Warum indirekter Freistoss?

Die Rede ist jetzt ausnahmsweise nicht vom Indirekten Freistoss, der Presseschau.

Sondern vom indirekten Freistoß als solchem.

Ja, zur Hölle, warum?

Ich frage mich selbst, warum das keiner der sonstigen Anwesenden aufklären konnte. Indirekter Freistoß für den 1. FC Nürnberg zum 1:1-Ausgleich. Aber niemand wusste, warum das überhaupt passieren konnte. Die weit verbreitete Idee des „Rückpasses“ kann ja, so mich meine Augen nicht trügen, nicht zum Tragen gekommen sein. Tom Starke hatte den Ball gar nicht in der Hand.

Niemand sonst wusste die Alternativen zur Rückpassregel aufzuzeigen, die zu einem indirekten Freistoß geführt haben könnten.

Was besonders peinlich ist: Bis jetzt gerade, bevor ich anfange zu googlen, ist mir auch keine eingefallen, dabei gibt es indirekte Freistöße in Strafräumen schon seit lange vor der Einführung der Rückpassregel.

Wann zur Hölle gibt es indirekten Freistoß, wenn nicht gerade die Rückpassregel greift?

(Wer heute DSF geschaut hat, ist wahrscheinlich ohnehin schon rundum aufgeklärt worden. Diesen anzweiflungswürdigen Luxus hat man als Stadiongänger aber nicht, weshalb ich hier noch mal nachfrage.)

Es bleiben zwei Anmerkungen: Das angenehmste an einem Stadionbesuch ist neben der Übersicht über das komplette Feld, ohne auf einen (TV-) Regisseur angewiesen zu sein, die Abwesenheit von Kommentatoren.

Zweitens: Wenn der Fußball etwas vom Football adaptieren sollte, dann wäre es, dass der Schiedsrichter mittels Gesten für alle sichtbar erklärt, was er eigentlich entschieden hat.

21 Kommentare

  1. Es gab indirekten Freistoss, weil es gefährliches Spiel war (Fuß des Abwehrspielers trifft den Stürmer bei dessen Kopfballversuch in Kopfhöhe). Und, äh, zum Anzeigen des indirekten Freistosses gibt es doch eine Geste vom Schiri, denn der hebt dabei den Arm über den Kopf.

  2. Danke, probek, das Resultat der Schiedsrichterentscheidung ist dann ja auch jedem offensichtlich. Nur die Begründung nicht. Und das wär das Plus an Service, was man liefern könnte.

    Jeder Schiedsrichter, egal, was er pfeift, weiß doch, was er gerade entschieden hat. Oder entschieden haben zu meint. Wie auch immer. Angreifbarer machte man ihn damit nicht. Denke ich.

    Attacken auf Schiedsrichter im Football sind jedenfalls deutlich seltener als hierzulande.

    Wobei das Beitragsthema jetzt nichts mit diesem Thema zu tun hat.

  3. Äh, aber eigentlich war meine Frage auch: Wann gibt es indirekten Freistoß im Strafraum? (Abgesehen von der Rückpassregel.)

  4. Abgesehen vom Rückpass ist’s halt z.B. das gefährliche Spiel, das den indirekten Freistoß rechtfertigt. Und abgesehen vom Beitragsthema fände ich Schiris, deren Mikrofone an die Stadionlautsprecher angeschlossen wären, gewöhnungsbedürftig, aber bitte, warum nicht. Blatter, ihr Job. Müssen halt die Stadiongänger mal kurz lauschen, was da so erzählt wird.

    Und weiter davon abgesehen bzw. völlig unabhängig davon halte ich Attacken auf oder auch schon das Berühren von Schiedsrichtern generell für sanktionswürdig. Da ist der US-Sport wirklich ein Vorbild. Der Schiri hat halt entschieden, werde damit fertig, weiter geht’s. Wer das nicht schafft, kassiert Gelb oder Rot.

    Aber das ist ja wirlich nicht deine Frage, die sich mittels diesen PDFs ggf. auch in aller Ausführlichkeit beantworten ließe, z.B. ab Seite 81/82.

  5. Eine ähnliche Szene gab es vor eingen Wochen im Spiele Osnabrück-Pauli, als Sako seine zugegeben langen Beine etwas zu hoch hob. Da ists mir das erste mal richtig aufgefallen. Dort wurde allerdings nicht so kunstvoll verwandelt sondern einfach drauf gepöhlt.

