004 Carlo Ancelotti AC Mailand
2005 Fabio Capello Juventus
2006 Luciano Spalletti AS Rom
2007 Luciano Spalletti AS Rom
2008 Cesare Prandelli AC Florenz
2009 José Morinho Inter Mailand
2010 José Mourinho Inter Mailand
2011 Massimliano Allegri AC Mailand
2012 Antonio Conte Juventus
2013 Antonio Conte Juventus
2014 Antonio Conte Juventus/Italien
2015 - -

Nicht zuletzt wegen des taktisch lange Zeit viel versierteren Fußballs war der italienische schon lange etwas für Liebhaber des geplanten Fußballs, der wenig Raum für Individualität ließ, dabei aber ein Gesamtkunstwerk auf den Platz zauberte, wie man es trotz derselben Sportart in hiesigen Regionen lange nicht für möglich gehalten hatte.

In Italien zelebrierte man Fußball schon als Mannschaftssportart im Wortsinne, als hierzulande noch der Kampf Mann gegen Mann im Vordergrund stand, inklusive einer Manndeckung über den gesamten Platz. Aufgrund der in Italien auf diese Weise geringen Zahl an Toren, war die Serie A schon immer eher etwas für den Ästheten als für jene Fußballinteressierte, welche sich eher der Action, der Energie und dem Impulsiven verschrieben.

Nicht alleine deshalb, sondern auch weil selbst die späteren Meister oft nur mit einem Tor Unterschied gegen weiter hinter im Klassement enigestufte Clubs gewannen, war der italienische Fußball aber auch immer etwas für Liebhaber von Sportwetten, selbst wenn über die Jahre die eine oder andere Unsauberkeit ans Licht kam. Kantersiege waren früher die Ausnahme, über Jahre waren die Partien in Italien knapp und damit ein beliebter Tummelplatz für alle, die auch außerhalb des deutschen Fußballs auf Ergebnisse im Fußball wetten wollten.

Seit der weiten Verbreitung des Internets auch ohne große Umschweife Sportwetten für ausländische Ligen möglich sind, sind auch die Trainer der italienischen Serie A wieder (?) weiter in den Vordergrund gerückt.

Hier also noch die Liste der Trainer in Italien mit den häufigsten Wahlen zum „Trainer des Jahres“ in Italien. Es führt ein alter Bekannter.

Trainer Siege
Antonio Conte 3x
Marcello Lippi 3x
Luciano Spalletti 2x
José Mourinho 2x
Carlo Ancelotti 2x
Sven-Göran Eriksson 1x
Luigi Delneri 1x
Fabio Capello 1x
Massimilano Allegri 1x
Cesare Prandelli 1x
Alberto Zaccheroni 1x
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Freundschaftsspiel Deutschland — Brasilien 1981 in voller Länge

Das muss einfach mal gezeigt werden, denn es war die erste Partie, die ich live im Fernsehen sah. Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Hashtag zu dem Thema, der letztens bei Twitter rumging. Hier also mein erstes Spiel im TV. Nehme mal an, dass ich damit einer der wenigen Glücklichen bin, dessen erstes Spiel noch in voller Länge bei youtube zu finden ist.



Full match als Video: Deutschland — Brasilien 1981, Freundschaftsspiel in Stuttgart, Neckarstadion.

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Die lauffleißigsten Spieler der WM 2014

Anders als gemeinhin kolportiert wurde, waren es gar nicht die deutschen Spieler, die viele Platzierungen in der Top10 der Spieler der WM 2014 in Brasilien mit der größten Laufleistung belegten. Das heißt, absolut gesehen schon, allerdings absolvierten ja auch nur 4 Teams von den 32 überhaupt 7 Partien und dann ging auch noch ausgerechnet das Finale in die Verlängerung. Mehr als genug Zeit also, ordentlich Kilometer zu sammeln, mehr als die Spieler der anderen Team, was viele deutsche Spieler dann auch taten.

Ergo finden sich in der Top10 der Laufleistungen der Spieler unter den oberen 5 Plätzen gleich 4 deutsche Spieler (Thomas Müller, Toni Kroos, Philipp Lahm und Benedikt Höwedes; in dieser Reihenfolge) sowie natürlich ein Argentinier (Javier Mascherano dazwischen auf Platz 3). Auch alle weiteren Plätze werden ausschließlich von Spielern aus Nationen belegt, welche 7 Spieler bei der WM absolvierten (3x Niederlande, 2x Argentinien). Nun gut, sicher bemerkenswert, wenn auch eher am Rande.

