Der eine, feine Pass

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Nur-Fußball-Gucker jetzt bitte mal weg-gelesen. Lest heute bitte woanders weiter.

Es geht heute um den einen Pass. Nein, nicht um den Pass, der das Siegtor bringt. Sondern um den einen Pass, der die eigene Glückseligkeit bringt. Der eine Pass (pro Spiel/pro Saison, mal so, mal so), der dazu führt, dass man das Gefühl hat, dass man Fußball doch spielen kann. Man spielt viele Pässe pro Spiel, pro Saison natürlich noch mehr. Man spielt immer viele Pässe. Aber nur wenige sind dazu in der Lage, einem das Gefühl zu geben, dass man doch das Spiel verstanden habe. Dann kommt er an (sonst wäre er ja nicht der Pass), dann macht der Stürmer, wie immer, wieder einen großen Mist daraus. Aber das stört nicht. Man geht nach Hause, die Gasse, die man den Pass gerade hinunter gespielt hat, wieder hinauf, macht einen glücklich. So viele Zweifel, so viele Argwöhner.

Aber dieser Pass da, der dokumentiert: Man kann doch Fußball spielen. Und verstehen. Danke. Gute Nacht. (Und jedes eigene Gehirn weiß genau, wann ein Pass genau so gewollt war und wann nicht.)

11 Kommentare

  1. Für mich persönlich ist nur dann ein Pass „besonders“ oder „erinnerungswürdig“, wenn der Stürmer auch etwas daraus gemacht hat oder er während eines erfolgreichen Angriffes geschah. Zumindest kann ich mich gerade nur an Pässe mit Freude erinnern, bei denen später auch das Tor fiel.

  2. Als gelernter Mittelstürmer war ich leider meistens der, der immer den Mist gemacht hat…nicht den Pass.

    Musste beim lesen allerdings an den Film „looking for eric“ denken, in dem Eric Cantona (gefühlte 839 Tore) die in seinen Augen beste Aktion seiner Karriere beschreib. Und das war ein Pass :)

  3. Die Krönung ist der erfolgreiche Doppelpaß.

    Du spielst den Ball genial-diagonal im genau richtigen Moment zwischen drei Gegnern hindurch in den Lauf des Mitspielers, der gar nicht mehr anders KANN als ihn zurücktropfen zu lassen, und dann schiebst du ihn cool und überlegt in den Winkel.

    Das zeugt von Genialität, Torriecher und auch noch Teamgeist. Wenn sowas gelingt ist das wie eine Mischung aus Sex, Bier und Steak^^

  4. Jo, dieser Pass, der zumindest mich glücklicher zurücklässt als fast alle selbst erzielten Tore. Den kenn ich, der macht Spaß!

  5. Nönö, der Doppelpass ist beileibe nicht so befriedigend, wie das Gefühl, den Glitch in der Matrix ausgenutzt zu haben. Egal, was der Stürmer draus macht. Mancher mag übrigens das erfolgreiche Dribbling ähnlich wertschätzen, aber so eine Vorliebe macht einsam. Vor allem, wenn man das ganze Spiel auf der Suche nach dem perfekten Dribbling ist, nach der Lücke im System, während die Mitspieler das Gras durch ihre Schuhsolen wachsen spüren. Zum Glück bin ich dieses Laster irgendwann losgeworden.

    Sehr geil ist übrigens auch der eroberte Ball, sei es aus einem geschickten Zweikampf oder besser noch, der Antizipation der gegnerischen Passwege. Aber den einen Passweg zu finden, der eine komplett neue Spielsitation schafft – mittlerweile auch meine Nummer eins. Da kommt einfach noch mehr an Qualität zusammen, die das Fußballspiel ausmacht. Da kann kein Tor gegen an.

    Der Moment der Erkenntnis, die Bewegungsvektoren aller Spieler auf dem Platz richtig berechnet zu haben, um den Raum auszumachen, an dem der Ball die Pläne und Erwartungen aller Beteiligten über den Haufen wirft – außer dem eigenen genialen Geistesblitz. Der Moment des Bangens, ob das kurze Zeitfenster sich womöglich wieder schließt. Die Genugtuung, wenn der kurze Blick in die Zukunft sich als wahr erweist. Das Glück, die technische Präzision im richtigen Moment abrufen zu können, die der Vision Gestalt verleiht. Das Gefühl, Fußballspiel zu erleben, wenn der Ball den vorbestimmten Weg nimmt und den Mitspieler findet. Perfektion.

    So Trainer. Zeit wird’s, dass wir mal zusammen auf den Platz kommen! Der Frühling ruft.

  6. Uwe Bein muss ein glücklicher Mensch sein.

    Aber zu einem anmutig-tänzelndem, Raum und Zeit einfrierenden (Doppel-)Pass, gehört unbedingt auch ein Urknall von Abschluss: so aus 14 – 16 Metern, nach dem man den Ball in vollem Lauf derart perfekt trifft, das er ohne Rotation, kerzengerade unter die Latte donnert. Das muss dann auch noch nicht mal ein Tor sein.

  7. Achja: danke für das Wort zum Wochenende, Trainer! In dieses gehe ich nämlich mit einem seeligen Grinsen.

  8. Die perfekte Flanke. Leicht angeschnitten dreht sie sich im perfekten Kraft-/Gefühl-Verhältnis durch den Strafraum, senkt sich auf Höhe des zweiten Pfostens leicht herab, so dass der Stürmer nur noch den Kopf hinhalten muss, um das Ding reinzudrücken.
    Ich gebe zu, dass hat nicht mit Spielverständnis zu tun, vor allen Dingen, weil der Flanke wohl eine stumpfes Überrennen des Gegners an der Seitenlinie vorausging. Aber ein präzise, den 16er durchschneidende Flanke… hach…

  9. Pingback: Trainer Baade » Der genialische Moment (wird gemeinhin falsch verstanden):

  10. Abgesehen vom eigenen großartigen Gefühl (uneingeschränkte Zustimmung, Trainer):
    Mir war (und ist) ein Lob für einen brillanten – naja, lassen wir die Kirche im Dorf und sagen: gelungenen – Pass auch immer deutlich mehr wert als das für ein Tor. Vermutlich ein wenig damit zu erklären, dass das Tor von jedem dahergelaufenen „Hach ist das alles aufregend“-Zuschauer als solches erkannt wird, während man demjenigen, der die Qualität des Passes erkennt, zumindest ein wenig Sachverstand zutraut. Da sind dann die Fachleute unter sich ;-)

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