Mal wieder ein Link für die Liebhaber von hübschen Frauen: Hier gibt’s verschiedene internationale Fans, am schönsten ist aber das deutsche Mädchen.
1 KommentarKategorie: WM 2006 – Odyssee im Deutschland
Eine Reise durch ein verrücktes Land
Das dicke Ding hat das runde Ding in das eckige Ding geschossen.
Das dicke Ding hat das runde Ding in das eckige Ding geschossen.
Nur noch ein Tor, dann ist Der Rekord vom kleinen dicken Müller ist egalisiert.
Dem einen oder anderen vielleicht schon bekannt, mir bis heute nicht:
Wer die Spiele ohne Kernersches Gesülze schauen möchte, aber nicht über Premiere verfügt, kann sie bei ESPN oder ESPN2 schauen. Diese Sender gibt’s als Livestream im Internet und die Einrichtung ist tatsächlich rinderleicht. Einfach von dieser Seite den TVUPlayer runterladen. Dort sind die genannten Sender automatisch verfügbar. Und amerikanisches Werbefernsehen gibt’s umsonst noch dazu.
Ich werde jetzt mal Australien — Kroatien in amerikanischem TV schauen.
3 KommentareNein, nicht 21 Tage bis zum Finale, 21 Mannschaften sind noch im Turnier. Gerade verabschiedeten sich die USA und Tschechien.
Bei dem schwachen, vollkommen einfallslosen Auftreten der USA darf man schon fragen, wie so eine Mannschaft auf Platz 5 der FIFA-Weltrangliste kommt. Wer die Antwort nicht kennt: die USA spielen regelmäßig nur gegen schwache Gegner aus ihrer Region, Nord- und Zentralamerika und der Karibik. Für die Siege in diesen Partien bekommen sie selbstredend trotzdem ordentlich Punkte für die Rangliste, während europäische Nationen häufig untereinander antreten und da diverse Niederlagen und Remis einstecken müssen.
Nach dem bisherigen Auftreten der Brasilianer stellt sich dann auch die Frage, wieso diese Mannschaft seit Jahre unangefochten die Weltrangliste anführt: Etwa, weil auch sie meist nur gegen Gegner vom Kaliber Venezuelas, Boliviens oder Perus spielt?
Für Tschechien war die WM 2006 vorerst das letzte Mal, dass sie als Geheimfavorit gehandelt wurden. Der Umbruch, den Clinsfornia dankenswerterweise gegen eine Menge Widerstände bei der deutschen Mannschaft durchgedrückt hat, steht den Tschechen jetzt bevor.
Abgesehen davon, dass sie eine Menge meiner Tipps versaut haben, bin ich außerdem überrascht, wie wenig von den vermeintlichen Stärken der Tschechen zu sehen war. Anders gesagt: Bestand die ganze Strategie lediglich aus langen Bällen auf den 2,02m-Mann Jan Koller? Nach dessen verletzungsbedingtem Ausscheiden war nicht mehr viel zu sehen im Angriff der Tschechen.
Oha: Jetzt findet hier auch noch ein Autokorso der Italiener statt. Immerhin bleiben die Italiener uns noch bis mindestens Montag in Duisburg erhalten. Ob darunter auch Anhänger von Juventus sind? Nicht mehr lange, dann sind diese Fans mit der Stadt des Zweitligisten MSV Duisburg in der richtigen Stadt gelandet: Juventus wird wohl zwangsabsteigen.
1 KommentarWer denkt, die heute endende Gruppe E mit Italien, Ghana, Tschechien und den USA sei „eng“, weil jeder noch weiterkommen kann und jeder noch rausfliegen kann, dem sei gesagt: Es war auch schon mal enger…
1994
Gruppe E
| Pl. | Nation | Sp | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. |
| 1. | Mexiko | 3 | 1 | 1 | 1 | 3:3 | 0 | |
| 2. | Irland | 3 | 1 | 1 | 1 | 2:2 | 0 | |
| 2. | Italien | 3 | 1 | 1 | 1 | 2:2 | 0 | |
| 4. | Norwegen | 3 | 1 | 1 | 1 | 1:1 | 0 |
Ein Fußballfan aus Usbekistan hat 6.500 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt, um bei der WM dabei zu sein. In erster Linie wollte er wohl sein Idol, Oliver Kahn, bei der WM im Einsatz sehen. Aber wie das so ist, wenn Buck Rogers nach 200 Jahren im Weltall zur Erde zurückkehrt: Die eigenen Verwandten sind alle schon tot. Erst nach seiner Ankunft in Deutschland erfuhr der Usbeke davon, dass Oliver Kahn, na gut, ganz tot ist er noch nicht, aber dass er gar nicht für Deutschland im Tor stehen wird. Bei der deutschen Nationalmannschaft spielt Kahn keine Rolle mehr außer der des Herbergsvaters (und der des Oliver Kahns, die muss der bedauernswerte Mann ja 24h am Tag spielen).