Setzt man aber die Laufleistung in Relation zu den jeweils vom Spieler auch auf dem Feld befindlichen Minuten, sieht es plötzlich völlig anders aus. In dem Fall ist nur noch ein einziger Deutscher in der Liste der Top10 enthalten. Dies zeigt die folgende Liste, die zudem einen völlig anderen Mix der Nationalitäten zu Tage bringt.

Name Nation Minuten Kilometer km/90 min
Felipe Gutierrez Chile 165 25,2 13,75
Matt McKay Australien 180 26,0 13,00
Rodrigo Palacio Argentinien 160 23,1 12,99
Lee Keunho Südkorea 104 15,0 12,98
Nicolas Lodeiro Uruguay 143 20,4 12,84
Koke Spanien 134 19,0 12,76
Mario Götze Deutschland 258 36,3 12,66
Michael Bradley USA 390 54,7 12,62
Jose Cubero Costa Rica 115 16,0 12,52
Oliver Bozanic Australien 111 15,4 12,49

Die Messung der Laufdaten aller Spieler, der Passquoten, der Torschüsse, der Sprints – all das ist im Fußball ja nichts Neues mehr und schon längst dort angekommen und etabliert.

Inzwischen kann man aber sogar als Hobbyfußballer einige seiner Laufdaten erfassen. Dazu bietet zum Beispiel die Verwendung entsprechender Lauf-Software mit GPS-Ortung die Möglichkeit. So weiß man auch nach einem Fußballspiel, wie die eigene Höchstgeschwindigkeit war, die Durchschnittsgeschwindigkeit und auch die Herzfrequenz und weitere Belastungsdaten lassen sich so erfassen. Um das Ganze auch bei einem Fußballspiel und nicht nur beim Joggen durchführen zu können, ist ein Brustgurt fürs Smartphone empfehlenswert, der gewöhnliche Belastungen beim Fußball aushält, bzw. dafür sorgt, dass das Smartphone diese aushält. Direkter Kontakt mit Freistößen der Marke Roberto Carlos ist zwar dennoch nicht zu empfehlen, ein übliches Fußballspiel sollte man hiermit aber überstehen können.

Die Profis vertrauen dabei übrigens schon länger auf unterschiedliche Anbieter für elektronische Datenerfassung im Sport. Einer hat sich dabei besonders hervorgetan, der weitere Pläne im Bereich Datenerfassung im Fußball hegt. Für Freizeitsportler oder Amateurfußballer bemüht sich seit einiger Zeit SAP eine neue Zielgruppe mit finanzierbaren Produkten und Services zu erschließen.

So kommt der Daten-Wahnsinn bald auch in der Kreisliga an. Ob die Spieler aber überhaupt unbedingt wissen wollen, wie wenig sie im Vergleich zu den Profis gelaufen sind, steht auf einem anderen Blatt. Und ob überhaupt ein Trainer vorhanden ist, der diese Daten sinnvoll auswerten kann. Wie dem auch sei, seit bereits in der Kreisliga Gelder für die Spieler bezahlt werden, dürfte sicher sein, dass auch dieser Trend bald ganz unten im Amateurfußball ankommt. Dann wird man wissen, wer der Felipe Gutierrez der Kreisliga ist. Und wer der Mario Basler.

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„Mein Sommer in der Wagenburg“ — Ein WM-Rückblick von @Peter_Ahrens

Es ist mal wieder der seltene Moment eines Gastautors hier im Blog gekommen. Die Redaktion von „Trainer Baade“ freut sich besonders, ihren Lesern einen exklusiven WM-Rückblick von Peter Ahrens präsentieren zu dürfen, welcher die DFB-Elf als Journalist durch die Weltmeisterschaft in Brasilien begleitete. Gebeten um seinen ganz persönlichen Rückblick gibt es nun genau diesen hier zu genießen:

Warum jetzt noch dran erinnern? Weil es Winter ist, weil im Moment so wenig aktueller Fußball gespielt wird, weil Deutschland vermutlich so schnell nicht mehr Weltmeister wird. Es gibt Gründe genug, noch einmal die Uhr ein halbes Jahr zurückzudrehen in den Sommer 2014, als Deutschland in Brasilien Weltmeister wurde. Ich war dabei, fast jedenfalls.

