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Schlagwort: Mario Götze

Alle Gewinner der Fritz-Walter-Medaille

Seit 2005 vergibt der DFB jährlich die Fritz-Walter-Medaille. Damit sollen die talentiertesten Jugendspielerinnen und -spieler im deutschen Fußball geehrt werden. Zunächst in drei Kategorien für männliche Spieler, nämlich für die U19, U18 und U17 sowie in einer Kategorie für weibliche Spielerinnen. Seit dem Jahr 2016 entfällt die Kategorie U18, sodass es nur noch drei Preisträgerinnern und Preisträger pro Kalenderjahr gibt.

Diese Auszeichnung ist sogar mit einer beträchtlichen Summe Geld dotiert, die allerdings jeweils der ausbildende Verein erhält, nicht der siegreiche Spieler oder die Spielerin. Hier sind zwar nur die Sieger aufgelistet, tatsächlich gibt es aber in jeder Kategorie einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze zu gewinnen. Die Preisgelder sind entsprechend 20.000 Euro, 15.000 Euro und 10.000 Euro, die die Clubs erhalten.

Den im Jahr 2002 – übrigens während der WM – verstorbenen Ehrenspielführer des DFB Fritz Walter wählte der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder nicht zuletzt deshalb aus, weil dieser nach dem Gewinn der WM 1954 stets ein Vorbild an Integrität und Sportsgeist gewesen sei. So gilt die Auszeichnung mit dieser Medaille auch nicht allein den dargebotenen sportlichen Qualitäten der jeweiligen Spieler, sondern auch ihrem sonstigen Auftreten, auf und abseits des Platzes.

Liste Sieger Fritz-Walter-Medaille

Die Liste der Sieger ist ziemlich illuster, etliche spätere A-Nationalspieler finden sich darin. Doch man schaue selbst auf die Liste der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille seit der Einführung dieser Auszeichnung.

Jahr U19 U18 U17 Juniorinnen
2005 Florian Müller Marc-Andre Kruska Sergej Evljuskin Anja Mittag
2006 Kevin-Prince Boateng Sergej Evljuskin Lars Bender Anna Blässe
2007 Benedikt Höwedes Marko Marin Patrick Funk Babett Peter
2008 Dennis Diekmeier Toni Kroos Manuel Gulde Jana Burmeister
2009 Lewis Holtby Marco Terrazzino Mario Götze Marina Hegering
2010 Peniel Mlapa Mario Götze Timo Horn Svenja Huth
2011 Marc-Andre ter Stegen Julian Draxler Emre Can Johanna Elsig
2012 Antonio Rüdiger Matthias Ginter Leon Goretzka Lena Lotzen
2013 Matthias Ginter Kevin Akpoguma Timo Werner Melanie Leupolz
2014 Niklas Stark Julian Brandt Benedikt Gimber Sara Däbritz
2015 Jonathan Tah Felix Passlack Pauline Bremer
2016 Benjamin Henrichs Gian-Luca Itter Nina Ehegötz
2017 Salih Özcan Fiete Arp Jana Feldkamp
2018 Kai Havertz Noah Katterbach Tanja Pawollek
2019 Nicolas Kühn Karim Adeyemi Klara Bühl
2020

Was nicht allen, aber den meisten dieser derart geehrten Spielerinnen und Spieler gemein ist, ist, dass sie ihren Lebensstil schon früh darauf ausgerichtet haben, im professionellen Fußball, nunja, Fuß fassen zu wollen. Dazu gehört nicht allein der Verzicht auf viele Aspekte des Lebens eines normalen Jugendlichen, sondern auch eine bewusste Ernährung, ein Bewusstsein für eine Schulung in vielen Bereichen, die die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder fördern können. Zeit im Kraftraum dürfte da genauso selbstverständlich sein wie Rückenübungen und weitere Stärkungen des gesamten Bewegungsapparats. Früher erst dann eingesetzt, wenn man es zu den Profis geschafft hatte, sind derlei Dinge auch für junge Spielerinnen und Spieler bereits eine Selbstverständlichkeit. Und gleich mehr als nur einer der hier ausgezeichneten Spieler wurde ja nur wenige Jahre später mit dem höchsten belohnt, was es im Fußball gibt: dem Weltmeistertitel.

Sehr namhafte Sieger in der Liste

Diesen errangen Benedikt Höwedes, Toni Kroos, Julian Draxler, Matthias Ginter und sogar als Schütze des Goldenen Tores von Rio de Janeiro höchstselbst Mario Götze aus dieser vielfältigen Liste der Gewinnerinnen und Gewinner der Fritz-Walter-Medaille. Natürlich sind diese Spieler aber auch schon zum Großteil in sehr jungen Jahren in den Jugendabteilungen der großen Clubs unter Vertrag gewesen und hatten auch ein dementsprechendes Angebot an Betreuung und physischer Ausbildung zur Verfügung. Die diversen Mitarbeiterangebote werden sich dabei nicht allein darauf beschränkt haben, beim Ummelden des Wohnortes zur Seite zu stehen, sondern vollumfänglich und mit dem Fokus auf Fußball eine Hilfe zu sein. Sprich: die neuesten Trainingsmethoden und damit auch die effizientesten, dazu mentales Coaching und vieles mehr zu vermitteln. Dies alles zudem in der Regel unter der Prämisse, dass diese talentierten Spieler den Ausblick auf einen sehr früh im Leben so hohen Verdienst hatten, dass sie damit schon früh ausgesorgt hätten. Das dürfte die Motivation neben all dem vorhandenen Talent noch weiter gesteigert haben. Was den Charakter auf und neben dem Platz angeht, darf man diese sehr jungen Spieler aber noch als das betrachten, was sie sind: Junge Menschen, die den von außen aufgestellten Regeln nachkommen wollen. Wie viel da intrinsisch tatsächlich von ihnen selbst kam, muss in diesem Falle offen bleiben. Doch die Fritz-Walter-Medaille bleibt ihnen in jedem Falle, egal, wie ihre Karriere danach noch verlief oder für die zukünftigen Gewinner verlaufen wird.