Oliver Kahn zeigte sich trotzdem so beeindruckt von der Leistung des Usbeken, dass er ihm ein Ticket für das Spiel Deutschland — Ekuador besorgte.
Das ist unfair. Ich selbst habe im Vorfeld der WM mindestens schon 9.000 Kilometer auf meinem Bürostuhl rumgesessen.
Einen Kommentar hinterlassenIch sprach schon davon, dass ich im Main ertrinken möchte [Link leider tot]. Das hat Gründe, die berechtigt sind.
Nichtsdestotrotz kann man das Bild, das eine solche schwimmende Leinwand bietet, eindrucksvoll finden:
[Link leider tot.]
Mehr und größere Bilder dazu gibt es bei Fishki.
4 KommentareNachdem die Anreise nach Dortmund hinter mir lag, war meine Fahrt mit der U-Bahn zum Stadion im Vergleich zu der meines später folgenden Begleiters ziemlich entspannt, da nicht ganz so voll wie noch der Regionalexpress. Lieder gesungen wurden trotzdem und eigentlich ist das ja auch nichts Besonders bei einer Anreise zu einem Fußballspiel. Das hier war aber nicht irgendein Fußballspiel, sondern a) ein WM-Spiel und b) ein WM-Spiel mit schwedischer Beteiligung. Und so ging es in der Westfalenhalle 1 weiter, wo auf einer Leinwand das Spiel England — Paraguay gezeigt wurde: Gesänge, Geklatsche und bereits um 15h La Ola im Rund der Westfalenhalle. Gänsehaut auch bei mir, und ich bin schließlich nicht das erste Mal bei einem Länderspiel gewesen, anders als mein Begleiter, für den es das erste Fußballspiel überhaupt in einem größeren Stadion war.
Dass das Spiel der Engländer weniger als bescheiden war und diese irgendwann dachten, ein 1:0 würde schließlich auch 3 Punkte bringen, brachte der Stimmung keinen versicherungsmeldungspflichtigen Schaden bei. Einzig die englische Familie auf den Sitzen hinter uns schien nicht ganz überzeugt zu sein, dass man hier gute Laune haben sollte. Ansonsten flachten die Gesänge erst dann ab, als sich immer mehr Menschen aus der Halle in Richtung Stadion auf den Weg machten:
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So auch wir. Doch schon nach wenigen Metern war klar, dass die Angabe eines Bekannten, dass man von der Halle zum Stadion keine fünf Minuten zu Fuß brauchen würde, nur für normale Spieltage gelten könne. Der erste Stau traf uns am Geldautomaten, an dem mein Begleiter noch Geld ziehen wollte, um ein Stadionerlebnis inklusive Bratwurst zelebrieren zu können. Wofür einige der Schweden das viele Geld aus dem Automaten benötigten, wurde klar, als mich ein Schwede ansprach und erst 300, dann 350, dann 400 und schließlich 500 Euro für meine Karte bot, die mir oben aus der Jackentasche herausguckte.
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Trotz dieses einen Angebots, welches ich natürlich ablehnte (drüber nachgedacht hätte ich erst ab einer vierstelligen Summe): Dass die Schweden in solch einer Vielzahl Karten bekommen hatten, erstaunte mich schon ein wenig. Und diese Bemerkung, in der Schlange vor dem Geldautomaten ausgesprochen, rief dann gleich den ersten kleinen Poser auf den Plan, der, mit Deutschlandtrikot bewaffnet, mir verkündete: „Das war doch bei der Euro 2004 auch schon so, dass die Stadien fest in schwedischer Hand waren.“
Danke sehr, Herr vielgereister Fan, für diese wertvolle Information. Nun gut, recht wird er wohl gehabt haben, auch wenn ich ihn gar nicht gefragt hatte.
