Trauriger Regen im gefühlten Reha-Anstalts-November

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Man möge bitte alle an Fußball interessierten Leser mit genau diesem Thema verschonen: Traurige Berichte über traurige Profis, die nach einer Verletzung einige Monate lang in einer Reha „schuften“ und das schlimme Schicksal erdulden müssen, nicht „mit den Kollegen trainieren zu können“ sowie „nicht vor einen Ball treten zu dürfen“. Das ist schon hart.

Meist müssen die bedauernswerten Vollprofis dann auch noch aus dem Reha-Zentrum heraus ihren Kollegen beim aktiven Fußballspielen zuschauen. Man würde fast annehmen, dass das gegen diverse Konventionen verstoße.

Man mag da alles Mögliche vorschieben, warum einen das doch interessieren sollte. Die Populismus-Keule dagegen bleibt gleich mal im Keller. Es gibt nichts Langweiligeres, als einem Millionär beim Jammern zuzuhören, weil er mal ein paar Wochen lang seine Spielzeuge nicht benutzen darf. Nein, Geld macht natürlich nicht glücklich. Aber eine Verletzung in den meisten Fällen auch nicht gleich arbeitslos. Wie fürchterlich dieses Schicksal für den Einzelnen ist, er kann bei immer noch sechs- bis siebenstelligem Kontostand ein paar Wochen lang nicht Fußball spielen. Da kommen einem natürlich wirklich die Tränen.

Erst recht, wenn man die immer wieder gerne exerzierte Praxis erlebt, dass es tatsächlich Quellen gibt, die über so einen langweiligen Kram, wie sich eine arme Reha-Wurst während ihrer Reha gefühlt hat, berichten. Abgesehen davon, dass es keinen interessiert, wie hart dieses Schicksal sein mag, ein paar Wochen lang nicht Fußball spielen zu können:

Es ist immer die selbe Story, neu aufgewärmt.

Dem Opfer wird klar, dass Profi-Fußball nur eine Scheinwelt ist, genauso, welch Glück es hat, in diesem Zirkusmetier sein dickes Geld zu verdienen. Die wahren Freunde kristallisieren sich heraus, und dem Profi fällt auf, dass es Andere gibt, denen es wesentlich schlechter geht.

Wäre es nicht so geschmacklos, sollte man jedem Profi möglichst früh in seiner Karriere einige Zeit in der Reha wünschen. Die Story dahinter aber, sie ist so unendliche Male schon durchgekauft worden (nur noch nicht mit jedem Spieler), dass man getrost darauf verzichten kann. Und auch sollte.

Jeder Platz und alle Energie, die für die immer selbe Geschichte draufgehen, wäre mit Taktik-Analysen besser genutzt.

2 Kommentare

  1. Ich glaub ja, dieses automatisierte Reha-Mem hat damit zu tun, daß der Zirkus sich (bzw. vor allem den Zirkuskonsumenten) bei jeder Gelegenheit selber bestätigen muß, daß man ja eigentlich nur deshalb Fußball spielt, weil es so viel Spaß macht (und nicht wegen dem Geld, was dazu führt, daß man eben trotz des Geldes beim Rehamachen nicht glücklich ist, weil einem die archaisch-straßenfußballerische Lust des Balltretens halt zu sehr fehlt).
    Vermutlich stimmt das in vielen Fällen sogar. Das Verlogene an dem pseudongestrengten Jammern über die schwere schwere Rehazeit ist aber eben imho nicht die Tatsache, daß da Millionäre jammern, sondern dieses implizite (oder von mir implizierte? Kann ja sein, daß nur ich das so wahrnehme) Vorspielen einer Legende, nach der auch der millionenschwere Internatszögling eigentlich „einer von uns“ ist, der aus Spaß an der Freude Fußball spielt und aufrichtig Zehenjucken kriegt, wenn ihm dieses sinnstiftende Etwas ne Zeitlang entzogen wird.

    (analog dazu: Musiker, die trotzig beteuern, sie würden auch „vor 20 Leuten“ spielen, weil ihnen das Musikmachen so viel Spaß macht. Es gibt mit Sicherheit viele, bei denen das tatsächlich der Fall ist, aber der systemimmanente Mechanismus der Musikpresse verlangt halt, daß *jeder* das sagen muß).

  2. Ich halte 90 % dieser Geschichten für von den Agenten und/oder PR-Abteilungen der „Vereine“ lancierten Blödsinn. Womit soll man den so einen Profi während der Sportbefreiung sonst im Gespräch halten? Äffären mit Krankenschwestern, todesmutiges Querschwimmen im Strömungsbecken, lila-neongrüne Aircast-Schienen?



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