Herrscher über die Zeit

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Weißt Du noch, wie bescheuert Du aussahst, als Du damals diese total hippe Frisur getragen hast, die heute sowas von out ist? Oder wie alle unbedingt mit einem Zauberwürfel spielen wollten, den heute kein Mensch mehr freiwillig anpackt? Wie wir alle mit Polaroid-Kameras rumgelaufen sind. Wie wir diese weiten Hosen trugen, später dann die engen, aber jedes Mal noch auf den Fotos mit einem Jahrzehnt Abstand betrachtet total albern aussahen? Wäre doch peinlich, wenn man heute mit dem Outfit von vor 10, 20 oder 100 Jahren rumlaufen müsste, nicht?

Nun, beim VfB Stuttgart sieht man das etwas anders, denn dort hat man in die Satzung aufgenommen, dass das neue, alte Wappen auch in Zukunft nie mehr verändert werden darf. Was dieser Beitrag der Welt schön illustriert, nämlich die Evolution von Wappen der Vereine, ist beim VfB Stuttgart nun definitiv zu einem Stillstand gekommen. Manche haben’s eben nicht so damit, mit der Zeit zu gehen. Andere würden so viel Gelassenheit aufbringen, den nach ihnen folgenden Generationen immerhin so viel Geschmack zuzutrauen, dass sie sehr wohl in der Lage sein werden, ein anständiges, schickes, kreatives, nicht überkandideltes, aber eben in die Zeit passendes Wappen auszuwählen. Nicht so beim VfB Stuttgart, bei dem man heute schon weiß, wie die Menschen in 50 oder 100 Jahren Geschmäcker empfinden werden.

Wenn andere Wappen längst im Retro-Futur-Marsian-Style daherkommen oder was auch immer man dann als schön empfindet, wird der VfB Stuttgart weiterhin mit seinem musealen Wappen auflaufen müssen. Ganz schön anmaßend, Evolution einfach aufhalten zu wollen. Aber jeder sucht sich seinen Weg eben selbst aus und Stillstand ist bekanntlich der Tod.

9 Kommentare

  1. Aber nur, wenn die Satzung nie wieder geändert wird. Liest sich trotzdem wie eine trübe Erinnerung an Meyer-Amselfelder.

  2. Ich find’s ja amüsant, wenn in den Satzungen dann steht, dass etwas nie geändert werden darf. Vergleichbar mit der 51%-Regel, wie sie die HSV-Reformer grade vorschlagen.

    Dabei wird ja so gern vergessen, dass zur Rolle Rückwärts die Mehrheit ausreicht, die zu einer solchen Satzungsänderung führte.

    Hat ein bisschen was von Trikot-Nummern, die „nie mehr“ vergeben werden. :)

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  4. Ohne das alles jetzt im Detail zu kennen, aber wenn Mitglieder so was in die Satzung schreiben lassen, bedeutet das doch vor allem, niemand darf das Wappen ohne Zustimmung der Mitgliederversammlung ändern. Denn auch beim VfB Stuttgart weiß man, dass in 50 oder 100 Jahren eh wieder ein Marketingfuzzi daher kommt und seinen Geschmack allen Beitragszahlern aufdrücken will.

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  6. Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Satzungsänderungen ich in verschiedensten Vereinen in den letzten Jahren abgenickt oder selbst vorangetrieben habe, erscheint mir das hier skizzierte Szenario doch etwas übertrieben.

    Ungeachtet dessen stimme ich dem Hausherrn dahingehend zu, dass es sich um eine sehr kurzsichtige und am falschen Ort verankerte Entscheidung handelt.

  7. Wenn also die Marketingabteilung des Vereins das Wappen aus fadenscheinigen Gründen dem Zeitgeist anpassen möchte, dass über die Köpfe der Vereinsmitglieder hinweg tut, damit in Übersee den Umsatz steigern möchte, dann ist das keiner Erwähnung wert? Und wenn die Mitglieder dann mit überwältigender Mehrheit dafür stimmen, diesen Fauxpas rückgängig zu machen ist das rückständig?

    Ich bin es langsam leid, Leuten erklären zu müssen, dass die Rückkehr zum alten Wappen beim VfB weder etwas mit einer Übernahme des Vereins durch die Fans zu tun hat, noch das ein altes Wappen notwendigerweise fortschrittshemmend sein muss. Wieso muss sich ein Vereinswappen der Zeit anpassen? Der VfB ist ein Fußballverein (noch! Leider gibt es ja momentan Bestrebungen, sich zum Mercedes-Werksverein zu machen) und kein reines Marketing-Vehikel!

  8. @Lennart:
    Nach meiner Lesart ist es nicht die Intention des Trainers, die Rückkehr zum alten Wappen zu kritisieren, sondern lediglich deren Festschreiben in der Satzung.

  9. Zum Glück bist Du es noch nicht ganz leid.

    Ich sag meinen obigen Text noch mal in kurz: Ich finde es vermessen, festzulegen, dass sich etwas auch dann nicht verändern darf, wenn diejenigen, die das jetzt entscheiden, schon seit Jahrzehnten unter der Erde liegen werden. Wieso soll nicht jede Generation ihre Gegenwart so gestalten dürfen, wie es ihr gefällt?

    Aber da ja auch die Satzung bei entsprechenden Mehrheiten wieder geändert werden kann, wie Manfred schon im ersten Kommentar anmerkt, brauchen wir jetzt hier auch keine unnötige Schärfe reinzubringen.



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