Gastfreundschaft nach Mainzer Art

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Wenn man in einem neuen Stadion (hier: in der Coface-Arena) Kabinen anlegt und diese später für seine Gäste bereit stellt, würde man eigentlich annehmen, dass es nach guter Sitte so ist, dass man seinen Gästen den bestmöglichen Service, die höchste Qualität anbietet, und man selbst zur Not eben auf die eine oder andere Luxuriösität verzichtet.

Wenigstens aber, das sollte selbstverständlich sein, würde man seinem Gast niemals etwas anbieten, was schlechter als das ist, was man sich selbst zugedacht hat. So weit, so gebräuchlich ist diese Sitte in ganz Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa oder auf der ganzen Welt.

Mit Ausnahme eines kleinen, gallischen Dorfs namens Mainz, in welchem man doch tatsächlich den Gästen zunächst Minderwertiges anbieten wollte, ehe Manager Christian Heidel immerhin darauf plädierte, den Gästen doch wenigstens Gleichwertiges anzubieten.

Manager Christian Heidel hat eine hohe Wertigkeit auch für die Gäste gefordert“, berichtet Abele. So wurden nachträglich bequemere Sitzbänke und Rückenlehnen installiert.

Offensichtlich wollte man Heidel aber nicht ganz verstehen oder hat Dienst nach Vorschrift gemacht. Heraus kam dabei das Folgende:

Zum Aufwärmraum mit Kunstrasen und Trainings-Fahrrädern hat aber nur der Kabinentrakt der 05er Zugang.

Schlechter Stil, dessen man sich nicht einmal bewusst zu sein scheint, sonst würde man ja nicht bereitwillig im Interview über diese Machenschaften Auskunft geben.

Dass das alles passiert sein könnte, ohne dass die sportlich Verantwortlichen davon etwas geahnt hätten, ist leider eher nicht anzunehmen. Schließlich mischt Thomas Tuchel auch in anderen Aspekten sehr konkret mit:

Trainer Thomas Tuchel hat nämlich eine auf Millimeterangaben genaue Vorstellung davon, wie lang die Grashalme zu sein haben.

Bei Thomas Tuchel hätte man kein anderes als dieses Verhalten erwartet, beim Punkt Gastfreundschaft der Mainzer allerdings schon.

8 Kommentare

  1. Ich war an der Stamford Bridge, da ist das ganze sogar extrem auf die Spitze getrieben: karge, fast spartanische Gästekabinen, luxuriöse 5-Sterne-Heimkabinen (siehe z.B. http://geicki.blogspot.co.at/2012_04_01_archive.html )

    Soll wohl zur Demoralisierung des Gegners beitragen – aber ob das nicht sogar gegenteiligen Effekt hat?

    lg

  2. Und immer schön das warme Duschwasser abdrehen.

  3. Umkleide Heimmannschaft 340 m2
    Umkleide Gastmannschaft 190 m2

    Das sagt wohl alles.

    Quelle: Coface-Arena.

  4. Psychologische Kriegsführung auf die subtile Art.

  5. Ich weiß zwar nicht, wie es unter der Nordtribüne bei meinem VfL aussieht, aber der Hinrundenmeister der Dritten Liga hat heute auch im Tivoli geduscht, warm und mit Herrlichem Herforder hoffentlich. Dann Münster, dann Bielefeld. Und die Starkfußballer von Unterhaching – neben den Babelsbergern meine Ligalieblibge – auf Platz vier. – Na ja, ein bisserl OT, aber ich freue mich halt so!

  6. Ist nach meiner Beobachtung im Deutschen Eishockey schon seit vielen Jahren so üblich. Und ja, es ist 1 Schande.

    Man sollte aber auch nicht vergessen, dass für die Heimmannschaft(-en) ihre Kabine sehr viel mehr ein Arbeitsplatz und zweites Zuhause ist als für die kurz reinschneienden Gäste. Wem erzähle ich das? In der Heimkabine lässt man im Idealfall seine Sportsachen, man hält sich dort auch unter der Woche auf, ambitioniertere Sportler auch gerne mal im Leerlauf zwischen zwei Terminen und man hat auch sonst so einiges an Gerümpel zu verstecken. Und nicht zu vergessen: In der Heimkabine sind nicht selten auch viel mehr Leute als so auswärts mitfahren. Kurz: gerade im Profisport dürften an die täglich genutzte Heimkabine ganz andere Anforderungen zu stellen sein als an die für den Spielbetrieb genutzte Gästekabine.

    Das sollte zumindest im Hinterkopf haben, wer Kennzahlen wie Quadratmeterangaben vergleicht.

  7. Das freut mich, netzberg, dass Dich Fußballergebnisse freuen. Kenn ich nur noch vom Hörensagen …

    Sternburg, die Teams trainieren doch nicht in den jeweiligen Stadien. Insofern ist das schon eine Heimat, aber nur 17x (plus x) im Jahr.

    Okay, ab einer gewissen Niedrigklassigkeit trainieren sie auch dort, aber dann ist es wohl meist so niederklassig, dass auch keine größeren weiteren Einrichtungen vorhanden sind. Und im Eishockey ganz sicher anders als im Fußball.

    Wie vbernd zeigt, ja sogar im als äußerst höflich und sportsmännisch verschrienen England durchaus Usus.

  8. Hmm… ich bin immer davon ausgegangen, dass man im Fussball (wie im Hockey, wo auch die ganz großen Teams meist nur die eine Eisfläche haben) die Heimkabine der Stützpunkt für alle Aktivitäten auf dem umfassend ausgebauten Vereinsgelände ist. Da mag aber wieder meine Grundnaivität durchscheinen.



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