Wie froh sind wir über den Wahlsieg der CSU!

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„Wissen Sie, dass Sie die ganze Bundesliga glücklich gemacht haben?“, fragt der WDR-Reporter namens Unbekannt den Trainer von Arminia Bielefeld, Michael Frontzeck, nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen.

„Wieso?“, entgegnet dieser.

„Sie haben den Tabellenführer gestürzt.“, ist die Antwort des WDR-Reporters.

Und da darf man sich dann kurz fragen, ob dieser Reporter Anweisungen oder einen Dachschaden hat. Mindestens die Hälfte der Bundesliga ist überhaupt gar nicht glücklich, wenn der Verein des Sohnes von DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder Tabellenführer ist. Diese Hälfte ist inzwischen sicher eher geneigt, sich den ältesten der drei vorhandenen Werksklubs als Tabellenführer zu wünschen, bevor es „hochgejubelt“ Hoffenheim wieder wird.

Die Gründe für die Abneigung mögen nieder sein, sie sind inzwischen auch vieldiskutiert. Nur ist die Abneigung nun mal vorhanden. Dann solch eine Frage wie eingangs dieses Beitrags geschildert zu stellen, grenzt an Realitätsverweigerung respektive Zuhörer-Nicht-Ernstnehmung. Es ist nur ein Mosaiksteinchen, und es mag ja für die andere Hälfte auch zutreffend sein, für all jene, die sich lieber frischen, offensiven, viele-Tore-erzielenden Fußball erwünschen und bei Eintreffen dann auch begrüßen.

Und es ist vielleicht auch nur so dahingesagt gewesen. Oh, irgendwas Reißerisches muss ich ja jetzt sagen. Aber:

Nein, Bielefeld hat nicht die ganze Bundesliga glücklich gemacht. Sondern die halbe Liga (in Bezug auf Fans) unglücklich. Dass man sich so ein hanebüches Zeug mehr oder weniger spieltäglich anhören muss, erhöht nicht gerade die Bereitschaft, Radio- oder sonstwelche Reporter auch in Zukunft ernst zu nehmen.

Eine Randnotiz nur, aber eine, die deutlich macht, wie sehr man sich die gewünschten — an jedem Spieltag eine neue Sensation, ein neuer Stein vom Herzen, ein neuer Tabellenführer — Realitäten an den realiteren Realitäten vorbei zurechtzimmert.

Dann noch viel Spaß bei den Wandersjahren, hoffentlich demnächst nicht mehr am Mikro.

17 Kommentare

  1. Sehr gut, unterschreibe ich zu 100%! Der Einbruch von Hoffenheim MUSS endlich mal kommen, dieses Kunstprodukt will ich nicht mehr da oben sehen.

  2. Keine Chance auf Besserung, Trainer: ich habe mir gestern mal wieder die Sportschau mit Ton angetan (und ich bin wirklich nicht allzu masochistisch veranlagt, sonst täte ich das ja dauernd), und es wird für sehr lange Zeit das letzte mal gewesen sein. Ich bin von der ganzen absurd-bizarren ‚Spreche‘ immer wieder so übelst angepisst, dass ich mich frage, ob ich denn der einzige Zuschauer -also, in dem Fall -hörer, bin, dem dieses peinliche Sil-ben-ge-deeeeeeeh-ne, die ganze Phrasendrescherei und das obligatorisch obernotpeinliche Interview nach dem Spiel (s.o., unabhängig vom Inhalt, das ist ja das wirklich Schlimme) wünschen macht, dass die Ö-R und die ‚freien‘ Sender nienienienie wieder irgendwelche Fussballübertragungsrechte bekommen. Wer sich den Mist dann noch so unbedingt antun mag, soll gefälligst seinen Obulus an welchen Bezahlsender auch immer entrichten, damit die Qual doppelt schmerzt: im Kopf und in der Geldbörse.

  3. Bei Bielefelds Sieg ging es mir persönlich auch weniger darum, wem dieser Sieg die Tabellenführung bescherte bzw. abnahm. Vielmehr hat es mich gestört, dass die Arminia damit 10% der Miete zum Klassenerhalt eingefahren hat (nach Bruchhagen’scher Rechenweise).

