Als der Jupp noch kein Don war

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Als Trainer aber, sagen ehemalige Spieler, soll Jupp einst extrem gewesen sein. Ein Beispiel: Unser damaliger Masseur hatte Jubiläum und Geburtstag. Eine Kultfigur in Gladbach. Aber an dem Tag, es war zur Zeit von Jupps erster Trainerstation bei der Borussia, hatte er gegen Leverkusen verloren. Er kam einfach nicht zur Feier, obwohl er ein guter Freund des Masseurs ist. Er war damals so verbissen, der konnte die Niederlage in Leverkusen nicht verkraften.“

Danach erwähnt der von der WELT befragte Gladbacher Fahrensmann Herbert Laumen allerdings auch, dass Jupp Heynckes sich inzwischen um 180 Grad gedreht hat, was aus hiesiger Sicht doch eher bedauerlich ist. Worüber soll man dann noch schreiben, wenn Jupp Heynckes plötzlich zum generösen Gentleman mutiert ist, der selbst nach der Niederlage im „Finale dahoam“ noch allen Masseuren und Kultfiguren freundlich zum Geburtstag gratuliert?

Wobei es ja auch viele Menschen hier im Blogosquarium gibt, die die Existenz dieses Wandels bezweifeln. Zumindest ist nun aber belegt, dass der frühere Heynckes nicht nur so wirkte, wie er wirkte, sondern auch so war, wie er dann wohl wahr war.

9 Kommentare

  1. Das war die damalige Spielergeneration, die konnten alle Niederlagen nicht verkraften. Sogar die Lichtgestalt war in den 70ern noch Meilenweit von weltmännischer Gelassenheit entfernt und pflegte Mitspieler nach Niederlagen zusammenzuscheißen.
    Mitte der 90er hab ich mal ein Interview mit Gerd Müller über das Jahrhundertspiel gesehen, der hat sich noch 25 Jahre später dermaßen über die Ungerechtigkeit dieser Niederlage aufgeregt, dass ich dachte, dem platzen gleich die Gefäße.

  2. Ich habe ihn ja hier in FFM als Nicht-SGE-Fan erlebt, was reichlich amüsant war (Diverse Rausschmisse). Irgendwann war nur noch von „Osram“ die Rede. Woher kommt denn dieser schöne Name?

    Und weil unlängst von Serien die Rede war: Ich wette mal, daß der eitle Don Jupp mindestens eine Saison dranhängt, um Rehakles zu überflügeln.

  3. „Osram“ stammt von Wolfram Wuttke. Weil Jupps Birne immer so schön zu leuchten begann, wenn er Wuttke mal wieder zusammenfaltete.

  4. Nö, stammt es nicht. Sagt Wuttke selber:
    Gaben Sie ihm da den Kosenamen Osram?
    Wolfram Wuttke: Nein, den hatte er längst weg. Allerdings war das eine interne Sache. Ich war nur wieder der Dumme, dem das neben einem Journalisten rausgerutscht ist. Ich sah seinen hochroten Kopf aus der Ferne und sagte mehr zu mir selbst: »Der glüht ja wieder wie ’ne Osram-Birne.« Am nächsten Tag stand es in der Zeitung.
    Aus:
    http://www.11freunde.de/interview/best-2012-wolfram-wuttke-im-grossen-karriere-interview?page=1

    Zerfressen vom Ehrgeiz erachte ich Heynckes weiterhin, das wird seinerseits mittlerweile nur anders verpackt, vermute ich.

  5. Heynckes: Das ist für mich das Portugal des Fußball. In Spanien! Als Preuße. Vom Rheinland. – Tausend mal nicht berührt …

  6. Erst mal Glückwunsch an den Jupp für die 1000. Die 1000 sind schon eine Zahl. Nur wenn man meistens fertige Vereine übernimmt ist es einfach oben zu bleiben. Wenn man im Trainergeschäft unten anfängt und nur Mannschaften aus dem unteren Drittel bekommt ist es nahezu unmöglich diese Anzahl zu erreichen.

  7. Ralf: gut gesagt! So genau entstehen solche Jubiläen.

  8. Das würde ich auch wetten, Theo Thier. Und könnte mir vorstellen, dass Otto dann nächstes Jahr wieder kurz bei Hertha BSC einspringt, wenn sie wieder dem Abstieg entgegentaumeln, um sich den Rekord zurückzuholen. Darauf würde ich allerdings nicht wetten.

  9. Auch wenn ich reichlich spät in die Diskussion einsteige, möchte ich doch noch eine Lanze für Heynckes brechen:

    Warum es leichter sein soll, Bayern München oder Real Madrid zu trainieren, erschließt sich mir nicht. Gerade Jupps Madrider Zeit zeigt doch, dass man trotz großen Erfolges bei einem solchen Verein nichts geschenkt bekommt, wie Ralf unterschwellig andeutet. Ich sehe es eher andersherum: Wenn ich in Ruhe arbeiten und eine große Zahl an Spielen sammeln will, dann gehe ich zu einem Club wie Mainz oder Freiburg, nicht zu einem „fertigen Vereinen“ (was auch immer das sein soll). Frag mal bei Felix Magath, Jürgen Klinsmann oder Lu van Graal nach, wie groß die Geduld in München ist.

    Man wird im übrigen auch nicht Trainer bei solchen Vereinen, weil die Verantwortlichen dort den Namen lustig finden oder den Klamottenstil bewundern. Der eine (z.B. Heynckes) bekommt in jungen Jahren die Chance und bewährt sich, der andere bekommt die Chance und bewährt sich nicht (Babbel, von Heesen), der dritte bekommt die Chance erst gar nicht (Matthäus). Im ersten Fall wird man die Leute dort irgendwie von sich überzeugt haben und eine Arbeitsqualität abliefern, die an dieser Überzeugung nichts ändern.



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