Den Namen nicht wert

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Angeblich soll im amerikanischen Fußball wieder eine Frauen-Profiliga eingeführt werden. Man kennt die Größenordnungen, in denen da gespielt werden soll, aus der NFL Europe (das ist der europäische Ableger der NFL, also der Football-Liga, nicht zu verwechseln mit der Bundesliga des American Football). Da spielen ganze sechs Mannschaftchen eine Saison. Beim Football gibt es komischerweise dieses Verständnis der meisten Mannschaftssportarten nicht, dass man für einen fairen Vergleich ein Heim- und ein Auswärtsspiel durchführen sollte, was u. a., aber nicht nur, am seltenen Auftreten von Remis bei den in den USA populären Sportarten liegen könnte.

Ein Heimspiel, ein Auswärtsspiel, das gibt es normalerweise im Fußball in einer Liga als auch in den meisten Pokalwettbewerben. Die neue Frauen-Profiliga soll nun sechs (in Worten: 6) Teams umfassen. Das wird eine lange Saison und man darf sich zurecht fragen, ob den Spielerinnen da angesichts ihres ohnehin schon viel zu vollen Terminkalenders mit internationalen Begegnungen, Länder- und Freundschaftsspielen nicht das entscheidende Bißchen zu viel abverlangt wird. Zehn Spiele in einem Jahr, dazu kommt nach amerikanischem Muster wahrscheinlich noch eine Playoff-Runde der besten acht dieser sechs Mannschaften: Ich glaube nicht, dass das jemand länger als zwei Saisons durchhält, ganz abgesehen von der Terminhatz, die ja auch den Frauenfußball-Fan in den USA nicht unberührt lassen wird. Heute ein Spiel, und zwei Monate später schon wieder das nächste Spiel.

3 Kommentare

  1. Viel alberner is doch das, was im Eishockey hierzulande passiert. Weil sich Eishockey in Deutschland anscheinend nicht in einer vernuenftigen Liga rentiert, spielen 14 Teams jeweils 4 mal gegeneinander um 10 Playoff-Plaetze. Macht 364 Spiele um eine gute Ausgangsposition. Aua!

  2. Ich bin weit davon entfernt, jeden Unsinn in den USA zu verteidigen. Zwei Anmerkungen: Was die Frauenfußballer in den USA probieren, kommt so was von auf Krücken daher. Interessant: Es wird erstmals eine engere Zusammenarbeit mit der Männerliga (MLS) geben. Zwei Verwundete auf dem Weg ins Lazarett, die sich gegenseitig stützen?
    Football hat seine eigenen Traditionen. Die Profis brauchten mit ihrer NFL rund 30 Jahre, bis sie im Vergleich zu den College-Footballspielern überhaupt ernst genommen wurden. In der Zeit spielte man mehr unter dem Banner des „Barnstorming“ – wie das reisende Volk vom Zirkus – um das eigene Angebot zu popularisieren. Dazu kamen andere Probleme: Die Saison ging schon immer nur von Spätsommer bis Frühwinter. So viele Sonntage gibt es da nicht. 1950 mit 13 Clubs hatte jede Mannschaft 12 Spiele auf dem Programm. Jeder gegen jeden. Heute – mit 32 Mannschaften – gibt es 16 Spiele (und einen wirren Modus, den man hier gar nicht erklären kann). Was man allerdings akzeptieren muss: Alle Spiele in all diesen riesigen Stadien sind ausverkauft. Das Fernsehen überträgt nur limitiert (wer mehr sehen will, braucht eine Schüssel und zahlt extra an die Liga). Unterm Strich: die NFL ist die Geldmaschine schlechthin im Ligasport. Irgendetwas machen die richtig.

  3. Okay, bei einer Liga mit 13 Clubs machen zwölf Spieltage natürlich einigermaßen Sinn. Und dass ich des Öfteren schon – besonders zu Zeiten der zusätzlichen Zwischenrunde in der Champions League – zur Gestaltung des NFL-Terminkalenders rübergelugt habe, will ich nicht verhehlen. Selbst als hart gesottenem Fußballfan bzw. -interessiertem wird es mir immer wieder zu viel, den altbekannten Rhythmus abzugrasen: Freitag, zweite Liga; Samstag, erste Liga; Sonntag erste und zweite Liga; Montag, zweite Liga; Dienstag und Mittwoch CL und Donnerstag UEFA-Cup. Wer soll das ernsthaft alles gucken, wenn dann noch dazu alle zwei Jahre eine EM oder WM ist, und dabei nicht irgendwann den Appetit verlieren? Ein wenig mehr Verknappung á la NFL wäre in den richtigen Momenten angebracht. Wahrscheinlich ist jeder hier inzwischen ähnlich gelangweilt wie ich vom x-ten Aufeinandertreffen von Real und Bayern in den letzten Jahren.

    Andererseits hat eben der Football seine Traditionen, ich möchte angesichts der auf mich tatsächlich immer äußerst suspekt wirkenden Tabellen und Spielsysteme aber gar nicht nörgeln, das ist dann eben Teil dieser Traditionen und natürlich wäre auch für jede andere Sportart alles andere möglich und in vielen Teilen auch durchsetzbar.

    In so einem riesigen Land wie den USA eine Liga mit sechs Teams anzusetzen, gleicht aber eher den Schulhofturnieren von Klasse 4a-4d, bei denen dann auch immer spätestens ab dem Halbfinale dieselben Mannschaften aufeinander trafen: schmeckt ein bißchen nach Liga, ist aber keine.



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