Die Deutungshoheit, die der DFB und im besonderen Oliver Bierhoff via Kinofilm über die Ereignisse des Vorjahres zu haben trachtet, erzählt ungefähr folgendes. Die Erfolgsgeschichte der deutschen Nationalmannschaft, sie beginnt bereits im Mai in Südtirol — bei jener Vorbereitungswoche im Passeiertal, die damals von fast allen Beobachtern als zumindest unglücklich wahrgenommen wurde, man könnte sie auch misslungen nennen.

Beim DFB hat man das sehr anders wahrgenommen, die Mannschaft, der Trainerstab, das Management, sie sprechen unisono davon, wie sehr man in dieser Woche zusammengerückt sei, der gemeinsame Saunagang, Thomas Müller im Dirndl — das trug wohl zum Teambuilding bei, aber die Negativpresse möglicherweise genauso.

Der DFB als Wagenburg gegen das Böse von draußen, ein Bild, das nicht ganz unpassend ist, so erklärt sich teilweise auch dieser hochgejazzte Campo-Bahia-Spirit in Porto Seguro. Wir sind wir, wir sind die DFB-Familie, da können die Anderen erzählen, was sie wollen. Diese Haltung ist mir bei der Nationalmannschaft schon häufig begegnet, nirgends war sie so ausgeprägt wie 2014.

Dass es die Mannschaft nicht besonders durchgeschüttelt hat, dass bei einer überflüssigen PR-Aktion von Sponsor Mercedes zwei Menschen schwer verletzt wurden, spricht für die Stabilität des Teams, kann man sagen. Ich fand das allerdings eher befremdlich, es hatte den Eindruck von Kollateralschaden – bloß nicht vom großen Ziel abbringen lassen.

Joachim Löw spricht gerne davon, im Tunnel zu sein vor wichtigen Spielen, und so kamen mir die Spieler, das gesamte Team vor. Ein Tunnel, lustig dekoriert zwar, an den Tunnelwänden Selfies über Selfies, beschallt mit cooler Musik, aber emotional keine seitlichen Abbieger zulassend. Ab in eine Richtung, da hakt man selbst die Verletzung von Marco Reus kurz vor dem Abflug ab. Am Abend, als Reus sich verletzt hat, war ich komplett überzeugt, dass Deutschland damit seine Titelchance eingebüßt hat. Der beste Spieler des Jahres nicht dabei – wie sollte das denn in Brasilien funktionieren? Ich bilde mir ein, viele haben so gedacht, auch die Mehrzahl der Kollegen.

Vor dem Portugalspiel habe ich wenige Kollegen gesprochen, die sich getraut hätten, Deutschland als Weltmeister zu tippen. Es hat vermutlich eine Halbzeit gedauert, das zu ändern. Die erste Hälfte von Salvador gegen Portugal, und danach herrschte im Medienzentrum überbordende Zuversicht. Dass bei dieser Partie dem Löw-Team alles in die Karten spielte — angefangen vom angeschlagen spielenden Cristiano Ronaldo, jeder konnte das sehen, über den frühen Elfmeter bis zum Ausraster von Pepe, der das Spiel nach 30 Minuten entschieden hatte — haben interessanterweise die Spieler am ehesten betont.

Die Fans, die man in Brasilien traf, die waren danach schon siegesbesoffen. So sehr, dass Einzelne von ihnen am Abend in der Altstadt von Salvador randalierten — übrigens der einzige Gewaltausbruch, den ich in den vier Wochen mitbekommen habe. In einem Land, das angeblich so von Gewalt geprägt sei. Wie ich übrigens auch von der Opposition gegen die WM nur noch wenig wahrnahm, als das Turnier lief. Wie es oft so ist. In Porto Alegre, dem auch klimatisch europäischsten Spielort der WM — dort hingen noch mehrere Plakate in den Fenstern: „This is not my tournament.“ — ansonsten herrschte, so mein Eindruck eines Besuchers, schon überwiegend Freude bis hin zur Begeisterung im Land, vor allem viel Fach- und Sachverstand. Es müssen ja gern die Taxifahrer herhalten, wenn man die Expertise eines Volkes zu Politik, Wirtschaft oder Sport messbar machen möchte. In Brasilien waren die Taxifahrer in jedem Fall Experten: Am ersten Abend in Salvador, jener schönen, geheimnisvollen Stadt, wurde mir auf der Taxifahrt vom Stadion zum Hotel gleich deutlich gemacht, dass Brasilien auf keinen Fall den Titel holen würde. In Frage kämen nur Deutschland, Argentinien oder die Niederlande – die am Ende die ersten drei Plätze belegten.

