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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

working class Peter

Ich oute mich gerne als jemand, der in den 1990ern irgendwie ein Fan von Peter Neururer war. Er war so anders, offen, ehrlich, das war sympathisch. Er war ein echter Pottler, das noch dazu, obwohl ich dieses demonstrative „Pottsein“ schon zu jener Zeit eher weniger mochte. Von Fußball hatte ich damals ungefähr so viel Ahnung wie heute, nämlich gar keine. Aber Peter, den musste man irgendwie mögen, mit seinem Schnörres und seiner ehrlichen Schnauze. Allerdings hab ich wohl auch nie so richtig zugehört oder irgendwas hinterfragt, denn anders kann ich mir nicht erklären, wie ich dem König der Dummschwätzer, noch vor Franz Beckenbauer, jemals irgendeine Form von Sympathie entgegen bringen konnte. Vielleicht war das alles nur Unterhaltung, so wie „Wetten, dass …?“, und für irgendeinen der Wettkandidaten musste man sich nun mal entscheiden.

Erst später fiel mir auf, nicht erst seit der vernichtenden Kritik seines Buches im Zebrastreifenblog, dass Peter sich zwar gerne mit großem Wortschatz und viel Vokabular schmückt, er es aber nicht mal schafft, vom Anfang des Satzes bis zu dessen Ende zu denken. Geschweige denn irgendeine Konsequenz, Haltung gar in seine Äußerungen zu bringen.

Den Ruhrpott kann man nicht in’n paar Sätzen beschreiben, den muss man _erleben_. Und wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen, ihn zu leben. Zu leben kann man ihn nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.

So hört man ihn im (ansonsten) sehenswerten FAZ-Special über die Stadt Bochum schwadronieren.

Sehen wir vom falschen „zu“ ab, ist schließlich mündliche Sprache, weiß man immer noch nicht, was Peter Neururer über das Ruhrgebiet sagen will. Und man weiß erst recht nicht, warum man ihn, außer als Zirkuspferd, überhaupt befragt hat.

„Den Ruhrpott kann man nicht […] beschreiben.“

Schade, das wäre ihr Job gewesen in diesem Mini-Interview.

„Man muss ihn erleben.“ Okay, so weit klar, aber dann: „Wenn man ihn erlebt hat, muss man versuchen ihn zu leben.“ Warum muss man das? Was nützt das? Was bringt das an Tiefe? Kann man nicht einfach hier leben und seine Pommes essen?

Ja, kann man, denn alle Versuche, den Ruhrpott „zu leben“, was man laut Peter ja muss, warum auch immer, sind bekanntlich zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht auf Kohle geboren ist.

„… nur dann, wenn man auf Kohle geboren ist.“

Gründe dafür? Gibt es keine. Die ganzen Einwanderer aus Polen – alle nicht auf Kohle geboren. Die heutigen Zuwanderer, die hier studieren – auch nicht auf Kohle geboren.

Es ist natürlich unfair, jemandem ein Drei-Satz-Zitat um die Ohren zu hauen, das könnte bei mir genauso schief laufen. Aber Peter der Große, der Retter des VfL Bochum, schafft es nicht einmal, wenn er explizit dazu gefragt wird, zu benennen, was das Ruhrgebiet für ihn überhaupt bedeutet. Inhalte: Null.

Wahrscheinlich ist genau das das Geheimnis seiner Popularität: Dass er alles und nix sagt, und das sogar im selben Satz. Damit kann man sich leicht identifizieren, weil er natürlich alles sagt und gleichzeitig dessen Gegenteil. Wer also sollte nicht etwas mit ihm anfangen können? Gerade, wenn er Heimatgefühle bedient, ohne je einen Funken eines Inhalts dazu beizusteuern?

Das kann man nicht beschreiben.

