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Schlagwort: WM 2006

Trinkt mehr Tinte!

In Berlin versucht die B. Z., eine tägliche Sport“zeitung“ zu etablieren — zur Qualität dieser bemühe man Leodators ausführliche Revue. Motivation ist neben der Tatsache, dass es in Deutschland keine tägliche Sportzeitung gibt, auch der große Erfolg der täglichen Ausgabe der Sport-FOTO, die zur WM eine tägliche, allerdings nur im Netz verfügbare Ausgabe zum Download zur Verfügung stellte.

Da ich während der WM davon nicht wusste und erst im Zuge der Aktion der B. Z. davon erfuhr, habe ich mir diesen Download heute mal angeschaut. Ich werde nicht dorthin verlinken, findet wohl jeder selbst, Werbung für diese Veranstaltung muss auch nicht sein.

Offensichtlich ist die Sport-FOTO eine Kooperation mit einem Tintenpatronenhersteller eingegangen, fordert sie doch ihre Leser auf, das .pdf-Dokument

[photopress:download.jpg,full,centered]

herunterzuladen und auszudrucken!

Ich frage mich: warum? Die Telekom fordert mich auch nicht auf, von mir geführte Telefonate aufzuzeichnen, zu transkribieren und auszudrucken. Genausowenig erwartet mein Briefträger, dass ich alle Postkarten, die ich bekomme, einscanne und online stelle. Und der Pastor der Kirche nebenan hat auch nie davon gesprochen, dass wir das Glockenläuten, das ich höre, ja mal digitalisieren könnten.

Wenn ich etwas lesen will, was ich im Netz finde, dann lese ich es. Wozu soll ich es noch ausdrucken?

Und was soll überhaupt der Blödsinn, das Ganze nur als .pdf anzubieten? Die Marketingstrategen unter Euch dürfen mir gerne erklären, was der Vorteil eines unhandlichen .pdfs ist, und warum es Leute gibt, die mittels fast Viertelseiten-großen Fotos tatsächlich ihre Farbpatrone leerjagen. Nur um die Bilder, die sie ohnehin auf dem Monitor sehen, in schlechterer Qualität dann auch auf Papier bestaunen zu können.

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Kerner ist ein Reh Fuchs

Es ist schockierend (schockierend im Sinne des Fußball-Interessenten, nicht im Sinne des an-wirklich-wichtigen-Dingen-interessiert-Seienden), dass Johannes Baptist Kerner bereits einmal einen Medienpreis erhielt. Abgesehen von seinem extrem schleimigen Verhalten in seiner Talk-Show, die ich nur zwei Mal sah, verstehe ich nicht, wie man ausgerechnet einem der beiden schlechtesten Fußball-Kommentatoren (neben Beckmann) in der deutschen Fernsehlandschaft einen Preis ausgerechnet für seine Sportberichterstattung verleihen kann. Das ist ungefähr so, als wenn man mir einen Preis für meine Kochkünste überreicht. Oder um es auch für andere genauer zu sagen: Das ist ungefähr so, als wenn man Miroslav Klose, dem Schwalbenkönig von Kaiserslautern, einen Fairnesspreis überreicht, weil er einmal dem Schiedsrichter erzählt, dass ein vermeintlicher Strafstoß keiner war. Um es noch genauer zu sagen: Das ist ungefähr so, als wenn man Juventus einen Preis dafür überreicht, dass Juventus seit 78 Spieltagen in Folge an der Tabellenspitze war. Um es noch genauer zu sagen: Das ist ungefähr so, als wenn man den Brasilianern einen Preis überreicht für ihr tolles, fußballerisch überzeugendes Auftreten bei der WM 2006 (man könnte auch 2002 einsetzen, um nicht Rivaldos Showeinlage gegen die Türkei zu vergessen).

Um es einfach mal auf den Punkt zu bringen, Johannes Baptist Kerner für seine Sportberichterstattung einen Preis zu verleihen ist so, als wenn man dem Eigentorschützen einen Pokal überreicht, den die wegen seines Eigentores siegreiche Mannschaft eigentlich hätte bekommen sollen. Um es noch einmal ganz genau auf den Punkt zu bringen, ist es so, dass man diesen Preis, den man da verlieh, eigentlich sich selbst hätte überreichen müssen, und zwar für die unglaublich falscheste (ich weiß, dass es von falsch keinen Superlativ gibt, aber bitte) Entscheidung, die man je getroffen hat. Wie kann man ernsthaft Johannes Baptist Kerner einen Preis für Sportberichterstattung zukommen lassen? Man gibt doch auch der FOTO-Zeitung keinen Preis für objektive Berichterstattung. Man gibt doch auch Angela Merkel keinen Preis als Playmate des Jahres oder Jürgen Klinsmann einen Preis für seine Vertragstreue. Aber Bambi und damit der Burda-Verlag verlieh Johannes Bambi Kerner 2004 einen Baptisten für seine Sportberichterstattung.

Sollte ich je in den Genuss dieser Ehrung kommen, muss ich leider dankend ablehnen, da sie offensichtlich ironisch gemeint ist.

