Aus den Briefen an Ottla und die Familie

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„… vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf.“

Franz Kafka am 3. Oktober 1923.

Quelle (pdf)

(Eigentlich sollte man an dieser Stelle auch noch eine Einordnung von Franz Kafkas Äußerung über den Fußball vornehmen, wir sind hier — in diesem Fall — schließlich nicht im Bereich der banalen Bonmots, welche es einfach nur zu protokollieren gilt. Im verlinkten Dokument ist im selben Satz von einem Professor Vogel die Rede, der „wieder“ „gegen“ den Fußball schreibe. War die Sentenz Kafkas eine Befürchtung, eine Hoffnung, ein Wunsch — es klingt doch stark nach Ersterem, aber da die Entdeckung, dass Kafka sich überhaupt über den Fußball geäußert hat, an dieser Stelle noch so jung ist, liegen erstmal keine weiteren Erkenntnisse bereit. Außer jener, dass er sich mit seiner Vermutung respektive Befürchtung geirrt hat, offensichtlich. Wobei zu hoffen steht, dass die geschätzten Leser bei der Aufklärung helfen können oder mindestens wollen.)

10 Kommentare

  1. Ganz gegen die „Wenn man keine Ahnung hat…“-Devise halte ich doch nicht meine Klappe, sondern frage mich, ob diese Äußerung vielleicht aus der Nachspielzeit eines spannenden Endspiels stammt?
    Oder der arme Mann hatte einen Alptraum und von Blatter geträumt?

  2. Ich lese gerade Michael Kumpfmüllers „Die Herrlichkeit des Lebens“. In dem Buch geht es genau um diese Zeit, das letzte Lebensjahr Kafkas 1923/24 in Berlin. Im Oktober 23 bin ich noch nicht angelangt, lasse aber von mir hören, sollte es in dieser Sache etwas Erhellendes geben. Ist schon interessant: Kafka und Fußball, eine schräge Kombination.

  3. Auf einer Seite des Jüdischen Museums Berlin findet sich folgender Eintrag:

    „Franz Kafka bezweifelte, dass der Fußball jemals die Herzen der Deutschen erobern würde: »vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf«, schrieb er 1923 – obwohl es seiner Lieblingsmannschaft, SC Hakoah Wien, als erstem Team des Kontinents im selben Jahr gelang, in England ein Auswärtsspiel zu gewinnen. Das 5:0 gegen West Ham United verfolgte Kafka vom Krankenbett aus.“

    (Ähm, wahrscheinlich über Sky; unpassende Anmerkung des Kommentators.)

  4. „Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt – nachmittags Schwimmschule“ (Kafka am 2.8.1914)

  5. „Ist schon interessant: Kafka und Fußball, eine schräge Kombination.“
    Geradezu Blatteresk!

  6. Wird ein gewisser Lothar Matthäus vielleicht die genannte Sentenz im Kopf gehabt haben, als er einst seine Stiefel an den berühmten Nagel hing…?

  7. Hier noch ein klein bisschen Geschichte von „Prof. Dr. Klaus Hansen“, klingt wie erfunden, der Name, und ein TV-Tipp zum Thema:

    Später in der Nacht gibt es „Hakoah – Club der Sirenen“ (2h05, ARTE), eine Doku über den 1909 gegründeten jüdischen Sportklub Hakoah Wien. Der Film konzentriert sich möglicherweise nur auf die Schwimmer, aber Hakoah galt allgemein als einer der bekanntesten Sportklubs und Mitte der 20er Jahre auch als einer der besten Fußballvereine weltweit. Tatsächlich ist heute vom Vermächtnis starker jüdischer Klubs in Deutschland nur noch wenig zu lesen und zu erfahren.

  8. Klingt aber nur so. Danke für den Link, schöner Text.

  9. Ich hab ja keine Ahnung, wie sowas genau abläuft, vermute aber, dass das, was Klaus Hansen, Prof. Dr., hier leistete, daraus bestand, was auch gerne VIVA-II-Moderatorinnen sich ans Revers hefteten, indem sie genau 2 Scheine pro Fach machten, was also nichts Minderes als 2 Kurzreferate bedeutet. Womit man natürlich in der jeweiligen Fachrichtung zum absolut Studierten wird.

    Klaus Hansen studierte Psychologie, Soziologie, Publizistik und Ethnologie an der Universität Münster.

    Und Butterbrottechnik, nicht zu vergessen.

  10. Ehrlich gesagt, lese ich da nur „1977 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert“. Alles andere beinhaltet keine Aussage. Kann genau so gut sein, dass er erst vier andere Studiengänge für ein Semester ausprobiert hat, bevor er seine Fachrichtung fand (was nicht ehrenrührig ist). Oder dass er nach dem Studienabschluss aus finanziellen Gründen gerne noch etwas weiter an der Uni verbleiben wollte (was auch vorkommen soll). Nicht zuletzt hat er den Artikel ja nicht selbst geschrieben(?).

    Ich überlese so was grundsätzlich. „X studierte Y“ bedeutet nichts anderes, als das derjenige das Abitur hat.

    Mir stößt da unangenehmer auf, dass er für ein Buch die schöne Phrase der wundervollen Space Kelly „Das Leben ist kein Heimspiel“ klaut. Muss hier irgendwo noch ein 12 Jahre altes T-Shirt mit dem Aufdruck rumliegen haben..

    Was so ein Doktor der Philosophie genau kann und tut weiß ich natürlich auch nicht.



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