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Die lauffleißigsten Spieler der WM 2014

Anders als gemeinhin kolportiert wurde, waren es gar nicht die deutschen Spieler, die viele Platzierungen in der Top10 der Spieler der WM 2014 in Brasilien mit der größten Laufleistung belegten. Das heißt, absolut gesehen schon, allerdings absolvierten ja auch nur 4 Teams von den 32 überhaupt 7 Partien und dann ging auch noch ausgerechnet das Finale in die Verlängerung. Mehr als genug Zeit also, ordentlich Kilometer zu sammeln, mehr als die Spieler der anderen Team, was viele deutsche Spieler dann auch taten.

Ergo finden sich in der Top10 der Laufleistungen der Spieler unter den oberen 5 Plätzen gleich 4 deutsche Spieler (Thomas Müller, Toni Kroos, Philipp Lahm und Benedikt Höwedes; in dieser Reihenfolge) sowie natürlich ein Argentinier (Javier Mascherano dazwischen auf Platz 3). Auch alle weiteren Plätze werden ausschließlich von Spielern aus Nationen belegt, welche 7 Spieler bei der WM absolvierten (3x Niederlande, 2x Argentinien). Nun gut, sicher bemerkenswert, wenn auch eher am Rande.

Setzt man aber die Laufleistung in Relation zu den jeweils vom Spieler auch auf dem Feld befindlichen Minuten, sieht es plötzlich völlig anders aus. In dem Fall ist nur noch ein einziger Deutscher in der Liste der Top10 enthalten. Dies zeigt die folgende Liste, die zudem einen völlig anderen Mix der Nationalitäten zu Tage bringt.

Name Nation Minuten Kilometer km/90 min
Felipe Gutierrez Chile 165 25,2 13,75
Matt McKay Australien 180 26,0 13,00
Rodrigo Palacio Argentinien 160 23,1 12,99
Lee Keunho Südkorea 104 15,0 12,98
Nicolas Lodeiro Uruguay 143 20,4 12,84
Koke Spanien 134 19,0 12,76
Mario Götze Deutschland 258 36,3 12,66
Michael Bradley USA 390 54,7 12,62
Jose Cubero Costa Rica 115 16,0 12,52
Oliver Bozanic Australien 111 15,4 12,49

Die Messung der Laufdaten aller Spieler, der Passquoten, der Torschüsse, der Sprints – all das ist im Fußball ja nichts Neues mehr und schon längst dort angekommen und etabliert.

Inzwischen kann man aber sogar als Hobbyfußballer einige seiner Laufdaten erfassen. Dazu bietet zum Beispiel die Verwendung entsprechender Lauf-Software mit GPS-Ortung die Möglichkeit. So weiß man auch nach einem Fußballspiel, wie die eigene Höchstgeschwindigkeit war, die Durchschnittsgeschwindigkeit und auch die Herzfrequenz und weitere Belastungsdaten lassen sich so erfassen. Um das Ganze auch bei einem Fußballspiel und nicht nur beim Joggen durchführen zu können, ist ein Brustgurt fürs Smartphone empfehlenswert, der gewöhnliche Belastungen beim Fußball aushält, bzw. dafür sorgt, dass das Smartphone diese aushält. Direkter Kontakt mit Freistößen der Marke Roberto Carlos ist zwar dennoch nicht zu empfehlen, ein übliches Fußballspiel sollte man hiermit aber überstehen können.

Die Profis vertrauen dabei übrigens schon länger auf unterschiedliche Anbieter für elektronische Datenerfassung im Sport. Einer hat sich dabei besonders hervorgetan, der weitere Pläne im Bereich Datenerfassung im Fußball hegt. Für Freizeitsportler oder Amateurfußballer bemüht sich seit einiger Zeit SAP eine neue Zielgruppe mit finanzierbaren Produkten und Services zu erschließen.

So kommt der Daten-Wahnsinn bald auch in der Kreisliga an. Ob die Spieler aber überhaupt unbedingt wissen wollen, wie wenig sie im Vergleich zu den Profis gelaufen sind, steht auf einem anderen Blatt. Und ob überhaupt ein Trainer vorhanden ist, der diese Daten sinnvoll auswerten kann. Wie dem auch sei, seit bereits in der Kreisliga Gelder für die Spieler bezahlt werden, dürfte sicher sein, dass auch dieser Trend bald ganz unten im Amateurfußball ankommt. Dann wird man wissen, wer der Felipe Gutierrez der Kreisliga ist. Und wer der Mario Basler.

