Nichtabstiegsplatz adé

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Wir haben letztens schon darüber nachgedacht, wie das Gegenteil von abseits heißt. Heute denken wir darüber nach, wie das Gegenteil eines Abstiegsplatzes heißt.

Normalerweise nutzt man für einen bestimmten Zustand ein bestimmtes Wort. Für die Anwesenheit des Gegenteils dieses Zustands verwendet man ein anderes Wort. Nur dann, wenn ein solches zweites Wort fehlt oder wenn man die Betonung auf die Absenz des einen Zustands und nicht auf die Anwesenheit des Gegenteils legen möchte, benutzt man einen kleinen Trick, der auf deutsch meist „un“, „nicht“ oder „a“, seltener auch „anti“ heißt.

Für häufige verwendete Zustände gibt es aber fast immer ein eigenes Wort: Niemand sagt, dass es in einem Zimmer undunkel sei, wenn er hell meint. Niemand spricht von unschlechten Konzerten, wenn er diese gut findet und es sagt auch niemand, dass Jan Koller unklein sei, weil er nun mal einfach groß ist.

Und nun möchten wir also den Nichtabstiegsplatz mit einem Wörtchen benennen, das ohne den Umweg des „nicht“ und Artverwandtem auskommt.

Wichtig ist schließlich nicht so sehr, dass man nicht absteigt, sondern dass man drinbleibt. Man könnte jetzt meinen, dass das ein- und dasselbe ist, das ist es aber nicht. Und weil man sich in erster Linie darüber freut, dass man im nächsten Jahr noch in der selben Klasse spielt, als dass man sich darüber freute, dass man nicht eine Klasse tiefer spielen muss, muss auch ein neues Wort dafür her. Genau genommen muss kein neues Wort her, denn es ist schon lange da und jeder kennt es auch. Es heißt „Klassenerhalt“ oder als Tätigkeit eben „die Klasse erhalten“.

Insofern fordere ich die Umbennenung eines Nicht-Abstiegs-Platzes in Klassenerhaltsplatz. Nichtabstiegsplatz ist jedenfalls ab heute passé.

Andere Vorschläge, die von der Jury aber abgelehnt wurden:

Drinbleibplatz
Rastplatz
Weiterhinsamstagsplatz (ist bekanntermaßen fraglich)
Zweitligistderherzenplatz
Bundesligaplatz (variierbar, je nach Ligazugehörigkeit)
Übersommerungsplatz
HSV-Platz
Morgenwieheuteplatz
Aufenthaltsplatz

12 Kommentare

  1. Ey, Jury! HSV-Platz ist silbig um die Hälfte kürzer, dazu origineller und spannender, weiß man doch nicht, wann es denn nicht mehr stimmen wird. Und Klassenerhaltsplätze klingt irgendwie nach Schule, Bürokratie und einer Erstsemesterarbeit über Soziale Schichten. Bäh.

  2. Klassenerhaltsplätze klingt nach Arbeitgeberbund.

    Da müsste man mal eine Weile drüber nachdenken.
    Aber Nichtabstiegsplatz ist doof, da stimme ich schon zu.

  3. Mehr soziale Metaphern! Drum schlag ich hier doch glatt Bleiberechtsplätze und (begrenzte) Aufenthaltserlaubnisplätze vor.

  4. HSV-Platz ist der beste Vorschlag, weil so stimmig und aussagekräftig.

    Aber mal was anderes, diese „echten“ un-, nicht-, bzw. anti- Wörter setzen sich doch nicht durch.

    Hat sich ’sitt‘ durchgesetzt? Bisher nicht.

  5. Das ist doch doof! Klar sagen Leute „Das Konzert war nicht schlecht“ und meine gut.

    Ansonsten sind die ersten drei Plätze Championsleaguequalifiaktionsplätze.

    Pottundhsvkindergesabbel.

  6. HSV-Platz? Tröste mal einen St. Paulianer nach einem 1:4 in Paderborn mit den Worten, noch stehe man ja auf einen HSV-Platz. Da schlägt die Trauer aber sofort in Wut um. Zumindest für die Plätze 13 bis 15 würde ich „Dann-eben-erst-nächstes-Jahr-Abstiegsplatz“ vorschlagen ;-)

  7. Wie wäre es mit „Soebennochgeschafft- Platz“ oder besser, und vor allem der Dramatik des Abstiegskampfes Tribut erweisend, „Auf Messers Schneide Platz“?

  8. „Fahrstuhl-bereits-voll-Platz“

  9. Bolzplatz?

  10. Abstiegs-Warteschleife

  11. Oder einfach nur „Platz“? Schließlich ist mit der Position in der Tabelle sonst nix verbunden. Mal abgesehen von dem „weiter bei den Großen mitspielen dürfen“.

  12. Bøde, „Klar sagen Leute „Das Konzert war nicht schlecht“ und meine gut.“ – Das ist falsch. Zumindest kommt es dabei auf die Intonation an. Wenn man einen bewundernden, begeisterten Unterton annimmt, stimmt deine Interpretation.

    Ansonsten meint man aber durchaus „nicht schlecht“, wenn man „nicht schlecht“ sagt und man meint damit, dass es eben, klar, nicht schlecht war. Aber auch nicht von solcher Qualität, dass es das Prädikat „gut“ verdienen würde.

    SLogan, Bolzplatz gilt wohl für fast alle Teams einer Liga, aber erst ab so ca. Oberliga. Und selbst dort sah ich letztens noch etwas, was tatsächlich nach Fußball spielen und nicht nach bolzen aussah.

    Der Ausdruck „Klassenerhaltsplatz“ scheint aber tatsächlich zu bürokratisch bzw. zu politisch aufgeladen zu sein. Also?



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