Zwischen den Feiertagen ganz grau

Eben las ich etwas, was mich beinahe selbst zum Heulen gebracht hätte, etwas, was sonst zugegebenermaßen vor dem Rechner ziemlich selten passiert. Es wäre aber ohnehin kein Heulen aus Traurigkeit oder aus Rührung gewesen. Sondern eher aus einer Mischung heraus, die aus Verzweiflung und Bestätigung bestünde, dass das, was den Fußballfan in den Wahnsinn treibt, wirklich wahr und wahrhaftig ist. Durch das Lesen des Zitats diesem Wahnsinn ins Auge gesehen und dann so gekreischt, wie es sonst der Job von weiblichen, jugendlichen Darstellerinnen in Horrorfilmen ist, wenn der Mörder mit dem Messer zur Tür hereinkommt. Und ein Entrinnen nicht möglich ist. Ein Entrinnen vom Fußballfansein. Wie ich in einem anderen Beitrag vor einiger Zeit formulierte „Infiziert ist infiziert.“

Man kann nicht willentlich zum Nicht-Fan werden. Ein Heulen aus Konfrontation mit der Realität also, oder vielmehr der Erkenntnis, dass real ist, was man allzu gerne immer wieder wegschieben würde: Man hat überaus reale Emotionen wegen eines Geschehens, auf dessen Ausgang man Nullkommagarkeinen Einfluss nehmen kann. Man ist den Ereignissen ausgeliefert, deren Inhalt in seiner Bedeutung fürchterlich surreal ist. Denn gäbe es kein Fußballspiel, würde sich nichts an der Welt verändern. Was man schön an den Konsequenzen des Umstands spürt, dass ein Spiel ausfällt. Was verändert sich dann im Leben? Nichts. Die Auswirkungen dieser surrealen Realität eines durchgeführten Spiels aber sind ganz schmerzhaft real. Die Pein, wenn man verloren hat, ist nichts anderes als jene ganz reale Pein, die man beim Verlust anderer Dinge oder Wünsche und Träume empfindet. Und ich nehme an, ohne es beweisen zu können, dass auch die Blutbahn eines Menschen, dessen Team gerade verloren hat, dieselben Hormone aufweist, wie die eines Menschen, der in einem realen Wettkampf den Kürzeren gegen einen Gegner zog.

Was diese meine Regung — kein Entrinnen — auslöste, waren die Worte von Anke Gröner, die sich in ihrem Blog Gedanken dazu macht, wie und ob ihre durch das Fußballgucken ausgelösten Emotionen echt sind:

… wenn ich nach einem Film traurig bin. Oder neuerdings nach einem Fußballspiel. Irgendetwas macht irgendetwas mit mir, und ich lasse es zu. Meine Emotionen sind echt, auch wenn sie von etwas herrühren, das im Prinzip nichts mit mir zu tun hat. Die Emotionen haben eine andere Qualität wie die nach Streitereien mit dem Kerl oder freudigen Nachrichten im Freundeskreis. Aber sie sind trotzdem echt.

Es tut wirklich weh, das zu lesen. Nicht, weil es in irgendeinerweise frevelhaft oder naiv wäre, sondern weil es daran erinnert, wie oft man schon gelitten hat wegen dieses Scheiß-Fußballs, wegen dieses Nichts, das es ja eigentlich ist, und wie real und wie niederschmetternd diese Erlebnisse waren. Und wie da jemand noch scheinbar nichtsahnend im Kosmos der Gefühle rund um den Fußball herumfühlt, der noch so Niederschmetterndes bereit hält, auch wenn sich „Barcelona“ in diesem Leben wohl nicht mehr wiederholen wird. Aber Ähnliches ganz sicher. Das Taubste, was ich in meinem Leben erlebte, war die Rückfahrt im Zug vom so kurz vorm Ziel verlorenen WM-Halbfinale 2006 aus Dortmund, und wenn ich mich dieses Ergebnisses erinnere, breche ich — anders als damals — heute tatsächlich fast in Tränen aus. Das war damals nicht möglich, der Schock war so stark, dass er vor enormer Trauerreaktion schützte: Taubheit als Schutz vor zu großer, unbewältigbar erscheinender Trauer. Genauso wenig war der nächste Tag besser. Und auch 2010 nicht.