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Als mein Begleiter sein Geld schließlich erhalten hatte, ging es weiter, wieder eingliedern in den Strom, der nicht abreißen wollte. Schwede um Schwede um Schwedin floss an uns vorbei, und wir flossen wieder mit. Ebenso ortsunkundig wie wir, flossen alle durch einen Irrgarten, den findige Architekten auf dem Weg zum Stadion aufgebaut hatten. Das sah dann ungefähr so aus wie auf dem Bild oben. Wie man sieht, wusste keiner, wo es lang geht.
Die Masse floss dann wahllos durch die Gegend, manche flossen auch wieder zurück und irgendwann stand alles still. Das hatte einen Grund, und zwar diesen Zaun hier, den wiederum findige Menschen einfach irgendwo in der Landschaft aufgebaut hatten. Dahinter befand sich ein schwedischer Polizist, der mit Megaphon Anweisungen gab. Leider auf schwedisch, so dass ich immer noch nicht wusste, wo denn nun der Eingang zum Stadion sein würde.
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Der schwedische Polizist sah übrigens tatsächlich aus wie ein Schwede in Lindgren-Verfilmungen aussieht. Und weil ich dachte, dass Schweden doch eigentlich alle Englisch sprechen, fragte ich meine Nebenleute auf Englisch, was der Polizist denn erzählt hätte. Leider waren meine direkten Nebenleute selbst Deutsche und hatten auch nix verstanden, und von den Schweden, die ich fragte, wollte keiner Auskunft geben. Entweder war mein Englisch zu schlecht, ihr Englisch zu schlecht oder sie waren schlicht zu aufgeregt, weil schließlich der WM-Auftakt Schwedens vor der Tür stand und jeder der hier Stehenden das Spiel zu verpassen drohte.
Irgendwann floss die Masse dann aber in die richtige Richtung, der Einlass war auch schon zu sehen. Einen weiten Bogen um die ersten Eingänge („Hospitality Entrance“) gemacht und dann durch eine allerdings äußerst lasche Sicherheitskontrolle. Ich trug zwar ohnehin nicht viel an meinem Körper, auch wenn ich an meinem Körper schon viel zu tragen habe, aber wenn ich gewollt hätte, hätte ich ein Messer ins Stadion reinschmuggeln können. Das taten ja nur wenige Tage später die polnischen Spieler, die mit Selbigem zwischen den Zähnen gegen Deutschland spielten. Erste Sicherheitskontrolle also passiert, und das sah rückblickend so aus:
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Auf diesem Bild gibt es vereinzelte rote Flecken zu sehen, das waren entweder Fans von Trinidad und Tobago oder neutrale Zuschauer. Die große Masse auf dem Weg von der Sicherheitskontrolle zum eigentlichen Stadioneingang sah allerdings so aus:
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Kurze Anspannung bei uns, denn die Karten trugen zwar unsere Namen, ganz sicher waren wir aber nicht, ob sie überhaupt gültig sein würden. Nein, sie waren nicht vom Schwarzmarkt und sie waren auch nicht selbstgemalt, aber a) war da ein Chip in der Karte, der natürlich auch defekt hätte sein können und b) hatte ein Bekannter die Karten für uns bestellt, so dass wir nicht sicher sein konnten, ob alle Daten richtig übermittelt worden waren. Ausreichend Ticketkontrolleingangstore waren geöffnet, so dass es keine Minute dauerte, bis wir an der Reihe waren. Den Personalausweis hatten wir natürlich griffbereit, doch dann die Überraschung: Den wollte niemand sehen. Die Dame am Eingang hielt einfach die Karte vor ein Lesegerät, das zeigte in Sekundenschnelle ein grünes Licht an und schon waren wir drin. Das war’s.
Ich war ziemlich überrascht, dass die aufwändigen Kontrollen (oder zumindest Stichproben) völlig ausblieben.