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Zeigt her Eure Brüste

Bei der WM gab es nur zwei oder drei davon zu bewundern, obwohl doch Sepp Blatter diese Leute zu einer der Hauptgefahren bei der Austragung des Turniers hochsterilisiert hatte: Flitzer. Wir haben uns kurz gefreut, dass es auch bei dieser WM wieder geklappt hat. Trotzdem waren wir ein bißchen enttäuscht, dass die meisten ihre Fantrikots noch anhatten, während sie auf den Platz stürmten. Was ein richtiger Streaker ist, der macht seinen Job natürlich nackt. Und das bringt uns ganz schnell zu der Frage, wer denn eigentlich die Top Ten der weiblichen Flitzer sind. Und natürlich auch zur Antwort.

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Man weiß, dass WM war, wenn…

…man beim Schwimmen schon nach 30 Minuten schlappmacht, weil man sich 4 Wochen lang gerade mal von zu Hause bis zum Biergarten bewegt hat — nicht ohne sich dann im Biergarten beim Fußball Schauen darüber aufzuregen, dass sich der eine oder andere Spieler zu wenig bewegt.

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Lehmann bleibt

Wir sind alle froh, dass Lehmann bleibt. Jens Lehmann scheint einen Jungbrunnen gefunden zu haben, während Oliver Kahns Gesicht Bände spricht von den vielen durchfeierten und durchzechten Nächten mit Verena Pooth. Kretschmar. Engelke. Ich weiß nicht mehr, wie Kahns Freundin Verena mit Nachnamen heißt, denke aber auch, dass das ein gutes Zeichen ist. In Kürze werden wir sie alle vergessen haben, Regel bestätigende Ausnahme werden Gala-Leser sein, in der auch C-Promis von Anno Dazumal noch zu Wort respektive Bild kommen.

Möglicherweise heißt Jens Lehmanns Jungbrunnen aber tatsächlich „Umstellung des Trainings“. Angeblich tat er das, nachdem er bei Arsenal seinen Stammplatz verlor. Und dann sind wir Jürgen Klinsmann noch mal dankbar, dass er den Vizemeister des Debilitätswettbewerbs (Meister wurde, wie an anderer Stelle erwähnt, Gerd Müller) der Altspieler des FC Bayern, Sepp Maier, aus der Nationalmannschaft geworfen hat. Der hat schließlich Oliver Kahn mit seinem Training zusätzlich heruntergewirtschaftet.

Wollen wir hoffen, dass Lehmanns Stellung als alleiniger Torwart Nummer Eins ihm nicht zu Kopf steigt und er wieder in seine Eskapaden von früher zurückfällt. Rekordzahl roter Karten in der Bundesliga für einen Torwart, Verkehrssünden (fragte mich schon immer, was daran schlimm sein soll, wenn ein Fußballspieler sich verhält wie jeder andere Mensch auch), schnöseliges Verhalten in Interviews und eine generell sehr dünne Haut zeichneten ihn früher aus.

Heute zeichnet ihn schnöseliges Verhalten aus, das er etwas geschickter verbirgt, eine dünne Haut, die er ebenfalls geschickter verbirgt und bislang nur eine rote Karte im Champions-League-Finale.

Nichtsdestotrotz: ich bin erleichtert, dass Jens Lehmann weitermacht. Die Nachfolgekandidaten mit Ausnahme von Robert Enke sind alles Leute, die genau dem Bild von Hauruck-Heinis, denen ab und zu mal die Sicherung durchbrennt, wie man sie im Tor kennt, entsprechen.

Und während Oliver Kahn altersalt geworden zu sein scheint, wirkt Lehmann eher altersweise, dazu aber mit der nötigen Fitness, Beweglichkeit und auch mit dem nötigen Quentchen des „antizipierenden Torhüters“, die ihn alle zusammen relativ schwer bezwingbar machen — zur Zeit.

Bis zur EM 2008 sind es noch zwei Jahre und sollte Lehmanns Form drastisch abfallen, sollte man nicht zögern, einen ähnlichen Tausch wie vor der WM 2006 vorzunehmen und einfach das tun, was ein Trainer immer tun sollte: den besseren Torwart aufstellen, nicht den mit den größeren Erfolgen in der Vergangenheit.

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Man sieht sich immer zwei Mal

Italien hat Frankreich im Finale der WM geschlagen und ist nun Weltmeister. Ein Franzose hat zwar auch einen Italiener geschlagen und wenn es ganz dicke kommt, wird Italien der Titel wieder aberkannt. Das ist allerdings äußerst unwahrscheinlich und eher der Problematik geschuldet, dass Zeitungen ja irgendetwas schreiben müssen.

Für die Franzosen bietet sich nun ganz schnell die gleich zweifache Gelegenheit zur Revanche, weil Frankreich und Italien gemeinsam in einer Qualifikationsgruppe zur Europameisterschaft sind. Wie schön für Materazzi, dass er nicht mehr auf Zidane treffen kann — so Materazzis Sperre da überhaupt schon abgelaufen sein sollte.