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Magier Mario G

Mario Götze ist solch ein Magier, dass er den Ball ins Tor schießen kann, ohne ihn auch nur zu berühren. Da verblassen selbst Diego Maradonas und Lionel Messis Künste am Ball. Der WM-Titel 2014 dürfte nur noch Formsache sein. Zumindest, wenn man dem Liveticker des Kickers Glauben schenken darf.

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Une soirée à Brême
Deutschland — Frankreich 1:2

Ein neuer Beitrag aus der Reihe „EM 2012″, die hier unter dem Motto „Noch ist Polen nicht verloren“ firmiert, der ersten Zeile der polnischen Nationalhymne. Und Recht hat sie, schließlich hat die EM noch gar nicht angefangen.

Ein Rückblick ganz der Reihe nach, wie es so war, am Mittwoch Jeh-roh-meh Boateng beim Nachdenken zuzuschauen, Franck Ribéry beim Divenmarkieren und Tim Wiese dabei, von seinen Heimfans gefeiert zu werden. Achja, und, ein beinahe in Vergessenheit geratenes Gefühl: Nicht nur in Ansätzen graupiger, man möchte fast sagen ein wenig fischiger Fußball von der deutschen Nationalmannschaft. Fangen wir vorne an.

Bahnhof Brême

[photopress:bahnhof_bremen_1.jpg,full,alignright]In Bremen ist man so stolz auf sein Werder, dass man die Werder-Fahnen schon im Bahnhof zur Begrüßung der Anreisenden aufhängt. Eine wieder mal äußerst ignorante Angelegenheit, nicht gegenüber den französischen Fußballfans, die, wie wir gleich sehen werden, in rauen Mengen anreisten, sondern gegenüber all jenen Bahnreisenden, die sich nicht für Fußball interessieren.

[photopress:werder_fahnen_1.jpg,full,alignleft] Mir ist das immer so ein wenig unangenehm, wenn man in eigentlich neutralem Setting die Menschen mit Fußballthemen bombardiert, ob nun in der Werbung, hier im Bahnhof oder meinetwegen, wenn Politiker Reden schwingen. Es gibt auch noch Menschen, die nichts mit dem Ausdruck „Werder Bremen“ anfangen können, und man sollte etwas mehr Rücksicht auf diese wenn auch kleiner werdende Randgruppe nehmen.

Bei Werder-Fahnen allein bleibt es im Bahnhof Bremen aber nicht. Denn was ein echter Marketender im Jahre 2012 ist, der lässt sich natürlich nicht lumpen, nicht nur die Brötchen mit Werder-Logo offiziell zu lizensieren, sondern gleich den Laden mit, in dem die Brötchen verkauft werden.

Nur echt mit dem Zusatz „offiziell“:

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Niemals zu den Bayern gehen

Letztens trat die Frage danach auf, was genau es ist, das Mario Gomez Saison für Saison unsympathischer werden lässt. Jemand twitterte, dass er oder sie es so empfände, da fiel mir auf, dass ich mit dieser schleichenden Veränderung des (von sehr hohem Niveau startenden) Wohlgesinntseins nicht alleine bin.

Doch wie kommt’s?

Ein Teil der Erklärung könnte sein, dass man niemals zu den Bayern gehen darf, will man nicht einen Teil seiner Sympathie einbüßen. Anders gesagt: Wer seit jeher schon da ist, wie Rensing, Müller Gerd und Thomas, aber auch Rummenigge 1 und 2, wer vorher gerade mal lokal relevant woanders tätig war, muss nie diesen Schritt öffentlich gehen, der so enorm Sympathien kosten kann.

Neben seinem steigenden — zu Recht zwar-aber — Selbstvertrauen lässt Mario Gomez immer häufiger in Interviews eine gewisse lenaeske Schnippischkeit heraushängen, die unangemessen bis teils arrogant erscheint. Nicht alle Menschen dieser Welt sind für die Schlagzeilen der Zeitungen in Minutenzähl- und Krisenzeiten verantwortlich und auch sein Ferrari im Bauch der Allianz-Arena steht nun mal deshalb da, weil die Menschen solche Zeitungen mit gerne gezücktem Portemonnaie erwerben.

Die positiv zu verbuchende Eloquenz Mario Gomez‘ schlägt dann in die gegenteilige Wirkung um. Weil er sich viel zu demonstrativ herausnimmt, etwas anders zu sein. Er als der intelligente Fußballprofi — dabei dürfte die Quote der absoluten Analphabeten (dies jetzt als Metapher) in den Kadern der Bundesliga seit ihrer Einführung recht gleich geblieben sein — ist überhaupt geistig in der Lage, zu widersprechen, gar zur Süffisanz fähig. Dabei wäre es besonders klug, all jenen Überschriften, die zu Unrecht an seiner fachlichen Qualität zweifeln, mit der bestmöglichen Antwort zu begegnen: Nicht mal ignorieren.

Zweitens wäre da die Frisur. Okay, das ist Ansichtssache, die alte [Link leider tot] hatte mehr Spitzbübisches, irgendetwas hinter den Ohren und vielleicht auch im Nacken. Die neue [Link leider tot] ist durch und durch durchgestylet und lässt keinen Raum mehr für jene Nahbarkeits-Phantasien, dass man ihn auch auf dem Dorfplatz um die Ecke treffen könnte und nach der Partie mit ihm ein Schnitzel essen geht. Denn ins P1 kommt man als Normalo nicht mit rein.