Nun aber auf ins Stadion, die ersten paar Stockwerke dieses riesigen Gebäudes erklommen, um dann vor Anpfiff noch die erlaubten zwei Pils (Ist amerikanisches Budweiser überhaupt Pilsener Bier? — Ich glaube nicht.) zu kaufen. Und hier natürlich wieder das heute übliche Bild: Lange Schlangen von Menschen in gelber Kleidung.
Am Anfang ging es recht zügig voran, doch als wir nur noch vier oder fünf Leute vor uns hatten, stockte das Ganze, nichts tat sich mehr und als wir einen Blick hinter die Theke werfen konnten, war uns klar, warum: Eine Theke mit einer Länge von 12m, dementsprechend ca. 12 Schlangen, die auf Bier warteten und es war genau ein Zapfhahn für Bier aktiv. Die ziemlich jungen Mitarbeiter hinter der Theke ließen sich auch von der Hektik, die diesseits der Theke herrschte, nicht anstecken und schlurchten auch dann noch lustlos und in Zeitlupe durch die Gegend, als der Anpfiff nur noch Minuten entfernt war.
Aggressionen kamen bei den schwedischen Zuschauern auf. „Is here anybody working?“, „C‘mon, we want beer.“ und „Hurry up!“ wurde in nicht mehr freundlichem Ton gebrüllt. Die Würste an der Theke ließen sich davon nicht beeindrucken und verkauften weiter Selbige im Schlafwagentempo. Und obwohl das ein Phänomen ist, welches man auf vielen Großveranstaltungen erlebt, finde ich es doch reichlich seltsam, über 500 anstehende Leute bei einem WM-Spiel mit genau einem Zapfhahn versorgen zu wollen.
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Genug Gastronomie-Nörgelei, wir bekamen unsere je zwei Biere und machten uns zu unseren Plätzen auf. Die Nationalhymnen waren leider schon gespielt. Gerade, als wir die Treppe zu unserem Block nahmen, ertönte der Anpfiff. Und wie das Spiel verlief, wie die Gänsehautstimmung im Stadion weiterging und was für ein Spektakel das ganze Spiel war, lest Ihr im dritten Teil.
4 KommentareBeim ersten Spiel der Engländer gegen Paraguay gab es viele Beschwerden über die für den Fernsehzuschauer Vergnügen mindernden Licht- und Schattenspiele, die durch die seltsame Dachkonstruktion des Frankfurter Stadions sowie den über dem Spielfeld angebrachten Videowürfel ausgelöst wurden. Ich frage mich, wie jemand ein Ding für eine halbe Milliarde Euro bauen kann und dann erfüllt es an entscheidenden Stellen seinen Zweck nicht. Kritisieren ist immer leicht, das hier ist aber so ein grundlegendes Bedürfnis, das ein Stadien erfüllen muss — dass man darin gut das Spiel schauen kann — dass es grotesk anmutet, dass genau das von den Planern nicht gewährleistet wurde.
Ähnliche Beschwerden gab es über die Arena auf Schalke.
Die Lösung des Problems in diesen beiden Stadien soll nun sein, dass das Dach geschlossen wird. Es sind 30° C (okay, heute nicht…), strahlender Sonnenschein und dann soll für einen Freiluftsport wie Fußball das Dach geschlossen werden?
Um es mit Beckmann zu sagen: „Fußball absurd.“
1 KommentarWas gibt es zu diesem Spiel nicht alles zu sagen: Der erste Sieg gegen eine europäische Mannschaft bei einem Turnier seit 1996, der 11. Sieg im 15. Spiel gegen die weiter sieglosen Polen, weiter unbesiegt in Dortmund bei nur einem Remis, weiterhin hat Clinsfornia scheinbar alles richtig gemacht, vor allem seine Einwechslungen, Daniel Nivel saß auf der Tribüne, die erste Randale des WM-Turniers fand statt und die deutsche Mannschaft spielt tatsächlich mit dem 12. Mann im Rücken.
Das ist aber alles anderswo auch schon gesagt worden, deshalb beschränke ich mich auf die Aspekte, die das Spiel begleiteten. Wenn schon, wie bei allesaussersport.de erwähnt, die BBC-Reporter sagen, dass das das lauteste Spiel war, das sie je erlebt haben, dann kann man sich vorstellen, was für ein Orkan da durchs Stadion gegangen sein muss. Und dann ist jetzt vielleicht, hoffentlich, endlich mal Schluss mit diesen blöden Legenden, dass ja in Italien oder Spanien bessere Stimmung herrsche als in deutschen Stadien.
