Podolski ist und bleibt der Alte (Schelm?)

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[…] WELT ONLINE: Und Vater eines Kindes. Was hat sich mit der Geburt ihres Sohnes verändert?

Podolski: Wir sind jetzt zu dritt.

Pause.

Bitte vor Konsum meiner Worte erst noch mal lesen:

[…] WELT ONLINE: Und Vater eines Kindes. Was hat sich mit der Geburt ihres Sohnes verändert?

Podolski: Wir sind jetzt zu dritt.

Das ist — wie mir ja schon des Öfteren unterstellt wurde — nicht sinnentstellend nach dem richtigen Komma von mir abgehackt worden, wovon sich jeder selbst überzeugen möge.

Auf die Frage, was sich geändert habe, ist die Aussage, dass sie jetzt zu dritt seien, die komplette Antwort.

Man könnte Podolski noch viele weitere Fragen stellen und würde immer wieder Antworten erhalten, die so wahr wie sind wie die Tatsache, dass Schimmel weiß sind. Gleichzeitig eröffnet er aber immer auch die Möglichkeit, die Sinnhaftigkeit einer solchen Frage karikiert im Raum stehen zu lassen. Vielleicht sollten wir ihn eines Tages zum Bundespräsidenten wählen. Anderen Nationen würde er sicher nicht auf die Füße treten und treffender als Heinrich Lübkes Analysen sind seine allemale.

Doch: Möglicherweise ist Podolski in Wahrheit ein ausgemachter Schelm, der schon von Anfang an auf doofen Einfaltspinsel gestellt hat, damit er wenig amüsierende Interviews mit kurzen, klaren Hauptsatzantworten schneller beantworten kann, als der Fragende sich noch neue Fragen ausdenken könnte.

Wir sind jetzt zu dritt. Man hätte es kaum vermutet.

16 Kommentare

  1. Der Einfaltspinsel mag vielleicht nur wenig Einfälle haben, das Wort ist aber ein Kompositum aus einfältig = von schlichtem Geiste und Pinsel, hier nicht in der Bedeutung von „Malerwerkzeug“, sondern zusammengewachsen aus Pinn = hölzerner Schuhnagel und Sul = Schusterahle. Anfangs eine Berufsschelte des Schusters.

    Poldis Antwort ist in ihrer Einfachheit wunderschön.

  2. Das war jetzt leider kein Wortspiel von mir, sondern ein Tippfehler. Ich meinte natürlich den Einfaltspinsel. Danke. Und Danke auch für die weitere Info, war mir unbekannt.

  3. Die Antwort ist nicht nur wunderschön, sondern auch gehaltvoll! Mitnichten handelt es sich hier um eine Null-Aussage!
    Schließlich hat jeder bereits erfahren müssen, dass sich die soziale Situation massiv verändert, wenn man nicht mehr zu zweit ist, sondern der Dritte hinzustößt. Ja, und genau das hat sich verändert. Es ließe sich vielleicht mehr dazu sagen, der Soziologe könnte glatt ein ganzes Buch darüber schreiben, aber es ist nicht nötig, weil jeder weiß, was passiert, wenn man nicht mehr zu zweit ist.
    Insofern ist er kein Schelm, sondern jemand, der die Sachen auch in seiner Einfachheit zu sagen weiß. Einige, mich eingenommen, könnten sich davon eine Scheibe abschneiden. Was könnte man nicht für schöne Texte schreiben…

  4. Schließlich hat jeder bereits erfahren müssen,…

    Du meinst so jeder, wie auch jeder im Stadion 0,8 Promille hat? Also ich habe es nicht erfahren.

  5. Lother hätte in so einer Situation gesagt: Ich bin jetzt zu dritt. Da reicht Podolski einfach nicht heran – Generation Playstation eben.

  6. Wobei Lothar ja eher schon zu siebent ist, ungefähr.

  7. es kommt die zeit, wo sloterdijk im philosophischen salon mit dem cagnacschwenker vor dem kamin sitzend der theoreme podolskis nicht mehr herr wird…

  8. poldi wird noch georg christoph lichtenberg vom thron stoßen, wenn das so weitergeht. und was soll ihm an lebenszielen auch sonst noch bleiben? die meisten tore des monats hat er ja schon.

  9. Die Antwort hätte aber auch von Scholl sein können. Obwohl, er hätte in Hochform wohl einen umfassenderen Gag daraus gemacht.

  10. Wie wäre es, den Journalisten zu beschimpfen, der eine Frage stellt, die selbst ein Poldi sofort analytisch entziffert und ohne sich selber zu entblössen eine Antwort geben kann.