Drittens ist es natürlich sein selten dämlicher Torjubel, der insbesondere seit Erwerb der neuen Frisur (siehe „zweitens“) an Dämlackigkeit nicht mehr zu überbieten ist. Ein Torero will er sein. Ein Torero aus Unlingen. Unlingen liegt bei Bad Saulgau, Dürrenwaldstetten und Biberach an der Riß. Unlingen, von wo aus man den Hausberg Bussen sieht, der Wallfahrtsort für ganz Oberschwaben ist. Oberschwaben — nicht Andalusien.

Gewiss, die Existenz eines spanischen Vaters ist unbestritten ein legitimer Anlass, sich spanisch zu gerieren, ohne dass es manieriert wirken sollte. Tut es aber. Es sagt nicht nur, ich bin zwar hier in Bayern oder damals beim Vauäffbäh zu Hause, aber so ganz dann doch nicht. Ich nehme zwar gerne Euer Eintrittsgeld, und doch bin ich keiner von Euch.

Es ist nicht seine Schuld, dass Gesten wie jene von Menschen, die gerade nur zum Spiel und für ein bisschen Männlichkeitsgedöhns einen Stier töten, in Ländern, in denen man keine Stierkämpfe kämpft, lächerlich und aufgesetzt wirken. Es ist aber seine Schuld, dies nicht zu erkennen und seinen blasierten Torjubel beizubehalten.

Viertens mag es die Tatsache sein, dass seit seiner wiedergewonnenen Treffsicherheit ein jedes seiner Tore bedeutet, dass ein Sieg der Bayern in einer Partie wahrscheinlicher wird. Was man nun mal als jemand, der ausgemachten Gefallen an Geschichten des Scheiterns gefunden hat, wenn sie in München spielen und mit Klinsmann oder van Gaal besetzt wurden, nicht begrüßen kann. Als er noch nicht gesetzt war, unter Aloysius Paulus Maria, da hatte es kaum Bewandtnis, wie Mario Gomez nun jubelte oder nicht. Vielleicht verwendete er damals auch noch gar nicht seinen lächerlichen Dolchstoß-Torjubel, weil dieser in so einer allgemeinen Phase der Krise doch zu überheblich gewirkt hätte.

Allein dass man sich nicht erinnert, ob er damals schon stierkämpfte oder nicht, beweist, dass damals andere Sachen wichtiger waren. Zum Beispiel die Frage, wie viele Tore der Gegner schoss. Es war also durchaus im Bereich des Möglichen, dass der FC Bayern ein gerade laufendes Spiel verlieren konnte. Mit jedem Mal, dass Gomez‘ Torjubel jetzt in den Mittelpunkt rückt, wird gewisser, dass das Spiel nicht mehr wichtig ist, weil es bereits entschieden ist. Was eben nicht für eine spannende Bundesliga-Saison spricht, egal, wann es passiert.

Fünftens, nicht zu verwechseln mit erstens, fällt es vielleicht auf ihn zurück, dass er mal ein anderer als ein Bayern-Spieler war. Sogar Deutscher Meister war er schon mit einem anderen Verein. Etwas, was nur ganz wenige Bundesligaspieler von sich behaupten können. Aber er ging halt hin zu den Bayern, ohne Not. Und das ist eben immer die Frage, bei allen Neuers, Götzes, Schlaudraffs, Reus: Sie hätten ja auch woandershin gehen können. Wer die Klasse hat, für Bayerns Stammbesetzung eingekauft zu werden, nicht als Füllmaterial wie Petersen, Thiam oder Raymond Victoria, der würde auch in der Premier League unterkommen.

Jemandem, der schon immer da war, Schweinsteiger, Augenthaler, Breitner, kann man das zwangsläufig nicht vorwerfen. Denn diesen einen Makel haben sie sich nicht erlaubt: Zu den Bayern zu gehen.

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Die grünsten Debütanten (hinter den Ohren)

Grün war man als Debütant in der Nationalmannschaft früher oft, wenn man nämlich im Auswärtstrikot der Nationalmannschaft sein erstes Länderspiel absolvierte. Dann war man in diesem Fall eine gewisse Zeit lang rot, mal schwarz, jetzt wäre man wieder grün, meistens allerdings weiß.

Weil es gerade bei Twitter aufkam, Anlass war die Tatsache, dass Jogi Ebenau Löw heute verlautbarte, dass Ron-Robert Zieler jetzt bereits zu seinem Debüt im Tor der Nationalmannschaft kommen werde. Zunächst war die Frage, ob er damit der Torhüter mit den wenigsten Bundesligaeinsätzen ist, der zu seinem Nationalmannschaftsdebüt kommt, diese war schnell beantwortet. Bodo Illgner hatte ebenso wie Ron-Robert Zieler 27 mal in der Bundesliga gespielt, bevor er in der Nationalmannschaft eingesetzt wurde. Eike Immel aber kam noch früher zum Einsatz: Erst 18 mal hatte er in der ersten Bundesliga gespielt. Danach weitete sich die Suche auf die folgende Frage aus:

Welcher Nationalspieler debütierte mit den wenigsten Erstliga-Bundesligaspielen in der Nationalmannschaft?

Dabei sammelten wir die folgenden grünohrigen Sammelbilder, bislang noch ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Liste ist also noch „offen“, Ergänzungen willkommen.