  4. Zumindest mich hat die Arminia endlich wieder einmal sehr, sehr glücklich gemacht.

  5. Genau, Alex. Lieber die organisch gewachsenen Leverkusener, die regional finanzierten Schalker, die komplett aus Eigengewächsen bestehenden Wolfsburger oder die im Vergleich zu Hoffenheim bettelarmen Bayern. Das sind wenigstens richtige Städte, die dürfen das!

    Das Hoffenheim-Bashing nimmt ja schon ähnlich bizarre Formen an wie die Sportschau-Sprache. Mit diesem Verein isses wie mit Loddarmaddäus: wenn es ihn nicht gäbe, müßte man ihn erfinden – ungezählte Stunden wollüstigen Drüberaufregens sind garantiert ;-)

  6. Solange Hoffenheim die Böcke weghaut, sind sie herzlich willkommen. Hoffenheim ist Zukunft, wie Wolfsburg. Bayern und Schlacke sind Vergangenheit, die sich noch wehrt…

  7. Mir ist es scheißegal, ob Hoffenheim oder die Pillen vorn stehen und am Ende doch nicht Meister werden. Aber über die drei Bielefelder Punkte war ich gar nicht froh, weil Bochum so auf Platz 16 abgerutscht ist. Ebenso wird man in Hannover, Frankfurt, Cottbus, Gladbach und Karlsruhe gar nicht froh über die drei Bielefelder Punkte sein. Köln, Stuttgart und noch ein paar Mittelfeld-Kröten dürfte es auch egal sein. Glücklich sind doch nur die paar Hoffenheimer, die Bayern eh und vielleicht noch BVB und S04, weil die eh immer auf Platz eins schielen.

    Und wer noch Sportschau guckt, der ist selbst schuld…

  8. Hoffenheimbasherbasher sind doch eh gegen alles.

  9. @ Saffti: gucken ist okay, der Ton, der nervt :-). Und was Hoffenheim angeht: die sollen schon alleine deshalb Meister werden, damit in der Regiooon und bei deren Bevölkerung endlich die Angeberei aufhört. Da bin ich für, von wegen gegen alles sein. Bin ich Groucho Marx?
    http://www.youtube.com/watch?v=0PY7N4iRgLQ

  10. Ich verstehe hier manche Argumentation nicht. Ist es nicht vollkommen egal, wie lange es einen Verein schon im Profifußball gibt oder wieviel Geld dem Verein zur Verfügung steht?
    Mir ist beim Fußball wichtig, dass die Fohlen gewinnen, naja, und dass ich schöne Spiele sehe. Inzwischen kann ich mich gar über Siege des FCB freuen, wenn es denn ein unterhaltsames Spielchen war.
    Argumentationen wie „Die sind nicht organisch gewachsen!“ haben m.E. wenig Substanz, dafür schwingt immer ein wenig Neid und Enttäuschung mit.

  11. Äh, ja, aber darum geht es doch gar nicht. Das ist hier kein Hoffenheim-Bashing-Beitrag. Muss ich das tatsächlich erklären? Es geht um Journalisten-/Aufbauschungsbeauftragte-Bashing. Ob jetzt der AC Milan oder von mir aus RC Lens lange oder kurz oder irgendwie auch immer Tabellenführer war: Man kann doch nicht einen Beitrag, eine Frage damit beginnen, dass die „ganze Bundesliga“ froh ist, dass irgendein xy Verein den Tabellenführer gestürzt hat. Diejenigen, die ihn gestürzt haben, kümmern sich doch, sofern nicht direkter Konkurrent, vor allem um ihr eigenes Punktekonto. Und die direkten Konkurrenten des Gewinners kümmern sich, siehe Kommentare hier, doch eher darum, wie viele oder wenige Punkte diese Mannschaft holt, da ist es doch für die dort Beteiligten völlig wurscht, was oben in der Tabelle passiert. Und dass man als Sportreporter diese Tatsache völlig ausblendet, ist hier der Kritikpunkt. Ob jetzt Hoffenheim oder Berlin oder Saarbrücken: Wenn der Tabellenführer „gestürzt“ wird, interessiert das doch nur jene Anhänger, die direkt im Tabellenumfeld beteiligt sind, den Rest nicht.

    So wenig Verständnis davon, wie Fußballfans, bzw. wie überhaupt eine Liga funktioniert, das ist das Thema hier. Es wird einfach ignoriert, dass die meisten der Fußballzuschauer einen eigenen Verein haben, der ihnen wichtiger ist als die Frage, wer jetzt Meister wird.