  6. Gefährliches Spiel ist Foul minus Körperkontakt.

  7. Nur mal so allgemein:

    Die Frage „Wann gibt es indirekten Freistoß im Strafraum?“ lässt sich reduzieren auf die Frage „Wann gibt es indirekten Freistoß?“ Für den indirekten Freistoß ist es nämlich egal, wo er gegeben wird: Für alles, wofür es außerhalb das Strafraums indirekten Freistoß gibt, gibt es auch innerhalb des Strafraums indirekten Freistoß.

    Die Frage „innerhalb oder außerhalb“ ist nur beim direkten Freistoß relevant – denn ein direkter Freistoß innerhalb des Strafraums wird immer und unwiderbringlich ein Strafstoß (vulgo „Elfmeter“).

  8. Ne grobe Regel zum Merken:
    Bei Vergehen gegen Regel 12 gibts direkten Freistoß, alles andere ist indirekt.

  9. @oliver: sau stark! danke. kurz. prägnant. logisch!

  10. Insofern war es gestern kein gefährliches Spiel, wenn er getroffen wurde (ich hab das spiel gar nicht gesehen..) ist es verbotenes Spiel und direkter Freistoss, ergo Strafstoss….

  11. Hab das Spiel auch nicht gesehen. Hat Bappsack wohl recht, wenn er tatsächlich getroffen wurde sollte es Strafstoß geben!

  12. @Trainer:
    „Angreifbarer machte man ihn damit nicht“

    Kürzlich beim Fernsehsport (weiß weder Spiel noch Liga) hat der Schiedsrichter nach einem Elfmeterpfiff mit einer Geste signalisiert, dass der Gefoulte gezogen worden sei. In der Zeitlupe sah man, dass der Strafstoß zwar berechtigt war, aber nicht wegen Ziehens, sondern wegen Beinstellens.
    Ohne die Geste hätte der Schiri, von außen betrachtet, alles richtig gemacht, so aber hat er Spott geerntet.

    Will sagen: etwas angreifbarer macht er sich schon; gleichwohlda muss er durch, ich fände die gestische(?) Begründung auch sinnvoll.

  13. Hach, diese Kommentatoren… Trainer, starte doch mal eine Petition für Zwei-Kanal-Ton!

  14. Pingback: Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus

  15. Vielleicht noch ein Nachtrag zu den Schiris im Football in den USA (der ja mehr eine Art Handball ist). Da stehen sieben Leute verteilt auf verschiedene Positionen auf dem Platz. Das sind der Referee, Head Linesman, Line Judge, Umpire, Back Judge, Side Judge und Field Judge. In Worten: SIEBEN. Das letzte Wort hat jeweils der Referee, der dann auch mit Gesten und mit Mikro erklärt, was er entschieden hat und um welches Strafmaß es sich handelt.

    Football ist meiner Meinung nach kein gutes Vorbild für Fußball. Das Regelwerk ist ungefähr so dick wie das Telefonbuch von Duisburg. Es gibt für jeden kleinen Scheiß eine Bestimmung, die die armen Schiris dann auch noch alle im Kopf haben müssen. Da lobe ich mir die Schlichtheit des Regelkonzepts im Fußball (was einer der Gründe ist führ, weshalb meistens der Ball rollt, während die Leute im Football meistens nur auf dem Platz herumstehen und warten).

    Was das Provozieren oder gar Anfassen von Schiris im amerikanischen Sport angeht: Das kennt man nicht, so man keine Hooligans kennt. Und das basiert beides auf einem eingefleischten, sehr zivilisierten Sportbegeisterungskonzept. Die Fans sitzen denn auch nicht in Blöcken, sondern bunt gemischt im Stadion/in der Halle und brauchen keine Polizeieskorte für den Anmarsch und Abmarsch.

    Es fehlt den Amerikanern (bei aller Loyalität zu Clubs und Spielern) dieser tribalen Ernst, der in Europa und Südamerika dem Sport eine der hässlichsten Fratzen verpasst hat, die man sich vorstellen kann.

  16. Beim Handball sind die Gesten übrigens auch sehr deutlich. Handball-Schiedsrichter könnten durchaus taubstumm sein. Ok, taub nicht, höchstens stumm.

