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Monat: November 2005

We love Spelunken

Als bekennender Hasser von überflüssigen Anglizismen bin ich mal wieder fündig geworden. Von mir aus kann man gerne einen Computer einen Computer nennen oder ein WLAN ein WLAN, man darf auch aus historischen Gründen zu einem Foulspiel „Foul“ sagen.

Das Kneipenfest anlässlich des „final draw“ (Gruppenauslosung) der WM in Leipzig heißt aber

Honky-Tonk-Kneipenfest

Dann mach ich demnächst auch ein Kneipen-Kneipenfest. Oder was soll sonst eine Spelunke sein? Eine Spelunke ist doch wohl eine Kneipe, wenn auch der übleren Art, aber der Oberbegriff ist „Kneipe“. Und Honky-Tonk bedeutet nun mal Spelunke.

Und dass die Leipziger ganz begeistert sind, dass sie zu einem „Honky-Tonk“-Festival gehen, wundert mich auch nicht: weil mal wieder keine Sau weiß, was es bedeutet. Wer von denen (ich spreche ja nicht von mir) würde schon freiwillig in eine Spelunke einkehren?

C‘mon, Honky-Tonk.

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Burmesische Orchideenwiesen

Der Erfinder des Slogans der Fußball-WM, Andre Heller, spricht beim Tagesspiegel folgendermaßen:

„Ich bin sozusagen von Beruf eine ständige Reise, sogar mein italienischer Wohnsitz ist eine Art Reise. Da kann man in einer burmesischen Orchideenwiese spazieren oder zwischen Baumfarnen aus Neuseeland, in einem Stück Amazonasvegetation oder zwischen Pflanzen des Atlasgebirges. Ich bin der Ansicht, dass Touristen Eignungsprüfungen machen sollten, ehe sie in ein Land einreisen dürfen. Sie sollten nachweisen, dass sie den nötigen Grundrespekt gegenüber kulturellen Zwischentönen und der Qualität des Fremden besitzen.“

Darf man sich bei so viel Sermon noch wundern, dass „Die Welt zu Gast bei Freunden“ aus so einem Hirn entspringt? Offensichtlich ist es normal, dass man gerade bei einer Fußball-WM Leute aus der Mottenkiste holt, die sowas wie Weltstars darstellen sollen, und dann dürfen sie drauflos fuhrwerken, ohne dass sie auch nur im geringsten etwas mit Fußball zu tun haben.

Erbärmlich.

Ich bin übrigens gespannt auf den „offiziellen“ WM-Song, der wohl wieder von irgendeinem Arsch oder einer Ärschin aus Nordamerika präsentiert wird, die dann noch dazu die Dreistheit besitzt, in die Kameras zu flöten, dass sie ja „überhaupt nichts von Fußball“ verstehe.

Mir wird schlecht.

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Wer wird Millionär?

Ein wirklich unterhaltsames Quizspiel im Stile von „Wer wird Millionär?“ gibt es bei der Lufthansa zu spielen. Quizmaster kann natürlich kein Geringerer als die Eminenz des deutschen Fußballs sein: Günter Netzer. Und die Fragen sind wirklich was für Experten, ich habe noch keine imaginäre Million geschafft.

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Wenn ein Dummschwätzer eine Reise tut (I)

„In der Öffentlichkeit wird er es wohl nicht tragen.“

sagte der Dummschwätzer bei der Überreichung eines Trikots der deutschen Nationalmannschaft an den Kronprinzen der Niederlande.

Der Dummschwätzer ist zu seinen Reisen gestartet, bei denen er alle 31 WM-Teilnehmer besuchen will. Haben wir also erst mal Ruhe vor ihm?

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Subbuteo

Mehr als dieses Wort braucht es nicht, um die Augen eines jeden Infizierten von damals leuchten zu lassen.

[Link zum Bild leider tot.]

Ich melde mich dann mal für die nächsten paar Stunden ab.

Faszinierend…

[2h später]
Ich spiele immer noch. Davon kommt man nicht so schnell los. Und ich habe es immer noch nicht geschafft, mehr als 2 Bälle in einer Minute zu versenken. Grandios.

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final draw

Die Auslosung der Gruppen wird von Sport Bild den Unaussprechlichen und yahoo.com als

„final draw“

angekündigt. Nach dieser Auslosung am 9. Dezember wird nie wieder irgendwo auf der Welt eine Auslosung stattfinden. Und der Weltmeister steht dann auch schon fest. Es wird auch schon ausgelost, wer bei Punkt- und Torgleichheit in der Vorrunde weiterkommt. Und wer Kanzlerin Merkel beerben wird. Und wer als letzter das Licht ausmacht im Universum.

Hoffentlich ich.

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Fußballgott

Hier geht’s nicht um Manni Burgsmüller, Jürgen Kohler oder Tobias Lischka.

Hier ist die Bezeichnung wörtlich gemeint. Fußballprofis und Gott. Was hat das miteinander zu tun?

Genau.

Nix.