Frischling 1.-Bundesliga-Einsätze
Arne Friedrich 2
Marko Marin 4
Reinhard Libuda 5
Werner Krämer 5
Wolfgang Overath 5
Franz Beckenbauer 6
Gerd Müller 7
Lukas Sinkiewicz 7
Rudolf Nafziger 7
Günter Netzer 7
Fredi Bobic 8
Zoltan Sebescen 8
Michael Rummenigge 12
Patrick Helmes 13
Oliver Neuville 13
Marco Engelhardt 14
Jan Schlaudraff 15
Mario Götze 16
René Schneider 16
Olaf Thon 17
Patrick Owomoyela 17
Eike Immel 18
Lukas Podolski 19
Heinz Gründel 19
Christoph Metzelder 20
Per Mertesacker 20
Paul Breitner 21
Marcell Jansen 21
Bernd Schuster 22
Miroslav Klose 24
Roberto Hilbert 26
Ron-Robert Zieler 27
Stefan Reinartz 27
Bodo Illgner 27
Ludwig Kögl 27
Thomas Strunz 27
Lothar Matthäus 28
Karl-Heinz Rummenigge 30
Hansi Müller 30
Mustafa Dogan 31
Marvin Compper 31
Paulo Rink 31
Tobias Weis 31
Kevin Großkreutz 32
Rudi Völler 33
Bernd Schneider 33
Holger Badstuber 33
Jörg Heinrich 33
Herbert Waas 34
 
Thomas Hitzlsperger* 0
Robert Huth* 0
 

Der Dummschwätzer gehört mit seinen gerade mal 6 Bundesliga-Einsätzen insbesondere in diesem Blog hier natürlich auch in die Liste, fast ganz oben dabei.

Offen ist zur Stunde noch, wie man mit jenen Debütanten rund um die Einführung der Bundesliga 1963 verfahren werden sollte. Wolfgang Fahrian z. B. feierte sein Debüt Wolfgang Fahrian feierte sein Länderspieldebüt vor Einführung der Bundesliga. Aber andere Fälle sind ja denkbar.

* Wie soll man jetzt mit Thomas Hitzlsperger (et al) verfahren? — Jugend und Profidebüt in England, somit schon massig Erstligaeinsätze vor ihren Nationalmannschaftsdebüts. Diese modernen Zeiten, in denen Kinder zum Fußballspielen (!) auf die Insel wechseln, ts, ts.

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Türkiye — Almanya 1:3

Sehr enttäuschend.

Sehr, sehr enttäuschend.

Das türkische Publikum. Das als so unglaublich frenetisch apostrophierte Publikum in der Türkei ist äußerst fußballfachunkundig. Denn wenn es wüsste, wie es tatsächlich um die deutsche Defensive bestellt ist, würde es nicht schon zu großen Teilen vor dem Abpfiff nach Hause stromern, bei einem so knappen Rückstand von gerade mal 0:2. Die deutsche Defensive ist nämlich immer für ein Gegentor gut, warum dann auch nicht mal 2 — aus dem Nichts, so wie der Anschlusstreffer zum 1:2.

6 Gegentore in 9 Spielen, darunter 2 (!) von Aserbaidschan, ebenfalls meist aus dem Nichts. Ich als Türke wäre noch ein bisschen sitzen geblieben. Gastfreundlich ist es auch nicht besonders, einem erst die Hölle heiß zu machen, und wenn man dann verloren hat, ist man gar nicht mehr anwesend. Aber nun gut, um seine Außenwirkung kümmert sich der einzelne Bezahlende ja nun mal selten. Da geht es eher darum, ob man gleich im Stau steht oder nicht.

Neuer mit den üblichen Schwächen bei Flanken, was nützen da Anspiele wie aus Netzers Füßen, wenn immer wieder diverse Wackler im Spiel sind — von wegen „weltbester Torwart“. Der stets schattige Badstuber mit einer mediokren Zweikampfgestaltung und bei Boateng — das mag auch im Auge des Betrachters liegen — läuft immer die Angst mit, ob er vielleicht nicht doch gerade abgeschaltet haben könnte. Zwei mal fünfundvierzig Minuten, ganz ehrlich: das kann man auch trainieren, sich so lange konzentrieren zu können, vor allem wenn man [Populismus on] den ganzen Tag nichts Anderes als Fußballspielen macht [/Populismus off].

Ein Hüne von einem Mann, und doch möchte man ihn immer wieder am Arm nehmen und zeigen, dass er gar keine Angst haben müsste vor dem Gegner, vor dem Spiel, dem Leben, der Welt. Es ist allerdings in der Tat beängstigend, dass Jerome Boateng nun schon seit 2007 Profi ist und dabei in dieser Frage Fortschritte gemacht zu haben scheint wie König Samba in den ersten sieben Jahren im Kampf gegen Isa Bere.

Schließlich entwickelt man gar noch ein wenig Verständnis für Lehrer, die ihre tagträumenden Schüler schon mal am Arm rütteln, um sie dazu zu bewegen, sich endlich ihrer Aufgabe zu widmen und nicht mehr aus dem Fenster, sieh!, ein Schmetterling!