Klingt wie die Worte auf einer Webseite einer unterlegenen Mannschaft im Fußball: „Was dann passierte, kann man nicht beschreiben.“ Als wäre Inhalt erfunden worden, um am Geschehen oder Sachverhalten Interessierte Menschen zu langweilen.

Ob er auf seinen Vorredner Bezug nimmt, ist nicht klar, aber sehr viel treffender beschreibt der im FAZ-Special folgende Wölfi Wendland den allgemeinen Zustand des Reviers und nicht zuletzt den von Neururers Wahrnehmungen:

Das Nervige ist, dass hier alles noch viel schlimmer im Ruhrpott ist, als die Klischees das sagen.

q.e.d.

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Jörg Berger über seine Flucht aus der DDR

Jörg Bergers Grab befindet sich auf einem Friedhof in Duisburg-Rahm, im Süden der Stadt, Nähe Düsseldorf. In Duisburg war er auch verstorben.

Einige Zeit vor seinem Tod hatte er MDR von seiner Flucht aus der DDR berichtet und was diese für Konsequenzen mit sich brachte.



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Ganz schön krank

Es begann alles an jenem Tag, an dem mein Hirntumor festgestellt wurde. Von da an war verständlicherweise nichts mehr so wie vorher und es würde auch nie wieder so sein. Dabei lag das eben nicht an den Auswirkungen des Hirntumors, sondern daran, dass man, wenn man einmal gesehen hat, nicht mehr so tun kann, als hätte man nicht gesehen, so sehr man sich auch bemüht.

Der Hirntumor war von mir selbst diagnostiziert worden. Die Diagnose war falsch, wenn auch nicht total falsch. Nach dem Aufwachen war mir sofort klar geworden, dass in diesem Moment mein letzter Tag gekommen war. Tatsächlich reihten sich dann immerhin noch so viele weitere an diesen verdammten einen Tag, dass sie ausreichten, die folgende Geschichte zu erleben und später sogar noch zu erzählen.

Wenn man an einem x-beliebigen Sonntag aufwacht und in seinem Bett liegt, ist die Wahrscheinlichkeit als männlicher Bewohner der westlichen Hemisphäre, das ist eine kulturelle, hoch, dass man einen Kater haben würde, den man bis in die frühen Abendstunden des Tages hineintragen würde, sofern es nicht ohnehin schon Abend wäre. An diesem Tag war es nicht abends, es war auch nicht Sonntag und also war es auch kein Kater.

Irgendetwas musste diese schrecklichen Schmerzen in meinem Gehirn allerdings ausgelöst haben, und wenn Männer jüngeren Alters etwas ernsthaft als Schmerzen bezeichnen, dann müssen dessen Ausprägungen ziemlich intensiv sein. Ich rief sofort, nach einigen Stunden Haderns mit den Realitäten eines Hirntumors, einen befreundeten Menschen an, der in die Apotheke geschickt wurde mit dem Auftrag, „irgendetwas gegen Hirntumor“ zu besorgen, er möge sich beeilen, denn wenn er das nicht täte, würde er wohl sein Geld für die Medikamente gegen Hirntumor nicht zurückbekommen, weil ich ohne Medikamente bis zu seinem Eintreffen verstorben sein würde.

Dem Apotheker war es zu verdanken, dass nur etwa zweieinhalb Stunden nach Aufwachen, Bemerken der Schmerzen und innnerlich mit dem Leben Abschließen, Dankbarkeit empfinden, dass man es so lange überhaupt hatte leben dürfen und schließlichem Wiedereintreffen der profanen Realität vergangen waren. „Stirnhöhlenentzündung“ lautete die Ferndiagnose des Apothekers, nachdem ich die Symptome ins Telefon geflüstert hatte; Sie verstehen, die Schmerzen.