Wobei die Deutschen in den kommenden Partien nicht unbedingt alles dafür taten, diesen Eindruck zu bestärken. Ich habe keine Ahnung, wie das In Europa rezipiert wurde — man liest in diesen WM-Wochen viel weniger Zeitung als sonst, man ist im Arbeitsmodus, ich habe echt wenig mitbekommen — aber die Spiele gegen Ghana, die USA und Algerien haben bei vielen im Pressetross und bei mir auch wenig Zuversicht geweckt. Im Nachhinein vergisst man das manchmal, doch das DFB-Team hat sich durch diese drei Spiele geschleppt, da war kein Glanz, da war ein Muskelfaserriss gegen Algerien zur rechten Zeit und Verlass auf die Offensivkräfte. Die erste Halbzeit gegen Algerien war dennoch das Schlechteste, was ich von einer DFB-Elf seit Jahren gesehen hatte.

Mit dem Viertelfinale erst hat sich dieses Blatt gedreht. Kritisch nachgefragt wurde dennoch von uns allen nur wenig — aber vor allem deswegen, weil das kaum möglich war. Am Tag nach den Spielen gab es keine Pressekonferenzen, was ich als Unding empfunden habe, danach ging schon wieder der Fokus auf die nächste Partie los — zum Nachhaken war wenig Gelegenheit. Die Abgeschiedenheit des Campo führte zudem dazu, dass bei den Pressekonferenzen kaum internationale Kollegen auftauchten und auch manche deutsche Journalisten den täglichen mühsamen Anreiseweg via Fähre nicht immer mitmachen wollten. Der DFB wird darüber nicht todunglücklich gewesen sein.

Skeptisch bin ich geblieben, vor dem Viertelfinale, die Franzosen erschienen mir zu stark — und sie verloren. Vor dem Halbfinale, die Brasilianer hatten sich von Spiel zu Spiel gesteigert — und sie wurden vernichtet. Vor dem Finale, ich hatte Messi immer auf der Rechnung gehabt — und auch da habe ich mich geirrt. Wobei ich dabei bleibe, das dieser Finalsieg extrem glücklich ausgefallen ist. Ich hab ihn übrigens von Deutschland aus verfolgt, ich bin am Tag vor dem Endspiel heimgeflogen, das hatte private Gründe — und so war das Finale das einzige Spiel, das ich ohne Stress, ohne Einzelkritiken schon während des Spiels zu schreiben, beim Bier angucken konnte. Das war fast mein persönliches WM-Highlight.

Es waren beeindruckende vier Wochen, in jedem Fall. In Deutschland haben mir anschließend Leute mehrfach gesagt, das müsse doch mit die tollste Zeit meines Lebens gewesen sein. Da muss ich allerdings ganz klar sagen: Nein. WM-Berichterstattung, egal ob sie in Brasilien stattfindet oder in Südafrika oder in der Wüste — das ist nun mal kein Urlaub, ich war in den vier Wochen Brasilien grob geschätzt zweimal am Strand, ich war nicht an der Christus-Statue von Rio, ich war aber viel in den durchgekühlten Medienzentren vorm McDonalds-Buffet, und über brasilianische Flughafen-Foyers kann ich jetzt einen kleinen Flyer fertigen. Das hört sich jetzt vielleicht jammeriger an, als es sein soll. Es ist und bleibt ein gewaltiges Privileg, diesen Job zu haben, aber er ist auch in Brasilien vor allem Arbeit. Zugegeben, eine schöne Arbeit.

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Der Mann mit der Mütze geht nach Haus

Ein ganz Großer der Showkunst ist von uns gegangen. Eben diese zelebrierte er auch mehrfach mit der Nationalmannschaft.

„Wir schon schon auf dem Brenner“, sang er vor dem Titelgewinn 1990, „Buenos Dias, Argentina“ zur WM 1978, vor allem aber ist sein Abschiedsständchen an Helmut Schön zu Anlass dessen Rücktritt als Bundestrainer bekannt geblieben:

„Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“



Nun ist er selbst nach Haus gegangen, der, der die Widmung sang.

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„Das Spiel meines Lebens“ — Deutschland — Kamerun 2002

Im Sommer war’s, der Mond schien helle, da offerierte mir sport_thies von meinsportradio.de, in seiner Sendung namens „Das Spiel meines Lebens“ mitzuwirken. Eine schöne Einrichtung, die ebenso angenehm umgesetzt wird.