Ein Mal allerdings stach Boatengs Auftreten heraus: Als er ein sehr langes Laufduell gewann und da blitzte das so selten Gewordene im Fußball mal wieder auf: der Kampf Mann gegen Mann, einfach nur die Frage, wer nun einen halben Meter schneller ist als der Gegenüber. Boateng blieb Sieger, doch auch hier erwachte das Gefühl, dass er erst die entscheidenden Km/h drauflegte, als er merkte, dass sein Gegner ebenfalls im Vollsprint befindlich ist.

Eine schöne Reminiszenz an alte Zeiten, als noch die Mannschaft mit den besseren 11 Einzelspielern gewann und ein bisschen konnte man auch wehmütig werden, so viel Energie und so viel Unvorhersehbarkeit, wie dort plötzlich versprüht wurde.

Enttäuschend auch, wie alt Mario Gomez geworden ist, seit manchmal Mario Götze neben ihm spielt. Da sieht man, dass Gomez zwar mehr als nur seinen Körper einsetzen kann, dass ihm aber gleichzeitig jeder Glanz im Spiel des Balles abgeht. Muss er auf seiner Position auch nicht besitzen. Doch auf diese Weise laufen so viele Ideen von Götze ins Leere.

Dieser verfügt über jenes Zidane-hafte, welches das Spiel verlangsamt, wenn er am Ball ist, alle Optionen stehen ihm mehr als sekundenlang offen. Wenn man dann aber wartet und wartet und wartet, dass z. B. Gomez sich in die richtige Richtung löst, jedoch nichts passiert, dann kann man selbst als Mario Götze schon mal den Ball verlieren.

Das sieht dann blöd aus, denn Mario Gomez würde in ähnlicher Lage wie auch am Freitag geschehen einfach unmotiviert auf, bzw. übers Tor schießen. Sieht fast so aus, als sollte Götze da noch ein wenig eigensinniger werden, auch wenn man das im Zuge der Schönheit des Spiels natürlich nicht wollen kann.

Bliebe Jogi Löw und die deutsche Bildregie. Letztere sollte das Stilmittel des rumpelstilzenden Löws seltener verwenden, denn sonst nutzt es sich allzu schnell ab — beim Zuschauer, aber auch bei den Spielern. Und fällt Löw ohnehin auf die Füße, wenn es trotz beeindruckender Gesamtleistung in Istanbul wie in der kompletten EM-Qualifikation dann doch wieder nicht zum Titel reichen sollte.

Partien mit ähnlicher Ausgangslage hätte man vor zwei, drei Jahren allerdings noch achtlos weggeworfen. Wie am Freitag bei der Türkei gewonnen wurde, obwohl man qualifiziert war, lässt der Bildregie vielleicht noch mehr als nur eine Gnadenfrist beim Spiel mit der Super Slow Emotion.

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Stochern nach dem Spieler der Saison

[photopress:sport_blogschau.jpg,full,alignleft] Noch mehr im Nebel gestochert als die Frage nach dem Torschützenkönig dürfte die Prognose das Raten sein, wer der herausragende Spieler der Saison 2011/2012 werden wird. Einige der Fußballblogger haben sich trotzdem an dieser von Jens Peters in den virtuellen Raum geworfenen Frage versucht, so auch mal wieder der hiesige Hausherr, welcher tatsächlich ein wenig verliebt ist. Doch wer ist das zur Zeit abgesehen von Anhängern direkter Konkurrenten nicht?

Wie passend übrigens, dass man just zu dieser Zeit auch den Karriereverlauf von Thomas Broich im Hinterkopf hat, der in einer Phase, als man sich gerade davon verabschiedete, Menschen erst ab 25 Lebensjahren in die A-Nationalmannschaft zu berufen, immerhin Kapitän der U21-Nationalmannschaft war. Und nach kurzem Aufglühen schnell ver-.

Ein Tor gegen Brasilien gelang Thomas Broich mangels Gelegenheit nicht, das hat ihm der von mir im Video erwähnte Spieler also voraus. Wo Thomas Broich seinerseits vorne liegen dürfte, ist die allgemeine Lebenszufriedenheit am Strand von Australien. So schön kann es selbst in gehobenerer Wohngegend in einem Vorort von Dortmund gar nicht sein. Was wiederum nicht aufwiegen kann, bereits einmal Deutscher Meister geworden zu sein.

Amüsant aber natürlich ebenso, wie die Tipps der anderen Teilnehmer für den „Spieler der Saison“ lauten. Siehe die Sport-Blogschau Ausgabe 3 bei catenaccio, der ersten von vier Folgen zu diesem Thema.

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Alemanha — Brasil 3:2

1993 aß ich ein Brot mit Marmelade und machte es mir auf dem Sofa von Martin bequem. Lars war auch da, und Thorsten. Es war kalt draußen, das machte aber nichts, denn Martin hatte ja diesen neuen Fernseher, mit schnellaufheizenden Röhren. Draußen war Herbst, in Müngersdorf sicher auch, das erinnere ich nicht mehr so genau. Andi Möller traf zum 2:1-Siegtreffer noch vor der Halbzeit, und Berti Vogts trat am Ende zufrieden und chalant, wie es stets seine Art gewesen war, vor die Presse, um sich frei von Verschwörungstheorien darüber zu äußern, dass man 1994 sicher gute Chancen haben würde, den nur vermeintlich von des Dummschwätzers Gnaden errungenen Weltmeister-Titel zu verteidigen. Niemand sang Seven Nation Army, die wenigsten im Publikum waren außergewöhnlich geil oder auch schwarz-golden. Es gab keine bewegten Banden und die Nationaltrikots des DFB waren damals schick, heute aber schon Sammlerstücke, die ob des Designs nur die Tapferen unter den Sammlern überhaupt würden bestellen wollen. Im Tor stand Bianca Illgner, für Brasilien spielte noch der überaus fiese Branco. Der sich gut als Hauptgegner in einem Superheldencomic geeignet hätte. Man musste damals noch in Comics denken. Youtube war so fern wie zeitlich selbst zu bestimmen, wann man welches TV-Programm sehen wollen würde.