Die mitgebrachten Medikamente bestanden also aus den schärfsten Präparaten, die man in Deutschland ohne Rezept kaufen kann, schließlich erhält man ohne persönliche Besuche beim Arzt kein Rezept und genauso natürlich konnte ein Hirntumorkranker, beinahe -toter nicht an seinem letzten Tag seine Zeit auch noch damit verschwenden, in Wartezimmern von Ärzten den Stern zu lesen, ergo gab es kein Rezept und ebenso ergo erschien der befreundete Apothekengänger also mit ein paar Kopfschmerztabletten, etwas Inhalationstropfen und einer Packung Taschentücher, welche bekanntlich noch immer gegen Hirntumore geholfen hatten.

Aber es ging ja auch nicht mehr um einen Hirntumor, was nach einigen Momenten Abschiednehmen vom eigenen Drama dann auch akzeptiert werden konnte, sondern um Stirnhöhlen. Stirnhöhlen, das klingt spannend, als gäbe es bei einer Höhlentour etwas zu entdecken. Tatsächlich ist es heimtückisch und hinterhältig, weil niemand die schlimmen Kopfschmerzen, die sie bewirken, sehen kann, dabei ist man tatsächlich krank und vor allem rund um die Uhr überproportional gereizt, ohne dass man das normalerweise dazu gehörige Mitleid erhält, welches kranken jungen Männern eigentlich in besonders großen Dosen zusteht.

Am folgenden Wochenende stand eine Partie auf dem Speiseplan, die eigene Mannschaft gegen einen mehr oder weniger zufälligen Gegner, eine Heimpartie und sie würde eine besondere sein. Denn diese Partie sollte — technisch machbar war das schon lange, allein rafft man sich so selten auf — komplett aufgezeichnet und später sogar mit dem Gegner an einem anderen Abend zusammen angeschaut werden. Ein zweifelhaftes Vergnügen bei Amateurfußballern, die nicht mal genügend Luft für 90 Minuten haben, Stichwort die Regelung vom fliegenden Wechsel. Eigentlich hatte ich aber mitspielen wollen bei dieser Partie und als ich nur wenige Tage nach meinem Erwachen mit vermeintlichem Hirntumor ohne Sportkleidung um die Außenlinie strich, bekam ich eine erste Ahnung davon, wie es ist, krank zu sein, ohne dass einem dies angesehen werden kann. Es ist nicht schön, denn die Umwelt pendelt zwischen Ignoranz und Unterstellung eines Simulierens, ein dem Fußball ja nicht ganz so fern liegender Vorgang.

Die Partie wurde aufgezeichnet, eine aktive Teilnahme war dank der Stirnhöhlen nicht möglich und so erschien ich bei der später zusammen angesehenen Zusammenfassung nur als übel gelaunter Kauz im Bild, der um die Außenlinie herumstromert, sich nassregnen lässt und auf Zuruf ein paar Sekündchen lang ein künstliches Grinsen aufrecht erhalten kann, immerhin, dabei ist einem überhaupt nicht zum Lächeln zumute, wenn die eigene Mannschaft Fußball spielt und man selbst nicht teilnehmen kann.

Immerhin verlor die eigene Mannschaft mit zwei Toren Unterschied, welch ein Glück. Nichts wäre schlimmer als wenn die eigene Mannschaft gewönne, während man selbst verletzt oder krank draußen steht. Womöglich könnte Teilen der Mannschaft einfallen, dass man auch ohne diesen ja ohnehin kranken oder verletzten Typen an der Seitenlinie ganz gut Fußball spielen würde können. Und ihn folglich nicht mehr benötigte. Ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über seinen Körper und erst recht über den Zeitpunkt des Aussortiertwerdens.