Trotzdem wird auf dieser lustigen Seite versucht, irgendeine Parallele, eine Verbindung zwischen Fußballprofis und Gott zu zu finden. Bemüht, aber erfolglos.

Gequirlte Scheiße tritt uns entgegen, wenn Lucio Gott dafür dankt, dass er in zwei so tollen Fußballmannschaften mitspielen darf. Könnte es vielleicht daran liegen, dass er so ein guter Fußballer ist?

Marcelo Bordon fragt sich auf dieser Seite: „Warum hab ich denn eigentlich dafür gebetet, wenn es doch trotzdem nichts bringt?“ und meint damit den Sieg seines Teams. Nun, lieber Marcelo, wie Dir vielleicht aufgefallen sein mag, gibt es mehr als 11 Menschen auf diesem Planeten. Sonst könntest Du auch nicht Fußball spielen. Denn dafür braucht man 22, eher 25 Menschen. Und vielleicht hat einer von den anderen 11 Menschen auch gebetet, das hat sich dann aufgehoben und deshalb ging das Spiel Remis aus. Vielleicht hat sogar noch ein zweiter von den Jungs gebetet – und deshalb habt ihr gar verloren.

Vielleicht ist es aber so, dass weder Beten noch Religion irgendetwas mit Fußball zu tun haben. Traurig, wie hier krampfhaft versucht wird, Gott (den christlichen, es gibt ja auch noch ein paar andere, auch wenn das wiederum der christliche eigentlich nicht erlaubt hatte, der war aber zuvor noch ein jüdischer, deshalb wissen wir da auch nicht so genau, ob er jetzt der eine Gott ist oder ob es da doch noch andere, vielleicht, man munkelt noch) mit Fußball in Verbindung zu bringen, wo einfach keine Verbindung zu finden ist.

Religion an sich ist ja ohnehin schon eine Krux der Menschheit. Eine überpauschalisierte, sektenmäßig anmutende Verbindung von Religion und Fußball ist erst recht nicht mehr zu ertragen.

Und passend dazu zitiere ich Umberto Eco:

„Der Fußball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit. Er ist heute das wirkliche Opium des Volkes.“

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Dank Panini habe ich lesen gelernt!

„Dank Panini habe ich lesen gelernt!“

Mit diesem debilen Spruch wirbt Christoph Metzelder für das Panini-Sammelalbum in einer Sonderbeilage der Bild am Nichteinkaufstag.

Was soll uns das jetzt sagen? Wenn wir Panini-Sammelalben kaufen und die Sticker dazu, lernen wir auch lesen? Oder falls wir nicht lesen können, dass wir dann doch bitte Panini-Sammelalben kaufen sollen? Falls wir aber nicht lesen können, können wir auch diese Werbung nicht lesen.

Versteh ich nicht.

In der selben Werbung wird auch Norbert Meier zitiert, dass er immer noch Fanpost mit den Bildchen von damals bekomme. „Mensch, wie wir damals ausgesehen haben.“

Ja, Mensch Meier!

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Schwytzerdütsch

Ich kann zwar nicht so richtig süddeutsch bis schwytzerdütsch, aber für dieses T-Shirt reicht es noch. Ob ich das wirklich lustig finden soll, weiß ich nicht.

Aber vielleicht weiß es ja die Diskussion in den Kommentaren.

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Von Üüüültje

Kennt jemand noch die Pautz-Prügelklamotte von Lycos? Immer neue Waffen, immer neue Tricks, um sich per Email in nem schönen Flash-Spielchen auf die Glocke zu hauen. Stundenlang konnte man so seinen Aggressionen freien Lauf lassen.

Sowas Ähnliches gibt es jetzt unter www.der-grosse-kick.de als Duell zwischen Elfmeterschütze und Torwart. Es gibt sogar ein Auto zu gewinnen. Natürlich ist jede Menge Werbung in dem Spiel. Und auf meinem angeblich schnellsten Rechner des ganzen Unternehmens läuft das Spiel auch arschlangsam. Aber Spaß macht es.

Zack! – verwandelt.

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Zidane ist Boris Becker (und ein bißchen Steffi Graf)

Oh, Heribert, wie lieben wir Dich. Von dem Karnevalisten Faßbender stammt folgendes Bonmot:

„Fußball ist in Frankreich Volkssport Nr. 1 — Handball übrigens auch.“

Das stimmt aber gar nicht. Fußball ist in Deutschland Volkssport Nr. 1 und in Brasilien, vielleicht gerade noch in den Niederlanden, England und Italien. Alle anderen Nationen haben mindestens eine ebenso populäre Sportart im großen Länderführer von Baedeker vorzuweisen.

In Frankreich ist es neben der Leichtathletik der Radsport. Und Fußball ist für Franzosen nur interessant, wenn die Jungs was gewinnen. Vergleichbar mit Tennis in Deutschland. In einer Stadt wie Paris mit ihren 10 Millionen Einwohnern gehen zu einem Ligaspiel vom einzigen Pariser Erstligaclub Paris St. Germain weniger als 40.000 Zuschauer im Schnitt. Die gewinnen nämlich nix. Der letzte Meistertitel stammt von 1994, insgesamt waren es überhaupt nur zwei seit 1945.