Am 6. September 2006, also in gerade mal acht Wochen, findet das Hinspiel in Frankreich statt. Ziemlich genau ein Jahr später, am 8. September 2007 steigt dann das Rückspiel. Es wird interessant, zu sehen, ob es den Franzosen in nur 8 Wochen gelingt, eine neue Mannschaft zu formen und ob dieser dann die Revanche gelingt.

Trainer Raymond Domenech bleibt jedenfalls im Amt. Und ob das nun so eine gute Entscheidung ist angesichts der Tatsache, dass er schon 2004 mit dem Neuaufbau der Mannschaft nicht zurecht kam, bleibt abzuwarten.

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Hau den Materazzi

Materazzi macht sich selbst klein, um einer möglicherweise gerechten Strafe für seine Provokationen gegen Zidane im gestrigen Finale zu entgehen. Wie die Tagesschau berichtet, soll Materazzi Zidane einen

“dreckigen Terroristen”

genannt haben. Und obwohl Materazzi sich dazu mit den Worten

“Ich bin ein Ignorant. Ich weiß nicht mal, was das Wort bedeutet.”

verteidigt, ist es so unwahrscheinlich nicht, dass Materazzi zumindest irgendeine Beleidigung gegenüber Zidane losgelassen hat. Im notorisch Fremdsprachen-phoben Italien spricht kaum jemand französisch und 99% aller italienischen Fußballprofis haben es nie nötig gehabt, im Ausland zu spielen. Zidane aber versteht italienisch, da er selbst einige Jahre in Turin unter Vertrag war.

Abgesehen davon ist es mit Spanischkenntnissen — die Zidane hat, weil er nun einige Jahre in Madrid spielt und weil seine Frau je nach Quelle Spanierin oder Halb-Spanierin ist — ein Leichtes, Italienisch zu verstehen.

Derweil also Materazzi den dummen Jungen in einem bösen Stück mimt, können wir es Zidane nachmachen und Materazzi aus dem Weg räumen, wozu uns dieses kleine Spielchen einlädt. [Link leider tot]

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Alka-Seltzer

Wem es ähnlich geht wie mir, wer immer noch an den Folgen der ominösen 119. Minute leidet und irgendwie auch daran, dass die WM nun vorbei ist, der möge sich hier Tipps für eine Gesundung holen.

Nur noch 5 Wochen bis zum Bundesligastart am 11. August

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Manni, der Libero offensive Mittelfeldspieler

Endlich widerspricht mal jemand der Dumpfbacke Gerd Müller, der ständig fabuliert, dass er zu heutigen Zeiten, mit diesen Viererketten, ja in jeder Saison 40 Tore in der Bundesliga schießen würde, wenn nicht gar mehr. Seine Begründung ist, dass er nur immer in die Schnittstellen der Kette gehen müsste und dann ständig durch wäre. Jeder, wie er kann. Der schöne Beweis, dass Gerd Müller wirklich die besten Voraussetzungen für einen Stürmer mitbrachte: vor dem Torschuss nicht denken. Leider schafft er das vor dem Reden auch nicht.

Der etwas cleverere Manfred Burgsmüller sagt im Interview mit der taz:

Bei der laufenden WM sind viele Stürmer hinter den Erwartungen zurück geblieben. Der Schnitt der erzielten Tore ist so niedrig wie lange nicht mehr. Woran liegt das?

Früher war es natürlich einfacher. Jeder Stürmer hatte einen Gegenspieler und fertig. Wenn er den ausgespielt hatte, stand er frei vor dem Tor. Das ist im heutigen Fußball völlig anders. Die Spieler haben keine Zeit mehr, den Ball anzunehmen.

So, und jetzt schön still sein, Gerd.

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Seltenheitswert

Das heutige Finale hat Seltenheitswert. Zum ersten Mal seit 1978 stehen weder Brasilien noch Deutschland im Endspiel. Um es genauer zu sagen, erst zum zweiten Mal seit 1954 überhaupt stehen weder Brasilien noch Deutschland im Endspiel und die einzige Ausnahme davon war eben jenes Finale 1978.

1954 Deutschland — Ungarn
1958 Brasilien — Schweden
1962 Brasilien — Tschechoslowakei
1966 England — Deutschland
1970 Brasilien — Italien
1974 Deutschland — Niederlande
1978 Argentinien — Niederlande
1982 Italien — Deutschland
1986 Argentinien — Deutschland
1990 Deutschland — Argentinien
1994 Brasilien — Italien
1998 Frankreich — Brasilien
2002 Brasilien — Deutschland
2006 Frankreich — Italien

Wer es weniger mit Zahlen und eher mit den handelnden Person hält, dem sei gesagt: Nachdem gestern die „Großen“ Luis Figo und Oliver Kahn bereits ihr letztes Länderspiel absolviert haben, gilt dies heute für den „ganz Großen“ Zinedine Zidane sowie seinen Gefolgsmann bei den Bleus Lilian Thuram. Adieu (was ja, wie wir wissen, „zu Gott“ bedeutet, womit wiederum nur Zidane gemeint sein kann)!

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