Crashkurs rheinische Mentalität Naivität

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Selten so gelacht.

Man sieht mal wieder, wie wenig Vorstellung die Benutzer dieser Sprache davon haben, wie schwierig es ist, Deutsch als Fremdsprache zu erlernen. Dieter Prestin spricht im Interview bei 11Freunde anlässlich des rheinischen Derbys zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln darüber, dass diese Derby-Stimmung eigentlich nur noch bei den Fans vorherrsche, die Spieler selbst meist, da sie aus aller Herren Länder kämen, das Spiel nur als eines unter vielen betrachteten. Was bedauerlich sei. Er habe nichts gegen Ausländer, aber so entstünde nun mal keine Derby-Stimmung auf dem Platz, im Spiel selbst. Recht hat er.

Was man denn dagegen tun könne, wird er auch gefragt. Sein Vorschlag ist, vermehrt deutschsprachige Spieler einzukaufen, die würden ja dann wissen, was Gladbach gegen Köln einmal bedeutete, fußballerisch. Klingt noch plausibel, wenn auch nicht unbedingt bezahlbar. Sein zweiter Vorschlag lässt allerdings ordentlich das Zwerchfell vibrieren:

Oder man versucht den Spielern in Crashkursen die deutsche Sprache beizubringen.

Wie wäre es denn mit:

„Im Crashkurs zum Astrophysiker“?
„Vom Anfänger zum Konzertpianisten in nur 3 Tagen“?
„Vom Abitur direkt in die Rente, ohne Umschweife“?

Um dem geneigten Leser ein paar Vergleichsdaten an die Hand zu geben: Durchschnittliche Akademiker lernen jeden Tag etwa 5-6h lang Deutsch, ein halbes Jahr lang jeden Tag 5-6h und können danach zwar ca. 95% der Kommunikation verstehen, beherrschen aber immer noch weit unter 50% der deutschen Grammatik, vom Wortschatz ganz zu schweigen. Das will Dieter Prestin, dem das Vermögen, Deutsch zu sprechen, zu seinem Glück qua Geburtsort in die Wiege gelegt worden ist, von durchschnittlichen Fußballern mal eben so in 2-3 Wochen in der Sommerpause runterreißen lassen.

Hoho.

Und die eigentlich wichtigere Frage: dann könnte ein Spieler deutsch sprechen — hätte er dann plötzlich rheinische Derby-Mentalität im Blut, wenn sein Geburtsort weiterhin in Rumänien oder den USA liegt, wo er auch aufgewachsen ist?

9 Kommentare

  1. Ich persönlich habe ja bei „ich habe nichts gegen ausländische Spieler, aber“ aufgehört weiterzulesen.

  2. Oder besser gesagt nicht weitergelesen oder aufgehört zu lesen. Da fängt es schon an mit der deutschen Sprache.

  3. Vermehrt Deutsche? Frage mich gerade wie ein Bayer und ein Sachse rheinische Derbykultur empfinden können …

  4. Zumal der größte Witz an der Forderung ja darin besteht, tatsächlich einen Crashkurs (!) zu fordern. Wo „Crashkurs“ doch eines der ältesten deutschen Wörter überhaupt ist. Der Crashkurs wird dann sicher auch jedes Jahr geupdatet und kann von den Spielern als App auf ihr iPhone gedownloadet werden. Herrlich!

  5. Sehr schön – zum Thema Rheinderby, nicht zum Thema idiotischer Crashkurs – auch folgender Link (bzw die Äußerungen von Herrn Meier):
    http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/Polizei-Grossaufgebot-beim-Rhein-Derby-in-Koeln-id2758265.html

    Schön, dass er trotz der drohenden kriegsähnlichen Zustände davon ausgeht, dass man als Zuschauer sicher wieder aus dem Stadion kommt… Und siehe da, überraschender Weise tatsächlich keine Toten…

    *ironie aus*

  6. Vielleicht hat die Besonderheit eines Derbys auch gar nichts mit der Herkunft der Spieler und deren Verständnis für Geschichte zu tun, sondern einfach nur mit sportlicher Brisanz. Und die geht den beiden Rheinländischen dann doch ein bisschen ab, wie gestern zu sehen war. Da kann auch ich diesem Spiel überhaupt keine vermehrte Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, ganz unabhängig von Sprache und Herkunft.

  7. Prestin sollte sich mal bei beispielsweise Bordon erkundigen, wie der das macht mit der inneren Derbystimmung. Bei dem ist zwar immer Kirmes auf dem Platz, aber trotzdem: was der regelmäßig an Äußerungen raushaut vor, während und nach Spielen gegen Dortmund, da ist Kevin Großkreutz ein Appeaser vor dem Herrn.

  8. Pingback: eingeNETzt 21/03/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin

  9. „Interview bei 11 Freunde“? Schönes Deutsch klingt anders.



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