Friedhelm Funkels nicht ganz astreine Gedanken zur Fairness im Fußball

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Unbemerkt von der großen Fußballwelt hat sich gestern bei der Partie Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue etwas ereignet, was Aachens Trainer (jawollja) Friedhelm Funkel zum Anlass nahm, mal aus seinen Kleidern zu steigen und für alle ganz anschaulich zu definieren, wie man mit großem Sportsgeist vorangeht und Fairplay demonstrieren sollte.

Was war passiert? (Ich liebe diese Boulevard’sche Weiterleitung, die nur dazu dient, weiterzuleiten, aber sonst nichts.)

Erzgebirge Aue erzielte auf dem neuen Tivoli den Ausgleich, nachdem ein leibeigener, also ein heimischer Balljunge extrem schnell mitgedacht und gehandelt hatte.

Nach einem Befreiungsschlag ins Seitenaus war der Ball noch in der Luft, als ein Balljunge durchaus eilfertig ein Spielgerät an die Gäste weiterreichte.

Ein Ding der Unmöglichkeit, findet jener Mann, von dem wir hier annahmen, er sei noch nach altem Schrot und Korn, so sieht er jedenfalls aus, und würde demgemäß auch echtes Fairplay im Stil eines Gentlemans jenem unwürdigen Tricksen und Betuppen an den kleinen Stellschrauben, an denen man als Heimmannschaft überhaupt drehen kann, jederzeit vorziehen.

Weit gefehlt.

Friedhelm Funkel ist zwar nach altem Schrot und Korn, allerdings eben kein Sportsmann dieser Couleur, sondern einer dieser kleinen, miesepetrigen, irgendwie übel aufstoßenden Vorteilserheischer, bei denen einzig das sichere Wissen Trost spendet, dass dieser Mensch in nur wenigen Jahren ausgiebig über dem Höllenfeuer geschmort werden wird. Denn wie bewertete Friedhelm Funkel die Aktion des durchaus staatsmännisch fair handelnden Balljungen?

„Das habe ich so in vielen Jahren auch noch nicht erlebt“, staunte Trainer Friedhelm Funkel, der am Samstag 58 Jahre alt wurde. „Als Balljunge einer Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel verzögern.“

17 Kommentare

  1. Ich erinnere mich spontan an ein Spiel meines VfL in Uerdingen, wo ein Balljunge (bei Führung der heimischen Bayer-Mannschaft) den Spielball mehrfach gegen die Bande schoss und erst dann dem Bochumer Torhüter, der schnell einen Abstoss machen wollte, zurollte. Zu der Zeit gab es a) noch Laufbahnen um das Spielfeld, b) nur ca. zwei Balljungen hinter den Toren und c) nur einen Spiel- und keine Ersatzbälle. den Balljungen wollten die Bochumer-Fans daraufhin vierteilen.

  2. Für solche Aussagen sollte die DFL / der DFB ruhig auch mal eine Geldstrafe verhängen dürfen.
    Sowas zieht sich durch bis in die untersten Ligen und ist leider ein deutliches Beispiel der mittlerweile eingebürgerten Unfairness im modernen Fussball.

  3. „Als Balljunge einer Heimmannschaft, die führt, muss man das Spiel verzögern.“

    Ich sehe es ähnlich wie Ben. Das ist grobes unsportliches Verhalten neben dem Platz… und für mich eine untragbare Aussage.

    Was hat sich Aachen nur mit diesem Trainer angetan.

  4. Nach seinem Rumpelstilzchen-Tanz in der Relegation, als fünf Sekunden nach Ablauf der Nachspielzeit noch ein Einwurf ausgeführt wurde, hab‘ ich sowieso meine Meinung zu Friedhelm Funkel. Damals dachte ich nur, mit den Regeln hat er es nicht so drauf. Jetzt ist da anscheinend etwas anderes bei ihm schief gelaufen.

  5. Ach, in der 64. Minute ist der Ausgleich schon gefallen?

  6. Große Tat des Balljungen. Und eine Lanze für die Erzgebirgler. Was die mit knapp 20 000 Einwohnern inmitten einer weitgehend deindustrialisierten Region ohne Großsponsor auf die Beine stellen, ist aller Ehren wert.

    PS.: Trainer, auch östlich des Ruhrgebiets wird Fußball gelebt. Könnte hier ruhig öfter mal vorkommen.

  7. @FF: Lieber ne Spitzhacke, als ne Lanze für die lila Truppe brechen :-)

  8. Auch ich schließe mich der Ansicht an, dass die DFL nach ihren Regeln hier eine Sanktion verhängen muss. Denn das ist ein Paradebeispiel für eine grob unsportliche Äußerung.

    Bemerkenswerter finde ich aber, dass das vielleicht die peinlichste Bemerkung ist, die ich im Fussball gehört habe. Und wenn das tausendmal alle denken und auch alle machen. So sehr kann man seine Klappe doch gar nicht nicht im Griff haben.