  11. Du meinst so jeder, wie auch jeder im Stadion 0,8 Promille hat? Also ich habe es nicht erfahren.
    Nein, nicht so wie jeder im Stadion. Sondern wirklich alle. Auch du wirst die Situation kennen, wenn eine Zweisamkeit durch einen Dritten zerstört wird. Empirisch ist es einfach unwahrscheinlich, dass es Menschen auf der Welt gibt, die noch nie in ihrem Leben weniger als zwei Personen um sich hatten. Auch du nicht. Oder? Und dann haben wir die genannte Situation. Und du kannst das ja einfach mal beobachten: Es macht einen Unteschied, wenn man zu dritt ist. Erst Recht in Paarbeziehungen, wenn ein Kind dazu kommt.

  12. Ich würde mal tippen, der Fußballer und der Interviewer haben nicht viel füreinander übrig, Siehe bitte weiter unten: „Was ist vor dieser EM anders als vor der WM 2006 im eigenen Land? Podolski: Jetzt spielen wir in Österreich und der Schweiz, das ist halt ein paar Kilometer weiter.“

    Dabei handelt es sich um eine ähnliche Nichtantwort wie in dem vom Trainer angeführten Beispiel. Wieder lässt der Stürmer seinen Gegenüber auflaufen. Das wirkt auf die meisten sicher so, als läge das Problem bei Podolski. In Wirklichkeit liegt es an der mangelnden geistigen Kapazität des Fragestellers, bei dieser Gelegenheit etwas herauszuholen, was das Veröffentlichen eines solchen Kaspereltheaters überhaupt rechtfertigt (man muss ja nun nicht wirklich jedes Interview drucken, das man geführt hat).

    Es gibt da eine Stelle am Ende, die danach schreit, durch konsequentes Nachfragen Aufklärung zu leisten: Wie kann ein 23jähriger behaupten, er könne die essentiellen Fragen seines Berufslebens in den Hintergrund schieben und so tun, als beschäftige ihn nichts außer dem nächsten Spiel? Aber solche Gelegenheiten werden gerne sausen gelassen. Ich nehme mal an, dass vielen Sportjournalisten schlichtweg die Mittel fehlen, tiefer zu sehen, tiefer zu bohren und nuanciert zu berichten,

    Zurück zu der Frage: Warum wird so etwas überhaupt veröffentlicht? Im konkreten Fall können wir nur spekulieren. Der Mechanismus funktioniert oft so: Man kommt – exklusiv, EXKLUSIV! – an einen Publikumsliebling heran und möchte nun zwei Resultate produzieren: Den einen Satz, der anschließend als Zitat über die Agenturen läuft und der den Eindruck erweckt, die eigene Zeitung/Zeitschrift habe hervorragende Arbeit geleistet. Und eine Fassung, die nicht so aussieht, als sei man dem Publikumsliebling in den Arsch gekrochen. Diese Aufgabenstellung produziert meistens einen Zielkonflikt. Denn gute Zitate gibt es nur über die Konfrontation und die kritische (Nach)Frage. Den Zugang zum Publikumsliebling allerdings nur durch konsequentes Liebedienern. Was macht da der Journalist? Er versucht es mit der subversiven Tour. Er publiziert Wortwechsel von einer Banalität, die auf den ersten Blick ein schlechtes Licht auf den Publikumsliebling werfen. Dabei hat der nicht mehr versucht, als mit seiner Antwort die Dummheit des Fragestellers zu entlarven.

    Woran kann man das erkennen? Man schaue sich nur mal die Diktion der Fragen an. Sie lauten: „Was hat sich…verändert? Und „Was ist vor dieser EM anders…?“ Die Formulierungen zielen gar nicht darauf ab, konkret Podolskis Sichtweisen zu ergründen. Sie sind pauschale Floskeln, reine Routine, unspezifisch. Wer darauf antworten muss und dabei einigermaßen die Fassung behalten will, hat eine schwere Aufgabe, Aber ich traue Podolski zu, dass er in Zukunft noch ein paar geschicktere Ausweichmanöver entwickelt (oder irgendwann mal explodiert). So wie ich ihm zutraue, dass er eines Tages auf dem Platz das einlöst, was wir uns von ihm versprochen haben.

  13. Hach, so schön kann Aufklärung sein: „Denn gute Zitate gibt es nur über die Konfrontation und die kritische (Nach)Frage“! Wundervoll, weitermachen allesamt!

  14. Ich finde das alles gut!

  15. Dass Podolski vielleicht eine einzige Beleidung ist, davon will wieder niemand sprechen. Immer sind es die bösen, bösen Journalisten. Etwas banal, nicht?

    Schneekoppe!

  16. „eine einzige Beleidung ist“

    Was soll das denn heißen? Sorry, einfach nur peinlich….



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