Alle drei habe ich seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen. Alle drei damaligen Freunde. Die Nationalmannschaft hingegen schon, meist mindestens einmal pro Monat, abgesehen von zwei Unfällen im Wach-Schlafrhythmus (und das eine Mal wegen Max Goldt) eigentlich jedes Mal, wenn sie vor den Ball trat. Manchmal, um 1998 herum besonders, schien sich die eigentlich nach vorne gedachte Entwicklung der Mannschaft und des deutschen Spiels umzukehren und in die Vergangenheit lünkern zu wollen. Mit ein bisschen Glück hätte uns 1993 also schon der Sir aus dem Fernseher heraus die Hand geben wollen. Dazu kam es nicht. Stattdessen nutzte Oliver Kahn seine Hand, um ein Eigentor zu erzielen. Später wurden Hoffnungen durchs Dorf getrieben, die dann in der WM-2006-B-Mannschaft endeten. Märchen wurden erzählt, und im Vergleich zu früher waren es tatsächlich schöne Geschichten. Nur gegen Brasilien gewann man nicht mehr. Weder in Japan noch in Nürnberg, im Vorspiel zum Heimturnier. Projektionsflächen hießen Robert Huth und Mike Hanke, es tat sich was, aber mehr als das Knirschen im Gebälk war erstmal noch nicht zu hören.

Heute war es das erste Mal seit 1993 wieder soweit. Den Führerschein, damals noch recht frisch, besitze ich heute immer noch. Die Pass-Geschwindigkeit von heute allerdings konnte damals niemand erahnen. Auch dass man mit 26 im Team zu den Alten gehören würde, war 1993 nicht absehbar, als der Altersschnitt des Teams immer mal wieder vorsichtig sein musste, nicht die Zahl 30 zu überschreiten. Was bewährt war, war gut. Heute war gut, was sich durchsetzte, nicht allein gegen die eigene Konkurrenz, sondern vor allem gegen den Gegner. Während man damals aber über Abwehrprobleme jahrzehntelang nicht hatte diskutieren müssen, scheint heute alles so mühelos — bis es in die eigene Richtung geht. Dann zerfällt beinah sogar dieser Sieg, der erste seit 1993, Sekunden bevor man ihn in den Händen hält, wieder zu Staub und am Ende wäre es doch ganz egal. So schnell, so jung, so intelligent konnte es nur die Evolution seit 1993 machen. Der man gerne unter die Arme griff, auch wenn man da lange Zeit allzu betriebsblind war. Da schmälert es auch wenig, dass dieses Brasilien kaum in Schwung war und 2014, wenn es wieder mal 1994 sein wird, nur wenig mit dem heutigen gemein haben wird. Geboren wurde Mario Götze 1992. Als das 2:1 von Andi Möller fiel, wird er wohl gerade einen Löffel Spinat bekommen haben.

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Fußball mit kakaohaltiger Fettglasur

Wüsste der Autor es nicht selbst besser, dann würde er annehmen, dass er gestern den Anbruch einer neuen Ära gesehen hat. Denn eine Saison wie die vorige von Borussia Dortmund mag immer mal drin sein, ein Ausrutscher nach oben, bei dem sich mehr Glück als Verstand mit dem psychologischen Moment paart, weil man ständig gewinnt und demgemäß wie ein Duracell-Häschen und ganz von selbst eine Saison lang durchläuft. Und im Notfall sogar jene 90 Prozent des Gehirns anzapft, die der Mensch angeblich normalerweise nicht nutzt. Um den entscheidenden Schritt früher als der Gegner am Ball zu sein, der weiter auf seinen üblichen 10 Prozent daherdümpelt.

Eine Saison lang mag das gut gehen. Wenn das selbe Spektakel nun aber auch nahtlos in die nächste Saison übernommen werden kann, dann ist es wohl mehr als nur der günstigen Konstellation der Sterne über dem Westfalenstadion geschuldet, dass der (zugegeben nicht mehr als mittelmäßige) Gegner erneut über 70-79 Minuten lang keinen Ball bekommt. Stattdessen selbst zum mit heraushängender Zunge umherrennenden Häschen wird, dem der Igel Borussia stets zuvorkommt.

Nicht allein jene Tatsache war so überwältigend, dass Borussia Dortmund mal wieder Torchancen für sich und seine zweite Mannschaft zusammen herausspielte, sondern dass dem Hamburger SV zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Zugriff auf das Spiel gelang. Obwohl mit Michael Oenning jemand an der Seitenlinie saß, der Jürgen Klopps Methoden sicher besser kennt und demgemäß auch Gegenmittel hätte entwickeln können, als die meisten seiner Bundesliga-Trainer-Kollegen.