    Aber gibt es beim Fußball für die gängigen Sachen wie Handspiel, Abseits usw. nicht sowieso eindeutige Gesten?

  17. Beim Handball sind die Gesten übrigens auch sehr deutlich. Handball-Schiedsrichter könnten durchaus taubstumm sein. Ok, taub nicht, höchstens stumm.

    Aber gibt es beim Fußball für die gängigen Sachen wie Handspiel, Abseits usw. nicht sowieso eindeutige Gesten?

  18. Der Schiri war Manuel Gräfe, der irgendwann mal bei DFB unterschrieben hat, nicht durch großzügige Gesten aufzufallen. Seine bevorzugte Arbeitsweise ist es, nach dem Pfiff stehen zu bleiben und mit dem Arm vage in die Richtung des Geschehens zu deuten, auf dass sich alle fragen dürfen, was er denn nun gemeint haben könnte (war gestern ja keine Ausnahme). Ich habe es beim Spiel Aachen-HSV aus ziemlicher Nähe erleben dürfen, wie der Typ Elfmeter für Aachen gepfiffen hat, mit dem beschriebenen Körpereinsatz, woraufhin der AACHENER Spieler Heidrich zu ihm kam und ihn erstmal fragte, was er denn soeben entschieden habe. Der ist schon ein ganz Großer, auch aus anderen Gründen.

  19. Wenn der Schiri Elfmeter pfeift, dann gehe ich als Stadionbesucher davon aus, dass er ein Foulspiel gesehen hat. Ob es sich dabei um Handspiel, umnieten oder sonsteine Regelwidrigkeit gehandelt hat, führt zum selben Ergebnis und dürfte daher zunächstmal nur für die Premiere-Couchpotatoes irgendeine Relevanz haben, da eine detailliert angegebene Begründung u.U. ohnehin nur per Videobeweis, also vor dem Fernseher, nachprüfbar wäre. Im Moment der Entscheidung auf was auch immer bilde ich mir eine Meinung dazu. Es hat auf meine (Nicht-)Akzeptanz der Entscheidung keine Auswirkung und diente nur (auf Kosten des Spielflusses) der Bestätigung meiner Zustimmung oder Ablehnung, wenn der Schiri jeden Frei- und sonstigen -stoß rechtfertigen sollte (denn wo ist die Grenze ?). Wenn ich – wie am Montag geschehen – auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes stehe und nur das Ergebnis der Situation, nämlich den indirekten Freistoß, zu Gesicht bekomme, so wäre auch hier eine ausführlichere Erklärung des Schiris keine Hilfe, weil ich Sie eben nicht per Zeitlupe nachprüfen kann und trotzdem hinnehmen muss. Prusten muss ich bei dem Gedanken, der Mann in Schwarz gäbe seine Entscheidungen per Stadionlautsprecher kund. Dann könnt Ihr Euch zukünftig auf 15 Minuten Nachspielzeit pro Halbzeit einstellen oder Euch gleich für das Anhalten der Spielzeit einsetzen. Schnell ausgeführte Freistöße wären passé und die im Rückstand liegende Mannschaft freut sich bestimmt, wenn Ihr in der vorletzten Minute der Nachspielzeit ein Freistoß zugesprochen wird und sie sich erstmal erklären lassen darf, warum sie ihn erhalten und der Gegner diesmal keine gelbe Karte bekommen hat, anstatt ihn schnellstmöglich ausführen zu dürfen.

  20. Mir fällt der eine oder andere Kommentator ein, für den Entscheidungserläuterungen durch den Schiedsrichter eine enorme Hilfe wären.

  21. Schnell ausgeführte Freistöße wären passé

    Quatsch. Ich habe ja nicht ins Spiel gebracht, dass er das durchsagen muss. Aber ob nun Durchsage oder bestimmte Geste: Das dauert jeweils ca. 1-2 Sekunden. Wieso sollte das den Spielfluss bremsen oder schnell ausgeführte Freistöße verhindern? Nur weil im American Football ohnehin immer Pause ist, müsste das ja im Fußball nicht genauso sein.

    Oder hat schon mal die Geste, dass man „weiterspielen“ solle, weil es Vorteil oder eben kein Foul ist, das Spiel aufgehalten?