Natürlich geht es darin nicht um selbst gespielte Spiele des Lebens, sondern um miterlebte und auch das muss nicht mal vor Ort geschehen sein. In Japan und Südkorea war ich nämlich nicht. Ich sagte überaus gerne zu und wählte, wie auch in der Sendung erwähnt, mein „zweitliebstes“ Spiel meines Lebens. Denn am WM-Halbfinale von 1982 zwischen Deutschland und Frankreich geht natürlich nichts vorbei. Doch Letzteres hat man bereits oft gehört und besprochen. Das von mir ausgewählte, ebenfalls eine WM-Partie, hingegen eher selten.

So kommet und lauschet also dieser von Andreas aka sport_thies formidabel aufgezogenen Sendung über „Das Spiel meines Lebens“, eine knappe Dreiviertelstunde über Deutschland gegen Kamerum im Jahr 2002, das letzte Vorrundenspiel in der Gruppe. Laufzeit: 37:18.

https://soundcloud.com/mein-sportradio-de/das-spiel-meines-lebens-deutschland-kamerun-2002-mit-frank

Wer selbst Interesse hat, an dieser Sendung mit dem eigenen Spiel des Lebens teilzunehmen, kontaktiere die Menschen von meinsportradio.de und werde ebenso glücklich und froh wie ich mit dieser Sendung hier.

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Was macht eigentlich Wynton Rufer?

Wynton Rufer macht ne ganze Menge.

Werbung für eine Fluggesellschaft aus Neuseeland, betreibt ein Charity-Golfturnier mit dem schönen Namen Wynrs Charity und ist Botschafter des „Zuhause für Kinder“. Außerdem jongliert er ein bisschen und macht Werbung für ein australisches Umzugsunternehmen. Denn er ist letzens nach Australien gezogen.

Und er ist ein Rufer in Mittelerde.


Wer in Tolkiens Welten weniger zu Hause ist, der findet unter dem Link oben noch die Highlights von Werder Bremens 5:1-Sieg über den SSC Neapel oder auch von der WM-Partie 1982 zwischen Brasilien und Neuseeland. Bemerkenswert in letzterem Kontext auch die Zahl seiner Länderspiele zwischen 1980 und 1997. Es waren 23 an der Zahl. Neuseeland muss in den 1980ern über eine stattliche Menge an Spielern von internationalem Format verfügt haben. Komisch, dass man keinen davon kennt.

Um die Beitragsfrage aber nun wirklich zu beantworten: Aktuell ist Wynton Rufer Nationaltrainer von Papua-Neuguinea.

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Als Günther Jauch noch innerhalb seiner Kragenweite fuhrwerkte

Ein sehr später Nachtrag zu Sepp Maiers 70. Geburtstag:

Günther Jauch mit dem Bundestorwarttrainer Sepp Maier während der EM 1988.



Ja, die ersten 60 Sekunden sind etwas schwieriger zu überstehen. Dann geht es mittels „Schalte“ ins Quartier der Nationalmannschaft am Tegernsee, moderiert von Günther Jauch. Dabei demonstriert Jauch, wofür er eigentlich gemacht ist. Schade, dass nicht nur er, sondern auch alle um ihn herum das vergessen zu haben scheinen. Aber das hat ja mit Fußball nichts zu tun. Sehr schön ist allerdings der Helge-Schneider-Moment zu Beginn der Verlosung.

Günther Jauch — die bessere Kathrin Müller-Hohenstein.

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O Klose, mein Klose

Als gut sortiertes Magazin hat man die – sportlichen – Nachrufe auf alle, welche kurz vor dem Ende ihrer Karriere stehen, natürlich längst in der Schublade und muss im Fall der Fälle nur noch die aktuellsten Daten eintragen und dann geht der Beitrag in Druck.

Doch das ist ja in diesem Fall das Drama. Bei Miroslav Klose war das Ende seiner noch jungen Karriere nicht annähernd abzusehen gewesen. Gerade mal drei Törchen mehr als Gerd Müller bislang, allen Experten war klar, dass da noch Potenzial für weitere sechseinhalb Dutzend wäre. Wenn er nur jetzt nicht völlig voreilig und auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft den Länderspielbetrieb eingestellt hätte.

Man kann sich an nur wenige erinnern, die so früh und damit viel zu früh von der internationalen Bühne gingen. Bernd Schuster vielleicht, Johan Cruyff, was ist der Fußballwelt da nur entgangen? Jetzt gehört auch Miroslav Klose zu den Unvollendeten.

