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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Frage: Das schönste Stadion der Welt

Nachdem wir jetzt dauerhaft ertragen müssen, dass die „Times“ irgendwann mal das Westfalenstadion zum besten Stadion der Welt kürte, was dort auf ewig erwähnt werden wird, müssen wir doch feststellen, dass es einfach nur ein architektonisch und ästhetisch ausnehmend langweiliger Bau ist. Deshalb jetzt die Frage an Euch:

Welches ist das schönste Stadion der Welt?

Und jetzt wirklich im Sinne von ästhetisch schön. In Auxerre, Glasgow oder Bari. Diesmal zählen nur ästhetisch schöne Stadien. Brutalismus is ruled out. Außergewöhnliche Exemplare sind sehr willkommen. Es gibt dabei natürlich kein richtig oder falsch, wie man so schön sagt, nennt einfach die schönsten Stadien der Welt, die Ihr so kennt. Danke.

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Matthäus: Auto mit 2,06 Promille geschrottet

Okay, das war vor etwa 30 Jahren, und er war jung, sehr jung, andererseits ist der Vorfall wohl bei allen Nachgeborenen weitgehend unbekannt. Das jetzt rauszukramen soll auch weniger dazu dienen, ein schlechtes Licht auf Lothar Matthäus zu werfen. Das wäre schließlich unzulässiges Nachtreten bei einer Angelegenheit, die lange verjährt ist. Außerdem hat er seine Strafe — 13.000 DM und 8 Monate Fahrverbot — damals ja bekommen. Wissenswert ist es natürlich dennoch, dass sich auch Matthäus in die lange Liste all jener Fußballer einreiht, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden oder einen Unfall bauen, obwohl sie sich auch damals schon einen Chauffeur und erst recht ein Taxi hätten leisten können. Aber jung, sehr jung war er — und hatte offensichtlich einen aufmerksamen Schutzengel. Am Niederrhein hat sich schon so mancher frische Autofahrer tödlich um eine der vielen Trauerweiden gewickelt, die allerdings nicht deshalb ihren Namen tragen.

Vielmehr soll der kleine Schreier in der Überschrift Anreiz sein, sich den Text „Bittere Pille“ aus dem Spiegel-Archiv von 1984 zu Gemüte zu führen, der sich mit den Verhältnissen rund um Matthäus‘ Wechsel zum FC Bayern München in jenem Jahr beschäftigt.

Interessant vor allem deshalb, weil er ein etwas anderes Licht auf Jupp Heynckes wirft, der hier bekanntlich nicht allzu gut gelitten ist ob seiner zumindest bis vor wenigen Jahren öffentlich verbreiteten Humorlosigkeit und Verbissenheit. In der Bewertung Heynckes‘ Auftreten — was natürlich wenig mit seinen Fähigkeiten als Trainer zu tun hat — war man hier eher auf der Daum’schen Seite („Wetterkarte“) zu finden. Doch der verlinkte Text ändert diese Bewertung ein wenig. Denn Heynckes hatte tatsächlich, um Matthäus zu halten, damals Teile von dessen zukünftigem Gehalt aus der eigenen Tasche bezahlen wollen, auf dass sein Club Borussia Mönchengladbach sportlich nicht derart geschwächt würde, wie es durch Matthäus‘ Weggang schließlich der Fall war.

„Circensisches Großunternehmen“

Ebenso interessant ist auch die damals schon manifeste Raffinesse von Uli Hoeneß bei der Gestaltung seiner Abmachungen mit zukünftigen Spielern. Und auch, wie wenig er sich damals schon an Vereinbarungen mit den Konkurrenten hielt, zumindest wenn das folgende Zitat korrekt ist. Die Bundesliga, wie sie leibt und lebt, ganz in Einklang mit dem Tenor aus Ronald Rengs „Spieltage“ mit damals aus heutiger Sicht geradezu irrwitzig zahm anmutenden Einschränkungen bei den möglichen Transfers. So wird Gladbachs damaliger Manager Helmut Grashoff folgendermaßen zitiert:

„Die Bundesliga ist ein circensisches Großunternehmen mit 18 Filialen. Wir können alle nur zusammen existieren, und deshalb haben wir einmal den Beschluß gefaßt, daß jeder Klub zwei Spieler benennen kann, die nicht abgeworben werden dürfen. Weil der Hoeneß kurzsichtig ist und nur an seinen FC Bayern denkt, hat er wegen Matthäus diesen Beschluß im Alleingang unterlaufen.“

Das und mehr in „Bittere Pille“.

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Liebster Award

Award, Award, da war doch was … ? Nein, diesmal geht es nicht um den Sportblogger-Award, den einst Jürgen „King“ Kalwa aus der Taufe gehoben hatte, der dann einige Jahre vor sich hinglamourte, aber wegen allgemeiner Umorientierung, weg vom Sportbloggernetzwerk hin zu (u. a.) Twitter, weg vom häufigen Bloggen zum häufigen (u. a.) Twittern sowohl der Auszeichner als auch der potenziell Auszuzeichnenden, zuletzt eher weniger Beachtung fand. Was natürlich an deren Machern (z. B. ich) liegt.

liebster2Nein, diesmal ist es der „Liebster-Award“, zu dem mich Halbangst-Blog einlud. Danke. Wobei „Award“ hier nichts anderes meint als „Stöckchen“ und so sehr sie auch den Ruch eines Kettenbriefs haben mögen, hier hat Binger05 ein paar passende Fragen gestellt, die sich der Weiterleitende ohnehin immer selbst neu ausdenken darf. Also gar kein echter Kettenbrief und es werden auch keine 5 Kinder in Nigeria sterben, wenn man ihn nicht weiterleitet. Etwas, was mir beim einzigen Kettenbrief, den ich je erhielt, nicht klar war, als ich natürlich die Deadline fast verpennte und Schwitz und Rosser greinte, dass ich jetzt mit meiner fast verspäteten Abgabe der 6 weiteren Briefe eventuell andere das Leben gekostet haben könnte. Was man halt so glaubt mit 9.

