Höllisch nervende Hoffenheim-Hochjubelei

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War da was?

Nicht gestern. Sondern in einem Jahr gestern vor einem Jahr.

Da hat ein Aufsteiger ein paar Spiele geglänzt und irgendwie ein paar Mal das Glück gehabt, einen Rückstand zu drehen. Es sei noch mal daran erinnert, dass schon mehr als nur einem forschen Aufsteiger zuvor der Atem in Form eines glücklichen Laufs ausgegangen ist, bevor die Saison zu Ende war. Und es ist dabei inzwischen irrelevant, ob die Millionen nun per Robin-Hood-Manier „gerecht“ zusammengeklaubt wurden oder öllegal. Es geht in keinster Weise um das Entstehen dieser Mannschaft. Und gerade deshalb: Können bitte all jene Schreiber, Radio- und TV-Menschen ihre ausladenden verbalen Erektionen wieder einpacken, mit denen sie jeglichen Torschuss, jegliche Kombination und jeden Sieg der Hoffenheimer feiern, als wäre der Leib Rangnicki auf uns niedergekommen?

Natürlich kann das gut und gerne auch auf Platz 3 enden, es kann aber immer noch genauso gerne auf Platz 13 enden, womit es dann auch nicht mehr als ein Anekdötchen zu Saisonbeginn bliebe. Offensichtlich hatte die TSG Hoffenheim größere Probleme, das Spiel gegen den VfL Bochum zu gewinnen. Die Gesetze des Zufalls wollen es so, dass es demnächst wieder Niederlagen geben wird.

Und vor allem: Nicht jedes per Hackentrick erzielte Tor ist gleich eine Offenbarung, die Rettung vor den immerbösen Bayern, nicht jeder Professor ist langfristig erfolgreich. Gerade an dieser Stelle heißt man etwas weniger Fußball-internen-Muff, stattdessen etwas mehr Arbeiten mit „modernen“ Methoden besonders gut. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass alles, was des Professoren Studenten tun, in den Himmel geschrieben und jegliche Maßlosigkeit bei der Bewertung und Einordnung zugunsten der Superlative aufgegeben werden sollte. Ran-Verhältnisse.

17 Kommentare

  1. Das kann man so – Identisches hättest du, nehme ich stark an, auch vor 11 Jahren geschrieben – oder so – Sind doch alles nur Momentaufnahmen – sehen.
    Und was hat das alles mit Akira Kurosawa zu tun?

  2. Leider gibt ihnen der Erfolg recht und irgendwie gehen einem leider auch die Arguemente gegen diese Mannschaft aus.

  3. Ich, als ganz alter Werder-Fan, bin jetzt auch HOFFENHEIMfan.

    Warum auch nicht? Sie spielen wie wir (früher). Sie sind von 1899. Und sie sind so verzaubernd erfolgreich.

    Jetzt müssen sie nur noch lernen die Bayern zu hassen (und Scheiss04, BVB, HiV…) und das hässliche Blau gegen ein schönes Grün zu tauschen.

    Fertig ist die Fußballmacht von der Weser um die Ecke! *harr*

  4. Hoffenheim ist ja sooo „in“.

  5. hoffenheim-hochjubelei. das ist ein bißchen wie in der schule. die ganze klasse hat ziegenpeter und darf zuhause bleiben, nur ich bin irgendwie immun.

  6. Da ist Konzept hinter. So sehr jubelt sie keiner hoch. Sie spielen einfach wie LEV anders. Die selber bleiben bescheiden. Ich kann beim besten Willen kein Feindbild konstruieren…

  7. War ja nur eine Frage der Zeit, bis es „in“ ist, gegen das „In-Sein“ von Hoffenheim zu sein ;-)

    Dabei fehlen da ja eigentlich schon die Angriffspunkte. Die Puste geht aus? Nicht so richtig… is doch mehr so wie Klautern 97/98 und nicht wie Rostock 91/92, so wie sich das zZ entwickelt. Wäre es rostockmäßig, wär der erste große Einbruch schon da.

    Reiche Säcke? Hopp ist kein Abramowitsch, der fertige Spieler kauft, sondern er investiert auf lange Sicht in Infrastruktur und Jugendarbeit (macht also genau das, was die Wirhabenkeinestraßenfußballermehr-Jammerer seit den düstersten Tagen der Bertiade einfordern, aber jetzt zwickts halt doch wieder woanders? Hauptsache man hat was zu nörgeln?).

    Klar will ich, daß meine Bremer am Ende oben stehen. Aber wenns Hoffenheim wird – kann man das nicht einfach mal ohne Neid richtig geil finden, wenn es möglich ist, daß eine NoName-Mannschaft (und das ist H-Heim… wer will denn bitte HaasBeckSalihovicIbisevicBa „Stars“ nennen? Außer Copado war doch keiner dem breiten Mann von der Straße vor der Saison ein Begriff) drei Ligen durchmarschiert und dann noch Meister wird?