    Vollkommen unverständlich, wie man so grenzdebil fragen, argumentieren und auch sein kann. Weltfremd.

  12. Bei Hoffenheimverstehern in deren „Argumentation“ das Wort Neid auftaucht schalt ich auch immer gleich angewidert ab.
    Der Verein nervt einfach, man kann ihn nicht leiden und er muß weg. Ob das irgendwelche Hannebambel als politisch unkorrekt und nicht durchdacht ansehen interessiert mich einen Scheißdreck. Hier gehts um Fußball und nicht ums Ponyreiten.

  13. ich möchte eine lanze brechen: für den premiere kommentator des gestrigen hoffenheimer spiels in köln.

    nicht nur, dass er tatsächlich während der kompletten neunzig minuten nicht ein einziges mal behauptete, die hoffenheimer spielten zauberfussball – denn das war gestern eindeutig nicht der fall, was natürlich den kollegen von der sportschau nicht abhielt, gegenteiliges in den ewig gleichen phrasen zu behaupten,

    nein, er benutzte auch nicht ein einziges mal die propagandabezeichnung „1899″, sondern sagte stattdessen konsequent „die tsg“. es spricht bände über die berufsethik bundesdeutscher sportjournalisten, dass dieser mann eine einsame ausnahme ist.

    schade, dass ich seinen namen vergessen hab.

  14. @Da kann ich Dir etliche andere Vereine nennen, die ebenfalls „weg“ müssen. Vor allem diejenigen, welchen von meinen Steuergeldern ein Stadion, eine Infrastruktur oder Sonstiges spendiert wurde. Da stört mich Hoffenheim weniger als z.B. Kaiserslautern o.ä.

  15. Immer wieder lustig, sowohl die Reporter als auch Hoffenheim. Diese Intelligenz-Frage nach dem Spiel Bielefeld-Leverkusen (ja, ich habs sogar gesehen, wir haben ja am Freitag schon gespielt) reiht sich nahtlos ein in die gefürchteten knallharten Analysen wie den SAT.1-TED „Muss Bayern um den Titel fürchten?“ (nach dem 1. Spieltag) oder „Wollen Sie Meister werden?“ (Frage an Rangnick nach dem 6. Spieltag) ein. Und der Trainer hat völlig Recht, das ist ja nicht erst seit dieser Saison der Fall. Da möchte ich auch gerne wissen, welchen Beruf diese Herrschaften schwänzen, Journalist kanns auf jeden Fall nicht sein.

    Zum „Kunstprodukt“ Hoffenheim: davon hab ich komischerweise im letzten Jahr kaum etwas gelesen. Und aus der 2. Liga-Saison stammt nunmal ein Großteil des Kaders, der grad die Bundesliga aufmischt. Wenn die 10 fertige Nationalspieler gekauft hätten, wie Bayern dies zu tun pflegt, könnte ich das Genörgel ja noch verstehen…
    Erst nicht Ernst nehmen, dann jammern, so ist die Bundesliga halt. Ich find die lustig. Besonders wenn premiere nächstes Jahr Neukunden mit dem Hinweis werben muss, im Abo enthalten seien auch solche Champions-League-Kracher wie TSG Hoffenheim vs. Anorthosis Famagusta

    Ach ja, und Christoph Daum ist ein Dummkopf. Aber das war ja vorher schon bekannt.

  16. Schlimmer als die Sportschau ist aber das DSF.
    Gestern hatten Sie 45 Minuten Zeit, um ein überaus spannendes Nord Derby auseinander zu nehmen:
    Die Schwalbeneinlagen von Diego, die teilweise grotesk falschen Entscheidungen des Linienrichters, den Fehler von Jansen vor der Schwalbe von Diego vor dem Freistosstor, …

    All das habe ich nicht gesehen. Ich habe gefühlte 40 Minuten Werbung, 3 Minuten Olic und Wiese haben sich wieder lieb und 2 Minuten Spiel gesehen.

    Das ist keine Fussballübertragung, das ist Verarschung (*piep* für die Amis unter uns) des Fernsehpublikums.

  17. Ach toppi, den Euro möchte ich sehen, der von DEINEM Steuergeld ins Fritz-Walter Stadion, dessen Infrastruktur oder gar dessen Sonstigem geflossen ist… das ist Propaganda, die von Unverbesserlichen/-wissenden rund ums Deutsche Eck sowie aus der Wiesbadener Vorstadt neidvoll verbreitet wird…



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