Dieses ständige Verlieren und Ausscheiden macht es ja auch so fragwürdig, dass man im Fußball bei einer WM oder EM keine weiteren Plätze ausspielt wie beim Handball oder Eishockey. 32 Mannschaften fahren hin, 31 kehren mit einer Niederlage bzw. dem Ausscheiden als letztem Erlebnis heim. Kämpft sich Irland wacker durch die Vorrunde, schaltet im Viertelfinale Spanien aus und verliert im Halbfinale gegen übermächtige Engländer (kleiner Scherz), ist das die Erfahrung, die die Spieler, aber vor allem ihre Fans mit nach Hause nehmen: Verloren. In der Bundesliga wird nur der Erste am Ende Meister. Alle anderen gewinnen gar nix, nicht mal einen Blumentopf — und wer ganz unten steht, der muss sogar fürchten, im nächsten Jahr plötzlich samstagsmorgens (!) um 13h gegen Paderborn (!) antreten zu müssen. Da werden Ängste beinahe übermenschlich groß.

Natürlich ist das vollkommen verrückt, wegen eines Fußballspiels oder eines Abstiegs zu heulen oder überhaupt irgendeine (echte – wobei die Frage auch erlaubt sein muss, was überhaupt „falsche“ Emotionen sein sollen und ob nicht per se alles, was man empfindet, echt ist) Emotion darüber zu empfinden, aber, und das ist der Punkt: man hat es sich ja nicht selbst ausgesucht.

Beim DRadio Wissen, interviewt von einem Nur-WM-Gucker, wurde ich mit der Aussage konfrontiert: „Ihr (Fußballblogger) nehmt Eure Sache aber schon ganz schön ernst?!“ Was mich dazu veranlasste, letztens zu schreiben, dass Fußball selbstverständlich eine vollkommen ernste Angelegenheit ist, viel ernster als alles Fotografieren, Kochen oder Reisen der Welt zusammen und man sich die Frage danach, ob Fußballblogger ihr Bloggen und ihren Fußball ernst nehmen auch sparen kann — denn wer bitteschön hat je beim Kochen, beim Reisen oder beim Fotografieren verloren oder ist gar abgestiegen?

Ich schreibe das alles im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, und auch im Bewusstsein dessen, dass es öffentlich sein wird, jeder es lesen kann und Außenstehende das für infantil, prollig oder auch kitschig halten werden, wegen einer Niederlage beim Fußball zu leiden, aber genau das ist es, wovon Hornby spricht, das ist es, was die Leute meinen, wenn sie von „echten“ Fans sprechen und das ist es, was diese Fans von WM-Event-Guckern unterscheidet. Man kann nach einer Niederlage oder dem Abstieg nicht einfach mittels Fernbedienung umschalten und einen Film gucken, der einen in andere Emotionen versetzt.

Auch die Platzstürme, so lächerlich diese von außen wirken, in den letzten Jahren in der Bundesliga geschahen aufgrund sportlicher Frustration: In Berlin nach dem Abstieg und in Frankfurt nach dem so gut wie feststehenden Abstieg. Das sind doch (mehrheitlich) keine Menschen, die sich aus Langeweile oder aus Männlichkeitsgehabe prügeln wollen, sondern ihrer für sie so extrem schwer zu bewältigenden Frustration der Niederlage Raum geben wollen, am liebsten gar, man sehe sich die Bilder an, das Geschehene rückgängig machen würden.

Hörte man Rainer Calmund in jener Zeit zu, als Leverkusen gegen den Abstieg kämpfte, dann sah man das Abstiegsgespenst, das ihn jede Nacht beim Zubettgehen besuchte, förmlich selbst vor sich. Nicht weil er so ein guter Schwadronierer ist, sondern weil man es selbst kennt, und diese oder ähnliche Phasen des drohenden Scheiterns miterlebt hat — mitsamt seinen Auswirkungen auf das ganz normale Leben.

Und hier erklärt sich — zu einem Teil — auch das Nichtanerkennenwollen der Bayernfans als „ernstzunehmende“ Fans durch Anhänger anderer Vereine. Denn was im Erfolgsfalle passiert, das ist zwar beneidenswert und irgendwie sexy, Erfolg eben, auch wenn Bayern seine Titel meistens typisch deutsch errang: Hässlich, aber erfolgreich.

