„Keiner soll sich beklagen“

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kicker: Am 1. August bekommt Schalke den Gegner für die Champions-League-Qualifikation zugelost. Zittern Sie schon vor einem Kracher, Herr Müller?

Andreas Müller: Bammel habe ich nicht. Nach unserer letzten Saison in der Champions League sollte die Mannschaft genügend Selbstvertrauen entwickelt haben, um gegen jeden Gegner zu bestehen.

kicker: Wie wichtig ist das neuerliche Erreichen der Gruppenphase?

Müller: Sie hat entscheidenden Charakter. (…) Diese Entwicklung müssen wir fortsetzen. Genauso, wie die Spieler lernen, mit dem Rhythmus Liga-Champions-League umzugehen.

(…)

kicker: Welche psychologische Wirkung hätte ein Scheitern?

Müller: Mit dieser Möglichkeit beschäftige ich mich nicht. Ich drehe es um: Das Wissen, in der Champions League dabei zu sein, würde einen zusätzlichen Schub für den Bundesligastart geben.

kicker: Fred Rutten ist nun einige Wochen im Amt. Welchen Eindruck haben Sie von ihm?

Müller: Seine Arbeit überzeugt mich total. Er hat einen klaren Plan, sowohl, was Trainingsarbeit und Spielphilosophie betrifft als auch im Umgang mit den Spielern.

kicker: Erklären Sie bitte die sportlichen Vorstellungen.

Müller: In der abgelaufenen Saison haben alle gesagt: Schalke steht defensiv gut, nach vorne fehlen die Ideen. Fred legt auch großen Wert auf eine gute Organisation, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass er das Kreative ungemein fördert. (…)

(…)

kicker: Ist Rutten ein harter Hund?

Müller: Für mich ist seine Art normal. Natürlich fordert er Dinge wie Disziplin und Respekt ein. Und er kann harte Entscheidungen treffen. Doch er haut keinem mit dem Holzhammer auf den Kopf. Selbst unangenehme Dinge verkauft er mit viel Charme, er kommuniziert viel und schafft dadurch eine gute Atmosphäre.

kicker: Brauchte die Mannschaft einen Disziplinfanatiker?

Müller: Ich sehe es als Generationenfrage. Früher waren viele Sachen selbstverständlich. Spieler gehen es heutzutage manchmal etwas lockerer an und dann beginnt es langsam zu bröckeln. Regeln müssen eingehalten werden.

kicker: Also war Mirko Slomka zu nachsichtig mit den Spielern?

Müller: Die Zeit unter Mirko war nicht unerfolgreich, er hat einen guten Job gemacht. Mit Fred Rutten wollten wir der Mannschaft neue Impulse geben. Wenn man am Ende etwas in der Hand halten möchte, muss sehr sensibel darauf geachtet werden, dass auch die letzten zehn Prozent mobilisiert werden. Ich will Konstanz bis zum Ende sehen.

kicker: Hält Schalke nächsten Sommer die Schale in der Hand?

Müller: Den Traum, Meister zu werden, verlieren wir nie aus den Augen. Wir starten jedes Jahr den nächsten Versuch. Aber wir sind realistisch. Für den Titel muss alles optimal laufen.

(…)

kicker: Zehn Millionen für Jefferson Farfan, knapp sechs für Orlando Engelaar. Sind die beiden die entscheidenden Mosaiksteine?

Müller: Mit Farfan und Engelaar haben wir zwei Topleute verpflichtet. Farfan hat in Eindhoven seine Torjäger-Qualitäten nachgewiesen und wird unsere Offensive beleben. Engelaar zeigt, dass er ein Organisator ist, der die Mitspieler führen kann. (…)

Erschienen im kicker vom 28. Juli 2008.

Zum Thema „Wir starten jedes Jahr den nächsten Versuch“ siehe auch „Die Schale muss weg“.

Ein Kommentar

  1. Dass darauf noch keiner gekommen ist: der Rhythmus fehlt! Ansonsten kann Müller meinethalben die späte Nachfolge von Ede Zimmermann antreten – nach leichter Titeländerung in ‚Deppen, Schwätzer, Phrasendrescher‘.



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