Wie auch immer, in medias res:

1. Wieviel Zeit widmest du dem Bloggen und wie wählst du Themen aus?

Leider ein relativ schlechter Zeitpunkt, um das zu beantworten, da bei mir derzeit akuter Zeitmangel fürs Bloggen herrscht. Das allerdings zum ersten Mal seit ich angefangen habe. Als ich noch im normalen Rhythmus des Bloggens war, war es natürlich mal mehr und mal weniger, im Schnitt etwa eine halbe Stunde pro Tag, könnte man über den Daumen sagen. Mancher Beitrag dauert auch schon mal drei bis vier Stunden, je nach Arbeitsaufwand, wobei der meist nicht beim reinen Schreiben, sondern beim (viel zu oft händischen) Sammeln von Daten oder Informationen liegt. Genauso ist natürlich ein Zweizeiler in unter einer Minute verfasst und online gestellt. Die wertvolle Zeit und Arbeit liegt aber nicht beim Schreiben, sondern beim Denken bzw. Ideen- oder Standpunktefinden. Und das kann man schlecht beziffern.

Die Themenauswahl ist ein wirklich kaum zu beantwortendes Thema für mich, da ich keinen Verein, aber auch keinen bestimmten Aspekt des Fußballs ins Zentrum stelle. Mal ist es eben ein geiles Stadion in Belgien, mal ein anstrengender Kommentator eines Länderspiels und dann wiederum auch das Gegenteil davon. Nur suche ich diese Themen eigentlich nicht (mehr) bewusst, sie laufen einem im Leben so zu. Zumindest dann, wenn man sich auch ansonsten mit Fußball beschäftigt. Wenig erhellende Antwort, ich weiß, tut mir leid, heller geht’s zu dieser Frage aber leider nicht.

2. Was sind die Vor- und Nachteile des Bloggens gegenüber Printjournalismus?

Soll ich das wirklich hier runterbeten, liegt das nicht auf der Hand?

Vorteile
- man ist in allen Aspekten sein eigener Chef
(Damit wären eigentlich alle Vorteile schon beschrieben, ich nenne die konkreten aber gerne auch noch mal:)

man muss nicht fragen, worüber man schreiben darf.
man muss auch nicht fragen, wann man worüber schreiben darf

Nachteile
man wird in der Regel nicht bezahlt, also bedeuten längere Beiträge, dass man sie selbst finanzieren muss
man ist nie per Bloggertätigkeit irgendwo vor Ort, die Kontakte zu Protagonisten fehlen

3. Welcher Spieler deines Lieblingsvereins hat dich begeistert/geprägt?

Die Geschichte von Stig Töfting hab ich hier schon mal aufgeschrieben (und auch hier „weiterverschenkt“), möchte aber gerne auch noch einen Aspekt hinzufügen, der damals kaum zur Sprache kam. Nämlich dass der Fußball als Sportart Menschen mit quasi jeder beliebigen Physiognomie ausgestattet es prinzipiell ermöglicht, darin zur Weltklasse (wozu ich einen Nationalspieler und WM-Teilnehmer jetzt mal zähle) aufzusteigen. Töfting war mit 1,76m durchschnittlich groß, nicht besonders schnell, zwar recht athletisch gestählt, aber auch nicht gerade wendig. Dennoch hat er es mit Ballgefühl und ich weiß nicht wie viel Trainingsleistung in diese Position geschafft.

Weil aber immer wieder dieselben Geschichten erzählen langweilig ist, nehme ich heute mal noch einen Spieler meiner Lieblingsmannschaft, der mich besonders begeistert, wenn auch nicht geprägt hat: Gintaras Stauce. Ein Mann, so fahl wie man sich einen sowjetischen Wohnblock als Gesicht vorstellt, dazu hager, ellenlang, schlaksig – und zu jener Zeit noch ohne Frisur, wie es ebenfalls für Spieler aus dem Ostblock typisch war. Wenn es regnete oder feucht war, hing ihm die Nicht-Frisur ins Gesicht. Er hielt (fast) alles, wie eine Spinne, er war ein perfekter Torwart, ich glaube, ich liebte ihn sehr.

4. Bitterster Moment mit deinem Verein?

Die Lizenzverweigerung im Sommer 2013 war schon an sich bitter. Dann aber auch noch hauptsächlich wegen Unfähigkeit zustande gekommen zu sein und auch noch durch einen Hauptverantwortlichen, der genau dasselbe auch an anderer Stelle schon fabriziert hatte, war beinahe unfassbar.

Bitterster Moment war aber eher, bei der letzten Europapokalteilnahme gleich in der ersten Runde gegen den damals wenig bekannten KRC Genk rauszufliegen. Nach dem 1:1 im Hinspiel rechnete man sich durchaus noch Chancen aus, fuhr frohen Mutes die wenigen Kilometer nach Belgien – nur um dann mit 0:5 eine absolute Packung zu kassieren. Die Chance, in dem meist ja vergleichsweise schwach besetzten Europapokal der Pokalsieger im letzten Jahr seiner Existenz noch einmal ein internationales Ausrufezeichen zu setzen, war nicht nur dahin, das Gegenteil war eingetreten. Nun weiß ich nicht, was das Gegenteil eines Ausrufezeichens ist, aber es war eben der bitterste Moment, an den ich mich erinnere.

5. Ist die Bayern-Dominanz in der Bundesliga aus den Fugen geraten, wird es in den nachsten zehn Jahren dauerhaft “langweilig”, was die Meisterschaft angeht? Stört dich das?

Was heißt „in den nächsten zehn Jahren dauerhaft“? Es ist doch schon seit dreieinhalb Jahren so. Was das Titelrennen angeht, wird es sich langfristig nicht ändern – Stichwort CL und Geldausschüttung – und die Ausnahmen bei den Meistertiteln werden noch weniger als es sie ohnehin schon nur noch in den letzten Jahren gab. Es stört mich enormst, so sehr, dass ich mir mehr oder weniger abgewöhnt habe, Bayernspiele überhaupt einzuschalten. Insofern kann ich mich auch nicht an „besonders gelungenem Fußball ergötzen“, sondern finde es fürchterlich, wenn es in jedem Spiel nur darum geht, wie hoch Bayern gewinnt. Für mich hat das quasi nix mehr mit Fußball zu tun. Fußball ist vor allem Unterhaltung, die Dominanz der Bayern ist das Gegenteil davon, pure Langeweile, mag der Fußball noch so ästhetisch sein. Ein Team, das ständig zu Null gewinnt, hatte ich schon in der Jugend in der sogenannten „Bestengruppe“. Zum Zuschauen sehr ermüdend.