Ballack erschien mir einen höchst seltsamen Abend erwischt zu haben, da er ständig lange Anspiele über den halben Platz versuchte, die aber nie ihren Adressaten erreichten. Trotzdem war er wertvoll für diese Partie.
Podolski wird wohl doch nicht der neue Superstar dieser WM, so wie das ohnehin niemand werden zu wollen scheint. Auch wenn es für diese Einschätzung nach gerade mal dem ersten Spieltag ein bißchen früh ist.
Arne Friedrich ist der neue Christian Ziege: seine Flanken landen garantiert hinterm Tor. Dafür ist Philipp Lahm die neue Walz aus der Pfalz und womöglich auch schon bald bei Bayern weg. Das freut mich jetzt schon, wie Karl-Heinz Rummenigge wieder was von mangelnder Chancengleichheit fabulieren wird, nachdem Lahm bei Chelsea unterschrieben hat. Die Chancengleichheit mit Bochum oder Rostock hat ihn allerdings noch nie interessiert.
Und Bernd „Schnix“ Schneider ist tatsächlich brasilianischer als die Brasilianer, zumindest als die Brasilianer vom Spiel gegen Kroatien.
Knapp 25 Millionen Zuschauer hatte die ARD gestern bei dem Spiel, dazu noch ein paar Millionen Premierezuschauer und alle, so denke ich, waren schwer begeistert von der Stimmung, vor allem aber von der Spannung. 28 Millionen Fernsehzuschauer, die ein tolles Spiel sehen, nur ich muss in dieser WG ausgerechnet vor dem einzigen notorischen Nörgler unter diesen 28 Millionen sitzen. Von Haus aus recht friedlich, hätte ich diesem Kerl, der alles Scheiße fand, was da auf dem Platz passierte und der später noch flehentlich um Fehler der deutschen Spieler bat, eigentlich gerne das Maul gestopft. Ich habe es dann aber angesichts des Jubels über das Siegtor vergessen, und später war er im Getümmel nicht mehr auszumachen.
Überhaupt war nach dem Spiel die gesamte Düsseldorfer Altstadt in schwarz-rot-gold respektive weiße Trikots der Nationalmannschaft gehüllt. Hupkonzerte, an denen sich sogar die Insassen der dort häufiger anzutrefenden Luxuskarrosen beteiligten, zahllose Menschen, die komplett in die deutsche Fahne gehüllt waren und was ich besonders erstaunlich fand: Ein großer Anteil dieser Leute war augenscheinlich nicht deutschen Ursprungs. Ob der eine oder andere davon jetzt einen deutschen Pass besitzt oder nicht: Früher hätte ich von den meisten dieser Leute eine geballte Faust in der Tasche erwartet, enttäuscht darüber, dass sie wegen der fehlenden Niederlage nicht ihre Häme ausschütten können.
Die Verkäufer von Fahnen und Nationaltrikots erleben gerade paradiesische Zustände. Und auch in Düsseldorf wurde die ganze Nacht lang „Schland!“ oder „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ skandiert. Es wirkte fast, als hätten wir das Turnier gewonnen. Wahrscheinlich hat aber der höchst dramatische Spielverlauf seinen Teil zu dieser orgiastischen Entladung beigetragen. Auch in einem anderen Blog (Link leider inzwischen tot) ist von der sexuellen Wirkung dieses Spiels die Rede und ich oute mich hier gerne, dass ich nach dem Siegtor eine SMS mit dem Inhalt „Das war besser als ein Orgasmus.“ in die Nacht schickte und es trotz der paar Biere, die beim Formulieren dieser SMS involviert waren, auch heute Mittag noch so sehen würde.
Ich hoffe, es bleibt nicht der letzte Höhepunkt bei der WM aus deutscher Sicht.
Bleibt mir nur noch festzuhalten, dass es immer noch unverständlich ist, warum das Finale in Berlin und nicht in Dortmund stattfindet.
