Was machen die anderen 84%?

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In einer Printumfrage kam jemand zu dem Ergebnis, dass von all jenen, die sich die Spiele der EM im Fernsehen angeschaut haben, gerade einmal 16% auch das Internet als Informationsquelle bezüglich der EM genutzt haben. Holladiewaldfee, mal wieder dem Leiden des falschen Konsenses[1] aufgesessen: Ich hätte doch glatt 50% noch für einen niedrigen Wert gehalten, aber sechzehn — das schlägt meinem Konsensfass den Boden aus. Sind wohl nicht alle so wie wir hier, nur: Was machen sie dann mit ihrer Zeit? Fernsehn gucken? Bodensee-Bühne und so? Man glaubt es kaum.

Außerdem interessant: Mehmet Scholl ist besonders bei jüngeren, weiblichen Zuschauern beliebt, Monica Lierhaus hingegen bei Zuschauern ab 50. Also, irgendwie doch nicht so interessant.

[1] Falscher Konsens: Wir neigen dazu, unsere Meinung oder Reaktion als typisch für eine große Mehrheit zu betrachten, auch wenn das gar nicht stimmt. Eine Erklärung hierfür lautet, daß wir nicht gern anders sein wollen als andere, eine weitere Erklärung ist, daß sich Menschen gern in der Gesellschaft anderer bewegen, die ihnen tatsächlich ähnlich in ihren Meinungen und Reaktionen sind.

10 Kommentare

  1. Wenn Monica vor allem in älteren Semestern beliebt ist, bleibt ja zu hoffen, dass die weg, wenn ich in dem Alter bin…

  2. Wundert mich nicht. EIn Teil der deutschen Durchschnitts-EM-Fun-Fans ist ständig vor dem Fernseher eingepennt, weil sie das mit dem blöden Abseits nicht kapiert haben und es deshalb doof fanden, dass der Schiri so häufig für nix und wieder nix gepfiffen hat. Ein anderer Teil hing nach dem Abendspiel ständig über der Schüssel, weil er gedacht hatte, Chips und Bier ist drei Wochen lang die einzig zugelassene Ernährung. Einige andere waren auf dem Weg vom oder ins Krankenhaus, weil sie sich irgendwann beim Absingen der Nationalhymne vor dem Fernseher ihre Bitburger- oder Express-Deutschland-Fahnen ins Auge gestochen haben. Der Rest musste Autokorso fahren. Alles ganz normal also.

    Vielleicht hat man auch nur die falschen Deppen befragt. Und vielleicht haben die dann noch gelogen. Wer weiß das schon?

    PS. Wer ist Monica Lierhaus? Ich plädiere dafür, beim nächsten Turnier anstelle von Urs „Schlussendlich“ Meier lieber Bibiana Steinhaus auflaufen zu lassen. Dann muss ich während einer WM auch nicht mehr so oft ins Internet.

  3. Hmm… soll ichs wirklich wagen Dem Großen Janus zu widersprechen?

    Nunja, eines der billigsten und (mittlerweile) unzutreffendsten Klischees hierzulande ist das von der mangelnden Durchdringung der grundlegenden Prinzipien der Abseitsregel in den sonst eher am Rande am Fussballsport interessierten Bevölkerungschichten.

    Mach doch mal den Test: trete in einen beliebigen Raum und frage die Anwesenden a) nach der Abseitsregel und b) ob die Erst- oder die Zweitstimme für die Besetzung des Parlaments entscheidend ist. Und dann sag das oben gesagte nochmal. Ohne rot zu werden.

  4. Hätte ichs nicht gemacht, würd ichs nicht schreiben. Also zumindest a).Wobei ich nicht weiß, ob fünf Kölner während des Spiels Deutschland-Türkei als repräsentativ angesehen werden können. Aber ich weiß ja auch nicht, wer an dieser Umfrage beteiligt war.

    Wer Schwein ist, lässt sich die Abseitsregel von den ganzen Fußballkennern auch gerne mal am Beispiel des 1:0 der Niederlande gegen Italien erklären. Bringt Schwung in jede Party.

    Bei Frage b) kommt übrigens zumeist ein repräsentatives „Häh?“, da gebe ich Dir Recht. Aber mein Gott, der Strom kommt ja auch aus der Steckdose.

  5. Hey, ich sagte „grundlegende Prinzipien“. NL- IT zählt nicht.
    Aber vielleicht reden wir auch aneinander vorbei. Die Typen, die vor jedem Fernseher bei jeder noch so offensichtlichen Abseitsentscheidung herumnölen und „uns“ mal wieder benachteiligt sehen, die nerven, keine Frage. Aber das tuen sie auch zu anderen (Regel-)Fragen.
    Was mich nervt ist dieses aus den 50ern herübergerettete Deppenklischee [Link leider tot.]
    von den am Proletensport Fussball weitgehend uninteressierten Massen, denen die Abseitsregel an sich verschlossen bleibt. Und die so schlicht schon seit langem nicht mehr existieren. Auch wenn sie immer wieder für blöde Scherze oder hirnrissige ARD-‘Features‘ herhalten müssen.

  6. Im Freundeskreis haben wir nicht nur Together-Viewing gemacht, sondern gleichzeitig auch 11Freunde-Liveticker-Verfolging. War manchmal unterhaltsamer als das SPiel.

  7. ich krieg ganz selten mal mit mir selber nen konsens hin…

  8. Die internetlosen Fussballgucker sind dann in den drei Wochen wohl auch zu Sachen gekommen, die bei uns viel zu kurz kamen: Aufräumen, Abwaschen, Flaschen wegbringen, ausgiebig schlafen etc. ;)

    Bibi Steinhaus im Fussball-TV. Super Idee, bin dafür :)

  9. Zumindest bei der Suche nach Livestreams gab es wohl etws mehr Suchaufkommen im Internet – witzigerweise stieg das Volumen rasant in die Höhe, als das Bild weg war beim Spiel Deutschland-Türkei. Auch das 18 Uhr Spiel der Deutschen sorgte für reges Interesse nach Livestreams, wahrscheinlich fleißige Bürobienchen, die einen etwas längeren Tag haben.
    Grüße

  10. Ich bin da eher altmodisch. Schweizer sehen sich die Spiele live an und gut. Dieses lange diskutieren und analysieren in Internetforen….das hat doch nix.



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