6. Fehlt dir etwas in der TV-Aufarbeitung der Spiele, in der Analyse?

In der Aufarbeitung fehlt mir nichts, denn die schaue ich nicht mehr. Dafür gibt’s ja jetzt Pdocasts. Nach jahrelangem Konsum der TV-Aufbereitung ist das Graben in statistischen Besonderheiten der Vergangenheit in der Vorbereitung die Zeit genauso wenig wert, wie das nachfolgende Absondern von Platitüden von vermeintlichen Experten wie Scholl oder Kahn, die sich vor allem als ahnungslos outen. In der Präsentation fehlt mir nur die Option, einfach eine Totale einzuschalten und das war’s. Wie irgendwo anders schon mal erwähnt, würde ich für die Absenz von allen Heatmaps, Ballbesitzverteilungen, selbst Torschussbilanzen tatsächlich Geld bezahlen. Um nicht zu sehr wie ein grumpy old trainer zu klingen, will ich jetzt mal nicht sagen, dass ich die Übertragungen der 1980er wiederhaben wollte – aber ich würde ein Spiel gerne einfach wie im Stadion verfolgen können.

7. Hast du einen “Zweitverein”? Wenn ja, welchen und warum?

Ich habe sogar mehrere, die verrate ich aber nicht. Langweilige Antwort, ich weiß, tut mir leid. Aber sonst mag mich die Hälfte meiner Leser hinterher nicht mehr – oder kommt stets mit der Keule, dass ich ja xy-Sympathisant sei. Ich sag mal so: Zu eigentlich allen diesen „Zweitvereinen“ könnte ich mit dem Fahrrad hinfahren. Womit ich mich wohl eher antizyklisch dem Verhalten gegenüber gebe, im Fußball, im Sport in erster Linie seinen direkten Nachbarn zu hassen, aus dem simplen, aber wenig überzeugenden Grund, dass er der Nachbar ist („I am not convinced!“).

8. Was ist deine Meinung zu den “Plastikklubs” und dem “Bashing” derselben?

Dass es im Fußball noch nie gleiche Startbedingungen gab, darf für mein Empfinden kein Argument sein, nun exorbitante Unterschiede zu akzeptieren, mittels derer sich natürliche oder juristische Personen nun einfach mit ein bisschen Geduld in die Bundesliga einkaufen können. Ich denke da an Klubs wie Wattenscheid 09 (natürliche Person) oder Bayer Uerdingen (juristische Person), die ohne diese Zuwendungen niemals in der Bundesliga hätten auftreten können. Nach dem Verschwinden der Geldgeber pegelten sich diese Clubs ja dann auch wieder dort ein, wo sie von ihrem natürlichen Fanpotenzial her hinpassen.

Die ganze Angelegenheit in Bezug auf die Zulässigkeit außervereinlicher Zuwendungen ist aber leider zu komplex, um sie von mir hier in Kürze abzuhandeln. Während ich Wattenscheid oder Uerdingen zum Beispiel – in ziemlicher Unkenntnis der Gründe für deren Aufstieg – ziemlich positiv gegenüberstand, kann ich mir nicht vorstellen, dass mir das demnächst noch mal bei derartigen Gebilden widerfährt. Zulassen sollte man es ohnehin nicht, aber dieser Zug ist ja angesichts der Visionslosigkeit und Korrumpierbarkeit des DFB/der DFL schon lange abgefahren.

9. Schönstes Stadion Deutschlands?

War mal das Ruhrstadion in Bochum, das hat aber inzwischen auch einen Völler’schen Tick zu viel Patina angesetzt. Davor war es definitiv der Bökelberg, wie ich hörte, gibt es den aber nicht mehr. Als dessen Ersatz hat man jetzt einen seelenlosen Betontempel in die Ex-Nato-Pampa gesetzt, der sich allein dadurch auszeichnet, dass man bei An- und Abreise jeweils drei Stunden mehr kalkulieren muss, als Google Maps vorher berechnet.

Von den existierenden Stadien finde ich neben dem Ruhrstadion durchaus das Niederrheinstadion toll. Nicht aus Ruhrgebietsromantik, sondern aus Romantik. Und auch, weil es das einzige (manchmalige) Profistadion ist, in dem ich selbst schon mal ein Pflichtspiel absolvierte. Leider 3:1 verloren, nachdem es zur Halbzeit noch 0:0 stand und ey Schiri das war gar kein Hand!!!11§!!! ey als ich durch war alleine auf den Torwart zu. War wirklich kein Hand. Aber schon sehr geil, in einem richtigen Stadion ernsthaften Fußball zu spielen.

Von den anderen, größeren Stadien finde ich dann doch das Westfalenstadion wohl am besten, wobei ich noch nicht genau herausgefunden habe, was daran eigentlich geil ist, abgesehen von seiner Größe. Leider war ich nie da, bevor es so erweitert wurde, wie es sich heute darstellt. Köln, Leverkusen, Frankfurt, München, das ist alles derselbe eintönige Radatsch.

10. Rotwein oder Flaschenbier?

Piccolöchen.

Bzw. um ehrlich zu sein: Dosenbier. Auf Fahrten zu einem Spiel hin trinke ich immer noch gerne Dosenbier. Ist nicht nur leichter beim Transport, macht nicht so viel Krach beim Runterfallen – hat auch diesen unverwechselbaren Charme, dass man jetzt zu einem Fußballspiel fährt.

Zuhause ansonsten natürlich immer einen schönen Grand Cru blanc de blancs Terroirs.