Es geht aber nicht um die Fragen, die sich rund um den Erfolg drehen, sondern um jene, welche Konsequenzen der Misserfolg hat. Bayern-Fans spielen nicht das selbe Spiel wie alle anderen. Was man ihnen insofern zurecht vorwerfen darf, als es tatsächlich so ist, dass sie nicht das selbe Spiel spielen wie alle anderen. Bayernfans spielen mit doppeltem Boden, oder besser: Mit Fangnetz. Wenn Bayern Misserfolg hat, dann ist dennoch niemals die Liga-Zugehörigkeit in Gefahr. 1965 aufgestiegen, danach in fast 50 Jahren ganze zwei Mal ernsthaft überhaupt in der unteren Tabellenregion gewesen. Bayern kann — nach menschlichem Ermessen — nicht absteigen, was das Leiden über Misserfolge aus Sicht der anderen falsch, künstlich und ergo nicht echt erscheinen lässt. Denn richtiger Misserfolg, welcher quasi aus der Vernichtung, dem Abstieg nämlich, besteht, ist bei Bayern gar nicht möglich. Ausnahmslos alle anderen Clubs können aber jederzeit in Abstiegsgefahr geraten, und das ist allen Teilnehmenden auch bewusst, weshalb die Angst, Enttäuschung und Frustration eines Bayernfans aus Sicht eines jeden, der tatsächlich absteigen kann, das entscheidende Kriterium fehlt: Ein echtes Scheitern existiert für Bayernfans gar nicht.

Diesen Umstand darf man Bayernfans andererseits allerdings nicht vorwerfen, da sie sich ebenso wenig wie alle anderen selbst ausgesucht haben, Bayern-Fan zu sein. „Der Verein wählt Dich“, sagt man so wahr wie inzwischen ausgelutscht, was natürlich nur eine schöne Metapher dafür ist, dass man meistens keinen rationalen Grund dafür angeben kann, warum man mit einem Verein in Liebe gefallen ist (ich weiß, dass das die englische Ausdrucksform ist, bei einem Fußballverein passt es aber so gut).

Man fällt in Liebe mit einem Verein, Betonung auf fallen, und da rauscht aus dem Hinterkopf schon wieder das Grauen heran, welches Hornby so allzu treffend mit seinen einleitenden Worten in Fever Pitch beschrieben hat. Und ich denke, auch wenn es sogar einige geben soll, die das Buch nicht gelesen haben, es ist völlig ungefährlich für mich, diesen kitschigen, prolligen, infantilen Beitrag hier zu veröffentlichen, denn hier schauen ohnehin nur jene rein, welche zustimmend in sich hinein nicken, wenn sie Hornbys Worte lesen (uberoft zitiert, aber trotzdem:)

Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.

Fußballfansein bedeutet in aller Regel Misserfolg zu haben, selbst Bayern wird nicht wirklich jedes Jahr Meister, nicht mal jedes zweite, alle anderen Vereine eigentlich so gut wie nie, vielleicht zwei Mal im Leben, bei den meisten eher gar niemals. Fußballfansein bedeutet warten, zwischen den Hunderten 1:1 und 0:0, die man ertragen muss, endlich einen rauschenden 5:0-Abend erleben zu dürfen. Ja, „zu dürfen“, denn das hat der Fußballgott, eine andere schöne Metapher für den Zufall und den Lauf der Dinge, die man im Fußball so wenig wie in keiner anderen Sportart planen kann, irgendwann mal entschieden, dass zwischen den wenigen Höhepunkten etliche Darbietungen, die mit großer Qual verbunden sind, liegen.

Borussia Mönchengladbach hat nicht nur deshalb zur Zeit vergleichsweise wenige Neider, weil der Fußball Favre’scher Machart so schön anzusehen ist. Der gemeine Fußballfan erinnert sich auch, wie es den Fans dieser Mannschaft lange Zeit ging. Ihre Anhänger schritten beinahe über Jahrzehnte von einem Fegefeuer durchs nächste, ganze Saisons, in denen Gladbach auswärts zwei oder drei Punkte holte — in einer kompletten Saison, in 17 Spielen gerade schlappe drei Mal nicht verloren. Für Außenstehende klingt das viel zu brachial, „Fegefeuer“ und derlei aufgeblähter, sich selbst überhöhender Quatsch, aber tatsächlich ist es das, was der Fußballfan real erlebt. Er leidet, in echt, ohne Einschränkung. Und er hat es sich weiterhin nicht selbst ausgesucht.

Fußballfansein ist vor allem das: Warten, Warten, Warten und frustriert sein. Und gleichzeitig nicht wegsehen können, auch wenn es wieder schief geht, wie es eigentlich immer schief geht. Nicht wegsehen können, weil man an jenem einen Tag dann eben genau das 5:0 verpassen würde, auf das man die ganze Zeit gewartet hat. Die Vorfreude, die eine Busladung voller Fußballfans auf dem Hinweg zum Stadion verströmt, ist angesichts der harten Realität eigentlich fehl am Platze: 50 Prozent seiner Insassen werden auf dem Rückweg Trauer tragen — und sie wissen um diese Regel, auch wenn sie natürlich auf das Gegenteil hoffen.