Die Fußballwelt ist geschockt, aber vielleicht gibt es gegen Ende seiner Vereinskarriere dann ja doch noch einen zweiten oder dritten WM-Titel. Paule Breitner ist auch nach langer Zeit wieder gekommen, selbst Stefan Effenberg brachte es nach dem bekanntermaßen nicht sportlich bedingten ersten Abschied aus der Nationalelf noch einmal zu einem erfolgreichen Comeback.

Wer weiß also, wie Klose in fünf, sechs Jahren über diese Entscheidung, vielleicht zu sehr aus dem Pfälzer Magen heraus getroffen, denken wird. Für den Moment aber heißt es Abschied nehmen von einem, dessen Agilität und Kaltschnäuzigkeit noch so viele Länderspieltore zu versprechen schienen. O Klose!

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Aber da haben wir auch nichts gewonnen

Ein lesenswertes Interview ist an uns vorbeigegangen.

Wer hier öfter vorbeischaut, weiß vielleicht, dass Christoph Metzelder aufgrund seiner Rumpelfüßigkeit, aber vor allem Rechtsauslegerigkeit in diesem Blog nicht allzu gut gelitten ist. Seit dem Ende seiner aktive Karriere punktet er allerdings nicht nur durch die Unterstützung seines Heimatvereins TuS Haltern, für den er auch in einer unteren Liga dann und wann aufläuft, sondern auch mit Greifbarem, Sinnhaftem als sky-Experte, welches noch dazu gut ins Ohr geht.

Weiter punktet er auch im unten verlinkten Gespräch, da er a) das Halbfinale 2006 gegen Italien — wie es sich gehört — als seine schlimmste Niederlage bezeichnet, aber auch, dass er b) anerkennt, dass er als Verteidiger und eben nicht Passgeber oder Torschütze das Wesen des Fußballs nie richtig kennenlernen konnte, wenn er als Profi auf dem Platz stand. Ein bemerkenswertes Bekenntnis.

Ebenfalls in diesem Gespräch antwortet er auf die Frage, ob der Nationalmannschaft die viel zitierten Typen fehlen:

Ja, das glaube ich schon: dass in den letzten Jahren Spieler, die gut waren, aber eben andere Typen, einer Sehnsucht nach Homogenität zum Opfer gefallen sind.

ZEIT: Und fehlen, wenn es ernst wird?

Metzelder: Wenn man das wüsste. Ich bin in Zeiten zur Nationalelf gekommen, als es diese Typen noch gab. Aber da haben wir auch nichts gewonnen.

Hier das komplette Interview mit der Zeit.

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Gewinnspiel: Zwei Tore in der Verlängerung aufholen

Heute endlich wieder eine neue Folge der beliebten Reihe „Gewinnspiel ohne Gewinne“, bei dem es nur um den sportlichen Ehrgeiz geht, die aufgeworfene Frage möglichst umfassend zu beantworten.

Einem Amerikaner Fußball schmackhaft zu machen, sollte man vielleicht nicht unbedingt bei Fortuna Düsseldorf versuchen. Verstehn‘S mich nicht falsch: das ist ein tolles Stadion mit super Stimmung. Aber die Rede ist hier nicht von 2013, der Versuch liegt schon einige Jährchen zurück. Der Herr kannte Fußball aber ohnehin schon vorher und hatte sein Urteil für sich bereits seit geraumer Zeit gefällt und war wohl eher aus Höflichkeit dann doch mit ins Stadion gekommen.

Das Kernproblem des Fußballs lautet seiner Auffassung nach:

„Wenn eine Mannschaft 0:2 hinten liegt, ist das Spiel eigentlich immer entschieden.“

In vielen Fällen mag das zutreffen. Das 5:3 in Schweden der deutschen Mannschaft war der erste Sieg nach einem 0:2-Rückstand in einem Pflichtspiel seit 1954 (!), seit jenem 3:2 gegen Ungarn nämlich. 50 Jahre sind dann schon mal gut zwei Drittel eines Menschenlebens.

Noch dramatischer wird der Fall, wenn man statt insgesamt 90 Minuten nur noch 30 Minuten oder in unserem Fall, siehe unten, zwangsläufig sogar weniger Zeit hat, einen Zwei-Tore-Rückstand wenigstens zu egalisieren. Wenn man nämlich von der Verlängerung spricht.

Von einer der ganz wenigen Verlängerungen im hochklassigen Fußball, in der es einer Mannschaft gelang, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, spricht übrigens heinzkamke in wunderbarer, feinster Detailarbeit (das kann man gar nicht genug loben, so gelungen ist dies) zusammengestellter Worte in seinen Fünf Zeilen, die der Fußball schrieb (XLVII).