Bei kakaohaltiger Fettglasur denkt man zunächst an brasilianische Einflüsse auf das Spiel, in dieser Partie war aber gar kein Brasilianer dabei. Sieht man von Felipe Santana ab, der schließlich „nur“ verteidigte und somit nicht in erster Linie für jenen kakaohaltigen Glanz zuständig war, den die 3G-Connection „Götze, Großkreutz und KaGawa“ ganz ohne brasilianische Wurzeln verbreitete. Denn glänzend war die Glasur gestern, wenn 60-Meter-Pässe mit der Hacke nicht mal angenommen, sondern direkt weitergeleitet werden, und wenn jede scheinbar bereits geklärte Situation dazu geeignet ist, aus dem Nichts wieder Gefahr fürs HSV-Tor zu bedeuten.

Leider ist auch diesem Autoren bekannt, dass Prognosen die starke Neigung besitzen, falsch zu sein, besonders jene für die Zukunft. Weshalb das mit der „Ära“ erstmal noch in der Schublade bleibt. Erst mal abwarten, wer wen ansonsten heute und morgen noch auf welche Weise beherrscht oder eben nicht beherrscht.

Der letzte Deutsche Meister, der seinen Titel verteidigte, der nicht Bayern München hieß, war übrigens 1996 Borussia Dortmund.

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Alemania — Uruguay 2:1

Gestern fanden zwei wichtige Partien statt, die ein Merkmal teilten. Beiden fehlte die ansonsten üblich gewordene 90-minütige Dauerbeschallung durch Ultras. Im einen Fall, dem 8:0-Sieg der Sportfreunde Hamborn 07 gegen TuRa 88 Duisburg, wodurch Hamborn 07 aus der (Las)Landesliga in die NRW-Liga Niederrheinliga aufstieg, in Ermangelung von Menschen, die Ultras sein wollen. Im anderen Fall, dem 2:1-Sieg von Deutschland über Uruguay, in Ermangelung von Fußballfans.

Sehr angenehm waren deshalb auch beide Partien von der akustischen Seite her zu genießen. Sieht man mal von der Totenstille in Sinsheim ab, wenn nicht gerade eine Torchance zu erleben war. Ein altes Problem der Nationalmannschaftskulisse, das sich natürlich noch einmal potenziert, wenn man auch noch geographisch ins Zwanzigersche Niemandsland ausweicht.

Bedauerlich für den hier Zählenden: Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger. Nicht dass diese 3 Partien in der Endabrechnung am Ende der Nationalmannschaftskarriere noch die entscheidenden sein werden, die fehlen. Zwar ist schon der nächste Kandidat für einen Rekordnationalspieler im Einsatz, Mario Götze nämlich, nur der selige Uwe Seeler war jünger oder so, doch weiß man ja, wie schnell Nationalmannschaftskarrieren zu Zeiten von Jogi Löw beendet werden. Und das sogar, ohne dass es der Betroffene je erfährt.

Schönste Einstellung des Spiels: Wie Lukas Podolski und Tim Wiese in der ersten Halbzeit auf der Bank nebeneinander Späßchen machen und danach die Grinsekatzen geben. Podolskis Haare sind zu kurz für eine Packung Gel, derer zwei Tim Wiese gleich täglich benötigt. Herrlich Kölsche Lebenslust, die so besonders typisch für die Stadt Köln ist, wenn sie von zwei Jungspunden aus den Vororten (Bergheim, Bergisch Gladbach) der großen Stadt zelebriert wird. Schön auch, dass Podolski sich so gut mit seiner Rolle als Reservist anfreunden kann. Da freut sich die Frau, wenn der Ehemann nicht so frustriert von der Arbeit kommt.

Oliver Kahn hingegen, keine Kölsche Lebensart, eher ein mittlerweile trauriges Kapitel. Bei der von KMH vollmundig als „Analyse“ angekündigten Besprechung des Tores von André Schürrle zum 2:0 fällt ihm nicht mehr ein, als dass dieser Schuss „so gewollt war“. Ein Profi, ein Bundesligaprofi wie Schürrle, der könne das, das sei kein Glücksschuss gewesen. Worin sich die „Analyse“ des Tores dann auch erschöpfte. Mit Erkenntnissen, zu denen jeder Kreisligazuschauer in der Liga ist, ist Oliver Kahn als Experte dann mit seinen paar Hunderttausend auch deutlich unterbezahlt.

Das Geld muss der Sender wohl in die aberwitzig teuren Ergebnisdarstellungen investieren. Besser gesagt, in den darum zu führenden Prozess gegen die anliefernde Partei. Denn bei der Übertragung endete das Spiel seltsamerweise mit 1. Nicht mit zwei zu eins oder zwei zu null, sondern mit 1. Denn wenn man 2-1 schreibt, dann ergibt das 1. Ein Fußballergebnis — in jedem Blogger wohnt ein sehr, sehr großer Klugscheißer — wird mit einem Doppelpunkt dargestellt. Deshalb spricht man auch zwei zu eins. Wenn alle beim Sender so große Fußball-Experten wie Oliver Kahn sind, erstaunt dieser Fehler allerdings nicht.

Achja, Fußball gespielt wurde auch. Beste Platzbedingungen, herrliches Wetter und dann auch noch eine schöne Partie. Das sah schon ziemlich durchdacht aus, mit reifer Spielanlage ausgestattet und vor allem mit gutem Zug zum Tor, was Hamborn 07 gestern zeigte.

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