Eine in diesen Dingen unbedarfte Freundin fragte mich mal, warum ich ins Stadion ginge, ob ich mich dort an der Gewalt erfreuen würde oder am Singen teilweise grenzdebiler Gesänge oder am Rhythmischen Klatschen in der Gruppe, fast wie beim Militär oder was ihr sonst noch aus ihrer Sicht Unangenehmes einfiel. Nein, das interessiert alles nicht wirklich, das sind nur Randerscheinungen, die man auch wegnehmen könnte, natürlich ist die Antwort eine andere und sie ist ganz einfach: Ich gehe ins Stadion, weil ich mich über den Sieg freuen will. Nur weiß ich natürlich nicht, ob es dazu kommen wird. Ich hoffe, dass es diesmal klappt, dass mir der Zustand der Freude vergönnt ist, weil der Fußballgott (aka Herrscher der Unwägbarkeiten dieses Sports) es so will.

Doch leider ist nicht an jedem Tag Tag der Überraschungen bei einer WM, Underdog schlägt Favorit. Meistens ist 1:1-Tag, es regnet, und die Füße werden nass. Oft ist es sogar 0:2-Tag. Und dann geht man traurig und enttäuscht nach Hause, und diese Empfindungen sind zweifelsohne so real wie der Schnupfen am nächsten Tag real ist, wie die Schwere auf den Schultern, der Brust, die einen am nächsten Morgen aufs Kissen zurückdrückt, weil man gestern wieder verloren hat. Ja, man, nicht der Verein und die Spieler verlieren, man selbst verliert und am Ende ist es das, was das Ganze so problematisch und so unangenehm macht, das Fußballfansein: Man fühlt sich im Anschluss an eine Partie ganz real wie ein Verlierer, ohne dass man den Ausgang auch nur im geringsten hätte beeinflussen können. Und die Nase tropft.






68 Kommentare

  • Jannik sagt:

    Ich würde zu so vielen Punkten, die du ansprichst, etwas schreiben wollen, zustimmend, nickend – aber das würde der Größe dieses Textes nicht gerecht werden.

    Wehe, du gehst irgendwann von dieser Welt, ohne mindestens 200 Seiten mit genau solchen Inhalten in Buchform veröffentlicht zu haben – wir brauchen einfach ein Standardwerk der Fußballphilosophie!

  • nedfuller sagt:

    Toll.

    Es ist so schwierig jemand diese Gefühle zu erklären.
    Damals, in London, so kurz vorm Finale in der eigenen Stadt gingen die Liebsten schweigend vom Stadion ins Hotel. Wir blieben immer wieder stehen (auf mein Drängen) um nicht in der Nähe von Fans (eigenen) zu laufen, die versuchten entweder emotional oder sachlich die Niederlage zu bequatschen. Ich konnte es nicht hören, ich wollte es nicht hören. Ich wollte mit meinen Gefühlen alleine sein, die einzige, die dies verstand, war die Liebste. Ihr ging es genau so.

    Ich habe an diesem Tag nicht geweint. Auch nicht am nächsten.

    Am Tag des Finales saß ich im Stadion. Ich hatte mich um eine Karte beim DFB beworden, damals, und tatsächlich eine bekommen. Neben mir setze sich ein Typ, auch erkennbar HSV Fan. Er fragte mich mit traurigen Augen, was wir hier eigentlich machen. Ich wußte keine Antwort.

    Erst als die Mannschaften ins Stadion einliefen, wußte ich was ich dort machte: Weinen.

    Fußball tut so weh.

    Aber ich werde im Leben nie das Gefühl vergessen, nachdem es einsnull für uns stand. Auswärts. Rückspiel. Dieses Gefühl, nie werde ich es vergessen.

    So wie das Gefühl am Ende auch nicht.

  • Linksaussen sagt:

    Ja.

  • Linksaussen sagt:

    Angefangen, mich für Fußball zu interessieren, habe ich – mittels Freunden – so 94, 95. der bvb wurde mein verein, aber fan war ich noch lange nicht – ich habe damals nicht mal (und das traue ich mich kaum, zu schreiben) das cl-finale 97 gesehen.

    erst als es ende der 90er dann bergab ging, noch weiter runter zu beginn des jahrhunderts, als der bvb skibbe, krauss und unzählige miese spieler ertragen mußte, als man durch ein 0:1 gegen bielefeld (!) auf einen abstiegsplatz rutschte – erst da wurde wurde ich wirklich fan, begriff überhaupt, was es heißt, fan zu sein. und ich bemitleide so sehr die jungen menschen, die in den letzten jahren bvb-fan wurden und nur diese unglaublichen höhen erlebt haben und erleben, ohne diese wirklich schätzen zu können (was sie noch nicht wissen), weil sie schlimme zeiten eben nie erlebt haben (was ihnen nicht vorzuwerfen ist).

    denn vielleicht, nein wahrscheinlich, wird es nie wieder so gut.

