Wimpernschläge der Zeitgeschichte

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Europapokalsieger der Landesmeister, Pokalsieger, deutscher Meister und auch einen Aufstieg in die erste Liga, das alles erreichte Thomas von Heesen. Da er aber die meiste Zeit seiner Karriere beim in den späten 1980ern und frühen 1990ern reichlich mäßig dahindümpelnden HSV verbrachte, kennt er auch die Schattenseiten seines Gewerbes. Und an dieser großen Lebenserfahrung lässt er uns in der Pressekonferenz nach dem verlorenen Pokalspiel beim SC Pfullendorf mit weisen Worten teilhaben: Manchmal scheint die Sonne, manchmal regnet es. Für seine Arminia Bielefeld regnete es an diesem Tag, doch letztlich sind das alles nur „Wimpernschläge der Zeitgeschichte“.

Wer viel Ausdauer mitbringt, hört auch noch folgendes Schmankerl: Eine Alternative für den Ausdruck „Zuschauer“ hat der Pfullendorfer Trainer parat — für ihn waren die Anwesenden bei dieser Pokalpartie „Zeitzeugen“. Ich war heute auch Zeitzeuge, wie sich eine müde Gestalt am Morgen ins Bad gequält hat.

Ich bin immer wieder erstaunt, an welch grotesker Selbstüberschätzung Fußballer leiden [1]. Ein Erstrundenpokalspiel im hintersten Pfullendorf endet mit einer Niederlage von Arminia Bielefeld (!) und die Beteiligten benutzen Vokabeln wie „Zeitgeschichte“ und „Zeitzeugen“, als wäre hier gerade der Westfälische Frieden ausgehandelt worden. Es ist ein Erstrundenpokalspiel, das schon zwei Monate später keinen mehr außer den Beteiligten Pfullendorfern interessiert. Und — so platt das klingen mag — nichts weiter.

[1] Wahrscheinlich gilt das aber für alle Menschen.

3 Kommentare

  1. „das schon zwei Monate später keinen mehr außer den Beteiligten Pfullendorfern interessiert“

    Ausser den Pfullendorfern, eben! Die quatschen da noch Jahre von. So gesehen dürfen die da m. E. auch mal verbal auf die Kacke hauen.

    Jedenfalls ist das ein YouTube-Perlchen, mit einem zwischen den Trainern sitzendem Hauptdarsteller. Man spürt richtig, wie er emotional zwischen Stolz über seine Pfullendorfer und Bewunderung gegenüber dem Ex-HSVer von Heesen pendelt. Toll.

  2. Da möchte ich anmerken, dass zumindest einen Monat später die Offenbacher Kickers und ihre Anhänger noch am Thema interessiert waren. Denn die fuhren im Oktober in der zweiten Runde nach Pfullendorf und gewannen das Zweit-Runden-Spiel. Das führte zu einem Sieg über Wacker Burghausen und der Viertelfinalbegegnung gegen Eintracht Frankfurt, worüber dann wieder die halbe Welt geredet hat – von wegen Derby und so. Das Räderwerk der Geschichte…. Pfullendorf hatte eben doch seine pfulligen Finger drin.

  3. Um einen Wimpernschlag der Zeitgeschichte zu einem epochalen Eckdatum zu machen bedarf es lediglich Turbopowerbooster-2-Phasen-Wimpern-Enhancer, egal wo.



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