Die Franzosen sind bei der WM dabei. Mit Mühe und Not, fast schon auf deutsche Art, qualifizierten sie sich für das Turnier in Doitschlondeh. Aber was wollen die Franzosen überhaupt bei der WM? Hier guckt doch auch niemand Wimbledon, seit kein Deutscher mehr dort was gewinnen kann. Zidane ist über seinen Zenit hinaus, bewegt sich teilweise schon wie ein alter Mann, sieht wie einer aus und verliert mit Madrid Spiel um Spiel. Nicht besser werden sich die Franzosen bei der WM insgesamt präsentieren.

Wenn er abgetreten ist und die Franzosen auf Normalmaß gestutzt worden sind, wird in Frankreich kein Hahn mehr nach den „Bleus“ krähen. Wie hier im Tennis.

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Blau und Grün, wie lieb ick Dir

Blau und Grün werden die WM-Farben der Stadt Berlin sein.

Jede Stadt bekommt neben einem eigenen WM-Poster auch noch eigene WM-Farben. Das heißt, es gibt keine einheitliche Erkennungsfarbe (die dann wahrscheinlich Magenta wäre) für alle Veranstaltungen der WM. Wer also eine dieser Teamserien gekauft aus der Lottoziehung erhalten hat und seiner bevorzugten Mannschaft quer durch die Republik hinterherreist, muss an jedem Ort nach anderen Farben suchen, um auf WM-Bezogenes aufmerksam zu werden.

Das ist clever, denn einheitliches Design all dessen, was mit WM zu tun hat, wäre ja langweilig. Genauso wie ein einfaches System bei der Ticketvergabe zu einfach gewesen wäre. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Laut Berliner Stadtvertretern sollen die Farben zusammen mit anderen Aktionen dann das „City Dressing“ der Stadt bilden. Ich dachte, in Berlin ist das Dressing obligatorisch Currysoße? Seit wann ist Curry blau und grün? Echte Currysoße ist natürlich gelb. Gelb aber ist die Farbe von der BVG, und die hat schon angekündigt, dass sie bei dem Schmarrn, Entschuldigung, Unsinn nicht mitmacht. Zwar werden Flughäfen, U- und S-Bahnstationen mit Plakaten in diesen Farben ausgestattet. Die großen kommunalen Betriebe in Berlin wie das Verkehrsunternehmen BVG, die Straßenreinigung und die meisten anderen machen aber nicht mit: kein Geld. Wäre wohl niemandem zu vermitteln, dass man für eine farbliche Gestaltung von Mülleimern im WM-Look Leute auf die Straße setzen muss.

La Ola ist bei all diesen Aktionen übrigens das Motiv. Das ist so, weil man in Deutschland schon seit 30 Jahren unter einem kulturellen Minderwertigkeitskomplex leidet. Das WM-Maskottchen ist ein Tier aus Afrika mit einem englischen Namen. Und jetzt nimmt man als Symbol für die Städte etwas, was aus Spanien stammt und auch so heißt, wie die Spanier reden: spanisch.

La Ola also.

Mir wären auf Anhieb 5 Sachen eingefallen, die wesentlich besser gepasst hätten:

  • das Dosenpfandsymbol
  • das LKW-Mautsymbol
  • das Böklunder-Logo
  • Otto Schily (ist nicht mehr dabei, sein Geist aber wird durch jede Einlasskontrolle wehen)
  • das Köttelhaufensymbol von ‚Du bist Deutschland‘

Warum kann in diesem Gott (weiß man nicht) Goethe verlassenen Land niemand auch nur ein einziges Mal ein Wort für irgendwas in der eigenen Sprache verwenden? Wenigstens könnte man Dinge als Logos und Symbole und Bezeichnungen verwenden, die hier wirklich existieren.

Klar, la Ola gibt es auch hier. Endet aber immer an der Haupttribüne. Typisch deutsch wäre, die drei lachenden Fratzen auf dem WM-Plakat „Arschloch“, „Wichser“ und „Hurensohn“ zu nennen.

2 Kommentare

Nur nicht normal

Normal, nee, das geht nicht.

Nicht beim FC St. Pauli. Der verlost die vom DFB erhaltenen WM-Karten unter seinen Fans nicht einfach so. Nee, da muss man schon was Besonderes leisten. Die Bedingungen sind auf dieser Seite nachzulesen und es finden sich so illustre Sachen darunter wie:

- die Aufstellung vom Spiel gegen den FC Homburg im Jahr 1995 aufsagen können oder
- eine Eintrittskarte vom Auswärtsspiel in Nürnberg aus dem Jahr 2001 vorweisen können.

Ich mag das, wenn es nicht einfach heißt: Name und Adresse in den Topf und gut ist. Auch wenn es zu nicht geringen Anteilen ein Klischee ist: hier ist der FC St. Pauli mal wieder anders.

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