  8. Ich kann ja verstehen, dass einem die Jubelarien auf den Keks gehen. Aber im Moment kommt mir Hoffenheim vor, wie ein gute, aber nicht sehr gute Premier-League-Mannschaft, die jemand auf strungsnormale Bundesligisten losgelassen hat.
    Sie spielen eigentlich genau das, was wir seit Jahren sehen wollen. Und sie haben sogar noch Erfolg damit.
    Es könnte Schlimmeres geben.

  9. Schlimmeres hab‘ ich grad gelesen, und zwar diese knisternd-erregende dpa-Meldung hier: Michael Ballack hat sich am Donnerstag zu dem mit Spannung erwarteten Vier-Augen-Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw getroffen. Das hat der DFB am Abend bestätigt, ohne allerdings Einzelheiten zum Inhalt des mit Spannung erwarteten Treffens bekanntzugeben.
    Das ist doch mal eine spannende Verbalerektion, gell, Trainer? Ist wohl die Nachtschicht dran, will sagen: der Praktikant. Und das gibt eine Presseagentur raus? Gn8.

  10. ich bitte darum, beim nächsten hoffenheim sportschau bericht auf folgende formulierungen zu achten: „die bundesliga begeisternd“, „die ganze bundesliga ist begeistert!“, „kein wunder, dass die liga so begeistert ist von diesen hoffenheimern“. eine formulierung dieser art kam bislang in jedem bericht vor. was für ein glück, dass ich nicht die bundesliga bin, geschweige denn die ganze.

  11. Die Jugendarbeit von Hoffenheim besteht doch nur daraus, der regionalen Konkurrenz die besten Spieler wegzukaufen.

    Meine Frage:

    Was ist daran neu oder innovativ? Dass man zusätzlich noch 10 Mio. für einen Brasilianer ausgibt?

  12. Man muß nicht „neu“ und „innovativ“ sein – es reicht, wenn man erfolgreich und dazu noch ansehnlich spielt ;-). Manchmal genügt es, bewährte Mittel einfach etwas besser einzusetzen als die anderen.

    Das „Neue“ bei Hoffenheim ist der beachtenswerte Durchmarsch über drei Stockwerke direkt ins (vielleicht) Penthouse.

    Und zum Thema „die arme regionale Konkurrenz“: erstmal denke ich, daß auf einer Skala von 1 (nur Eigengewächse von der F-Jugend an) bis 10 (kaufenkaufenkaufen a la Chelsea) die frühzeitige Bindung regionaler Talente doch eher in der Nähe von 1 rangiert, isn`t it? Ich meine:alle finden es immer ganz toll, wenn in einer Mannschaft „Ur“xyz`ler spielen, also Leute aus dem direkten geographischen Umfeld. Bei Hoffenheim wird anscheinend sogar das negativ ausgelegt… wie man macht, isses falsch ;-)

  13. Dann ist aber diese gesamte Hochjubelei mit falschen Attributen besetzt. Es wird doch überall geschrieben, dass Hoffenheim so „neu“ und „erfrischend“ sei. Ich seh es halt nicht so. Vlt. sollte Hopp mich mal verklagen, dass ich die Meinung ändere…

  14. analog zu meinem beitrag weiter oben: der vorbericht zum hoffenheim spiel gestern auf permiere begann mit den worten: „wer fussball liebt, muss dieses dorf lieben“.

    ich will ja nicht übermäßig paranoid erscheinen, aber in der gesamtheit hat diese jubelei schon einen bezahlten beigeschmack.

  15. @mars: nicht zu vergessen: „eine bereicherung“, „eine echte bereicherung“, „die machen jedem spaß“. kicker-online hatte gestern zudem eine ausnehmend originelle headline zu bieten: „1899: die party geht weiter“.

    ja, hoffenheim spielt schönen fussball, meinetwegen. ich hab aber keinen bock auf „party“, ich will fussball.

    ein neidischer, missgünstiger fussballromantiker.

  16. nachtrag: das eigentlich erschreckende ist ja, das noch nicht mal dafür gezahlt werden müsste. es ist einfach „evident“, dass man hoffenheim toll finden muss, weil sie schönen fussball spielen.

    wenn ich was „schönes“ sehen will, geh ich ins kino, theater, zum konzert etc. im stadion will ich „fan“ sein und mein verein gewinnen sehen, in erster linie. wenn das mit schönen spielzügen geschieht hätte ich natürlich auch nix dagegen, aber diese durchsetzung der „party“ auf ganzer linie, der man sich immer weniger entziehen kann, finde ich geradezu ekelhaft.
    hoffenheim ist im moment einfach nur das deutlichste symptom dafür.

  17. da spielt einer mit unserer Eisenbahn. UNd wir, die Fans oder auch nur Freunde des bezahlten Fußballs, sehen uns als und sind für ihn wahrscheinlich „Objekte“, wie vielleicht Plastik-Kühe oder Papp-Bahnwärterhäuschen. Das ist nicht schön, so vorgeführt zu werden. Aber, das ist das Leben.



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