Die Rede ist von jener Partie, welche auch die Leser von Trainer Baade jüngst zu einer ihrer beiden liebsten Partien aller Zeiten gewählt hatten. Es geht um das WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich.

Drüben bei angedacht warf wiederum Gunnar vom Stehblog die Frage auf, in welchen anderen relevanten Partien es dieses Phänomen schon mal gegeben habe. Hier fiel kein Beispiel ein (nein, im „Jahrhundertspiel“ gab es nie einen Zwei-Tore-Rückstand), weshalb Hilfe mal wieder sehr willkommen wäre:

In welcher Partie gelang es einem Team, in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen?

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Älteste Debütanten in der Nationalmannschaft

Die folgende Liste bezieht sich nur auf jene Debütanten seit Einführung der Bundesliga, also seit 1963. Die Daten für die Zeit davor liegen hier nicht vor.

Name Verein Alter beim Debüt
Martin Max TSV 1860 München 33,69
Paul Steiner 1. FC Köln 33,35
Michael Preetz Hertha BSC 31,47
Oliver Reck Werder Bremen 31,27
Stefan Kuntz 1. FC Kaiserslautern 31,13
Michael Schulz Borussia Dortmund 30,56
Norbert Eder FC Bayern München 30,51
Helmut Roleder VfB Stuttgart 30,47
Michael Zorc Borussia Dortmund 30,31
Peter Nogly Hamburger SV 30,11
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Sverige — Tyskland 3:5 – Die Evolution frisst ihre Kinder

I have a dream. Und der geht so: An einem vielleicht regnerischen Tag im Februar 2014 wird Jogi Löw einen Termin in London haben. Er wird seinem Gesprächspartner mitteilen, dass er weiterhin voll auf ihn setzt. Dieser aber leider nicht mitfährt zur WM, zumindest nicht im 23er-Kader, aber für den Fall der Fälle solle er sich bereithalten. Später werden beide Beteiligten der Presse das genaue Gegenteil darüber erzählen, was denn nun Inhalt des Gesprächs gewesen sei. Der so Besprochene wird aber nicht im Flieger nach Brasilien sitzen, was der entscheidende Punkt dieses Traums ist.

Tja, schade, dass das nur ein Traum bleiben wird, aber was man angesichts der mit ordentlich Teufelspepperoni gefüllten Ladungen an Offensivpower mit durchdachten, kreativen und handlungsschnellen Szenen gestern in der Partie gegen Schweden noch mit Lukas Podolski bei einer WM möchte, wo die Besten der Besten eines Landes zusammengerufen werden, wird auf immer Jogi Löws Geheimnis bleiben. Die Defensivstärke im Vergleich zu den ihn nun überflügelt habenden Spielern kann es bei Podolski kaum sein, denn die müsste man immer noch mit der Lupe suchen.

Ansonsten bot die Partie genau das, was man von ihr erwartete. Einen immer wieder zum Patzer und dann zur patzigen Reaktion neigenden Manuel Neuer, der immerhin dann doch mal nach knapp 160 Minuten gegen Schweden einen dieser Bälle zu fassen bekam, die man ihm ständig aufs und dann ins Tor hämmerte. Eine Defensive, die löchrig genug ist, auch gegen Fußballgroßmächte wie Paraguay, die USA oder die Schweiz 3 Tore und mehr zu kassieren, zeigte wieder einmal ihre lachende Fratze. Lachend für Produzenten von Tornetzen, denn die spielten gleich 8x die ihnen zugedachte Rolle.

8x, das bedeutet auch, dass der Ball 5x in des Gegners Tor landete und es war der große Jannik Sorgatz, der letztens darauf hinwies, dass die DFB-Auswahl damit 9 Partien in Folge mindestens 3 Tore erzielt hat. Oliver Fritsch argumentierte in der Zeit, dass zu viele Tore dem Fußball nicht gut täten und auch Bastian Schweinsteiger äußerte sich nach seinem Jubiläumsspiel, dass ihm ein 2:0 deutlich lieber als ein 5:3 sei, denn dieses sei ein „schlechtes Ergebnis“. Erinnerungen wurden wach an das 4:2 gegen Griechenland im Viertelfinale der EM, als sich kaum jemand an den 2 Gegentoren der Griechen störte, welche doch für gewöhnlich nur 1 Tor pro Partie erzielen und diesen Wert mal eben gegen Deutschland verdoppeln konnten. Denn vorne rappelte es ständig im, Entschuldigung, in den Tornetzen und dann lässt man auch schon mal fünfe gerade sein.