    (momentan bin ich damit vermutlich einem gladbach-fan näher als den meisten anderen)

  • NORTHEND sagt:

    Manchmal sind Emotionen einfach auch nur ein Joch.

  • keano sagt:

    was mich während der arbeitseinsätze beim stadionbau an der alten försterei beinahe am meisten gefreut hat, war, dass der fresscontainer, den man als erstes sieht, wenn man durch den _gäste_-eingang kommt, mit exakt diesem hornby-zitat bedruckt ist. noch mehr gefreut hat es mich, anlässlich dieses offensichtlich beeindruckenden zitats dem vorarbeiter das zugehörige (und ihm unbekannte) buch auch zu schenken.

  • Rufer sagt:

    War mir gar nicht so bewusst, dass Fußball auch Leiden bedeutet. Also verlieren kommt vor, klar. Ich bin ja wie man wohl erkennt, Fan von Werder Bremen, und da gab es in den letzten 20 Jahren nicht so extrem viel zu leiden. Gleichzeitig haben wir immer mal wieder oben angeklopft, und langfrisstig reichte es dann doch nicht dazu, oben zu bleiben. Was wir natürlich gerne geblieben wären. Also so ganz erkenne ich mich in dem Beitrag nicht wieder, was aber an dem Umstand liegen mag, dass Werder in diesem Jahrtausend noch nicht so richtig gescheitert ist.

  • Erenbene sagt:

    Das ist wirklich einer der besten Texte, die ich je in den Fußballblogs gelesen habe. Beinahe jedes Wort so zutreffend.

    Danke dafür.

  • Stefan sagt:

    Jetzt haben wir endlich auch einen Referenz-Text zum Thema.
    Danke.

  • Alibamboo sagt:

    Wunderbar.

    Nur eine ganz kurze Anmerkung: Natürlich sucht sich der gemeine Fan seinen Verein nicht aus. Der Bayern-Anhänger allerdings schon. Das macht den Unterschied.

    Disclaimer: Natürlich gibbet auch beim FCB den ‚richtigen Fan‘, der gefunden wurde. Und vor diesem ziehen ich Angesichts seines Leidens ob der anderen Stadionbesucher den Hut.

  • Alibamboo sagt:

    Achso: Paderborn ist übrigens am Sonntag.

  • heinzkamke sagt:

    Trainer, Du bist ein Fußballgott!

    (Mir egal, ob das überhöhend ist.)

  • geo sagt:

    Schöner Text.
    Wenn nur dieser kleine Fehler nicht wäre…

    „32 Mannschaften fahren hin, 31 kehren mit einer Niederlage bzw. dem Ausscheiden als letztem Erlebnis heim.“

  • xxlhonk sagt:

    Sehr stark!
    Ein glattes 5-0!
    Hammer!
    Was soll man dazu noch sagen?

  • Beve sagt:

    toll, danke. ist schon die einzelne niederlage bitter – für den moment –, so kann die finale niederlage nahezu traumatische züge aufweisen (1992). auf der anderen seite wischt der finale sieg alle vorhergehenden niederlagen einfach beiseite (1999).

    einmal nur wussten die bayernfans, was fußball bedeutet, damals im mai 1999, als manchester …

    und zur ehrenrettung von paderborn sei gesagt, dass außer vielleicht 25 mannschaften der rest deutschlands froh wäre, so er denn dort kicken dürfte. nur 13:00 uhr, das geht gar nicht.

  • zechbauer sagt:

    Danke, Danke, Danke. Sehr schön auf den Punkt gebracht – und Deine Bayern-These wird dadurch unterstrichen, dass wir Bayern-Fans ein einziges Mal wirklich das Mitleid und so eine Art „Verständnis“ aus anderen Fan-Lagern erhielten: 1999.

  • Jason sagt:

    Sehr schön – allerdings nicht nur auf Fussball anwendbar, mir geht’s beim Eishockey mindestens genauso wie es mir auch beim Fussball geht.

  • Andre sagt:

    Ich sage nur: Blogbeitrag des Jahres 2012!