So weit kam es dann glücklicherweise nicht, allerdings sollte es sich entscheidend auf den Fortgang der Geschichte auswirken, dass die Stirnhöhlenentzündung kam. Und blieb. Bis zum heutigen Tag ist sie nicht vollständig verschwunden, der Tag mit dem Hirntumor ist knapp dreieinhalb Jahre her und es verging kein einziger Tag mehr ohne Kopfschmerzen. Das ist aber nicht so schlimm, denn sie sind zwar unangenehm und hindern auch beim Denken, aber mehr auch nicht, in gewisser Weise. Es kommt ein bisschen Schnupfenartiges hinzu (nein, es ist kein Männerschnupfen) und so kann man sicher ganz gut damit leben. Was man aber nicht kann, ist Erschütterungen des Schädels gut aushalten, und bei welcher Tätigkeit des Menschen wird der Schädel erschüttert? Auch wenn es nicht die erste ist, die einem einfällt: Beim Laufen. Sagen wir besser beim Rennen.

Schlimmer als die Stirnhöhlenerkrankung an sich ist der Umstand, dass man nicht mehr Fußball spielen sollte. Man könnte es zwar noch, ohne gleich sein Leben zu riskieren, aber es wird von allen Seiten darauf hingewiesen, dass es besser sei, wenn man es nicht täte. Was dann wiederum weitere Folgen nach sich zieht, die schließlich im Titel des Textes münden. Womit wir bei der eigentlichen Geschichte angelangt wären.

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Cruyff ging, van Basten kam

Die Krönung der absolut nutzlosen Faktenhuberei — Stadienkapazitäten, Rückennummern, Spitznamen, Nebentätigkeiten oder besondere Hobbies im Fußball — ist wohl die Information, für welchen anderen Spieler ein Fußballer zu Beginn seiner Karriere eingewechselt wurde. Also noch sinn- und nutzloser geht es kaum. (Wenn jemand etwas Sinnloseres weiß: gerne.)

So wurde Lukas Podolski zum Beispiel bei seinem ersten Länderspiel für Fredi Bobic eingewechselt. Lothar Matthäus für Bernard Dietz. Irgendwo in Dänemark wurde mal der Sohn in seinem ersten Spiel überhaupt für den Vater eingewechselt.

Die Krönung der Krönung der absoluten Faktenhuberei ist es dann natürlich, wenn ein König im Spiel ist. In diesem Fall ist es König Johan, Cruyff um genauer zu sein. Der war am Beginn einer großen Karriere in der Funktion als Auswechselspieler beteiligt.

Die Überschrift verrät es schon, 1982 begann Marco van Bastens Profizeit als Einwechselspieler in einer Partie für Ajax Amsterdam gegen NEC Nijmegen, Endstand 5:0 für Ajax, ein Tor unter anderem durch eben jenen van Basten. Und das Feld verließ für Marco van Basten kein Geringerer als Johan Cruyff.

Also sinn- und nutzlose Zufälle gibt’s … die hätte man gar nicht gebraucht, stehen in keinem Zusammenhang, haben keinerlei weitere Bewandtnis — und sind damit genau richtig hier im Blog.

(Nutzlose Info entdeckt beim Tumblr vom Vintage Football Club.)

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Delling mit Schnörres

Auch beim NDR fließt ein wenig 11Freunde-Blut in den Adern und man widmet einen ganzen, wenn auch kurzen Beitrag den Modesünden früherer Moderatoren des „Sportclub“, mit dabei der im Titel erwähnte Delling mit dem im Titel erwähnten Gesichtsschmuck. Ansehen auf eigene Gefahr.

Man darf annehmen, dass sich das Ganze nicht im „Movember“ ereignete.

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Sommer Schule

Etwas merkwürdig mag es anmuten, hier extra eine Sommerpause anzukündigen, wenn die Tage in den letzten Monaten auf dieser Seite ohnehin mehrheitlich aus Pause bestanden. Doch diese Sommerpause wird eine besondere sein.

„Alles muss raus“, Sommerschlussverkauf schon Anfang Juli, bzw. den gesamten Juli hindurch, bei dem einfach mal alles aus dem Archiv gezogen werden muss, was sich so angesammelt hat, mehrheitlich Videos von schrägen oder schönen Dingen rund um Fußball, aber auch schon mal schlichte Links zu interessanten Texten, das alles wiederum hauptsächlich zu früheren Zeiten, wie es hier ja immer mehr überhand genommen hat. Alles, was sich so angesammelt hat, aber nie konkret einen Anlass fand, veröffentlicht zu werden.