Wie erwartet also die Rückkehr zu einer schwachen Defensivleistung, die auch nicht damit zurecht gerückt werden kann, dass die Schweden in der ersten Halbzeit nur 2x aufs Tor schießen. Was ja fast so klingen sollte, als seien das 2 Sonntagsschüsse gewesen, die so nicht in anderen Partien wieder passieren könnten. Erstens waren diese Tore glänzend herausgespielt und dann doch wieder so einfach, wie es eben ist, die deutsche Abwehr auszuspielen. Und zweitens zeigt die Vergangenheit ja, dass es eben nicht ein mal im Jahr vorkommende Sonntagsschüsse sind, die zu deutschen Gegentoren führen, sondern dass es wieder und wieder möglich ist selbst für die Nr. 50 der Weltrangliste, zwei, drei Tore zu erzielen. Wie erwartet, eben, und das sogar ohne Ibrahimovic.

Was man nicht erwarten kann, ist dass man beim Zuschauen auf einmal ein Gottesteilchen entdeckt. Aufgeblitzt war es in jener Szene, die zum 4:2 durch André Schürrle führte, als schon der durch eine blitzschnelle Drehung gewonnene Zweikampf auf der linken Außenbahn in Höhe der Mittellinie deutlich schrie, dass nun etwas sehr Besonderes passieren würde. Während man einigermaßen eingelullt von den vielen Toren vor dem Fernseher sitzt, plötzlich dieser Moment, an dem der Fernseher zu einem Medium des Lebens wird, sich die Schönheit des Spiels eröffnete und beinahe, für einen Moment jedenfalls, die Seele rein machte und eine Ahnung vom Gefühl der Erfüllung bescherte.

Zum Glück wird man von den Menschen beim ZDF, die dieses Spiel begleiten, immer sofort in die Realität zurückgeholt. Da spricht ein vermeintlicher Experte zum ersten Mal in seinem Leben selbstironisch davon, dass es ja auch viel „Druck“ gegeben habe, Applaus, Applaus, es gibt noch Hoffnung, da macht er diese Hoffnung im selben Moment zunichte, als er sich jeglicher Diskussion der anderen gesehenen Partien entzieht und stattdessen ständig über seine Erinnerungen von anno dazumal schwadroniert, deren Kontext zur Gegenwart man selbst mit jener Lupe, die Podolskis Defensivstärken sichtbar macht, nicht findet. In Moldawien habe er mal gespielt, das Publikum war gegen ihn, der Platz ein Unding, ja, Opa, jetzt iss auf und stell Dich neben den Franz. Was es über die anderen Mannschaften bei der WM alles zu sagen gegeben hätte — wer weiß das schon? Ein Zuschauer des ZDF jedenfalls nicht.

So frisst die Evolution ihre Kinder, Bastian Schweinsteiger wirkt schon wie ein alter Mann vor seinem letzten Turnier, dabei hat er die 30 Lenze noch gar nicht erreicht, und Oliver Kahn wirkt wie ein Fußballkommentator aus den 1990ern, als genau solche Dönekes schon ausreichten, um den Vertrag verlängert zu bekommen. So wie Podolski nicht mehr in diese Zeit passt, zu wenig handlungsschnell, zu wenig variabel, so passt auch Oliver Kahn nicht mehr in diese Zeit. Für Geschichten von damals gibt es hinten in der 11Freunde eine Rubrik, ein Interview alle paar Jahre mal sollte für Kahn dann ausreichen. Ansonsten gilt für ihn genauso wie für die Generation Podolski: Platz machen, die Evolution hat sie überholt. Zum Glück.

Und dann waren da noch die herrlichen Einlaufkinder, die dem ganzen Popanz, den der Fußball und die Menschen sich ausgedacht haben, eine schöne lange Nase zeigten. Nationalhymnen, bei denen man andächtig stehen muss, deren Text man mitsingen muss und Spot und TV-Kamera auf die modernen Gladiatoren gerichtet, die zu Helden überhöht werden — alles wunderbar karikiert von zappelnden, in der Nase bohrenden, sich ständig umdrehenden oder ihr Bäuchlein tätschelnden Einlaufkindern. Sollte man öfter machen, diese besonderen Kinder in den Vordergrund zu holen — ohne sie dabei dem Voyeurismus auszuliefern, falls das möglich ist.

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