  • JP sagt:

    Absoluter Spitzenbeitrag, wirklich – bis auf das vorhersagbare Klischee von den Bayernfans, die das Gefühl des Verlierens nicht kennen. Ich behaupte im Gegenteil, daß man als Bayernfan eben jenes Gefühl mindestens genauso intensiv kennenlernt, wie Fans jeder anderen Mannschaft, wenn nicht noch intensiver. Ich habe 5 EC1-Finals der Bayern live im TV erlebt (bei den ersten Drei war ich noch zu klein…), 4 davon endeten mit diesem dumpfen Gefühl, daß man kurz vor dem Ziel gescheitert ist. Eine Finalniederlage tut übrigens mehr weh, als ein Aus im Halb- oder Viertelfinale. Soweit kann man das als Bayernfan beurteilen. Sicher gibt es bei anderen Vereinen stattdessen Abstiege – beim Club oder bei Bochum z.B. gibt’s aber als Ausgleich dafür immer wieder Aufstiege. Was gibt es als Ausgleich für ein verlorenes Finale? Eben – nichts. Es gibt keine Garantie, daß es irgendwann wieder klappt.

    In einem Punkt ist aber doch was Wahres dran: die DFB-Pokal-Siege lösen in mir nicht das aus, was der Titel für den Club 2007 ausgelöst hat. Das war bei mir die CL 2001, oder der WM-Titel 90 (nach den zwei verlorenenen Endspielen…)

    Und Erfolgsfans, bzw. „sich die Mannschaft heraussuchen“: das trifft in meiner (Nürnberger) Umgebung im Moment auf ein paar Leute zu, die mit BVB-Schals durch die Gegend rennen. Als Bayern-Fan? Will man sich den ständigen Anfeindungen wirklich freiwillig aussetzen? Dazu muß man schon Masochist sein. Oder der Verein hat dich ausgesucht. Dann kann man nichts mehr machen.

    Aber ich will an diesem sehr schönen Text nun wirklich nicht zu viel herumnölen.

  • Genau den Nerv getroffen! Spielerische Dominanz über 90 Minuten und nach dem hochverdienten 6:0 anschließend die Humba vor der Kurve angestimmt.

    Allerdings – und ich darf das als Fan von Fortuna Düsseldorf wohl berechtigterweise behaupten – stimme ich mit der Häufigkeit des Leidens nicht ganz überein. Klar, hofft man immer auf den Kantersieg und geht nach einem mauen 0:0 auf heimischen Geläuf unzufrieden nach Hause. Aber ich kann mich auch über ein unverdientes 1:1 mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit freuen. Und selbst dem ungeliebten 0:0 kann ich je nach Spielverlauf und der anschließenden Tabellensituation noch viel Positives abgewinnen. Natürlich gibt es verhältnismäßig wenige glanzvolle Fußballfeiertage, aber gerade die Eigenschaft, auch nach mittelmäßigen oder gar schlechten Spielen noch das Beste für seinen Verein zu sehen, (Stichwort: selektive Wahrnehmung) macht doch auch den Fan aus.

  • Danke. Großes Kino!

  • JP sagt:

    Noch was: sind denn wirklich die 5:0-Siege das, worauf wir immer warten? Wenn es für mich einen Moment in den letzten Jahren gab, der für viele, viele graue Momente entschädigt hat, war es das 2:1 in der 90. von Olic gegen ManU im Viertelfinalhinspiel der CL (und die 15 Minuten zuvor, in denen man gemerkt hat, daß die Bayern dem Siegtor immer näher kommen, die Uhr aber andererseits heruntertickt…) Ungefährdete Siege sind auch mal ganz nett, aber solche Spiele, die immer packender werden, und zum Schluß auf ihren Höhepunkt hinsteuern sind das Salz in der Fußballbrühe, im positiven wie im negativen Sinn.

  • Bobo sagt:

    Danke.

  • Fanny sagt:

    Toll! Danke für diesen Post.

    Auch wenn ich mir wünschte, man müsste sich nicht für Hornby-Zitate rechtfertigen. (Ich würde gerne öfter welche posten, weil das ganze Buch voller Wahrheiten ist, traue es mich aber eben auch nicht so recht. ;))

  • Iluv sagt:

    Wie wahr, wie wahr. Wenn ich das lese wünsche ich mir Beve zurück. Der Mann, der mich nach wochemlanger Frust und Depression durch all die Ungerechtigkeiten des Fussballs wieder einfangen konnte und mit seiner Leidenschaft und Hingabe das Feuer neu entfachte. Auf ein neues ins Stadion auf das es besser wird.

    Danke Trainer. Danke Beve für all die Jahre…

  • Matt sagt:

    Da kann man nicht mehr sagen als einfach nur: Danke, für diesen Text!

    Das sind genau die Worte, nach denen ich in den letzten Wochen gesucht hab um diese ganze Thematik zu beschreiben.