Und weil heinzkamke letztens ja schon zurecht feststellte, dass wir mittlerweile des ständigen Wälzens in der Vergangenheit, vor allem der 1980er, so langsam aber sicher überdrüssig werden — ein Gefühl, eine Ansicht, welche man hier teilt — ist diese erstmalige offizielle Sommerpause im Blog eine gute Gelegenheit, den ja nichtsdestotrotz oft sehenswerten, aber dann auch genauso oft isoliert im Raum stehenden Zeitdokumenten noch mal zu etwas Öffentlichkeit zu verhelfen, ehe dann auch mal Schluss sein muss. Schluss mit dem ständigen Reenactment der eigenen Jugend und der Nabelschau durch die ohnehin ziemlich verzerrende Zeitmaschine.

Oder zumindest dürfte dann mal eine Phase folgen, die andere Zeiten in den Fokus rückt, vielleicht ja mal wieder die Gegenwart, ehe man in späteren Momenten vielleicht doch wieder Appetit auf die 1980er, 1970er oder ähnlich lange vergangene, aber nie endende, weil überall konservierte Zeiten bekommt. Für neuen Appetit muss man bekanntlich erst mal ein wenig abstinent sein. Gilt übrigens im Après-WM-Jahr auch für den Fußball an sich.

Langer Rede, kurzer Sinn: Hier ist erst mal keiner zu Hause, jetzt ist Urlaub angesagt, und dennoch werden mehr oder weniger täglich Beiträge erscheinen, ohne dass diese ein roter Faden verbände, abgesehen vom ganz großen Rahmen Fußball natürlich.

Viel Spaß damit und wir lesen uns wieder am 1. Spieltag der neuen Saison. Welcher Liga, wird allerdings nicht verraten. Gleich folgt dann auch schon das erste Schätzchen aus den Tiefen des Archivs.

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It’s a wonderful game

ballons

Nicht oft sieht man den Himmel so wie an diesem Tag, selten sieht man diese Leichtigkeit im Zusammenhang mit Fußball, ohne dass sie aufgepfropft ist, was sie hier nicht war, weil sie von den Anreisenden selbst so entschieden war. Keine Choreographie im Stadion, keine noch durchgeographiertere eines Werbeclips, natürlich so gewollt und auch bewusst mitreißend, angesichts der Umstände aber keineswegs inszeniert. Ballons steigen in den Himmel, in blau und weiß, in den „Vereinsfarben“, und so wirr wie diese auf dem Foto mit ihren unterschiedlichen Größen wirken, so verwirrten sie auch das Hirn des Betrachters.

Natürlich ist es naiv, sich von ein paar aufgeblasenen Luftballons die Schwere des Seins davonwehen zu lassen, jene Flucht zu ermöglichen, deretwegen man ja hauptsächlich zum Fußball geht: Weil man nicht nachdenken will, weil man mitfliegen will, auf der so fein in den Strafraum geschlagenen Flanke, auf den Ballons, die an ein wenig Schmuck des Lebens interessierte Menschen vorher in mühevoller Blasarbeit zusammengestellt haben, weil man mitfliegen will in diesen Himmel, ein Stück Ewigkeit fürs Sein, Momente sammeln, darum geht es doch, Momente, in denen die Schwere nicht aufs Gemüt drückt, die Zweifel nicht überhand nehmen. Es ist einerseits Eskapismus in Reinkultur, sich um den Spielausgang einer Pokalpartie zu kümmern und gleichzeitig ist es doch die Antwort auf alle Fragen (und Spiele enden nicht mit „42″), die das Leben so stellt. Jedenfalls so lange man nicht wegschaut.