  9. friedhelm und garfunkel

    frisur wie topf, das bein recht rau
    rasieren? nur im dunkeln
    der sechser spielt den pass genau:
    die augen friedhelms funkeln

    es geht der fußball-philosoph
    zum machen in den keller
    in bochum jagt man ihn vom hof
    die zukunft dort? nicht heller

    nicht mal van gaal kommt an ihn ran
    er lässt den fußball feiern
    ein vorschlag: holt den guten mann
    statt heynckes zu den bayern

  10. Pingback: Anonymous

  11. Friedhelm Eff. Immer auf der Suche nach dem Grund seiner Erfolgsstory.

  12. >Große Tat des Balljungen. Und eine Lanze für die Erzgebirgler. Was die mit knapp 20 000 Einwohnern inmitten einer weitgehend deindustrialisierten Region ohne Großsponsor auf die Beine stellen, ist aller Ehren wert.

    Schon mal die Leonhardt Gruppe gegooglet?

    Zu Friedhelm Funkel nur soviel: nachdem ich am Wochenende sehen konnte, was der VfL Bochum hätte leisten können (und wo er jetzt stehen könnte), wenn der Trainer zu Beginn der Saison nicht Friedhelm Funkel geheißen hätte, ist mir der Mann gar nicht mal unsympathisch. Peinliche Aussagen inklusive.

  13. Ich habe über diesen Kommentar nachgedacht. – Ich denke, Friedhelm Funkel hat recht, in der gegebenen Welt, in der Fußballwelt sowieso: Der Balljunge im heimischen Stadion muß die Zeitzyklen des Spiel intus haben, sonst ist er kein guter Balljunge, wahrscheinlich kein guter Jugendspieler und nie wird er Profiluft atmen bei seinem Lieblingssport. Was die ersten Kommentatoren hier schreiben, ist blanke luftleere Moral und idealisierter Sport. Sooo ollimpisch. Gedopte Bürgerlichkeit auf den Sitzplätzen. – Und wie viele andere, stümperische Balljungenballgaben werden gar nicht bedacht mit kritischen Worten …
    Fair play: ich lache. Mein Verein soll gewinnen! Und spielt der Gegner noch so gut. Das kann ich akzeptieren und anerkennen. Aber: Mein Verein soll gewinnen! Auch ohne bürgerliche, spielende Tugenden.
    Mal drüber nachdenken.

  14. Friedhelm Funkel hat völlig recht. Ihm Unsportlichkeit vorzuwerfen ist fehl am Platz. Wer nicht will, dass auf Zeit gespielt wird, muss die Regeln ändern und die Zeit anhalten, wenn der Ball im Aus ist.

  15. Mit Verlaub, aber das ist schlichtweg Schwachsinn.

    Zum einen: Genau das steht in den Regeln und Durchführungsbestimmungen. Der Ball ist so schnell wie möglich ins Spiel zurückzubringen. Nirgendwo steht, dass hierbei nach taktischen Erwägungen vorgegangen werden darf.

    Und zum anderen.. ähm, mir fällt das schwer zu schreiben, weil ich ansonsten gerne zu absolutem, fairplaylosem Vollegoismus stehe. Ich habe bspw. bei Neuvilles Handtor gegen die Region gefeiert und es tut mir auch überhaupt nicht leid, wenn sich ein abgesicherter Profifussballer vor dem Spiel gegen meine Mannschaft leicht verletzt. Aber das Dogma, dass die Heimmannschaft (nicht: das Publikum) in der formalen (!) Ausrichtung des Spiels beide Mannschaften gleich behandeln muss, ja, Gastfreundschaft zu gewähren hat, das ist die Essenz des Ligaspiels. Zwischen dem, was FF da äußert und der Forderung, der Platzwart als Vereinsangestellter könne sich sofort die Papiere holen, weil er der Gastmannschaft keine rissigen Bänke hingestellt hat und deshalb Funkels foll ferfpiffene Follprofis gegen den Wettbewerbsnachteil anspielen mussten, _nicht_ gegen eine Mannschaft mit lauter Splittern im Arsch zu spielen, besteht kein Gran Unterschied. Genauso könnte er die städtischen Behörden dafür kritisieren, dass sie den gegenerischen Mannschaftsbus nicht unter einem Vorwand an der Stadtgrenze aufhielten und die Gegner bis zum Stadion haben laufen lassen.

    Das ist keine Verweigerung von hehren, luftleeren Idealen im Sport. Das ist Sport an sich.

    Und wenn das Alltag sein mag, dann kann man nicht so behämmert sein, und das – im funkeltypischen Brustton des belochenen und betrochenen – laut und anklägerisch aussprechen. Das ist dann – im besten Fall – der Betrüger, der sich darüber aufregt, dass einer aus der Clique beim Betrug nicht mitmachte.

  16. ..ähm.. davon ab finde ich (als Hockeyspieler) Nettospielzeit auch cooler. Wobei sich das verschiebt, so wie sich die persönlichen Schwerpunkte von selber spielen und im Stadion gucken zum TV-Glotzen nebst Planungssicherheit verschieben.. Aber das tut hier überhaupt nichts zur Sache.

  17. Die Regeln! Und natürlich vor dem Spiel die Bahnsteigkarte holen. Nicht, daß noch die Hand Gottes ins Spiel kommt …



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