11. Wie sehen deine Abende am Wochenende aus?

Tja, ob das jetzt hier öffentlich kund getan werden sollte? Ich gehe aus. In Kneipen, in Clubs, in Bars, auf Festivals oder Kulturfeste, natürlich nicht jeden Abend, aber immer noch gerne. Für einen Kinobesuch finde ich einen Abend am Wochenende zu schade.

Andere Antworten auf andere Fragen von mir gibt es auch im ZEITMagazin.

Und so geht es mit dem Liebster-Award nach Wunsch der Begründer weiter. Wie man schnell erkennt, ist es gar kein Award, sondern ein Stöckchen. Naja, macht nix.

Hier die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat, und verlinke den Blog dieser Person in deinem Beitrag

    Danke, lieber Binger05

  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
  • Schreibe diese Regeln in deinen Artikel zum Liebster Award, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen
  • Informiere deine nominierten Blogger über die Nominierung und deinen Artikel

Ich bin mal so faul und übernehme die 11 Fragen größtenteils.

1. Wieviel Zeit widmest Du dem Bloggen und wie wählst Du Themen aus?
2. Was sind die – sagen wir mal drei – schönsten Momente, die Dir das Bloggen beschert hat?
3. Welcher Spieler hat Dich begeistert/geprägt?
4. Bitterster Moment mit Deinem Verein?
5. Ist die Bayern-Dominanz in der Bundesliga aus den Fugen geraten, wird es in den nachsten Jahren dauerhaft langweilig, was die Meisterschaft angeht? Stört Dich das?
6. Wie schaust Du Fußball im TV?
7. Hast Du einen Zweitverein? Wenn ja, welchen und warum?
8. Was ist Deine Meinung zu den Plastikklubs und dem Bashing derselben?
9. Schönstes Stadion Deutschlands?
10. Rotwein oder Flaschenbier?
11. Schönstes Trikot ever (nicht unbedingt von Deinem Verein)?

Und frage Stehblog, Königsblog, Spielbeobachter und nurdertim, vor allem, damit ich mal wieder etwas über sie persönlich erfahre. Wer allerdings nicht will, muss natürlich nicht.

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On the road again

Einer der Gründe, warum Steven Gerrard darüber nachdenkt, von LA Galaxy zurück nach Liverpool zu wechseln, sind die enormen Reisestrapazen, die ein Spieler in der MLS ertragen muss. Was sich bei einem Club in LA noch mal verschärft, da es kaum nahe liegende Nachbarn in der MLS gibt. 44.000 Meilen muss er in einer normalen Saison fliegen, das sind etwa 70.000 Kilometer, also beinahe zwei mal um die Erde. Wobei in den USA natürlich noch der Stressor der unterschiedlichen Zeit- und Klimazonen bei den Auswärtsspielorten hinzukommt.

In einer früheren Version stand hier, dass es 22.000 Meilen wären, das war aber nur die einfache Strecke. Es sind also 44.000 Meilen, Danke an den Hinweisgeber Asgeirsson in den Kommentaren.

Das sah in England, insbesondere wenn man so wie Liverpool noch relativ mittig liegt, natürlich völlig anders aus.

Schwupps sind wir aber schon bei der Frage, wie viele Kilometer denn so ein Bundesligaspieler pro Saison reisen muss. Auch hier dürften die weitab der meisten anderen liegenden Clubs wohl die längsten Strecken zurückzulegen haben. Flugs mal eben die Entfernungen per www.luftlinie.org addiert, kommt man für den:

FC Bayern München

  • 56 – Augsburg
  • 70 – Ingolstadt
  • 190 – Stuttgart
  • 233 – Sinsheim
  • 287 – Darmstadt
  • 304 – Frankfurt
  • 317 – Mainz
  • 455 – Köln
  • 461 – Leverkusen
  • 477 – Dortmund
  • 479 – Wolfsburg
  • 488 – Hannover
  • 493 – Gelsenkirchen
  • 501 – Mönchengladbach
  • 504 – Berlin
  • 582 – Bremen
  • 612 – Hamburg

auf 6.509 Kilometer einfache Strecke und hin und zurück demgemäß auf 13.018 Kilometer, also etwa ein Sechstel (siehe Hinweis oben) der Entfernungen, die Steven Gerrard in einer Saison zurücklegen muss (allerdings immerhin auch noch ein Mal durch die Erde). Anders sieht das bei der sehr zentral positionierten

Eintracht Frankfurt

  • 26 – Darmstadt
  • 32 – Mainz
  • 96 – Sinsheim
  • 152 – Stuttgart
  • 152 – Köln
  • 157 – Leverkusen
  • 177 – Dortmund
  • 191 – Gelsenkirchen
  • 198 – Mönchengladbach
  • 248 – Ingolstadt
  • 252 – Augsburg
  • 262 – Hannover
  • 295 – Wolfsburg
  • 304 – München
  • 329 – Bremen
  • 393 – Hamburg
  • 424 – Berlin

aus, da sind es dann nur 3.688 Kilometer für die einfache Strecke, somit insgesamt 7.376 Kilometer – also nur etwas mehr als die Hälfte der Reisestrecke, die die Spieler des FC Bayern München zu bewältigen haben. Ein klarer Vorteil, der sich schon jetzt, nach einem Drittel der Saison bemerkbar machte: Logisch, dass die Bayern gegen derart ausgeruhte Gegner kaum eine Chance hatten und gerade eben noch ein glückliches 0:0 halten konnten.

Ebenfalls bemerkenswert: 9 der Reiseziele liegen für Eintracht Frankfurt weniger als 200 Kilometer (eine objektiv subjektiv empfundene Schmerzgrenze für Auswärtsfahrten*) entfernt. Somit kann man bei gleich 9 Auswärtsspielen mitfahren, ohne komplette Sams- oder Sonntage zu verbraten. Bei den Bayern sind es dagegen gerade mal 3 Auswärtsstationen unter 200 Kilometern, wobei Stuttgart mit 190 Kilometern Entfernung da schon wieder hart an der Grenze liegt.