3 KommentareNäheres zu diesem mitreißenden Spiel morgen (bzw. heute). Ich habe schon den ganzen Rückweg lang überlegt, wann mich das letzte Mal ein Spiel der Nationalmannschaft so gepackt hat. Einfall Nummer Eins war das Halbfinale 1982, aber das wäre ein bißchen arg lang her.
Wahrscheinlich fallen mir morgen noch ein paar jüngere Gelegenheiten ein. Jetzt aber geh ich erst mal selig schlafen, denn ich bin ein bißchen schlafsamig. Ein wenig Neid und viel Gönnerei an meinen Teammanager Eckhard, der live im Stadion dabei war. Muss grandios gewesen sein. Ich hoffe, er hatte seine Betablocker dabei.
7 KommentareDer Spiegel schreibt, was hier aus bekannten Gründen nicht verlinkt wird, über das Ende von Ronaldos gestrigem Diensttag:
„Durch einen Geheimgang in den Katakomben des Olympiastadions entkam er den Medien.“
Ja, es ist bitter, aber die Stiftungwarentest hatte doch recht. Wenn es einen Geheimgang in dem Stadion gibt, über den man ungesehen entkommen kann, ja, dann kann man über diesen Geheimgang auch ungesehen ins Stadion kommen. Wahrscheinlich nutzte der Flitzer der Partie Brasilien — Kroatien genau diesen.
Einen Kommentar hinterlassen… = Sprechpause des Kommentators
(…) = Auslassung im Transkript
VERSALIEN = besonders intensiv betonte Wörter
Und wir lassen jetzt mal langsam die Mannschaften hineinkommen. Es ist angerichtet. Noch sind bis jetzt nicht alle Plätze hier in Berlin im Stadion besetzt. Es gab LANGE Schlangen draußen.
Die haben ihre Plätze schon gefunden.
…
Und die Brasilianer, sie strotzen nur so vor Selbstvertrauen, ich hab mal nachgeschaut, seit 1934 haben die Brasilianer bei einer Weltmeisterschaft kein Auftaktspiel verloren.
…
Die sehen ja richtig aus wie Bodyguards, die Unparteiischen, Archunda Tellez aus Mexiko begleitet von (…) und (…).
…
[Mannschaften laufen ein]
[Nationalhymne von Brasilien läuft]
[Hymne von Kroatien folgt]
…
Gänsehautgefühl hier in Berlin, im Olympiastadion!
Ja, und ganz Brasilien erwartet den sechsten WM-Titel. Der Staatspräsident hat sich erst zum Finale angemeldet. Eine frühere Anreise würde wohl nicht verziehen. Das ist eine schöne Mischung aus Arroganz und Selbstvertrauen.
Selten gab es einen größeren Favoriten als Brasilien bei dieser WM. Alle sind sich einig, dass der Titel nur über die Spieler von Parreira führen wird. Und die große Frage ist, wie kann man diese Brasilianer stoppen?
Letzte Information: ein neuer Haarschnitt von Kaka war tagelang Thema in der Presse von Brasilien.
Das ist noch mal Archunda Tellez, hat zahlreiche Spiele in der Qualifikation gepfiffen, dazu Spiele bei der Copa America und Copa Libertadores, ist 40 Jahre alt und Zahnarzt.
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Gemeinsam die Kräfte sammeln. Altmeister Pelé hat einen klugen Satz gesagt: Die Favoritenrolle, das ist der komplizierteste Gegner Brasiliens.
…
Anstoß für den alten Weltmeister, der auch der neue sein will. CAFU!
Roberto Carlos.
…
Ronaldinho.
…
Da, und erster Ballbesitz für das kroatische Team.
…
Also wenn man jetzt mal zurückblickt, da sehen wir den Mann mit der Nr.4, Robert Kovac, das deutet sich doch so an, als wenn er einen klassischen Libero spielen wird.
Erster Ballverlust, Adriano, und Kovac.
Tudor war da derjenige, der ein bißchen zappelig war und diesen Fehlpaß spielte.
Jetzt zum Eckball sind sie alle zurückgeeilt.
Dado Prso steht am ersten Pfosten.
Lucio.
Roberto Carlos.
RECHTS WIE LINKS! Seine alte Schussstärke hat er nicht verloren.
Wir schauen noch mal hin.
Die Körpersprache von Pletikosa ist klar: Konzentriert euch, seid sofort…