Nicht jede oder jeder der Anwesenden mag diesen Ballons so nachgeschmachtet haben wie der Autor, aber wie sie da so in den Himmel flogen, in die Atmosphäre des kleinen Erdballs, die so klein ist, dass man sie von der Sonne aus schon gar nicht mehr sehen könnte, während man die Sonne von der Atmosphäre aus nicht nur überdeutlich sieht, sondern spürt, auf der Haut, der Stirn, im Nacken, wie man sich wendet, sie brennt und wie sie da so verbrennt, was man an zärtlichem Etwas in seinem Leben angesammelt hat, lässt es sie leben und fühlen und genießen. Und danach los ins Stadion nebendran und der Wind weht und die Luft riecht nach Lust und die Ballons haben die Melancholie ja zum Glück schon weit weg mitgenommen und dann rollt der Ball und man ist eins mit dem Moment.

(Wenn man genau hinsieht, erkennt man oben im Bild übrigens Idefix.)

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Falsches Jahrzehnt, Freiburg

Links die Zahl der Punkte in der Saison 2014/2015 nach der Zwei-Punkte-Regelung, rechts die Zahl der Punkte nach der Drei-Punkte-Regelung.

54 FC Bayern München 79
49 VfL Wolfsburg 69
47 Borussia M‘gladbach 66
44 Bayer Leverkusen 61
34 FC Augsburg 49
35 FC Schalke 04 48
33 Borussia Dortmund 46
32 1899 Hoffenheim 44
32 Eintracht Frankfurt 43
32 SV Werder Bremen 43
31 1. FSV Mainz 05 40
31 1. FC Köln 40
28 Hannover 96 37
27 VfB Stuttgart 36
26 Hertha BSC 35
26 Hamburger SV 35
27 SC Freiburg 34
24 SC Paderborn 07 31
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Ivo, we‘re home

Die 3. Liga ist eine ungewöhnliche Veranstaltung. Hier versammeln sich frühere Erstligisten zusammen mit den leidigen Zweitvertretungen größerer Clubs sowie einigen, bei allem Respekt, Dorfclubs wie Großaspach oder Elversberg zum gemeinsamen Wettbewerb. So kommen in Dresden im Schnitt 22.300 Zuschauer, in Großaspach 2.300, bei Mainz II dann gerade mal 1.100. Die Partien werden nicht wie jene der 1. und 2. Bundesliga bei einem Bezahlsender übertragen, oft nur auf den Seiten der Dritten Fernsehsender gestreamt. Und wenn man Pech hat, gibt es überhaupt keine Bilder im TV von den Auswärtspartien des eigenen Clubs. Natürlich beschäftigt man sich nicht freiwillig mit einem solch seltsamen Konstrukt wie dieser 3. Liga, es sei denn, man muss. Und beim MSV Duisburg musste man das, weil Roland Kentsch nicht in der Lage gewesen war, gegen ein Bundeskanzlergehalt korrekte Zahlen in den Lizenzantrag zu schreiben. … weiterlesen.

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TV-Tipp: „Als Arbeiterjungs Profifußballer wurden“

Heute um 13h im WDR, aber auch online zu sehen.

Keine Sorge, die 45-minütige Doku ersäuft nicht in Nostalgie, sondern wartet mit interessanten Einblicken in den Fußball und vor allem in den Zeitgeist jener Tage der Gründungszeit der Bundesliga auf. Prädikat sehenswert, selbst wenn man kein Faible für den Westen, sondern nur für Fußball besitzt.

Mit Willi Lippens, Berti Vogts, Wolfgang Weber, Fred Bockholt, Wolfgang Kleff, dem unvermeidlichen Hermann Gerland und vielen weiteren, vor allem aber einem Gefühl dafür vermittelnd, wie sehr die Art, Fußball zu spielen von den sonstigen vorherrschenden Vorstellungen im Leben der Menschen abhängt oder -hing. Und mit 45 Minuten und einem bunten Mix an Protagonisten auch leicht konsumierbar.

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