  • Fohlenfreundin sagt:

    Ein toller Text. Ich saß nickend davor. Ich bin vor ca. 10 Jahren zum Fußball gekommen, weil mir mein Mann vorschwärmte – von der Atmosphäre am Bökelberg. Irgendwann MUSSTE ich mal mit. Und da war „meine Liebe gebor‘n“. Die jetzige Saison von Borussia MG ist tatsächlich die erste wirklich schöne in der 1. Liga, seit ich Fan wurde – und ich genieße das. Sonst kann ich nicht viel mehr zu deinem Text sagen; da schließe ich mich Jannik an. Nur eins noch: Beim Kochen kann man verlieren. Wer jemals ein Rezept getestet hat und bei dem Versuch so richtig auf die (Koch)fresse gefallen ist, dem hängt sowas ewig an. Ich weiß, wovon ich spreche, denn neben dem Fußball liebe ich auch das Kochen. Trotzdem: Super Text und so zutreffend. Danke.

  • hefewetz sagt:

    Und wie gut das gerade auch auf mich passt. Wahnsinns-Post. Hut ab.

  • Danke. Neben allem Anderen ist das Gute an Deinem Artikel, dass wir uns dieses gane Jahresendgedöns um Nominierungen und dergleichen sparen können.

    @JP: Nee. Bei allem ernsthaftem(!) Verständnis über den Schmerz bei Finalniederlagen – der Pott so nah und doch so fern, das tut gewiss weh – was der Trainer (so glaube ich) sagen will: Eine Finalniederlage ist nichts gegen die Existenzangst, die wir anderen (also Nicht-FCB-Fans) immer im Nacken haben. Ein Abstieg bedeutet das Verschwinden von der Fußballkarte. Natürlich, ist es ein Abstieg aus Liga Eins, wird die Karte nur deutlich kleiner und weniger präsent, aber auch von der kann man verschwinden. Das ist ein weit dunkleres und abgrundtieferes Loch, als man es sich als Finalteilnehmer überhaupt vorstellen kann.

  • Linksaussen sagt:

    …von der Existenzangst, dass der eigene Verein komplett von der (Profi-)Sportlandkarte verschwindet, mal ganz abgesehen. Düsseldorfer Flughafen 2005, die Gläubiger-Entscheidung zum BVB.

  • Zaister sagt:

    Ein toller Text. Besser kann man es nicht beschreiben!

  • immnski sagt:

    Emotionen in Worte zu beschreiben. Wie oft wurde man gefragt warum man ins Stadion geht. Wie oft tat man sich mit einer verständlichen Erklärung schwer. In Zukunft werde ich auf dieses großartigen Text verweisen. Danke.

  • Pillepalle sagt:

    Ganz großes Kino. Hervorragender Text. Endlich ist das alles mal in Worte gefasst.

  • drym sagt:

    Trainer Baade ist und bleibt das beste zum Thema, was ich kenne.
    Ganz hervorragend.

  • probek sagt:

    Bayernfans sind anders als alle anderen. Vielen Dank für das Kompliment.

  • Probek, Dir hätte ich eigentlich etwas mehr Lesekompetenz zugetraut. Ich schrieb „Und hier erklärt sich — zu einem Teil — auch das Nichtanerkennenwollen der Bayernfans als „ernstzunehmende“ Fans durch Anhänger anderer Vereine.“

    Ich betone: Durch Anhänger anderer Vereine.

    Wo steht da was davon, dass Bayernfans anders sind?

  • netzberg sagt:

    Es ist wie in einer Verlängerung, die dann mit einem 8:7 im Elfmeterschießen gewonnen wird. Aktuell alles sehr wichtig. Später haben wir einfach gewonnen. Es bleibt.

  • Micky sagt:

    Und da ist noch das Darben unter der Woche, bis die favorisierte Mannschaft endlich wieder spielt. Derweil die Konturen des Alltags ein wenig verschwimmen und letzterer unbedeutend erscheint. Selbstverständlich schüttelt man die ganze Zeit über sich selbst den Kopf: wie kann man Sport (anderer) nur so wichtig nehmen? – Und da ist sogar, auch wenn man nicht masochistisch erscheinen will, die gebremste Freude etwa über das Superdupermeisterjahr 2010/2011, als der geliebte BVB durch Liga stürmte. War das alles denn wahr? Wieso gewinnen die dauernd? Warum spielen die auf einmal so, dass es schön anzusehen ist? Da kriegt man mal Triumph im Übermaß geschenkt, und dann es ist es eben Übermaß: es ist zuviel,unwirklich. Morgen weckt mich einer, oder es steht in der Zeitung, dass alles nur ein Trick war.
    Freuen, das muss der gemeine Fan auch erstmal üben…

  • jensen sagt:

    Ein großes Werk, danke dafür. Werde ich überall in der virtuellen Welt rumzeigen.