Dieser Wert der Gesamtreisekilometer muss für jeden Club unbedingt in die Berechnung der Ausschüttung der TV-Gelder nach Zahl der mitreisenden Auswärtsfans einfließen, schließlich verbraucht man nicht nur Zeit pro Strecke, sondern vor allem Geld.

* Was nicht bedeutet, dass man hier keine Auswärtsfahrten über 200 Kilometer Entfernung absolvierte, nur ist dann definitiv vom Tag nichts mehr für andere Dinge zu gebrauchen.

PS: Sehr billig auch von Ralf Rangnick, die Zahl der von Fortuna Düsseldorf nach Leipzig (389 Kilometer) mitreisenden Zuschauer also mit jener der von Leipzig zum Spiel nach Union Berlin (149 Kilometer) zu vergleichen. Wahrscheinlich kann man sich als Millionär einfach nicht mehr vorstellen, dass die Entfernung bei einer Reise neben einem zeitlichen auch ein finanzieller Faktor ist. Aber das (Ralf Rangnick) ist ein anderes Thema, wie es ja ohnehin um die Strapazen der Spieler nicht der Fans ging.

PPS: Man sehe mir nach, dass ich das jetzt nicht für jeden Verein einzeln aufgedröselt habe, wer mag, kann das ja für seinen Herzensclub (oder den, der am nächsten liegt) mal ausrechnen und hier nachtragen. Muss aber nicht. Die Größenordnungen werden hoffentlich auch so deutlich.

Club Gesamtstrecke
Hertha BSC 14.112
FC Bayern München 13.018
Hamburger SV 12.480
Eintracht Frankfurt 7.376
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Andere Länder, andere Schlaflieder

Andere Länder, andere Sedativa.

Welche es da bislang so gab, zeigen die unteren Aufstellungen. Natürlich ohne den Anspruch, komplett zu sein. Andorra ist nicht dabei, nein, nicht das von Max Frisch, das echte Andorra. Also Andorra ist hier nicht mit aufgenommen, aber sonst eigentlich fast alle.

Note: berücksichtigt sind hier nur Meisterschaften nach dem Krieg.

Und? Welche Schlaflieder singt man in anderen Ländern so?

Griechenland

1996/1997 Olympiakos Piräus
1997/1998 Olympiakos Piräus
1998/1999 Olympiakos Piräus
1999/2000 Olympiakos Piräus
2000/2001 Olympiakos Piräus
2001/2002 Olympiakos Piräus
2002/2003 Olympiakos Piräus

Norwegen

1992 Rosenborg BK
1993 Rosenborg BK
1994 Rosenborg BK
1995 Rosenborg BK
1996 Rosenborg BK
1997 Rosenborg BK
1998 Rosenborg BK
1999 Rosenborg BK
2000 Rosenborg BK
2001 Rosenborg BK
2002 Rosenborg BK
2003 Rosenborg BK
2004 Rosenborg BK

Italien

2005/2006 Inter Mailand
2006/2007 Inter Mailand
2007/2008 Inter Mailand
2008/2009 Inter Mailand
2009/2010 Inter Mailand

Portugal

1994/1995 FC Porto
1995/1996 FC Porto
1996/1997 FC Porto
1997/1998 FC Porto
1998/1999 FC Porto

Bulgarien

1953/1954 ZSKA Sofia
1954/1955 ZSKA Sofia
1955/1956 ZSKA Sofia
1956/1957 ZSKA Sofia
1957/1958 ZSKA Sofia
1958/1959 ZSKA Sofia
1959/1960 ZSKA Sofia
1960/1961 ZSKA Sofia
1961/1962 ZSKA Sofia

Rumänien

1992/1993 Steaua Bukarest
1993/1994 Steaua Bukarest
1994/1995 Steaua Bukarest
1995/1996 Steaua Bukarest
1996/1997 Steaua Bukarest
1997/1998 Steaua Bukarest

Polen

1962/1963 Gornik Zabrze
1963/1964 Gornik Zabrze
1964/1965 Gornik Zabrze
1965/1966 Gornik Zabrze
1966/1967 Gornik Zabrze

Finnland

2009 HJK Helsinki
2010 HJK Helsinki
2011 HJK Helsinki
2012 HJK Helsinki
2013 HJK Helsinki
2014 HJK Helsinki

Frankreich

2001/2002 Olympique Lyon
2002/2003 Olympique Lyon
2003/2004 Olympique Lyon
2004/2005 Olympique Lyon
2005/2006 Olympique Lyon
2006/2007 Olympique Lyon
2007/2008 Olympique Lyon

Schottland

1988/1989 Glasgow Rangers
1989/1990 Glasgow Rangers
1990/1991 Glasgow Rangers
1991/1992 Glasgow Rangers
1992/1993 Glasgow Rangers
1993/1994 Glasgow Rangers
1994/1995 Glasgow Rangers
1995/1996 Glasgow Rangers
1996/1997 Glasgow Rangers

Spanien

1961/1961 Real Madrid
1961/1962 Real Madrid
1962/1963 Real Madrid
1963/1964 Real Madrid
1964/1965 Real Madrid
1985/1986 Real Madrid
1986/1987 Real Madrid
1987/1988 Real Madrid
1988/1989 Real Madrid
1989/1990 Real Madrid

Weißrussland

2005/2006 BATE Baryssau
2007 BATE Baryssau
2008 BATE Baryssau
2009 BATE Baryssau
2010 BATE Baryssau
2011 BATE Baryssau
2012 BATE Baryssau
2013 BATE Baryssau
2014 BATE Baryssau
2015 BATE Baryssau

Schweiz

2009/2010 FC Basel
2010/2011 FC Basel
2011/2012 FC Basel
2012/2013 FC Basel
2013/2014 FC Basel
2014/2015 FC Basel

Offensichtlich ist der Fußball dort tatsächlich noch nicht gestorben. Hier muss man allerdings abwarten.

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Wer kann das noch sagen?

