Der Kaiser von China oder Eigentore in Serie

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Der Kaiser von China — bin ich.

Lothar Matthäus im „Exklusiv-Interview“ mit Eurosport:

„Ich könnte auch auf englisch oder italienisch mit den Spielern reden.“

Wenn das so ist, kann ich auch Interviews auf Arabisch geben, denn ein „Ich hoffe, wir gewinnen die Meisterschaft“ kann ich auch gerade so noch vom Zettel ablesen, wenn man mir diesen Zettel schriebe.

Hat er immer noch nicht verstanden, dass es genau solche Aktionen sind, die dazu führen, dass ihn keiner will? Jetzt sitzt der Kleingeist in der Ecke und beim ersten Interview schafft er es gerade noch so, den Bayern und auch seinem Intimfeind zu gratulieren, beim zweiten redet er sich dann schon wieder um Kopf und Kragen, wie man es gewohnt ist.

Man hat das Glück gehabt, bei einer Weltmeisterschaft den dritten Platz zu holen. Aber darüber kann man auch diskutieren, ob das als Erfolg zu werten ist. Die Begeisterung war groß in Deutschland, aber als einer der Titelfavoriten zu starten und Dritter bei einer Heim-WM zu werden, das relativiert für mich einiges.

Man erinnert sich gerne an die herausragende Vorstellung, die Ungarn bei diesem Turnier nach dem Durchmarsch durch die WM-Qualifikation gegeben hat. Und auch wenn zugegebenermaßen Ungarn seit Jahrzehnten nicht mehr dasselbe Kaliber hat wie Deutschland, so ist ein 0:2 in den letzten 3 Minuten der Verlängerung vor dem Finaleinzug mit einer Mannschaft, die noch 2 Jahre zuvor kein einziges Turnierspiel gewann, unstrittig ein Erfolg und nur wer gerne andere Leute ansaugt oder eben beleidigt in der Ecke steht, der wird diesen dritten Platz madig machen wollen.

Ich hatte auch ein Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge, aber darüber möchte ich nicht sprechen.

Argh, dann tu es auch nicht! Es ist ja nicht zum Aushalten. Ich wünschte es würde Nacht oder ein D-Zug würde zufällig diesen unerträglichen Seierkopf endlich überfahren (das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, bevor ich mich hier noch justiziabel mache …).

Was für ein Gefühl es eigentlich sein muss, mit ebenjenem ein Interview zu führen? Man muss doch arg aufpassen, nicht prustend in Lachen auszubrechen, sofern man bei Verstand ist.

11 Kommentare

  1. Selbe Gedanken beim Lesen des Interviews gehabt

  2. Sowas wirft ja eine Frage auf: was würde einer, der ‚auch auf englisch oder italienisch mit den Spielern reden‘ könnte, wohl für immense Erfolge in -hmmh, na, meinetwegen Ungarn, Serbien oder Brasilien haben?
    Dazu fällt mir der Weltklasseübersetzer ein, der sich einst nicht entblödete, ‚May the Force be with you‘ mit ‚Am 4.Mai sind wir bei ihnen‘ zu übersetzen
    (http://www.uebelsetzt.de/?p=162) .

  3. Schade, dass ich grad keine Zeit zum Recherchieren habe… aber ich glaube mich dunkel zu erinnern, dass Loddar vor dem WM keinesfalls vom „Favoriten Deutschland“ gesprochen hat… naja, so drehen sich die Fahnen und der gute Alte kann auf einmal selbst Englisch

  4. „Uli Hoeneß nannte in der „Sport Bild“ kurz noch den Namen des Kandidaten, über den man im Falle einer Absage Klinsmanns nachgedacht hätte: nicht Matthäus, nicht Mourinho, sondern der Mainzer Jürgen Klopp wäre das gewesen.“

    Der Kloppo!

  5. Ich hatte das Vergnügen mit Herrn Matthäus bei seinem Abstecher nach New York. War bei der ersten Pressekonferenz. Habe ihn beim Training besucht und mit ihm ausführlich gesprochen. Und dann wieder nach seinem ersten Heimspiel. So sind ein paar Texte entstanden die man im Archiv der FAZ und des Tages-Anzeiger nachlesen kann. Ich habe ihn als faszinierenden Sonderfall des journalistischen Alltags erlebt: Ein Mann, der bereit ist, Reportern, die er gar nicht kennt, umfassend Auskunft zu geben, der bereit ist, Soundbites zu liefern, weil er weiß, was die Journalisten – wirklich – wollen. Und der immer hofft, dass diese Haltung – in der Summe – seiner Karriere hilft. Hat es ja auch – irgendwie – sonst wäre er nicht auf diesen Außenposten des Weltfußballs Trainer geworden. Ohne die Spur eines Leistungsnachweises.

    Dass er kein Verhältnis zur Realität besitzt, mag man ihm vorhalten, würde ich aber ab irgendwann ignorieren wollen. Ich habe ihn schon damals öffentlich als den Prototyp des Scheinriesen aus „Jim Knopf“ charakterisiert. Der Mann war nämlich auch als Fußballer in seinen besten Zeiten nicht so gut wie so viele Leute behauptet haben. Eine Art Vor-Beckham ohne das Spice-Girl-Management und die Gossipflut des Londoner Boulevard.

    Es wird Zeit, den Mann dorthin in den Schrank zu hängen, wo er schon immer hätte hängen sollen: Ganz tief hinten im Dunklen. Weltfußballer 1991 und 1992? My ass.

  6. Im Schrank ist kein Platz mehr. Da hängen schon die Gürtel, die zu den Schuhen passen müssen. ;-)

  7. Ein schönes Interview, das offenlegt, wie gestört dieser Mann doch wirklich ist. Ich glaube, noch nicht einmal Super Mario könnte ihn toppen. Und das will schon was heißen…

  8. Und sein „Gespräch “ mit Rummenigge war im November an meinem Geburtstag, wie man heute bei SPON lesen konnte. Diese Chuzpe ist echt unglaublich.

    So lange er nicht begreift, dass das seiner Karriere, zumindest in Deutschland, nicht weiterhilft, brauchen wir hier wohl keine Angst haben, dass er irgendwo Trainer wird.

  9. Der gute Mann denkt aber schon ziemlich viel nach.

    „Ich denke, dass man darüber diskutieren kann.“
    „Diese Frage stelle ich mir auch, denn ich habe sehr viel nachgedacht.“
    „Ich mache mir über mich selbst Gedanken.“
    „Wie gesagt, ich mache mir einige Gedanken.“

    Jetzt muss er diese nur noch in eine produktive Richtung kanalisieren.

  10. „Ich hatte auch ein Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge, aber darüber möchte ich nicht sprechen. […] Ob Jürgen Klinsmann jetzt die 1a- oder die 1b-Lösung war, bleibt einmal dahin gestellt.“

    …fand ich ja den Höhepunkt des Interviews. Großartig.

  11. Irgendwann in den 80er-Jahren hat Lodda mal gesagt: „Ich brauche das Gefühl, dass ich wichtig bin.“ Alle Äußerungen, die er danach präsentiert hat, dienten eigentlich nur der Bestätigung dieser These.



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