  • Tobi_K1980 sagt:

    Trainer,vielen Dank für diesen Text.

    Ich kann mich noch gut an die Transferphase erinnern, als es für meinen VfB galt einen passenden Nachfolger für Gomez zu finden. Arbeiten war fast unmöglich, bei der Taktfrequenz in der neue Meldungen durch die Ticker gejagt wurden. Ganz zu schweigen von dem unsäglichen hin und her mit Huntelaar.

  • Stefan sagt:

    Sehr lange überlegt, ob ich es wagen will, ein paar wenige Worte der Kritik zu äußern. Ich will. Der Absatz über die Platzstürmer will mir einfach nicht gefallen. Ich fürchte, dass diese Herren mehrheitlich die vermeintliche Frustration über eine Niederlage als Vorwand benutzen, um ihrer eigentlichen Passion, nämlich randalieren, kloppen, Ärger machen nachgehen zu können. Wenn ich Recht hätte, würde der Text diesen Leuten auch noch einen Vorwand liefern. Vielleicht hab ich ja unrecht, oder – wahrscheinlicher – kapieren die Platzstürmer nicht, worum es geht.
    Jedes weitere Wort hätte man nicht schöner, passender, tiefgründiger schreiben können. Herzlichen Dank!

  • Oh, Kritik ist immer willkommen. Auch fährt der Drittplatzierte bei einer WM natürlich nicht mit einem Negativ-Erlebnis nach Hause, sondern mit einem Sieg, ist mir aber erst später eingefallen, und man kann immer noch behaupten, dass das Aus im Halbfinale auch diesen eher unbedeutenden Sieg noch überstrahlt. Mir geht es jedenfalls so, auch wenn „ich“ lieber Dritter als Vierter werde. Das Ende im Halbfinale ist das, was bleibt.

    Was die Platzstürmer angeht, ist es richtig, dass mit Stangen Einrichtung zu zertrümmern wohl nur macht, wer ohnehin nur kurze innere Wege zur Gewalt hat, dennoch waren zumindest in Frankfurt auch Leute dabei, die sich heulend auf den Rasen geworfen haben. Das kann ich ehrlich gesagt nachvollziehen, auch wenn es natürlich nicht okay ist, sich so zu verhalten. Es sollte das Ganze aber keineswegs verharmlosen, und ich bin strikt dagegen, dass man sich so verhält. Erklären bzw. verstehen, nicht im Sinne von „gutheißen“, sondern „begreifen“, darf man es aber trotzdem.

  • Manfred sagt:

    Strenggenommen fuhr die neuseeländische Truppe auch mit nem recht breiten Grinsen heim, eigentlich sogar mit dem breitesten aller Teilnehmer, stolzgeprägt vor allem. Zwei gute 1:1-Tage und ein 0:0-Tag^^.

  • Svenja sagt:

    Danke.

  • sternburg sagt:

    Was Linksaussen sagt.

    Von jemanden, der bei einer vergeblichen allerletzten Aufstiegschance in Nürnberg erstmals nicht umhin kam, sich einzugestehen, tatsächlich Gladbach-Fan zu sein („Sowas blödes!“).

  • Dominik sagt:

    Danke.
    Und ein passendes Zitat bzw. eine Frage dazu von Hans Meyer: „Was wäre der Fußball denn ohne grenzenlose Enttäuschung?“

  • Dr. Socrates sagt:

    In dem Maße, in dem diese Zeilen wunderbar ein Phänomen beschreiben, in dem Maße berührt der Text mein Herz und meinen Verstand. Selbst wenn der Trainer schon lange als der CF Barcelona unter den gleichgesinnten Bloggern gilt, so mag er doch einen Höhepunkt erreicht haben wie ihn auch ein Lonel Messi hat, wenn er im kommenden CL-Finale zum 3:2-Siegtreffer einnetzt. Gegen wen, schreibe ich erst gar nicht.

  • Sebastian sagt:

    Und die Nase tropft… Danke!

  • Wer, wenn nicht wir Clubfans, wissen wovon du sprichst …

    Chapeau!

  • belschanov sagt:

    Es kommt oft vor, dass sich Menschen wundern, warum es mir so nahe geht, wenn meine Mannschaft verliert. Meine Versuche, es ihnen zu erklären, konnten ihre Verwunderung nicht mindern, meist war eher das Gegenteil der Fall. In Zukunft werde ich sie auf diesen Text verweisen. Das wird zwar auch nichts helfen, aber ich hätte wenigstens das Gefühl, alles getan zu haben.

    Danke, Trainer Baader, für diesen Text!

  • Kai sagt:

    Trainer, das ist großartig, ganz großartig!

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