Das Folgende geht natürlich völlig am Kern dessen vorbei, was aktuell die Fußballnation beschäftigt. Und eigentlich darf man ausgerechnet hier auch nicht so still sein, wenn endlich der „Dummschwätzer“ seinen Heiligenschein verliert, weil ja das Dummschwätzen an sich viel weniger schlimm war als die Verträge mit Gazprom, die nicht gesehenen Sklaven in Katar und so weiter. Warum macht sich jemand, der eigentlich schon für den Rest seines Lebens ganz oben ist, so angreifbar? Was hat ein dutzendfacher Millionär von noch ein paar weiteren Millionen, die sowieso nichts an seinem Leben ändern? Warum spielt er Spiele mit, nur weil er kann? Vielleicht, weil er einfach genau das ist, was hier immer vermutet wurde: keine Lichtgestalt, sondern ein Leichtgewicht, moralisch. Irgendwie einfältig, borniert in seiner Selbstgewissheit, gleichzeitig natürlich bauernschlau, und nein, man wird hier nicht urteilen über einen, den man nur aus den Medien kennt. Der Froanz.

Das Folgende geht also völlig am Kern vorbei, sicher demnächst noch mal mehr dazu.

Aber eines juckt mir dennoch aktuell in den Fingern und ja, es ist blöd, dass ich mich jetzt auf so ein Detail stürze, noch dazu von einem Unbescholtenen.

Aber fangen wir so an:

Was ist die Hauptstadt von Frankreich?

Und was aßen Sie zu Mittag am 3. Oktober 2015, gerade mal drei Wochen her?

Wie hieß der erste Mensch auf dem Mond?

Und was diskutierten Sie konkret mit Ihrer Mutter im letzten Telefonat?

Harald Stenger zitiert Wolfgang Niersbach als einen, der sich an jedes Detail einer Fußballpartie erinnert und glaubt deshalb, dass er auch sonst alles erinnern müsse.

Das eine ist aber Teil des semantischen Gedächtnisses, das andere Teil des episodischen Gedächtnisses.

Niemand „vergisst“ normalerweise, was die Hauptstadt von Frankreich ist, er oder sie vergisst aber sehr wohl, was er vor drei Wochen am Mittwoch zu Mittag gegessen hat. Oder auch, welches Mittagessen es im Urlaub 2003 in Griechenland an jenem Dienstag gab und was man damals am Tisch diskutierte. Weiß man es noch? Nein, natürlich nicht, und auch nicht, was man zum Kellner gesagt hat oder wie viel Trinkgeld man gegeben hat. („Was war da mit den 80 Cent zu viel – haben Sie den Kellner bestochen?“)

Nur weil sich einer an jedes fußballerische Detail einer WM erinnern kann, heißt das nicht, dass sein episodisches Gedächtnis irgendetwas damit zu tun hat oder annähernd gleich gut wäre.

Harald Stenger liegt hier also falsch, anzunehmen, dass ein gutes semantisches Gedächtnis auch etwas mit dem episodischen Gedächtnis zu tun habe. Ist auch merkwürdig, dass er nicht von selbst drauf kommt, dass das zwei verschiedene Dinge sind. Aber so werden gute Leistungen in einer Kategorie („hat gut Fußball gespielt“) ja auch stets mit Dingen in anderen Kategorien („ist ein guter Mensch“) verwechselt.

Wenn man Niersbach angreifen will, dann sicher nicht über sein gutes semantisches Gedächtnis. Und so unnütz das jetzt auch sein mag: Dass Niersbach nicht weiß, was er wann wo vor 12 Jahren unterschrieben hat – das ist nachvollziehbar, selbst wenn es ein besonderes Ereignis war. Was er getan hat, ist eben Teil des episodischen Gedächtnisses, und nicht des semantischen. Was ihn selbstredend nicht entschuldigt, auch den Froanz nicht.

Aber zwischen semantischem und episodischem Gedächtnis muss man eben unterscheiden.

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Sepp Herberger: Wie ein kleiner König

Helmut Schön wäre heute 100 Jahre alt geworden, das Erste hat dazu eine Doku verfasst, die allerdings wenig Tiefe besitzt, was eben dabei rauskommt, wenn man (u. a.) Sepp Maier und Uwe Seeler befragt. Muss man also nicht gesehen habe, hier dennoch der Link für den Fall der Fälle.

Viel besser kann man da seine Zeit mit einem Auszug aus einer Biografie Sepp Herbergers verbringen, die Jürgen Leinemann verfasste, aus der der Spiegel zitiert. Ein wenig Lesezeit benötigt man, dafür wird man aber mit vielen Details belohnt, auch aus Herbergers Tagebuch, und vor allem einer Einordnung seines Wirkens in den Rahmen der Zeit, welche bekanntlich zu Beginn seiner Tätigkeit eine finstre war.

Hier geht’s zu Sepp Herbergers Biografie und zu Teil II. Wirklich sehr erhellend und auch durchaus die Schwachstelle des Mediums Film aufzeigend. In den 40 Minuten, die die Schön-Doku dauert, hat man den Herberger-Text zwei Mal gelesen und dabei viel mehr über Zusammenhänge und nicht zuletzt den Charakter Herbergers erfahren, als dies in der Doku bezüglich Schön auch nur annähernd der Fall ist.

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Yalcin in der Champions League

Vorletzte Woche am Donnerstag fand die Auslosung der Gruppen der diesjährigen Ausgabe der Champions League statt. Yalcin vom fehlpass hatte mich aus diesem Anlass zu einer kleine Talkrunde während der Auslosung gebeten, der ich dann zwar nun kein ausgewiesener Experte für ausländische Clubs bin, aber durchaus die Champions League seit ihrer Einführung permanent verfolge. Weshalb ich gerne teilnahm, schließlich versprach die Runde mit Yalcin himself, dem stets eloquenten LizasWelt und dem schon viel zu lange im Netz vermissten Jens Peters unterhaltsam zu werden. Was sie dann auch war.

Das würde ich nun alles hier nicht erwähnen, schließlich ist die Auslosung lange getätigt, wenn mir nicht gleich mehrere Menschen mitgeteilt hätten, dass sie diesen Soundbeitrag auch noch nach der Auslosung angehört hätten – und positiv angetan waren. Deshalb hier auch noch mal der Hinweis auf unsere Talkrunde. Zur Champions League.

