Dortmund hat die besten Fans der Welt

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Naja, … die besten Fans der Bundesliga jedenfalls.

Ihr werdet es nicht glauben wollen, so Ihr keine Dortmund-Fans seid, aber so ist die Sachlage, belegt mittels harter Fakten, Fakten, Fakten. Wobei Fans in diesem Zusammenhang auch Anhänger meint oder auch Menschen mit Affinität zum Club oder auch schlicht Zuschauer. Die besten Fans der Liga sitzen, pardon, sitzen und stehen also in Dortmund, sagt ein gewisser Dr. Stollenwerk (sic!), und der muss es wissen, denn er hat diese Fans befragt.

Wir sprechen dabei über ein heißes Thema, das noch viel wichtiger ist als all die Promille-Pyros und Gesängesinger oder zuletzt eben Gesängenichtmehrsinger.

Wir sprechen von fürchterlichen Vor-, Mittel- und Nachprogrammen, durch die Vereine selbst in ihren Stadien veranstaltet, gruselig in ihrer Ausprägung, Programme, die kein Mensch bei einem Fußballspiel braucht, da sind wir uns wieder einig.

Braucht kein Mensch. Nicht wahr?

Weit gefehlt — die Zustimmungsrate zu dem hier als eigentlich überall verhasst eingeschätzten Hokuspokus mit Sinnesfoltergarantie geht durch die Decke. Dein Nebenmann im Stadion könnte nicht nur ein Befürworter von debilen Gewinnspielen, Audiowerbung und Fanelfmeterschießen sein — er ist es sogar mit großer Wahrscheinlichkeit.

Die Zustimmungsraten für diesen Popanz, jedes gesunde Gehirn beleidigenden Auswüchse verirrter, ja, teutonischer Geschmackslosigkeitskultur gehen — so sieht die traurige Realität aus, die Reinhold Beckmann einst rief — an allen Bundesligastandorten durch die Decke.

Außer eben in Dortmund.

Das ganze Nebenbrimborium wollen viele Dortmunder nicht. In anderen Stadien möchten die Zuschauer unterhaltende Rahmenprogramme haben. Meist zu über 80 Prozent. In Dortmund ist es weniger als die Hälfte. Dort ist Fußball pur angesagt.

18 Kommentare

  1. Es wurden doch jeweils nur Fans zu ihrem eigenen Verein befragt, oder? Stützt eher meine These, dass Dortmund die unreflektiertesten Fans der Welt hat.

  2. Ich fand noch eine andere Zahl bemerkenswert: »Die Hälfte der Stadionbesucher hat in unseren Befragungen gesagt: Wenn Borussia verliert, bin ich den Rest des Tages schlecht gelaunt. Das ist der höchste Wert, den wir bisher in Stadien der 1. und 2. Fußballbundesliga festgestellt haben.«

    Ich vermute, die Schnittmenge mit jenen, die auf das »Nebenbrimborium« verzichten können, ist ziemlich groß. Anders gesagt: Die meisten BVB-Fans, die keine Lust auf den Hokuspokus drumherum haben, bekommen auch schlechte Laune, wenn die Borussia verliert.

    Wenn 50 Prozent aber der höchste Wert sind, muss man wohl zumindest für die 1. und 2. Bundesliga konstatieren, dass Bill Shankly Unrecht hatte (oder heute nicht mehr Recht hat). Erschütternd.

  3. Euch ist aber schon aufgefallen, dass das Interview 4 Jahre alt ist?

  4. @Jannik:
    Das bezieht sich jetzt aber nicht auf die Ablehnung eines Rahmenprogramms, oder verstehe ich da was nicht?

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  6. Jannik, Deinen Einwurf verstehe ich auch nicht ganz.

    Vio, ja, mir schon, aber das ist ja noch die selbe Epoche wie jetzt, würde ich sagen.

    Lizas Welt, das ist fürwahr betrüblich und noch ein anderes Lowlight dieser Ergebnisse.

  7. Auch Fortuna-Fans mögen das Drumherum nicht. Zumindest schreibt hier einer anschaulich von seiner Angenervtheit im Mainzer Stadion.

    http://www.sportsaal.de/2012/10/07/stimmung-vom-band-und-die-lauteste-haupttribune-der-welt-arme-arme-mainzer-fankultur-ein-ernuchterter-erlebnisbericht/

    Vor ein paar Jahren war ich ein paar Mal bei beim Football bei Rheinfire im Düsseldorfer Rheinstadion. Da herrschte eine Lautstärke, die jenseits des erträglichen war, und wo permanent auf irgendeinen Sponsor oder ein Gewinnspiel oder eine Aktion hingewiesen wurde.

    Bei der Fortuna gibt es nach meiner Einschätzung sehr wenig drumherum. In der Halbzeit-Pause gibt es ein Spiel für Zuschauer auf dem Rasen, was aber nicht aufdringlich angepriesen wird.

  8. Ab und an eine Aktion dieses „Nebenbrimboriums“ finde ich ja noch okay, aber wenn man damit zugemüllt wird, argh…

  9. Das „Steilpass“-Spiel in der Halbzeitpause gibt es bei Fortuna seit dieser Saison nicht mehr. Dafür bemüht man sich, einen halbwegs harmlosen Typen in lustigen Klamotten in Halbzeit 1 zu identifizieren, den man dann auf dem Rasen als Fan des Tages vorführen kann. Erschütternd. Gut, dass die eher nie im Oberrang der Haupttribüne nachschauen :-)

    Ansonsten ist es bei Fortuna wirklich noch moderat. Was zu einem guten Teil an den Stadionsprechern und dem Stadion-DJ liegt, wenn ich mir so angucke, was einem anderswo um die Ohren geblasen wird. Mainz war schon erschütternd, das wirkliche Grauen in dieser Beziehung ist aber aktuell zum Glück eine Liga entfernt – nur, wer schon mal ein Heimspiel beim SC Paderborn mitgemacht hat, weiß, was ein wahres Nebenbrimborium ist. Da können die Dortmunder gar nicht mitreden ;-)

  10. Okay, ich habe nicht auf das Datum geachtet, war nur letztens im Stadion, als die BVB-Fans irgendeinen Sport-Bild-Award bekommen haben. Mir fällt die genaue Bezeichnung nicht mehr ein, aber es ging so in die Richtung „Gaben ihrem eigenen Verein die besten Noten“.