Apropos Champions League. Da spielt Yalcin als Fan des FC Bayern (quasi) ohnehin und auch in dieser Saison wieder. Wieso er aber auch höchstselbst in der Champions League spielt, verrät diese schnell erhellende Seite. Natürlich kann sich dort auch beteiligen, aktuell zu verfolgen ist Yalcins Treiben auf seinem Twitter-Account.

Um sich anschließend wieder unserer profanen ersten Welt zuzuwenden und unserer Talkrunde vom letzten Donnerstag zu lauschen. Auch im Nachhinein lohnenswert, wie von mehreren Seiten versichert wurde.

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Das Vereinigungsländerspiel

Das einzige Länderspiel zwischen der DDR und der Bundesrepublik hat es bekanntlich so nicht gegeben, weil die beiden Auswahlmannschaften nicht nur bei der WM 1974, sondern auch schon bei Olympia 1972 aufeinandertrafen und schon vorher eine Olympia-Qualifikation ausgetragen hatten. Dass da für den Westen keine A-Nationalmannschaft antrat, ist dabei unerheblich.

Hier bislang unbekannt war, dass es beinahe sogar noch zu einem dritten oder je neach Lesart zweiten innerdeutschen Länderspiel gekommen wäre. Zum „Vereinigungsländerspiel“. Ein solches war für den 28. August 1990 in Leipzig geplant, wurde aber aus Angst vor Auseinandersetzung zwischen West- und Ost-Holligans sowie allgemeiner Gewalt abgesagt. Dass es diese Information erst 23 Jahre später in die hiesige Aufmerksamkeit schafft, ist betrüblich, allerdings ist es nie zu spät. Einige Informationen mehr bei fussball.de.

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An der Wedau nachts um null fünf

Es war Pokal und Duisburg verlor gegen Schalke. Soweit nichts Besonderes. Die Atmosphäre aber war wie immer zuletzt bei Meiderich — in Neudorf, nicht „an der Wedau“ — durchaus bemerkenswert.

Mit supml von unterflutlicht und Doktor D diskutierte ich in des ersteren neuer Reihe „Unter Flutlicht – entlang der Kurt-Schumacher“ bei meinsportradio.de ein wenig über diese Partie. Danach folgt ein Ausblick der beiden auf die kommende Saison des Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V, zunächst aber der Rückblick auf die Partie zweier Teams, die sich im DFB-Pokal zuletzt im Finale 2011 gegenüberstanden.

Hier kann man das Gespräch abrufen, jetzt gerade läuft es auch live auf meinsportradio.de.

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Eintrittskart‘, verweile doch

Zwanghaftes Sammeln wird nicht in allen der UNO beigetretenen Staaten als Störung anerkannt. Glücklicherweise allerdings in den meisten Staaten Europas. Man verhaftet in aufgeklärten Staaten auch keine Kleptomanen mehr. Sondern schickt sie in Therapie.

Gerne macht man sich vor, die Beschäftigung mit Fußball sei eine per se gesunde. Es geht schließlich um Sport, der ist immer gut, und dann auch noch anders als im miefigen Handball oder Eishockey an der frischen Luft. Tatsächlich erlebt man an kaum einem anderen Ort fragwürdigere Fälle der psychisch-physischen Gesundheit als in einem und um ein fortgeschrittenes Stadium, äh, Stadion herum.

Das liegt nicht in erster Linie am Bierkonsum der angesprochenen Zielgruppe. Es liegt auch nicht am Bewegungsmangel, denn ein Stadionbesuch in modernen Zeiten hat seit Einführung jenes Gesangs, der sich mit der Pflicht zum Aufstehen bei speziellen Vereinszugehörigkeiten beschäftigt, eher etwas mit einer Gymnastikstunde, fast schon mit dem Ablauf eines Gottesdienstes zu tun.

Wer Fußballfan ist, leidet jedoch oft an einem besonderen Syndrom, ohne sich dessen bewusst zu sein. „Zwanghaftes Sammeln“ lautet der Fachausdruck. Der Begriff beschreibt treffend, wie sich dies Verhalten des bedauernswerten Fußballfans darstellt. Alles muss notiert, alles muss katalogisiert werden: Zu welcher Zeit man in welchem Stadion war, wie das Spiel ausging, ob das Flutlicht erleuchtet war und welche Temperatur die Bratwurst hatte. Wenn nicht in der eigenen Datenbank, dann doch mindestens in einer dieser kleinen blauen Kladden.

Da reicht es nicht, den Schal vom seltenen Europapokalspiel einzuheimsen. Das Erlebnis wird zu Hause noch in die alle Termine und Ereignisse umfassende mysql-Tabelle eingetragen. Spieltag, Stadion, Ergebnis. Ein Scan oder Foto von der Eintrittskarte gehört selbstverständlich dazu.

Spricht man Betroffene darauf an, warum sie das Gleiche nicht mit ihren Einkäufen oder Spaziergängen machen, bleiben sie ganz verdattert eine Antwort schuldig. Darüber nachgedacht, warum die besuchten Spiele archivierungswürdig sind, während anderes Geschehen dem Vergessen anheim gegeben wird, haben sie noch nie.

Dabei wäre es angesichts von im Internet verfügbaren Datensammlungen ein Leichtes, die jeweiligen Informationen wiederzufinden, wenn man sie einmal bräuchte. Was allerdings ohnehin niemals nötig wird. Den zwanghaften Sammler hält das nicht davon ab, Ordner um Ordner zu füllen, ganze Wände mit den Eintrittskarten zu tapezieren, während Mitlebende darüber nachdenken, morgen ein Abo bei Partnerbörsen abzuschließen, sich am Ende aber doch fürs Ertragen entscheiden.

Besitzt der zwanghafte Sammler eine eigene Webseite, auf der er jeden einzelnen Stadionbesuch auflistet, zählt er als solcher Sammler natürlich auch die Zugriffe. Nach einem Jahr sind es: 13. Denn für die Umwelt ist sein Verzeichnis schlicht belanglos. 13, sofern man seine eigenen Zugriffe nicht mitzählt. In dem Fall wären es mindestens 3650, seine persönliche Historie ruft der Sammler täglich neu auf. Ganz so, als müsse er sich vergewissern, dass er überhaupt existiert.

Je größer der Verein, dem der Sammler folgt, desto besser ist es für ihn. Denn umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er je mit einem der Protagonisten auf dem Rasen ins Gespräch kommt. Wie es war, will er dann wissen, vor 21 Jahren in Klondyke bei jenem Eckball von links, als er extra 7h mit dem Zug anreiste, um das Spiel zu sehen. Der Spieler schaut verwundert von seinem Autogrammtischchen auf. Keine Ahnung — sagt sein Blick. Doch das Entsetzen in den Augen des Sammlers hält ihn davon ab, diese Worte auch auszusprechen.

Schnell zurück zur Datenbank gehastet, das Spiel hat doch stattgefunden? Dass es sonst niemanden mehr interessiert, was Dekaden zuvor an jenem Sonntag bei Nebel passierte, hält ihn nicht ab, weiter sein eigener Biograf zu sein. Damit man sich erinnern kann. Damit was bleibt, im Jetzt und auch nach seinem Tod.

Hat der zwanghafte Sammler schließlich das Zeitliche gesegnet, kommt entweder die Müllabfuhr und verpackt die ganzen Ordner in blaue Säcke, welche noch vor Ort im Hintern eines Müllwagens geschreddert werden — oder in irgendeinem Rechenzentrum dieser Welt drückt ein Student mit dicken Augenringen in der Nachtschicht auf „Delete“ und gähnt dabei.

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working class Peter

Ich oute mich gerne als jemand, der in den 1990ern irgendwie ein Fan von Peter Neururer war. Er war so anders, offen, ehrlich, das war sympathisch. Er war ein echter Pottler, das noch dazu, obwohl ich dieses demonstrative „Pottsein“ schon zu jener Zeit eher weniger mochte. Von Fußball hatte ich damals ungefähr so viel Ahnung wie heute, nämlich gar keine. Aber Peter, den musste man irgendwie mögen, mit seinem Schnörres und seiner ehrlichen Schnauze. Allerdings hab ich wohl auch nie so richtig zugehört oder irgendwas hinterfragt, denn anders kann ich mir nicht erklären, wie ich dem König der Dummschwätzer, noch vor Franz Beckenbauer, jemals irgendeine Form von Sympathie entgegen bringen konnte. Vielleicht war das alles nur Unterhaltung, so wie „Wetten, dass …?“, und für irgendeinen der Wettkandidaten musste man sich nun mal entscheiden.

Erst später fiel mir auf, nicht erst seit der vernichtenden Kritik seines Buches im Zebrastreifenblog, dass Peter sich zwar gerne mit großem Wortschatz und viel Vokabular schmückt, er es aber nicht mal schafft, vom Anfang des Satzes bis zu dessen Ende zu denken. Geschweige denn irgendeine Konsequenz, Haltung gar in seine Äußerungen zu bringen.

Den Ruhrpott kann man nicht in’n paar Sätzen beschreiben, den muss man _erleben_. Und wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen, ihn zu leben. Zu leben kann man ihn nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.

So hört man ihn im (ansonsten) sehenswerten FAZ-Special über die Stadt Bochum schwadronieren.

Sehen wir vom falschen „zu“ ab, ist schließlich mündliche Sprache, weiß man immer noch nicht, was Peter Neururer über das Ruhrgebiet sagen will. Und man weiß erst recht nicht, warum man ihn, außer als Zirkuspferd, überhaupt befragt hat.

„Den Ruhrpott kann man nicht […] beschreiben.“

Schade, das wäre ihr Job gewesen in diesem Mini-Interview.

„Man muss ihn erleben.“ Okay, so weit klar, aber dann: „Wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen ihn zu leben.“ Warum muss man das? Was nützt das? Was bringt das an Tiefe? Kann man nicht einfach hier leben und seine Pommes essen?

Ja, kann man, denn alle Versuche, den Ruhrpott „zu leben“, was man laut Peter ja muss, warum auch immer, sind bekanntlich zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht auf Kohle geboren ist.

„… nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.“

Gründe dafür? Gibt es keine. Die ganzen Einwanderer aus Polen – alle nicht auf Kohle geboren. Die heutigen Zuwanderer, die hier studieren – auch nicht auf Kohle geboren.

Es ist natürlich unfair, jemandem ein Drei-Satz-Zitat um die Ohren zu hauen, das könnte bei mir genauso schief laufen. Aber Peter der Große, der Retter des VfL Bochum, schafft es nicht einmal, wenn er explizit dazu gefragt wird, zu benennen, was das Ruhrgebiet für ihn überhaupt bedeutet. Inhalte: Null.

Wahrscheinlich ist genau das das Geheimnis seiner Popularität: Dass er alles und nix sagt, und das sogar im selben Satz. Damit kann man sich leicht identifizieren, weil er natürlich alles sagt und gleichzeitig dessen Gegenteil. Wer also sollte nicht etwas mit ihm anfangen können? Gerade, wenn er Heimatgefühle bedient, ohne je einen Funken eines Inhalts dazu beizusteuern?

Das kann man nicht beschreiben.

Klingt wie die Worte auf einer Webseite einer unterlegenen Mannschaft im Fußball: „Was dann passierte, kann man nicht beschreiben.“ Als wäre Inhalt erfunden worden, um am Geschehen oder Sachverhalten Interessierte Menschen zu langweilen.

Ob er auf seinen Vorredner Bezug nimmt, ist nicht klar, aber sehr viel treffender beschreibt der im FAZ-Special folgende Wölfi Wendland den allgemeinen Zustand des Reviers und nicht zuletzt den von Neururers Wahrnehmungen:

Das Nervige ist, dass hier alles noch viel schlimmer im Ruhrpott ist, als die Klischees das sagen.

q.e.d.

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