    Vielleicht kenne ich auch zu viele BVB-Fans, auf die der böse Begriff „Erfolgsfan“ zutreffen würde, und reagiere deshalb so gereizt auf das Thema „Die tollsten Fans der Welt“. Diese Leute waren 2008 definitiv noch nicht Teil der Umfrage, auf die sich das Interview bezieht.

    Unreflektiertheit könnte man auch mit Kritikunfähigkeit ersetzen und hätte den gestrigen Klopp gleich als lebenden Beweis.

  11. PS: Auf dem iPhone ist das Datum bei mir nicht sichtbar.;)

  12. Pingback: Pottblog

  13. Jannik, Du bist doch nur unzufrieden, weil Gladbach seine Topplatzierung verloren hat! So!

    Ernsthaft: Die letzte Veröffentlichung der Projektergebnisse scheint aus dem Jahr 2006 zu stammen (was ich nicht so recht glauben kann), noch dazu mit Daten, die zum Teil schon an die 10 Jahre alt waren.

    Dort [Link dorthin leider tot, d. Red.] heißt es u.a.:

    Für die deutschen Fans, die 1998 die
    Reise zur WM nach Frankreich angetreten haben,
    und die Fans von Cottbus und Mönchengladbach
    hat der Fußball den höchsten Stellenwert im Spektrum
    der befragten Publika. Dort konnten sich jeweils
    rund zwei Drittel der „Sympathisanten“ beziehungsweise
    der „Fans“ des Heimteams ein Leben
    ohne Fußball nicht vorstellen.

    Ein Fan verarbeitet eine
    Niederlage vergleichsweise leicht, der andere
    zeigt negative Emotionen Marke „ganztägige Übellaunigkeit“.
    Ein besonders hohes Maß an ganztägiger
    schlechter Laune nach einer Niederlage ihres
    Teams offenbaren die Mönchengladbacher, die
    Düsseldorfer und vor allem die Cottbusser Anhänger.

  14. Wozu dieses randprogramm wichtig ist, hab ich in den USA bei nem Basketball Match und in Canada bei nem Eishockey Match gesehen: das ist dauerhaftes Entertainment zur Ablenkung, keine Atempause, damit man nicht merkt wieviel essen man sich da wieder reinhaut. Voraussetzung dafür: leicht erreichbare Buden! Und genau das ist im Westfalenstadion nicht der fall, denn wer zur halbzeitpause was zu essen und trinken holen will, der ist gut und gerne 20 min unterwegs da. Da hilft auch nicht der sogenannte Stadiondeckel, also das bargeldlose zahlen im Stadion.

    Also Glück im Unglück für Dortmunder.

    Allerdings ist die Show die ich letztens in Barcelonas Stadion zur pause gesehen habe auch nur schrecklich… 10 Menschen die die katalanische Fahne in den Mittelkreis tragen und 10 Minuten lang Drumherum tanzen… Da isses mir lieber 15 Minuten das McDonald’s Torwandschießen der Minis aus Castrop-Rauxel zu sehen als ne bescheuerte unabhängigkeitspropaganda…

  15. NEIN. (Bezug: Artikeltitel)

  16. Da hast Du mich ja schnell Lügen gestraft, heinz. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, das pdf länger zu lesen (was ich vorhabe, obwohl die Datei mit dem Wort „Fubapublikum“ beginnt), vertraue Dir aber, dass Du richtig gelesen hast.

    Womit die Daten dann ja tatsächlich aus einer anderen Zeit stammten. Die Grenzziehung wäre da natürlich schwierig, aber alles vor der WM 2006 spricht doch von anderen Verhältnissen (sage ich).

    Dass die Cottbusser auch bei den besonders Trauernden dabei sind, verleitet zu diversen Annahmen, die aber nichts als solche wären.

    Zu Beginn des pdfs ist jedenfalls von einer ursprünglichen Bedeutung des Worts „Fan“ die Rede, die mir nicht bekannt war. Interessant, wie sicher auch der Rest.

  17. Eigentlich finde ich gar nicht, dass ich Dich Lügen gestraft habe. Die Angaben, die der Wissenschaftler der „Welt“ gegenüber machte, beruhen ja offensichtlich auf einer anderen Datenbasis als der verlinkte Artikel aus der Hochschulzeitschrift, in dem Dortmund überhaupt nicht vorkommt.

    Wir können nicht ausschließen, dass sich Dr. Stollenwerk im Gespräch mit der Welt auf (im Jahr 2008) hochaktuelle Daten bezog.

    Daher auch mein voriger Hinweis, dass zwar die letzte zugängliche Veröffentlichung aus dem Jahr 2006 stammt; das Projekt lief aber noch weiter. Wieso anscheinend keine weiteren Publikationen entstanden sind, kann ich nicht beurteilen.

  18. Gut, dann hab ich Dich falsch verstanden. Und sag erstmal nix weiter, bevor ich es nicht konsumiert habe.



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